Die große Flüchtlings-Fälschung

Schmuel Katz, Jerusalem Post, 18. September 2003

Die Geschichte der Araber, die die Küstengebiete Palästinas im Frühjahr 1948 verließen, schließt eine der größten internationalen Fälschungen des 20. Jahrhunderts mit ein. Die Araber sind die einzigen zu Flüchtlingen erklärten „Flüchtlinge“, die durch die Initiative ihrer eigenen Führer zu Flüchtlingen wurden.

Das Gebräu dieses monströsen Vorwurfs, es seien die Juden gewesen, die die Araber aus Palästina hinaus getrieben hätten, war eine strategische Entscheidung, die von den Führern der Arabischen Liga getroffen wurde, Monate nach der Flucht der Araber.

Die arabischen „Flüchtlinge“ wurden von niemandem vertrieben. Die übergroße Mehrheit verließ das Land auf Befehl oder Ermahnung ihrer Führer – immer mit der selben Versicherung: dass es den arabischen Staaten in ihrem Krieg helfen würde, den sie zur Vernichtung des Staates Israel beginnen würden.

Die Fälschung kann am einfachsten durch den simplen Umstand entdeckt werden, dass zu der Zeit, als der behauptete Rauswurf der Araber durch die Zionisten im Gange war, dieser von niemandem bemerkt wurde.

Auslandskorrespondenten traten sich in dem Land auf die Füße, waren in täglichem Kontakt mit allen Seiten – und sie schrieben tatsächlich über die Flucht der Araber, aber selbst die den Juden am feindlichsten gesinnten sahen nichts, was sie andeuten ließ, dass die Flucht nicht freiwillig geschah.

In den drei Monaten, in denen der größte Teil der Flucht statt fand, veröffentlichte die „London Times“, eine Zeitung, die sich dem Zionismus gegenüber überaus feindselig verhielt, elf Leitartikel über die Lage in Palästina, zusätzlich zu umfangreichen Nachrichten-Artikeln. In keinem gab es auch nur einen entfernten Hinweis darauf, dass die Zionisten die Araber aus ihren Häusern vertrieben.

Und noch wichtiger: Kein einziger Sprecher der Araber erhob einen derartigen Vorwurf. Als die Flucht ihren Höhepunkt erreichte, gab der Chef-Repräsentant der palästinensischen Araber bei der UNO, Jamal Husseini, eine lange politische Erklärung ab (am 27. April), der es in nichts an Feindseligkeit gegenüber den Zionisten fehlte; er erwähnte keine Flüchtlinge. Drei Wochen später (als die Flucht immer noch im Gange war) gab der Generalsekretär der Arabischen Liga, Azzam Pascha, eine politische Erklärung zu Palästina mit einer heftigen Wortwahl ab; sie enthielt nicht ein Wort über Flüchtlinge.

Warum gingen sie? Monsignore George Hakim, damals griechisch-katholischer Bischof von Galiläa und viele Jahre lang die führende christliche Persönlichkeit Palästinas, sagte gegenüber der Beiruter Zeitung „Sada al-Janub“ im Sommer 1948: „Die Flüchtlinge waren sicher, dass ihr Abwesenheit nicht lange andauern würde und dass sie innerhalb von ein bis zwei Wochen zurückkehren würden. Ihre Führer hatten ihnen versprochen, dass die arabischen Armeen die „zionistischen Banden“ sehr schnell vernichten würden und dass es keinen Grund für Panik oder die Furcht vor einem langen Exil geben würde.“

Der Auslöser der Flucht war tatsächlich kein Geheimnis. Einer der berühmten amerikanischen Zeitungsleute der damaligen Zeit, Kenneth Bilby, der seit Jahren über Palästina berichtete, erklärte die Erklärung der arabischen Führer für die Flucht in seinem Buch „New Star in the East“ (Ein neuer Stern im Osten), das 1950 veröffentlicht wurde:

„Lasst die Araber in die benachbarten Länder fliehen. Es dient dazu, die anderen arabischen Länder zu mehr Einsatz anzustacheln, und wenn die arabische Invasion zuschlägt, können die Palästinenser in ihre Häuser zurückkehren und mit dem Eigentum der ins Meer getriebenen Juden entschädigt werden.“ [Anmerkung heplev: Es handelt sich um eine Darstellung durch den US-Journalisten. Die Araber haben sicher nicht „Palästinenser“ gesagt, da sie diese Bezeichnung strikt ablehnten.]

Außerdem gibt es einen pikanten Bericht in den Akten der britischen Polizei in Haifa, wie die Führer der jüdischen Gemeinschaft die Führer der arabischen Gemeinschaft anbettelten, Haifa nicht zu verlassen; und dass die Araber das ablehnten. In den Annalen des UN-Sicherheitsrats gibt es zudem eine Rede von Jamal Husseini, der die Araber Haifas mit Lob überschüttet, weil sie sich weigerten, vor Ort zu bleiben und hartnäckig darauf bestanden, ihre Häuser zu verlassen. Die britische Polizei stellte ihnen freundlicherweise Transportmöglichkeiten zur Verfügung und half den Arabern von Haifa die Grenzen zum Libanon und Transjordanien zu passieren.

Als vier Monate nach der Invasion die Aussicht der Geflüchteten auf eine Rückkehr „in ein paar Wochen“ verblasst war, gab es einige Schuldzuweisungen. Emil Ghoury, Mitglied der nationalen Führung der palästinensischen Araber, sagte in einem Interview mit dem Beiruter „Daily Telegraph“: „Ich will niemanden angreifen, sondern nur den Flüchtlingen helfen. Die Tatsache, dass es diese Flüchtlinge gibt, ist die direkte Folge des Handelns der arabischen Staaten in Opposition zur Teilung und dem jüdischen Staat. Die arabischen Staaten einigten sich auf einstimmig auf diese Politik und sie müssen sich an der Lösung des Problems beteiligen.“

Die im Land übernommene Politik wurde durch die Führer der Invasion betont. Der Premierminister des Irak, Nuri Said, donnerte: „Wir werden das Land mit unseren Waffen zerschlagen und jeden Ort auslöschen, an dem die Juden Schutz suchen. Die Araber sollten ihre Frauen und Kinder in sichere Regionen bringen, bis die Kämpfe abgeklungen sind.“

Einer der geflohenen Araber fasste später die Geschichte der Flüchtlinge in der jordanischen Zeitung „Al-Difaa“ kurz und bündig zusammen: „Die arabischen Regierungen sagten uns: Geht da weg, damit wir dort hin gehen können. Also gingen wir, aber sie gingen nicht hin.“

Später, nachdem das Kämpfen begann, glaubten viele arabische Dorfbewohner die falschen Gerüchte über ein Massaker im Dorf Deir Yassin, „gerieten in Panik und flohen schmachvoll, bevor sie durch das Fortschreiten des Krieges bedroht wurden.“ Das schrieb der britische General Sir John Glubb, der die transjordanische Armee kommandierte. Den ganzen Krieg hindurch gab es zwei Vorfälle – in Ramle und Lod –, bei denen eine Anzahl arabischer Zivilisten von israelischen Soldaten aus ihren Häusern vertrieben wurden.

Die gesamte Zahl der evakuierten Araber, selbst nach den Statistiken des britischen Mandats, konnte nicht mehr als 420.000 betragen haben. Diese Zahl bestätigt auch grob die von arabischen Quellen und der UNO veröffentlichten Zahlen.

Die zentrale, grausame Tatsache ist, dass die arabischen Staaten – die ihre Notlage herbei geführt hatten – verweigerten ihnen Aufenthaltsrechte; und die Idee wurde geboren, dass die in Lagern bleiben und als Waffe für die Vernichtung Israels benutzt werden sollten. „Die Rückkehr der Flüchtlinge“, sagte Ägyptens Präsident Nasser Jahre später, „wird das Ende Israels bedeuten.“

Unmittelbar nach dem Krieg wurde der Flüchtlingsbetrug in eine internationale Operation entwickelt. Sobald die UN Katastrophen-Hilfsorganisation den aus Palästina geflohenen Arabern Lebensmittel zur Verfügung, Hütten, Kleidung und medizinische Versorgung zu stellen begann, stürmte in allen arabischen Staaten eine Menge bedürftiger Araber die Lager. Die Organisation hatte keine Mittel für deren Identifikation; also trugen sich die Ankommenden einfach in als Flüchtlinge in die Register ein und erhielten kostenlose Hilfen.

Bereits im Dezember 1948 berichtete Sir Rafael Cilento, der Direktor der Hilfsorganisation, dass er 750.000 „Flüchtlinge“ versorgte. Bis Juli 1949 berichtete die UNO, dass es rund eine Million waren.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz schloss sich der Party an. Es drängte auf die Anerkennung jedes mittellosen Arabers in Palästina als Flüchtling. Auf diese Weise wurden 100.000 Personen mit auf die Liste gesetzt.

Um ein wenig Sarkasmus hinzuzufügen: Die Beamten des Roten Kreuzes schrieben über die zusätzlichen Menschen, dass „es sinnlos wäre, sie zum Verlassen ihrer Häuser zu zwingen, um Lebensmittel als Flüchtlinge zu erhalten“.

Also blieben diese Menschen Zuhause, erhielten ihre kostenlosen Dienste dort und wurden in die Liste der Flüchtlinge eingetragen.

Auf diese Weise und durch weitere, erwartbare Mittel humanistischer Fälschung haben wir eine große, amorphe Masse Araber in der dritten Generation, die alle komfortabel in offiziellen UN-Listen als arabische Flüchtlinge zusammengefasst sind, als „Opfer der israelischen Aggression“ beschrieben werden und das Recht auf „Rückkehr“ verlangen.

Während jedermann in Israel die arabische Forderung nach Akzeptierung einer Rückkehr der „Flüchtlinge“ zurückgewiesen hat, hat die Regierung den Gedanken nicht abgelehnt, dass das Problem der Flüchtlinge diskutiert werden wird, sollten Verhandlungen über eine Regelung statt finden. Mehr noch: Es hat Gerede von „Kompensation“ durch Israel gegeben.

Es hat sogar Stimmen gegeben, die die Rückkehr einiger „symbolischen Wenigen“ der Flüchtlinge andeuten.

Israel muss von Anfang an und für alle Zeit eindeutig solche Ideen ablehnen.

Ein für alle Mal muss Israel daran erinnern, wer daran erinnert werden muss, dass die Verantwortung für die vertriebenen Araber einzig und absolut bei den arabischen Staaten liegt. Ihre völlig unprovozierte Invasion des Territoriums Israels im Mai 1948 war ein Verbrechen.

Ihre erklärte Absicht war ein Verbrechen. Sechstausend israelische Staatsbürger wurden in diesem Krieg getötet und tausende andere wurden verwundet. Es waren die arabischen Staaten, die die arabische Bevölkerung zur Evakuierung aufrief, alles, um die Erreichung ihrer bösartigen Absicht zu erzielen.

Es ist eine Dreistigkeit von historischem Ausmaß und Bedeutung von Israel zu verlangen, auch nur einen Zentimeter aufzugeben oder einen Pfennig der Kosten des Flüchtlingsproblems zu bezahlen. Und es ist für jeden Sprecher Israels gefährlich, auch nur der Teilnahme an jeglicher Diskussion der Frage zuzustimmen – egal, in welchem Forum oder in welchem Zusammenhang auch immer.

Die israelische Regierung hätte schon lange erklären sollen – aber selbst jetzt ist es nicht zu spät: „Wir werden an keinerlei Diskussion über das so genannte Flüchtlingsproblem teilnehmen. Das ist ein Problem, das die arabische Nation selbst für sich in ihren weitläufigen Gebieten lösen muss.“

Der Schreiber hat gemeinsam mit Menachem Begin die Herut-Partei gegründet, war Mitglied der ersten Knesset und ist als Biograph und Essayist tätig.

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