Die Araber Palästinas

Martha Gellhorn, The Atlantic, Oktober 1961

Martha Gellhorn, Romanautorin, Journalistin und ehemalige Kriegskorrespondentin, ist vor kurzem von einer Reise in den Nahen Osten zurückgekehrt, wo sie das „palästinensische Flüchtlingsproblem“ als wirkliches Leben, mit echten Menschen sehen wollte. Hier berichtet sie, wie die arabischen Flüchtlinge und die arabischen Israelis leben und was sie über sich selbst, ihre Vergangenheit und ihre Zukunft zu sagen haben.

Nach Angaben arabischer Politiker und Apologeten ist dies das, was passierte, ist dies die authentische Sicht, sind dies die Fakten. Zweifel ist Verrat. Es kann nur eine Wahrheit geben, sagen die arabischen Politiker und Apologeten, und die gehört ihnen:

1948 fand ein Krieg zwischen fünf arabischen Staaten des Nahen Ostens und der Juden in Palästina statt. Dieser Krieg wurde von den Vereinten Nationen verursacht, deren Vollversammlung die Teilung Palästinas in zwei Staaten beschloss, einen für die palästinensischen Araber, der andere für die Juden. Die arabischen Staaten und die palästinensischen Araber wollten diese monströse Entscheidung nicht akzeptieren. Sie waren verpflichtet sich dagegen zu schützen, mit Gewalt. Die Vereinten Nationen handelten als Werkzeug der westlichen Imperialisten, insbesondere Großbritanniens und der USA. Die Vereinten Nationen wollten, dass die Juden den Beginn des Staates Israel erklärten. Mit Massakern, drohenden Radiosendungen, aufgesetztem Bajonett und der mörderischen Belagerung von Städten verrieben die Juden Hunderttausende Araber aus ihrem Heimatland. Dreizehn Jahre lang haben diese arabischen Flüchtlinge um Israel herum in Elend geschmachtet. Die Vereinten Nationen (westliche Abteilung) trägt die Verantwortung für diese Ereignisse und muss den Schaden beheben. Die Lebensbedingungen der Flüchtlinge ist eine ofene Wunde im Bewusstsein ehrenhafter Männer. Die israelische Regierung lehnt es ab die Flüchtlinge in ihrer Heimat willkommen zu heißen, die inzwischen an Zahl zu mehr als einer Million angeschwollen sind. Diese Ablehnung demonstriert die Brutalität und Unehrlichkeit Israels, einer abnormen Nation von Fremdlingen, die nicht nur unschuldige Menschen ins Exil zwangen, sondern auch ihr Eigentum stahlen. Für diese Ungerechtigkeit, der größten, die die Welt je gesehen hat, gibt es keine Lösung, außer alle palästinensischen Flüchtlinge nach Palästina zurückzubringen. Palästina ist ein arabisches Land, das infamerweise jetzt Israel genannt wird. Israel hat kein Recht zu existieren und die arabischen Nationen werden keine Friedensverträge mit ihm schließen, sondern werden, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, den Kriegszustand erhalten.

Die Details jedes einzelnen arabischen Falls variieren, wobei es auf das politische Klima des Augenblicks und das Publikum ankommt. Aber die Palästinenser bleiben immer das unbezahlbare, zentrale Thema. Der Fall wird in arabischen Ländern in blutigen Farben gemalt: Rache und Rückkehr. Für die westliche Öffentlichkeit ersetzen Tränen das Blut; der arabische Fall stützt sich auf das Leid der Flüchtlinge und ist ein Aufruf an das Gewissen, nicht ein Ruf zu den Waffen. Aber kein arabischer Staatsmann hat jemals endgültigen Frieden mit Israel versprochen, wenn denn die Million palästinensischer Flüchtlinge in ihr früheren Heime zurückkehren dürfen.

Die beste Art über diesen Fall nachzudenken, ist ganz nahe dran, indem man sich selber die palästinensischen Flüchtlinge ansieht, nicht als „Problem“, nicht als Statistik, sondern die Menschen. Die palästinensischen Flüchtlinge, zerschlagen durch dreizehn Jahre in der Arena der internationalen Politik, haben ihre Form verloren; sie erscheinen als ein Klumpen und man spricht von ihnen als ein einzelnes Objekt. Sie sind Individuen, wie jeder andere auch.

Trotz der einzigartigen Aufmerksamkeit und Interesse, die sie erhalten haben, trotz der einzigartigen Öffentlichkeit, die um unss herum tobt, sind die arabischen Flüchtlinge leider nicht einzigartig. Obwohl niemand genau weiß, wie viele Flüchtlinge überall auf dem Globus verteilt sind, wird geschätzt, dass seit dem Zweiten Weltkrieg, und nur seitdem, mindestens 93 Millionen nicht arabische Männer, Frauen und Kinder zu heimatlosen Flüchtlingen wurden – und nicht aus eigenem Willen. Ihre Zahl wächst jedes Jahr weiter; Angolaner sind der neueste Zusatz zu der langen Liste. Die Gründe für diese Entwurzelung sind immer andere, aber das Ergebnis ist dasselbe: die Entwurzelten haben verloren, was sie hatten und wo sie her kamen und müssen als gehandicapte Fremde ein neues Leben beginnen, wo immer man ihnen erlaubt zu leben.

Die Welt könnte diesen unfreiwilligen Wanderern gegenüber weit großzügiger sein, aber wenigstens hat die Welt nie daran gedacht sie auszunutzen. Sie sind als Menschen anerkannt, nicht als Faustpfand. Durch eigene Anstrengungen und mit Hilfe derer, die sich verpflichtet haben ihnen zu helfen, haben sechs Millionen der 93 Millionen sich einen Ort für sich eingerichtet, Arbeit gefunden und eine neue Chance auf eine Zukunft. Flüchtling zu sein muss nicht notwendigerweise ein lebenslängliches Urteil sein.

Das einmalige Unglück der palästinensischen Flüchtlinge ist, dass sie eine Waffe in dem sind, was ein permanenter Krieg zu sein scheint. Alarmierende Zeichen aus Ägypten warnen uns, dass die palästinensischen Flüchtlinge sich in mehr als eine Rechtfertigung eines kalten Krieges gegen Israel entwickeln könnten. Wir ignorierten seinerzeit Mein Kampf als das Toben eines Verrückten, geschrieben für den begrenzten Konsum Zuhause. Wir sollten gelernt haben niemals Diktatoren oder ihre Bücher zu ignorieren. „Die Befreiung Ägyptens“ von Gamal Abdel Nasser verdient sorgfältige Betrachtung. Es ist kurz, wenig reißerisch und sagt uns einmal mehr, dass eine Nation vom Schicksal dazu bestimmt ist zu führen – diesmal die arabischen Staaten, ganz Afrika, den gesamten Islam. Die palästinensisch werde nicht erwähnt; und heute bekommt man im Nahen osten eine Wiederholung des sinkenden Gefühl wegen der palästinensischen Flüchtlinge: Sie sind nur ein Anfang, kein Ende. Sie sollen herumhängen und ständig als nützlicher Antrieb dienen. Das Endziel ist nicht ein so unbedeutendes wie die Rückführung der Flüchtlinge.

Das Wort „Flüchtling“ ist mit Erinnerungen getränkt, die über zu viele Jahre und zu viele Ländereien in die Vergangenheit zurückreichen: Spanien, die Tschechoslowakei, China, Finnland, England, Italien, Holland, Deutschland. In Madrid wurden Kinder zwischen Artillerie-Angriffen in Lastwagen gesteckt, um woandershin gefahren zu werden, hinaus aus diesem Todes-Roulette, während ihre Mütter sich an die Heckklappen klammerten und weinend hinter den verwirrten, weinenden Kindern hergezogen wurden. In Deutschland schien am Kriegsende das gesamte Land voller umherziehender Verrückter zu sein – Sklavenarbeiter, Überlebende aus den Konzentrationslagern, die ein babylonisches Sprachenwirrwarr sprachen, alle gekleidet in was immer sie an Überresten ergattern konnten und in stehen gebliebenen Frachtwaggons nach Lebensmitteln nach Lebensmitteln durchsucht, während genau die Bahngleise [auf denen diese standen] bombardiert wurden. Von China bis Finnland definierten Menschen wie sie die Bedeutung des Begriffs „Flüchtling“.

Niemand würde sich wünschen auch nur eine blasse Nachahmung solcher Qualen wiederzusehen. Im Nahen Osten sollte es keine hoch explosiven Sprengstoffe geben, keine Konzentrationslager, aber die Szenerie, die man sich vorstellte, die man erwartete, war schlimm genug. Läuse, Rachitis und Tuberkulose, in der Hitze verrottende Körper, die Apathie der Verzweiflung. Warum hatte ich, im Jahr 1961, ein solches Bild der palästinensischen Flüchtlinge vor Augen? Offensichtlich wegen dem, was ich, als eine der lesenden Öffentlichkeit, die das übliche aufsog, gelesen hatte. Vorstellungen trieben durch die Luft wie Staub. Nichts, das ich gelesen oder gehört hatte, bereitete mich darauf auf das vor, was ich vorfand.

Wie sehen sie aus, die undifferenzierte Masse, die als „palästinensisches Flüchtlingsproblem“ bekannt ist? Was denken sie, fühlen sie, sagen sie? Was wollen sie? Wie leben sie, wo leben sie, was tun sie? Wer kümmert sich um sie? Auf was für eine Zukunft können sie hoffen, in realen Begrifflichkeiten, nicht in denen der Schlagworte, die, wie wir wissen, bedeutungslos, wenn nicht gar tödlich sind?

Die Kinder sind so schnell wie Vögel, respektlos wie Affen, mit großen Augen, die lachen wollen. Die jungen Mädchen bewegen sich – trainiert vom Tragen der Wasserkrüge oder anderer schwerer Haushaltsbündel auf dem Kopf – wie Ballerinas und sind in Sittsamkeit und Stille eingehüllt wie in Kokons. Den jungen Männern, grob oder fein geformt, ist die Hoffnung und der Stolz ihrer jungen Männlichkeit gemein. Die im mittleren Alter erscheinen bei beiden Geschlechtern unscheinbar. Danach tragen die Frauen, die rasch altern, aber nicht so rasch wie die Männer, ungemalte Erfahrung in ihren Gesichtern; sie sehen geduldig, humorvoll und stark aus. Wenn die Männer sichtbar alt geworden sind, verwandeln sie sich in eine Rasse von Granden. Ihre Farben, vom Säugling bis zu Patriarchen, reicht von der Goldfee bis zu dunklem Mahagoni, alles gewärmt vom Glanz der Sonne. Der Instinkt der Gastfreundschaft, die Eleganz des Manieren sind nicht übertrieben worden.

Die UNRWA (United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East), die ihre Rolle von früheren Versorgern erbte, ist seit elf Jahren die prächtige Mutter und Vater dieser Leute. Im Verlauf dieser Elternschaft hat die UNRWA rund 360 Millionen Dollar für die arabischen Flüchtlinge ausgegeben, Geld, das von den Mitgliedern der Vereinten Nationen gespendet wurde, dazu kommen kleinere, aber liebevolle Spenden von Wohlfahrtsorganisationen. Von dieser Gesamtsumme kommen mehr als $238 Millionen Dollar aus den USA, mehr als $65 Millionen von Großbritannien – aber über die Jahre verteilt und in schwankenden Mengen haben 61 Staaten, darunter Israel und der Heilige Stuhl, mit Bargeld geholfen. Die Sowjetunion hat nie auch nur einen Cent bezahlt. Das ist eine winzige Anmerkung an Arglist: Die arabischen Flüchtlinge bringen oft zarte Gefühlsregungen für die UdSSR zum Ausdruck, während die meisten Dorfsprecher die USA und England oder den Buhmann des „westlichen Imperialismus“ für ihr Exil verantwortlich machen.

In den so genannten „Gastgeberländern“ – Libanon, Jordanien, Syrien und Ägypten – betreibt die UNRWA 58 Flüchtlingslager. Die Lager in Ägypten befinden sich nicht in Ägypten, sondern im Gazastreifen, der zu Palästina gehört; Ägypten ist de facto Mandatsmacht, das Land und die Regierung des Gazastreifens sind palästinensisch. Die Mehrzahl der Lager in Jordanien sind auch auf dem, was Territorium Palästinas ist, inzwischen von Jordanien annektiert.

Der UNRWA ist bisher allerdings nie erlaubt worden eine ernsthafte Zählung ihrer Flüchtlingsbevölkerung vorzunehmen; daher sind Statistiken zur Zahl der Ex-Palästinenser nicht als die bestmögliche Schätzung; das sagt die UNRWA selbst. Mehr als die Hälfte der registrierten palästinensischen Flüchtlinge leben nicht in Lagern, sondern haben mehr oder weniger komfortable private Arrangements, die von erstklassigen Häusern an der Spitze bis zu von Hand errichteten, zusammengeschusterten Hütten am unteren Ende. Die UNRWA kalkuliert, dass Ende Juni 1960 in ihren Lagern 421.500 Flüchtlinge lebten, fast doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor. Der Vorteil des Lebens in den Lagern besteht darin, dass das Leben hier nichts kostet; und für die Armen ist der Standard der Unterkünfte und sanitären Anlagen in den UNRWA-Lagern besser als der der einheimischen Bevölkerung.

Das internationale Personal der UNRWA, Amerikaner und Westeuropäer ist klein an Zahl; 128 Männer und Frauen in vier Ländern. Die Masse derer, die den palästinensischen Flüchtlingen dienen, sind selbst palästinensische Flüchtlinge, etwas über 10.000. Die UNRWA betreibt einfach eine Welt, einen kleinen Wohlfahrtsstaat. Sie baut Dörfer, die Lager genannt werden, und hält sie sauber und frei von Krankheiten, füttert, bildet, bildet Lehrer und Techniker und Handwerker aus, betreibt Kliniken und Entbindungs-Zentren, schickt Gemeindeschwestern aus, ermutigt die Gründung von Kleinunternehmen mit kleinen Krediten, verteilt Kleidung, Seife, Kerosin, Decken, sorgt für Krankenhausaufenthalte, Fußbälle, Jugendvereine, Moscheen.

Die UNRWA ist ein freundliches, unparteiisches Elternteil; sie hat keine Lieblinge. Aber alle Menschen sind, glücklicherweise, unterschiedlich; und so wird einer im Exil als verarmter Flüchtling und mit der Zeit wird er einen Mords-Chevrolet besitzen und selbstständiger Taxifahrer sein, mit einem behaglichen Haus und einer lächelnden Ehefrau in einem blumenbedruckten Kleid und einem strahlenden Kühlschrank im Esszimmer; ein anderer wird immer in dem Schutz bleiben, den ihm die UNRWA gab, auf seinem Boden sitzen oder an einem Kaffeetisch, auf nichts wartend oder auf göttliche Intervention oder auf die mit der Post geschickten, versprochenen, erlösende Hand Nassers. Den Zustand der Menschen hat die UNRWA nicht erfunden.

Von den 58 Lagern der UNRWA besuchte ich acht – im Libanon, dem Gazastreifen und Jordanien. Die Anlage und die Einrichtungen eines jeden UNRWA-Lagers sind gleich; sie unterscheiden sich nur in der Größe und sind besser oder schlechter, abhängig davon, ob sie jünger oder älter sind, vom Charakter der Menschen, die in ihnen leben. Jedes Lager hat seine Klinik und Schule (oder Schulen), ihr Zentrallager für die Verteilung der Rationen, „ergänzende Essensausgabestationen“, wo warme Mahlzeiten an die ausgegeben werden, die sie brauche, Dorfbazar-Straßen mit kleinen Läden, Marktstände, Cafés. Je größer das Lager, desto größer der Bazar. Ich besichtigte außerdem zwei Krankenhäuser, zwei Berufsschulen und wurde in zwei Privathäuser empfangen, in die mich Flüchtlinge eingeladen hatten.

Mein Führer und Anstandswauwau war ein UNRWA-Angestellter, ein palästinensischer Araber, der bei Bedarf als Übersetzer fungierte. Mein System war zu sagen: Zeigen Sie mir bitte Ihr bestes und Ihr schlimmstes Lager; und wenn es die Zeit erlaubt, lassen Sie uns auch eins zwischendrin besuchen. In den Lagern klopfte ich an irgendeine Tür und an viele. Nichts war geplant. Wir unterhielten uns auf’s gerate Wohl und wann immer ich wollte mit den Leuten. Im Gazastreifen wurde ich einen Tag lang von einem jungen Palästinenser in Nadelstreifen-Anzug begleitet; er oder jemand wie er ist das Kreuz, das jeder Ausländer auf sich nehmen muss. Er ist der örtliche Geheimdienst und die Flüchtlinge wissen das; er ist glühender Nasserist, wie offensichtlich alle palästinensischen Regierungsbeamten im Gazastreifen, oder er muss als solcher erscheinen; und er ist nebenberuflich Propagandist und Demagoge. In einem Lager im Gazastreifen hatte ich neben diesem jungen Herrn eine Eskorte von drei palästinensischen Polizisten, die den Vorgängen eine noch schwerer wiegende Note verliehen. Andererseits wurden meine Besuch nicht zensiert. Ich mag einen wahren Querschnitt der palästinensischen Flüchtlingsbevölkerung gesehen haben oder auch nicht. Ich weiß nur, dass ich echte Menschen in Fleisch und Blut sah und eine große Zahl davon; und ich weiß, was sie sagten. Wenn das Wort „sie“ auf diesen Seiten auftaucht, bedeutet es diese Araber, die ich sah; mehr nicht.

Beirut ist eine reizende, boomende Stadt, eine bezaubernde Mixtur aus Kleinasien und Frankreich, mit einer Landschaft, die das Herz erhebt und überall glamourösen Hotels, von denen weitere gebaut werden. Wir, mein palästinensischer Führer und ich, machten uns in einem glänzenden Auto auf den Weg zu einem UNRWA-Lager in den Hügeln des Libanon. Mein Führer war, wie seine Kollegen, die mich andernorts begleiteten, ein leitender Angestellter, verantwortlich für eine Abteilung der UNRWA, gekleidet in einen westlichen Anzug, ein selbstsicherer Mittelklasse-Mann für eine Organisation. Die Flüchtlinge sind nicht nur Individuen, sie kommen auch aus sehr unterschiedlichen sozialen Hintergründen. Männer der Klasse meines Führers würden nicht in Flüchtlingslagern leben; sie könnten in ihnen vielleicht als Ärzte oder Lehrer arbeiten.

Dieses Lager bewohnten ausschließlich von christlichen Arabern. Ich wunderte mich laut über eine Trennung nach Glaubensbekenntnis. Mein Führer war Muslim und sagte, dass christliche Lager immer sauberer und den muslimischen überlegen seien, außerdem lebten sehr wenige Christen in Lagern; sie waren besser darin ihr Leben alleine zu ordnen.

Das Lager bestand aus kleinen Zement- oder Fachwerkhäusern, die sich den Hügel hinaufwinden, ein Dorf armer Leute, unordentlich und mit Blumen versehen und heiter. Die Schule entließ in die Mittagspause; Gruppen von Kindern, gekleidet in Schürzen-Uniformen, die kleine Jungs und Mädchen in italienischen Schulen tragen, schlängelten sich nach Hause und riefen sich freundlich, kichernd ausführliche Abschiedsgrüße zu. Sie römisch-katholisch hier, aber die jungen Lehrer sind Flüchtlinge, keine Priester. Sie müssen den Kinder Palästina lehren, da die meisten von ihnen das Land nie gesehen haben und selbst die ältesten sich nicht erinnern können. Den Kindern wird Hass gelehrt, dass ihnen der Garten Eden von Mördern gestohlen wurde; ihre Pflicht ist es für die Rückkehr und die Rache zu leben.

Die weiße Mini-Klinik hatte nur einen Patienten, ein hübsch aussehendes Mädchen von 21 Jahren, die ihr viertes Baby zur Routine-Untersuchung gebracht hatte. Ihr Ehemann arbeitet in Libyen; sie lebte auch einige Jahre dort, kam aber zurück. Libyen ist sehr teuer; sie kann hier mit ihren Eltern leben und damit Geld für die Zukunft sparen. Die Schwester der Klinik, eine großbusige ältere Frau, sagte, sie sein nicht wirklich krank; im Sommer bekämen die Kinder etwas Bindehautentzündung und Durchfall; oh nein, Bindehautentzündung ist sehr selten und außerdem heilen wir das; es gibt gerade etwas Windpocken. Mein Führer kündigte an, dass, wenn ein Flüchtling operiert werden muss, er in einem Krankenwagen zu einem Krankenhaus in Beirut gefahren würde, wo die UNRWA Betten reserviert hatte und für alles zahlte; man müsse im Libanon schon reich sein, um solch eine gute und schnelle Behandlung zu bekommen. Ihr viertes Baby, grübelte ich, und sie ist erst einundzwanzig. Ja, ja, sagte mein Führer, die Flüchtlinge haben eine höhere Geburtenrate als alle anderen Araber; und gesündere Kinder.

Die Flüchtlinge erhalten eine monatlich Grundration an Mehl, Hülsenfrüchte (getrocknete Erbens, Bohnen, Linsen), Zucker, Reis, Öl und Fett; das gibt 1.500 Kalorien pro Person und Tag, die im Winter auf 1.600 Kalorien pro Tag erhöht werden. Das ist nicht genug. Der Flüchtling muss einen Weg finden Geld zu verdienen, um seine Ernährung zu verbessern, oder er musste Geflügel oder Hasen halten oder Gemüse anbauen. Viele hatten hier kleine Gärten angelegt, aber ganz reizend und mit mehr Begeisterung bauten sie auch Blumen an, wegen der Freude an ihnen. Es gibt eine tägliche Ration Milch für Kinder und schwangere oder stillende Mütter; warme Mahlzeiten werden in „ergänzenden Speisestationen“ angeboten, denen, die sie brauchen, auf ärztliche Anweisung. In diesem Lager, sagte mein Führer, haben 85 Prozent der Menschen Arbeit. Wenn es Härtefälle gibt, wenn niemand der Familie Einkommen bringen kann, greift die Sozialabteilung der UNRWA ein. Das Muster ist universal.

Wenn Sie glauben, sagte ich, es sei Ihre Pflicht alles besser erscheinen zu lassen, als es ist, dann lassen Sie das. Ich bin hier nicht auf einer Inspektionstour, ich möchte nur eine Vorstellung davon bekommen, wie das Leben wirklich ist. Er hielt gekränkt in der Mitte des steinigen Weges an und erklärte: „Hier, im Libanon, geht es 80 Prozent der Flüchtlinge besser als wenn sie in Palästina wären. Zwanzig Prozent geht es nicht so gut. Die 20 Prozent waren Kleinkapitalisten und es gibt große Konkurrenz mit den libanesischen Geschäftsleuten, sie stellen Hindernisse auf. Das ist auch politisch; sie geben den Flüchtlingen keine Staatsbürgerschaft, verstehen Sie, weil der Hauptteil der Flüchtlinge Muslime sind und das würde das Gleichgewicht hier aus der Balance bringen, wo die Christen herrschen. Ich spreche mit Ihnen nicht über die reichen palästinensischen Flüchtlinge; sie sind reicher denn je, sie sind sehr glücklich.

Wir gingen, um den dem Lagerchef erforderlichen Höflichkeitsbesuch abzustatten. Jeder Lagerchef agiert als ernannter Dorf-Bürgermeister; er muss den Ort leiten, als Verbindungsmann zum örtlichen UNRWA-Hauptquartier dienen und die Beschwerden seiner Leute handhaben. Ich saß mit meinem Führer, dem Schulleiter (einem ehemaligen Mitglied der palästinensischen Polizei) und dem Lagerleiter in dessen sauberen Büro und hörte dem ersten zu, was ein fast tägliches Gespräch über eine Wahnsinnssache wurde. Das lief etwa so ab:

„Die arabischen Länder sind 1948 in Israel eingedrungen, damit die palästinensischen Araber nicht von den Juden massakriert wurden.“
“Es gab Massaker? Wo?“
“Oh ja, überall. Furchtbar, furchtbar.“
“Dann müssen Sie viele Verwandte und Freunde verloren haben.“

Das wird als ermüdender Schluss aus einer vorherigen Äußerung kommentarlos beiseite gewischt.

„Israel überrannte die Waffenstillstandslinien und stahl unser Land. Wir gingen aus Angst weg. Wir haben ein Recht auf unser Eigentum, das jährlich 47 Millionen Pfund Einkommen einbringt. Wenn wir unser eigenes Geld hätten, würden wir nichts von der UNRWA brauchen. Unser eigenes Geld ist viel mehr. Wir müssen nicht dankbar sein für das wenige Geld, das für uns ausgegeben wird. Wir sollten unser eigenes haben.“
“Dann wollen Sie natürlich in ihr Eigentum und nach Israel zurückkehren?“
“Nicht nach Israel. Niemals nach Israel. In unser eigenes Land, in unseren eigenen Teil.“
“Aber haben nicht die Juden die Teilung akzeptiert, während die Palästina-Araber und die arabischen Regierungen sie ablehnten?“
“Ja, ja. Und England schützte die Juden. Ein Araber wurde verhaftet, wenn er nur eine Pistole zur Selbstverteidigung bei sich hatte, aber die Juden konnten in Panzern durch die Straßen fahren und ihnen passierte nichts. Also, England sagte den arabischen Staaten, sie sollten Israel angreifen.“

Dann meldete sich der Schulleiter zu Wort: „In unserer Schule lehren wir die Kinder vom ersten Jahr an zu ihrem Land und wie es ihnen gestohlen wurde. Ich erzähle das meinem siebenjährigen Sohn. Sie werden sehen: Eines Tages wird ein Mann von achtzig Jahren und ein so großes Kind, alle, alle werden mit Waffen in ihren Händen nach Hause gehen und ihr Land gewaltsam zurücknehmen.“

Mit dieser kriegsartigen Anmerkung gingen wir. Mein Führer war bis zu unserem kleinen Treffen als nüchterner, zufriedener Typ erschienen, wo er wie ein Politiker klang, der rücksichtslos für ein Amt kandidiert. Dann erstaunte er mich erneut.

„Das kann alles mit Geld gelöst werden“, sagte er. „Jetzt haben die Leute nichts im Mund als Worte, also reden sie. Geld füllt den Mund auch. Wenn jeder Mann 1.000 Dollar für jedes Mitglied seiner Familie bekommt, als Kompensation für seinen verlorenen Staat, und er könnte in jedem arabischen Land, das ihm gefällt, Staatsbürger werden, dann würde er nicht mehr an Palästina denken. Dann könnte er ein neues Leben beginnen und reich und glücklich sein. Und die, die wirklich etwas in Palästina besitzen, müssen für das bezahlt werden, was sie dort hatten. Aber das sind nicht viele. Die meisten hatten nichts, nur Arbeit.“

Hoch oben auf einer Bergkuppe mit einer weiten Aussicht nach unten auf Orangenhaine und das satinblaue Mittelmeer liegt ein kleines muslimisches Lager namens Mia Mia. Hier war unter anderem ein ganzes palästinensisches Dorf gelandet; sie kamen von einer Bergkuppe in Galiläa, einem Ort namens Meron. Ihr Anführer oder Dorfleiter, der Muktar, überhäufte uns in seinem Salon im Exil mit Coca-Cola und türkischem Kaffee. Er ist ein gut aussehender Mann, vielleicht 65 Jahre alt, schlank, mit ausgezeichneten Manieren. Er trug die hübsche, weiß arabische Kopfbedeckung, die von der üblichen doppelten Schnurkrone gehalten wurde; er war in eine gut erhaltene cremefarbene Seidenjacke gekleidet, ein weißes Seidenhemd, gebügelte graue Flanellhosen und blank geputzte schwarze italienische Schuhe.

Während wir Coca-Cola durch Strohhalme saugten und die armseligen, aber liebevoll ausgeführten Malereien seines Sohnes studierten – ein Porträt von Nasser, Christus und die Jungfrau – redete der Muktar. Siebzehn Menschen seines Dorfes wurden massakrierte, was der Grund für ihre Flucht war, aber eine alte, blinde Frau von 104 Jahren wurde zurückgelassen und die Juden schütteten Kerosin über sie und verbrannten sie bei lebendigem Leib. Wie konnten sie das wissen, wenn sie alle geflohen waren? Nun, dann gingen die Juden fort und einige Dörfler krochen zurück und fanden sie; und außerdem hatte die UNO-Waffenstillstandskommission sie auch gefunden.

Mein Führer sah verlegen aus. Die Waffenstillstandskommission war eine heikle Sache. Es strapaziert etwas zu glauben, dass die UNO-Militärbeobachter, die mit Armeen und Grenzen beschäftigt sind, die Zeit gehabt hätten jede einzelne Gräueltat im Land zu untersuchen. Ich wunderte mich, wo die Familien der Massakrierten und Verbrannten waren; in einem Dorf kennt jeder jeden, sicherlich würden die überlebenden Verwandten die besten Zeugen.

„Ich kann Ihnen viele solche Geschichten erzählen“, sagte der Muktar.
“Da bin ich sicher“, sagte ich. „Aber erzählen Sie mir bitte von Meron.“

So hörte ich von Meron, ihren schönen Steinhäusern, ihren hübschen Hainen, ihrem weiträumigen und glücklichen Leben in Eden; alles verloren. Ich konnte mir diesen Aristokraten ohne weiteres in einem Palast auf einer Bergkuppe lebend vorstellen und entschied mich später sein loszugehen, um mir sein Heim anzusehen; aber im Moment akzeptierte ich eine Rose von ihm und wir machten uns auf den Weg im Lager Besuche zu erledigen.

Eine Frau von etwa vierzig mit einem Gesicht wie der beste und saftigste Apfel und lebhaften Augen, schätzte mich ab und zog mich in ihr Haus. Sie begann mit Gesten eine Rede. Sie berührte die abfällig die Decke, riss Stücke davon ab; sie rief den Himmel zum Zeugen für ihr Elend. Ihre Stimme stieg und fiel in prächtigem Rhythmus. Sie liebte ihr Tun und ich fand es toll ihr zuzusehen. Im gegenseitigen Vergnügen lächelten wir mehr und mehr, als die Erzählung von Leid sich entfaltete, bis sie es nicht länger aufrecht erhalten konnte, in brüllendes Lachen ausbrach und überschwänglich küsste. Mein Führer schien wegen all dem unangemessen verdrossen zu sein schien, vielleicht, weil wir heute zu dritt waren; ein europäischer Vertreter der UNRWA hatte sich uns angeschlossen.

„Sie ist eine große Lügnerin“, sagte mein Führer, als wir ihr Haus verließen. „Sie lügt, wenn sie den Mund aufmacht. Wir haben ihr das ganze Material für ein neues Dach gegeben. Sie hat es verkauft. Sie ist so arm, dass sie dieses Jahr eine Pilgerfahrt nach Mekka machen wird. Sie muss diese Pilgerreise nicht machen. Wissen Sie, was das kostet? Eintausend Pfund.“

In libanesischem Geld beläuft sich das auf rund $350 – ein Vermögen.

„Oh, sie ist furchtbar.“
„Ich fand sie herrlich“, sagte ich. „Sie gehört zu meinen Lieblingstypen an Leuten in der Welt. Eine richtig fidele, offene Gaunerin. Ich hoffe, sie hat eine wundervolle Zeit in Mekka.“
“Aber wir müssen irgendwie ihr Dach in Ordnung bekommen“, sagte der UNRWA-Vertreter.

Im Tross derer, die uns folgten, war mir ein großer Jungen von 16 oder 17 Jahren aufgefallen; er hatte intelligente Augen, ein fröhliches Gesicht und trug ein frisches, weißes Hemd. Ich sprach mit ihm Englisch und er verstand mich; ich fragte, ob wir seine Familie besuchen könnten. Sein Haus war nicht größer als die anderen, aber sauber, friedlich und berührend, mit ordentlichen Möbeln und an die Wand gesteckten Ansichtskarten. Seine Mutter war durch grauen Star erblindet und seine Großmutter schien unglaublich alt zu sein, als stammte sie aus einer Generation, die so alt war, dass sie Tätowierungszeichen auf ihren Wangen hatte.

Der Junge hatte die Oberschule abgeschlossen und arbeitete jetzt als Manager des Lebensmittel-Verteilungszentrums in dem großen Lager (14.000 Einwohner) in der Ebene unterhalb des Berges. Er muss sehr kompetent gewesen und sehr zuverlässig gewesen sein, um sich diesen Job verdient zu haben. Er hoffte, er könnte Radio- und Fernseh-Mechaniker werden. Er sprach nicht von Palästina. Es gab Arbeit, die er tun wollte, wo immer jemand solche Arbeit erledigen konnte. Die UNRWA baut jetzt eine Berufsschule im Libanon; sie soll im Herbst eröffnen. Mit etwas Glück wird dieser Junge die technischen Fertigkeiten erlernen, die er so gerne haben möchte und sein Leben unabhängig von der Wohltätigkeit anderer leben.

Wir hörten die schrillen, Schmerz erfüllten Schreie eines Kindes und gingen dem Geräusch nach. Ein Kind von etwa zwei Jahren war mit dem Fuß an einen Stuhl gebunden und heulte immer wieder dasselbe Wort. Ein jüngeres Kind versuchte still seinen Körper aufrecht zu halten und hielt sich mit dem Arm an einem anderen Stuhl fest. Auf einer sauberen Matte, auf einem sauberen, kleinen Tuch, drehte ein Baby rastlos seinen Körper, aber seine Beine lagen still da. Alle drei sahen bemerkenswert gut aus, alle schienen kräftig und gut gebaut.

Der Lagerleiter führte ein kurzes, bellend ausgeführte Unterhaltung mit der jungen Mutter und berichtete: „Sie ist 25. Keines der Kinder kann seine Beine bewegen; die Beine tragen sie nicht. Das Kind ist angebunden, weil er sich aus dem Haus ziehen und verletzt werden kann. Sie fragt, ob Sie ihr bitte helfen können?“

Auf Französisch, weil niemand sonst die Sprache sprach, sagte ich dem UNRWA-Beamten: „Sie kann leicht noch fünf oder sechs Kinder wie diese haben. Das ist schlimm für sie. Die Lagerschwester sollte sie etwas über Geburtenkontrolle aufklären.“

„Sie wissen nicht, wovon Sie reden. Die UNRWA könnte über so etwas nicht anpacken, nicht einmal erwähnen. Hier sind diese Leute und den Namen ihres Landes gibt es auf der Landkarte nicht mehr. Wenn wir anfangen sie Geburtenkontrolle zu lehren, wird man uns vorwerfen, wie versuchten auch das Volk auszulöschen. Abgesehen davon werden die Männer das nie erlauben. Sie wollen eine Menge Söhne haben; das ist für sie eine Frage des Stolzes. Und dann spielt auch die Politik da hinein, wie bei allem; ich habe sie das sagen hören. Wir müssen viele Kinder haben und wachsen und an Zahl so zunehmen, dass die Welt uns niemals vergessen wird.“

„Sie sind gut dabei, soweit ich das gesehen habe.“
“Rund 30.000 Babys pro Jahr.“

Der Lagerleiter, während er uns zu unserem Auto begleitete, merkte an, dass niemand hier eine Arbeit habe. Er gab eine kurze Rede auf Englisch; er war ein sehr netter, freundlicher Mann. „Die Männer sitzen nur im Café und leiden, leiden. Ein junger Mann sieht, wie die Zeit vergeht, verrinnt und er wird ohne Jahre älter. Wenn ich nicht die Hoffnung auf mein Land hätte, würde ich den Verstand verlieren.“

Auf dem Weg nach Beirut sagte der UNRWA-Vertreter: „Achtzig Prozent der Männer in diesem Lager haben Arbeit. Es ist ein recht wohlhabendes kleines Lager.“
“Lügen sie nur einfach so?“ Es war ein langer Tag gewesen.
“Nun, das ist uns gegenüber normal. Wenn sie zu viel verdienen, werden sie von den Lebensmittel-Verteilungslisten genommen. Wenn sie mehr als einen bestimmten Betrag verdienen, haben sie kein Recht mehr auf die Versorgung. Kostenlose Medikamente und ärztliche Versorgung und Schule. Also wollen sie offensichtlich nicht, dass wir Bescheid wissen.“
“Wie Nichtflüchtlinge mit den Einkommenssteuer-Beamten?“
“Genau.“
“Wissen Sie, was sie verdienen?“
“Nicht wirklich. Wie auch? Natürlich, wenn jemand eine feste Anstellung hat, erfahren wird das irgendwann und kürzen die Leistungen.“

Die Flüchtlinge, in den Lagern wie außerhalb, finden irgendeine Arbeit; andernfalls würden sie bei 1.500 Kalorien am Tag, bald aussehen wie eine ernsthaft unterernährte, kränkelnde Gruppe, auf die die Gesundheitsstatistik der UNRWA sich stützen kann; sie wissen, wie viele Flüchtlinge gewöhnlich ihre medizinischen Dienste nutzen und weshalb und mit welchem Ergebnis. Der Gesundheitsstandard ist ungewöhnlich hoch und eine der größten Leistungen der UNRWA.

In der Ebene unterhalb von Mia Mia ist das Land grün, hat Zitrus-Hainen, Bananen-Plantagen, wo vorher nichts wuchs. Das ist die Arbeit der Flüchtlinge; jemand sollte ihnen sehr dankbar sein. Flüchtlinge, die in Palästina Städter waren, fühlen sich zu städtischen Arbeiten hingezogen: Taxifahrer, Angestellte, Händler. Egal, welche offiziellen Einstellungen es gab, all diese Leute neigen dazu ihren Lebensstandard wieder herzustellen, mit dem allgemeinen Handicap der Flüchtlinge wieder bei Null anfangen zu müssen, ausgenutzt werden zu können und in Konkurrenz zu den vor Ort Ansässigen. Abgesehen davon leben sie in einem Teil der Welt, wo Armut eine endemische Seuche und es für jeden schwierig ist ein gutes Leben führen zu können, außer wird mit einem silbernen Löffel im Mund geboren.

Aus heiterem Himmel verkündete mein Führer: „Es gibt in den Lagern keine Kriminalität. Keine Diebstähle, keine Feuer, keine Blutfehden. Es ist viel besser, als es in Palästina war. Sie wissen, dass sie in der Flucht alle Brüder sind. Es gab vor einiger Zeit ein paar Morde; ein paar Vergewaltigungen, so etwas. Das ist natürlich. Aber keine Verbrechen.“

Und es stimmt. In allen Lagern. Das Exil hat sie eine wertvolle Lektion gelehrt: wie sie friedlich und gesetzestreu zusammen leben können.

Um in den Gazastreifen einzureisen, braucht man ein Militärvisum der ägyptischen Regierung in Kairo. Ich war in Kairo in der Erwartung angekommen, in Windeseile von dort nach Gaza weiterreisen zu können, wurde aber vom örtlichen UNRWA-Pressebeamten informiert, dass es zwei Wochen dauert diese Erlaubnis zu bekommen – und manchmal bekam man sie auch gar nicht. Außerdem gab es nur ein UNEF-Armeeflugzeug in den Gazastreifen, jeden Samstag, und sie mochten es nicht, jemanden außer ihrem eigenen Personal mitzunehmen. Außerdem war es gerade Donnerstag und morgen war der muslimische Sonntag und es sah alles hoffnungslos aus. Ich sh mich schon in einem Jeep durch die vom Sandsturm gepeitschte Wüste fahren und irgendwo in den Streifen einsickern, aber vorher rief ich die ägyptischen Behörden an.

Wegen des muslimischen Feiertags, einer Anzahl benötigter Passfotos und der Zahl der Büros, zwischen denen ich hin- und herrennen musste, dauerte es etwa vier Tage das Visum zu bekommen und ich genoss jede Minute. Die ägyptischen Beamten hätten nicht freundlicher sein können und ich liebte ihnen zuzusehen, der neuen Herrscherklasse, die mich mit ihrem fröhlichen, anfangenden, wichtigen Geschäft an die vielen neuen herrschenden Klassen, die ich hier und da über die Jahre beobachtet habe, erinnern. Es ist schwer vorstellbar, dass diese angenehmen jungen Männer in Hemdsärmeln oder Uniformen mit ihren zahlreichen Anrufern, ihren Telefonen, ihren Bergen kopierter Formulare, ihren leeren Tassen türkischen Kaffees irgendeine Verbindung zu der Dünkelhaftigkeit, der Fremdenfeindlichkeit, dem antisemitischen Hass haben, die die Presse verschmiert und über der Luft ihrer faszinierenden Stadt auskippen.

Der Gazastreifen sollte nach allem, was berichtet wird, die wahre Hölle sein. Er ist ein in etwa rechteckiger Streifen Land an der südlichsten Mittelmeergrenze Israels, rund 40 Kilometer lang und fünf bis zehn Kilometer breit; in ihm leben 365.000 Menschen, Flüchtlinge und Einheimische. Ich stellte ihn mir wie eine Sanddüne vor, vollgepackt zu Bersten mit menschlichem Fleisch, brüllend heiß, schrecklich und verdreckt. Er ist nichts davon. Das Wetter war so idyllisch – ein azurblauer Himmel und eine ständige kühle Brise – dass ich annahm, dies sei besonderes Glück und meine charmante Vermieterin dazu befragte. Nein, das Wetter in Gaza war immer wunderbar. Sie hatte hier dreißig Jahre lang gelebt; es gab zwei „stickige“ Wochen im Sommer, ansonsten konnte man kein zuträglicheres Klima finden. Als ich über den Streifen flog, hatte ich jede Menge Sand bemerkt, auch jede Menge Grün. Es gab immer Zitrushaine im Gazastreifen, berichtete meine Gastwirtin, Gaza war dafür berühmt; aber seit die Flüchtlinge kamen, hatten diese stark zugenommen, wie auch die allgemeine landwirtschaftliche Kultivierung. Hier wächst alles, sagte sie und stellte ihren blühenden Garten heraus.

Ich merkte an, dass Gaza Stadt ein Bienenstock an Aktivität sei mit all den UNEF-Soldaten aus Dänemark, Norwegen, Indien, Kanada, Jugoslawien, die an der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen patrouillierten und in ihrer Freizeit Geld in der Stadt ausgaben, und der ägyptischen Oberschicht, die die Aufsicht über die palästinensischen Beamten führt und der UNRWA und Besuchern und einheimischen Einwohnern und dann auch den Flüchtlingen. Die Flüchtlinge schienen Reichtum mitzubringen; es sei alles sehr mysteriös.

Überhaupt nicht, sagte meine Gastwirtin, wir wissen nicht, warum wir nicht völlig bankrott sind; aber sie baute gerade ein drittes Stockwerk auf ihr bereits geräumiges Haus, also gibt es große Nachfrage nach Unterkünften. Recht große Villen werden in einem Bereich von Gaza gebaut, der gerade sehr in sein muss. Auf dem Hauptplatz prangt eine Anordnung von Mercedessen, pastellfarbenen amerikanischen Autos mit Heckflossen und bescheidener Volkswagen. Die Taxis in Gaza sind neu. Es gibt ein imposantes neues Kino in dem unangenehmen weltweiten Chrom-Schrott-Stil; es Cafés in Hülle und Fülle und zahlreiche, schlecht beleuchtete schmuddelige Läden, die für die Region typisch sind. Ein Wirtschaftswissenschaftler könnte sicherlich dieses Rätsel lösen: Wenn niemand Geld hat, was tun dann diese exzentrischen Geschäftsleute und Dienstleister hier?

Die Flüchtlingslager sind weit größer als die im Libanon, nach nahöstlichen Standards sind sie kleine Städte. Es sind keinesfalls luxuriöse Einrichtungen, aber viele Menschen in amerikanischen und europäischen Slums leben in schlimmeren Zuständen. Die armen Dorfbewohner des Gazastreifens sind nicht so gut untergebracht und für sie wird nicht so gut gesorgt wie für die Flüchtlinge. Der Gazastreifen ist keine Hölle, keine sichtbare Katastrophe. Er ist schlimmer: Er ist ein Gefängnis – mit einem magischen langen, weißen Sandstrand und einer Brise und hingegebenen Sozialarbeitern (UNRWA), die sich um die Gefangenen kümmern.

Die ägyptische Regierung ist der Gefängniswärter. Aus unbekannten Gründen erlaubt sie den Flüchtlingen nicht den schmalen Landstreifen zu verlassen. Die Flüchtlinge dürften überhaupt nicht raus wollen oder sie würden gar nicht wegziehen wollen; aber jeder würde klaustrophobisch werden, wenn er dreißig Jahre innerhalb von 248 Quadratkilometern eingepfercht würde. Einem Rinnsal von Flüchtlingen, die nachweisen können, dass sie andernorts eine Arbeit haben, werden Ausreise-Visa gewährt. Die einzige offizielle Zahl derer, die weggezogen sind, ist geringer als 300 – von 255.000 registrierten Flüchtlingen. Das scheint unglaublich. Gerüchte besagen, dass es mehr Flüchtlinge gibt, die illegal weggehen, auf nicht bekannte Weise.

Diese eingesperrten Menschen – viel zu viele auf viel zu wenig Platz – können keine angemessene Arbeit finden. Natürlich gibt es geringere Chancen eine Arbeit zu finden als in den anderen „Gastgeberländern“. Inzwischen sind sie dem vollen und totalen Beschuss durch die ägyptische Propaganda ausgesetzt. Kein Wunder, dass der Gazastreifen die Heimat der ausgebildeten paramilitärischen Banden war, die von den Ägyptern und Palästinensern Stoßtrupps und von den Israelis Gangster genannt werden – den Fedayin, deren Aufgabe es war unbemerkt nach Israel einzudringen und Taten patriotischer Sabotage und Mordes auszuführen. Und 1956 einmal mehr von Israel so vernichtend besiegt worden zu sein, hat die Mentalität des Eingesperrtseins und der Bitterkeit im Gazastreifen nicht verbessert; es hat die Redner nur noch blutrünstiger gemacht.

Ein weiteres total verrücktes Gespräch, praktisch ein öffentliches Treffen, fand im Büro des Führers der beiden angrenzenden Lager statt; der Mann war für etwa 29.000 Menschen verantwortlich. Der Lagerleiter, der selbst ernannte Redner, saß hinter seinem Schreibtisch. Der früher schon erwähnte Geheimdienst-Jugendliche, der stille UNRWA-Palästinenser, mein Aufpasser und drei uniformierte Polizisten von höherem Rang vervollständigten die Gesellschaft.

Zuerst erzählte mir der Lagerleiter, wie reich sie alle in Palästina gewesen seien und wie schlecht es ihnen jetzt ging und wie viel Land sie alle besessen hätten. Ich zweifle keine Sekunde daran, wie viel Land einige von ihnen besaßen, auch nicht, wie reich einige von ihnen waren und ich zeigt auch nicht diese subtile Unterscheidung auf: Wenn jedermann das behauptete Land besessen hätte, dann wäre Palästina so groß wie Texas; wenn jeder so reich war, dann wäre es weit gehend von Millionären bewohnt worden. Die Vergangenheit zu vergolden ist nur menschlich, das tun wir alle; und es mit soliden Goldbarren zu vergolden ist noch menschlicher, wenn man Flüchtling ist.

Dieser Teil seiner Ansprache war mir bereits so gut bekannt, dass ich es an seiner Stelle hätte rezitieren können.

Dann sprach er von Jaffa, seiner Heimatstadt. Die Juden umzingelten die Stadt, schossen von allen Seiten; sie ließen nur einen kleinen Fluchtweg, über das Meer, damit die Araber weggingen. Nur die sehr alten und die sehr armen blieben und sie wurden getötet. Die arabischen Flüchtlinge erzählen viele verschiedene Versionen der Geschichte über Jaffa, aber das Problem ist: Wo sind die Verwandten derer, die in der Hitze der großen Explosionen die unfehlbaren Zeugen für die, die untergegangen sein müssen? Niemand sagt, er sei mit vorgehaltener Waffe auf einen LKW (oder ein Boot) geladen worden; niemand beschreibt, wie er von bewaffneten Juden aus seinem Haus getrieben wurde; niemand erinnert sich der zusätzlichen Bedrohung feindlicher Angriffe, während sie auf der Flucht waren. Die Ansicht der Toten, die Schrecken der Flucht sind genaue, detaillierte Erinnerungen, die von niemandem vergessen werden, der sie erlebte. Sicherlich würden die Araber solche Erinnerungen weder vergessen noch unterdrücken, wenn sie auch diese hatten.

Was diejenigen Araber angeht, die zurückblieben, so befinden sie sich – 3000 – immer noch in Jaffa, leben in Frieden, Wohlstand und Unzufriedenheit, samt ihrer Erben und Nachkommen.

„Die Juden sind Kriminelle“, fuhr der Lagerleiter fort und wurde lauter. „Mörder! Sie sind die schlimmsten Kriminellen der gesamten Welt.“

Hatte er je von Hitler gehört?

Er schlug auf seinen Tisch und sagte: „Hitler war viel besser als die Juden!“
„Viel besserer Mörder? Er tötete erst einmal sechs Millionen Juden“, merkte ich an.
„Ach, das ist alles übertrieben. Das tat er nicht. Abgesehen davon haben die Juden Hitler geblufft. Sie sorgten heimlich dafür, dass er ein paar von ihnen tötete – alte, schwache – um die anderen dazu zu bringen nach Palästina auszuwandern.“
„Sechsunddreißigtausend“, sagte der Geheimdienstmann zum Beweis, „kamen aus Mitteleuropa hierher, vor dem Krieg.“
„Das ist erstaunlich“, sagte ich. „ich habe nie zuvor irgendwo gehört, dass die Juden mit Hitler vereinbarten sie zu töten.“
„Das war ein Geheimnis!“, brüllte der Lagerleiter. Die Dokumente sind gefunden worden. Jeder weiß das. Es wurde veröffentlicht. Die Juden haben alles mit Hitler vereinbart.“

Es gibt eine Grenze dessen, was man an Verrücktheit ertragen kann, daher schlug ich vor, dass wir das Lager besuchen. Ich klopfte willkürlich an einer Tür, bevor der Lagerleider die Chance hatte, mich irgendwo anders hinzudirigieren. Zwei jung verheiratete Paare wohnten hier. In einer Ecke am Hof stand eine Gruppe Besucher, schweigende arabische Frauen in ihren anmutigen langen, blauen Kleidern, die ihre Gesichter leicht hinter ihren weißen Kopfschleiern verbargen. Die älteren Frauen trugen Silbermünzen an Ketten auf ihrer Stirn; das ist recht hübsch und garantiert darüber hinaus die Verhinderung von Augenkrankheiten. Der Versuch die Frauen zum Sprechen zu verlocken war vergeblich, aber einer der Ehemänner sprach freimütig. Der Geheimdienst-Jugendliche übersetzte.

„Es ist die Schuld Amerikas, dass das passierte, weil sie den Juden helfen. Wir wollen von Amerika nur, dass es uns hilft unser Land zurückzubekommen.“
“Wie?“, fragte ich. „Mit Krieg?“
“Wenn die Araber vereint sind, werden wir Krieg führen.“
“Was wollen Sie dann von uns? Waffen, um diesen Krieg zu führen?“
“Nein. Wir wollen, dass ihr aufhört Waffen und Geld an Israel zu geben? Gerade jetzt hat Kennedy Israel 25 Millionen Dollar für Waffen gegeben.“
“Ich glaube nicht, dass die US-Regierung jemals Waffen an Israel gegeben oder verkauft hat. Was ist mit den Waffen, die Nasser von Russland und der Tschechoslowakei erhält?“
“Das ist in Ordnung. Das ist etwas anderes. Das sind friedliebende Länder. Sie wollen nur den unterentwickelten Staaten helfen.“

Der Geheimdienst-Mann warf ein: „Amerika hat uns Waffen angeboten, aber Bedingungen dazu gestellt. Wir werden keine Bedingungen akzeptieren. Also nehmen wir die von den östlichen Ländern, die geben ohne Bedingungen zu stellen.“

„Was tun sie?“, fragte ich den jungen Ehemann.
“Nichts.“
“Was würden Sie gerne tun?“ “Soldat sein und die gegen die Juden kämpfen.“

Diese Rede stellte die Öffentlichkeit sehr zufrieden.

„Mögen Sie alle Nasser?“, fragte ich höflich.

Breites Lächeln. Allgemeine Freude.

„Das tun wir. Sicher. Oh, natürlich. Er wird uns vereinen und stark machen. Er ist unser Führer.“

Zum Entspannen ging ich, zusammen mit tausenden Einheimischer, zum Schulsport-Tag. Fünfzigtausend Flüchtlingskinder gehen im Gazastreifen zur Schule, 98 Prozent der möglichen Schüler. Im großzügigen Stadion von Gaza wurden 2.000 Schulkinder versammelt. Sie reichten von winzigen Knirpsen, den Brownies, mit Baskenmützen und ballettrockartigen, orangen Uniformen bis zu Jungs in Laufhosen und Muskeln. Sie paradierten am Gouverneur des Gazastreifens in seiner Loge vorbei, angeführt von Mädchen in farbiger Kleidung, die die palästinensische Flagge bildeten. Der menschlichen Flagge folgten die Brownie-Babys, Mädchen-Pfadfinder, Jungen-Pfadfinder, Turnerinnen und Turner. „Wir haben jeden einzelnen eingekleidet“, sagte ein englischer UNRWA-Vertreter. „Die Show hier kostet uns etwa zweitausend Dollar, aber sie ist es wert. Sie gibt ihnen etwas, auf das sie vorausblicken können. Die lieben das, alle.“ Sie liebten es und ihrer bewundernden Familien liebten es und das Publikum liebte es.

Die Kinder marschierten in ernsthaft steifem Stil. („Wie die britische Armee“, sagte ich. „Wie die ägyptische Armee“, sagte er.) Sie stellten sich dann in Formation auf und eine Lautsprecher plärrte auf Arabisch. Dreimal riefen die Kinder eine einstimmige, quietschende, aber enthusiastische Antwort auf die männliche Kommandostimme aus dem Lautsprecher.

„Was sind das für Rufe?“
“Der erste ist: Lang lebe ein freies Palästina. Der zweite ist: Lang lebe die Vereinigte Arabische Republik. Der dritte ist: Lang lebe Gamal Abel Nasser.“

Ich blieb, um den weiß gekleideten Turnerinnen zuzusehen, wie sie so elegant wie ein Feld voller Isadora Duncans lieblich schwingende Bewegungen mit blauen Gaze-Taschentüchern ausführten.

Die Berufsschule in Gaza ist eine frisch gestrichene Gruppe von Gebäuden mit gut gepflegtem Rasen, eingefasst mit Blumen, geschrubbten, spartanischen Wohnheimen und eindrucksvollen Werkstätten, die mit komplexen Maschinen ausgerüstet sind, von denen das moderne Leben abhängig ist. Die Jungs waren an diesem Nachmittag auf ihrem Sportplatz; es war Feiertag und das Feld war mit weißen Linien für die anstehenden Ereignisse markiert. Ein paar von ihnen kamen zurück und wollten jeden Zentimeter ihrer Schule vorzeigen. Mochten sie das hier, genossen sie ihre Arbeit, waren sie glücklich? Man musste nicht fragen, die Antwort strahlte von ihnen aus. Die Absolventen dieser Schule finden gute Jobs, für die sie ausgebildet wurden; unter ihren vielen anderen Eltern-Funktionen betreibt die UNRWA ein Büro, um die Absolventen im gesamten Mittleren Osten unterzubringen. Das ist die neue Generation, die UNRWA-Absolventen, die man überall in der arabischen Flüchtlingswelt finden kann. Sie sind nicht vom Exil verkrüppelt oder von Trauer oder Hass; und sie könnten gut und gerne die hellsten Köpfe der arabischen Zukunft. Sie sind die Quelle aller Hoffnung.

Zwei zufällige Unterhaltungen blieben mir im Gedächtnis haften. Einmal verirrte ich mich in den Büros des Gebäudekomplexes der UNRWA; dort traf ich eine hübsche, dunkelhäutige Sekretärin, die mir die Art Insidergeschichte mit menschlichem Blickwinkel erzählte, die interessanter ist als alles andere. 1956, während dessen, was sie den Sinai-Feldzug und wir den Suezkrieg nennen, als die Israelis den Gazastreifen besetzten, wurde eine kurze Zeit lang die Telefonverbindung zwischen dem Streifen und dem immerhin nur einen Steinwurf entfernten Israel wiederhergestellt. Mitten während der Besatzungszeit rief die Schwägerin der Sekretärin aus einer kleinen Stadt in Israel an, in der sie lebte, um mit ihr einen kleinen Schwatz zu halten. Wie ging es allen? Die Schwägerin berichtete, dass es ihnen gut ging, es ihrem Ehemann beruflich gut ging, sie hätten ein nettes Haus und überhaupt keine Probleme. Die Sekretären erinnerte sich an diese Familiennachrichten und sagte: „Ich glaube, wenn wir alle geblieben wären, wo wir waren, wäre uns nichts passiert. All das hier wäre nicht geschehen. Und wofür ist es gut? Meine Kinder haben Palästina nicht gesehen. Ich erzähle ihnen davon; und in jeder Schule wird ihnen jede Minute davon erzählt. Aber was ist, wenn sie erwachsen sind? Die Menschen, die Palästina kennen, werden sterben und die jungen – werden sie sich dafür interessieren?“

Das zweite erinnernswerte Gespräch fand im Nähzentrum statt. Das Nähzentrum ist eine weitere Erfindung der UNRWA-Lager und finanziert sich selbst. Das UNRWA-Nähzentrum lehrt Schneiderei und neue Möglichkeiten für den Gebrauch traditioneller palästinensischer Stickerei – riesige Tischdecken und Servietten-Garnituren, Blusen, Röcke, die sich zu guten Preisen and örtliche Kunden und in Sondergeschäften in der Stadt verkaufen lassen. Hunderte Flüchtlingsmädchen verdienen ein wenig Geld und wehren die Langeweile ab, während sie das Handwerk lernen. Das Zentrum in Gaza wurde von einer geschäftigen, gut gelaunten, plumpen Palästinenserin geführt, die in jedem westlichen Land für eine geschäftige, gut gelaunte, plumpe Jüdin durchgehen würde; aber natürlich gehören Araber und Juden derselben Rasse an, den Semiten. Die junge Managerin zeigte mir die schweren Tischdecken (für die von uns niemand groß genug sein würde, um sie zu besitzen oder waschen zu können) und sie lobte ihre Mädchen, die in der langen Halle saßen, stickend, geschmeichelt, kichernd.

Es war so, als trüge sie ein Schild, aber ich fragte trotzdem: „Sie sind glücklich, nicht wahr?“ “Ich habe einen netten Ehemann und zwei Kinder und ein gemütliches Haus. Ich mag meine Arbeits sehr, sie ist sehr interessant. Ja. Wir sind glücklich.“ Und sie lächelte. Ein tolles Lächeln. Die Welt ist nicht verloren, nicht einmal im Gazastreifen.

Die meisten der christlichen arabischen Flüchtlinge leben verstreut um Gaza herum in gemieteten Privathäusern. Ein paar wenige christliche Familien baten um freies Regierungsland am Rande eines muslimischen Lagers, die gewöhnliche freie Zuteilung an Baumaterial von der UNRWA, liehen sich zusätzlich Geld und bauten ihre eigenen Häuser mit gut gepflegten Gärten. Mein UNRWA-Führer, selbst griechisch-orthodoxer Araber, nahm mit mich, um eines dieser gepflegten, beachtlichen Häuser zu besuchen, das einer Familie gehört, die er noch aus Jaffa kannte.

Die alte Mutter war halb blind; das Wiederauftreten von Augenkrankheiten ist eine Heimsuchung des Nahen Ostens, nicht der Flüchtlinge. Mein Führer und seine Familie hatten sich eine Zeit lang nicht gesehen und sofort nach der ersten Begrüßung weinte die Frau untröstlich und wurde von meinem Führer sanft getröstet, so, als hätte er das früher schon oft gemacht. Er erklärte: Diese Familie hatte eine große Tragödie erlitten. Einer der Söhne war in Jaffa von Artilleriefeuer getötet worden.

Ich berichte dies, weil es die einzige Familie war, die ich traf, in der tatsächlich ein Mensch getötet wurde. Hier, endlich, sagte der unfehlbare Zeuge aus; und dieser Tod, vor dreizehn Jahren, wurde betrauert, als wäre er erst gestern über sie gekommen. Mein UNRWA-Führer verhielt sich, als wäre dieser Fall einzigartig und bedürfe des schmerzenden Mitleids, das alle für die empfinden, die ein geliebtes Familienmitglied im Krieg verloren haben.

Ich verließ Gaza mit dem Wunsch alle die jungen Leute mit mir nehmen zu können; nicht nach Palästina, sondern hinaus in die weite Welt. Ihr Schicksal sollte nicht sein zurückzugehen, sondern vorwärts. Sie brauchen genau das Gegenteil dessen, was die Juden brauchen. Es gibt viel Raum für die Bedürfnisse beider.

Offiziell leben mehr als 600.000 palästinensische Flüchtlinge in Jordanien, mehr als in den anderen drei „Gastgeberländern“ zusammen. Aber rechtlich gibt es in Jordanien so etwas wie Flüchtlinge nicht. Die Flüchtlinge sind volle Staatsbürger Jordaniens; sie haben alle Rechte und Privilegien und Möglichkeiten, die ein geborener Jordanier hat. Viele der palästinensischen Jordanier sind zufrieden und haben sich ein gutes Leben eingerichtet, trotz der Beschränkungen, die ein heißes, ödes und unentwickeltes Land allen seinen Einwohnern auferlegt.

Ein großer Teil der Öde und Armut könnte durch einen Plan zur Nutzung des Jordanwassers korrigiert werden, um jetzt brach liegendes Land zu wässern. Eric Johnston, der Präsident Eisenhowers Sonderbotschafter für die Umsetzung des Leben spendenden Plans war, berichtete schließlich: „Nach zwei Jahren der Diskussion einigten sich technische Experten aus Israel, Jordanien, dem Libanon und Syrien auf jedes wichtige Detail eines gemeinsamen Planes für den Jordan. Aber im Oktober 1955 wurde er aus politischen Gründen auf einem Treffen der Arabischen Liga abgelehnt.“

Nach Einschätzung dessen, was ich an Flüchtlingen in Jericho sah, in Lagern außerhalb Jerusalems, in Jerusalem selbst, nährt der Segen der Staatsbürgerschaft die Zurechnungsfähigkeit. Das emotionale Klima in Jordanien ist bemerkenswert anders als das im Gazastreifen. Ein Schulleiter erklärte, dass den Kindern die Geschichte Palästinas gelehrt wird, „ohne Politik“. Was das genau bedeutet, kann ich nicht sagen. In Jordanien zeigt sich die Bildung eines Flüchtlings und sein Selbstvertrauen sofort in seiner Politik. Je besser gebildet, desto mehr in der Lage seine Zeit nicht auf Gedanken der gewalttätigen Rache zu verschwenden und sei loyal gegenüber König Hussein. Die Ignoranteren und weniger Kompetenten nähren sich von einer Leidenschaft für Nasser, Krieg und Rückkehr.

Zwei Männer, die in einem Lager außerhalb Jerusalems Tür an Tür leben, illustrieren diesen Unterschied in Persönlichkeit und Politik sehr treffend. Der Lagerwächter, der in einem neuen kleinen UNRWA-Haus wohnte, das bereits ein Schweinestall war, mit leeren Sardinendosen auf dem Boden, einem dreckigen Hof und Lumpen als Betten, verkündete: „Wir wurden gewaltsam vertreiben und so werden wir zurückkehren. Angeführt von Nasser und Hussein und all den anderen arabischen Führern.“ Sein Nachbar, en alter Mann, hatte den steinigen Boden um sein Haus gesäubert und einen blühenden Gemüsegarten angelegt. In seinem Hof hätte man sich wegen der Leinen mit trocknender Wäsche kaum bewegen können. Er hatte kein Wort über Krieg oder Gewalt oder arabische Führer zu sagen. Er sagte, dass er lieber verhungern würde als seinen Enkeln keine Ausbildung zu geben. „Solange ich lebe und arbeiten kann, wird mein Enkel zur Universität gehen.“

Das größte Lager von Jericho wird von einem unangenehmen Tyrannen geleitet, doch seine Sauberkeit war fast schweizerisch. „Ich gab ihnen sechstausend Bäume“, sagte der Flüchtlings-Tyrann, als er in seiner Eigenschaft als Gott. „Vor fünf Jahren hätten die Muktare [die Dorfführer] mich den Leuten hier keine Bäume geben lassen; sie sagten, wenn sie Bäume pflanzen, dann werden die Leute niemals nach Hause gehen wollen.“ Jetzt erheben sich Bäume über die Mauern, die die kleinen Häuser voneinander trennen; weitere Bäume werden verteilt. Eine nicht enden wollende Versorgung mit sauberem Wasser fließt aus einundzwanzig Wasserstellen. Vierzigtausend Menschen leben hier in festen Wohnungen unter den strengen Augen ihres Tyrannen; pfeilschnelle Kinder spielen in den Straßen.

„Wie heißen Sie? Geht es Ihnen gut? Good-bye! Gute Nacht! Hallo, Lady!“, zwitscherten die Kidner und umkreisten mich; der Tyrann versuchte sie rau wegzubrüllen. Ein Junge, entschlossen etwas loszuwerden, präsentierte mir einen kompletten Satz auf Englisch.

Er nahm mich mit in sein Zuhause, vier luftige Zimmer (eines mit aufgereihten Stühlen für Besuche), einem hübschen Hof, über den eine lächelnde Mutter mit heiterem Gesicht die Aufsicht führte, sehr stolz auf ihren Sohn, der al einziger in einer fremden Sprache mit einem Gast aus dem Ausland sprechen konnte. Er erzählte mir, langsam, von seinem Leben, seiner Familie und seinen Zielen. Er war dreizehnt und hatte hier seit zwei Jahren Englisch gelernt, in der Schule. Er hatte vorher nie Englisch mit jemand anderem gesprochen, außer mit seinem Lehrer. Nach dieser Begegnung besuchte ich einige Englisch-Klassen in einem anderen Lager, um das im Entstehen begriffene Wunder anzusehen. Der Junge wollte Lehrer werden.

„In diesem Land?“, fragte ich und wartete auf den zu erwartenden Ausruf: „Nein! In meinem Land! Palästina!“
“Nein, nicht in diesem Land, in Jerusalem oder Amman.“

Ich begriff schließlich, wie ich das hätte längt tun sollen, dass „Land“ Stadt oder Dorf bedeutet; wenn die arabischen Bauernflüchtlinge von ihrem Land sprechen – selbst, wenn sie sich gerade darin befinden sollten, wie sie es hier sind – sprechen sie von ihrem eigenen Dorf, ihrem Geburtsort. Der Geist des Jungen war weiter gegangen als die großen Städte des einzigen Landes, das er kennt; sein Geist reiste viel weiter weg als bis dorthin. Das höchste Ziel der besten Schüler ist es Lehrer oder Arzt zu werden. Lehrer und Ärzte werden überall auf der Welt gebraucht und die arabische Welt braucht sie dringend.

Jordanien hat ebenfalls eine Berufsschule, genauso glücklich und voller Hoffnung wie die Schule in Gaza. Hier traf ich mich mit einer Klasse zukünftiger Klempner, einer weiteren Gruppe Bürger, die die Welt gut brauchen kann. Mit ihrer blauen Arbeitskleidung und schmierigen Händen waren sie recht fröhlich und voller Zukunftspläne. Einer wollte nach Kuwait gehen, einer nach Amerika. Ein Junge sagte, er wollte in Palästina klempnern. Der jüngste und kleinste von ihnen sagte in einer merkwürdig weisen Stimme – sowohl gelangweilt als auch geringschätzig: „Oh, das wird alles sehr lange dauern.“ Keiner von ihnen war genügend interessiert, um darauf zu antworten.

Der einzige Ort, der so aussah, wie ich ursprünglich Flüchtlingsleben erwartet hatte, war im jordanischen Teil des geteilten Jerusalem, im alten Ghetto. Juden waren in diesen lichtlosen Rattenlöchern verwahrlost, länger als man sich vorstellen kann zusammengequetscht unter uralten Steinen; seit dreizehn Jahren haben arabische Flüchtlinge dasselbe schreckliche Leben ertragen. Das ist mittelalterliches Elend und Verwahrlosung; es gibt in der modernen Welt nichts vergleichbares.

Aus einer stinkenden Gasse hüpfte ein hübscher Junge in die mit Kopfsteinpflaster versehen Straße. Er nahm den Arm seines Lehrers, der an diesem Tag mein Führer war; sie waren gute Freunde. Er war der Spitzenschüler seiner Klasse. Wo konnte er überhaupt zur Schule gehen? Auf der Straße, sagte der Junge, überall draußen. Er kannte kein anderes Zuhause als einen einzigen feuchten Raum, ein Verlies, wo er mit seinem bettlägerigen Großvater, seinen Eltern und einem Bruder wohnte.

„Alle Jungen von hier sind gute Jungs“, sagte der Lehrer und sein Erstaunen zeigte sich in seiner Stimme. „Und sehr gewitzt.“ Er meinte „intelligent“, entdeckte ich später.

Kannte der UNRWA-Direktor diesen abscheulichen Slum? Nein, sagte der Lagerleiter. Ich schoss davon, um zu fragen, warum die UNRWA menschlichen Wesen erlaubte in solch empörender Verwahrlosung zu leben. Daraufhin wurde ich informiert, dass der Direktor das Jerusalemer Ghetto innerhalb von zwei Wochen nach Antritt seiner Stelle besucht hatte. Die UNRWA hatte verschiedentlich versucht diese Flüchtlinge umzusiedeln, die ablehnten wegzuziehen, weil sie das Leben innerhalb der Stadt vorzogen. Aber nun, weil ihre Geburtenrate mit Blitzgeschwindigkeit anstieg, waren sie mehr als bereit zu gehen und innerhalb eines Jahres würden sie in einem neuen Lager außerhalb Jerusalems angesiedelt. Es gab zwei weitere furchtbare Flüchtlingslager in den „Gastgeberländern“ – ich sah keines davon; diese waren die einzigen unmenschlichen Lebensbedingungen und es war nicht der Fehler der UNRWA, dass es sie weiterhin gab. Sie würden im Laufe der Zeit ausgemerzt.

Trotz aller Schwierigkeiten betreibt die UNRWA einen Wohlfahrtsstaat; im arabischen Nahen Osten gibt es keinen weiteren. „Der Flüchtling hat ein Auffangnetz; die örtliche Bevölkerung hat keine.“ Zitat eines UNRWA-Vertreters. Es sollte noch gesagt werden, dass das UNRWA-Personal seine arabischen Schützlinge liebt, was nicht nur richtig ist, sondern unverzichtbar. Man kann denen nicht helfen, die man nicht schätzt.

Mit meinen gepackten Koffern und meinem Verstand überladen mit „verräterischen“ Zweifeln, machte ich mich auf nach Israel, auf der anderen Straßenseite. Ich hatte es nicht gewagt irgendjemandem von meiner Absicht zu erzählen, auch nicht den westlichen UNRWA-Vertretern: in Israel gewesen zu sein, nach Israel zu gehen genügt dich als Feind und – wahrscheinlicher – Spion zu brandmarken. Die arabische Psychose (ein überladenes Wort, aber nicht zu stark) wegen Israel ist offiziell und ansteckend. Es mag viele vernünftige Leute in den arabischen Ländern geben, die in der Lage sind ruhig über Israel und arabisch-israelische Beziehungen nachzudenken; wenn das so ist, dann wählen sie die sichere Seite und halten den Mund.

Wenn es darum geht von einer Seite Jerusalems, der jordanischen, auf die andere Seite Jerusalem, die israelische, zu wechseln, dann setzt die Traumwelt ein. Man kann ein Taxi nehmen, durch ganz normale Straßen, und plötzlich erreicht man einen kleinen jordanischen Grenzposten, auch mitten auf der Straße in der Stadt. Du wartest in der kleinen Hütte, während dein Pass mit einer Ausreiseliste verglichen wird. Nach dieser Formalität trägt ein charmanter, höflicher, junger Träger dir die Koffer einen halben Block weit. Du gibt ihm ein Trinkgeld und er stellt sie auf die Veranda eines Hauses, das nicht länger vorhanden ist. Artilleriefeuer hat es vor Jahren beseitigt. Rundherum befinden sich zerschossene Häuser; die eine Seite der Straße ist Jordanien mit lachenden Soldaten in den zerschossenen Häusern; auf der anderen Seite der Straße befindet sich Israel, wo Wäsche auf der Leine hängt. Du gehst ein Stück weiter, lässt deine Taschen zurück. Du bist jetzt am israelischen Grenzposten, einer weiteren Hütte. Wie die Überquerung des Styx ist dies eine Reise ohne Rückweg. Wenn man Jordanien nach Israel verlässt, kann man auf dieser Straße nicht zurückkehren. Die arabische Blockade Israels erstreckt sich so auch auf Besucher aus dem Ausland. Man müsste von Israel in ein neutrales Territorium fliegen und von Neuem beginnen, vorausgesetzt die Araber mögen dich noch nach deinem Besuch in Israel.

Da man in keine arabisches Land hineingelassen wird, wenn man ein israelisches Visum in seinem Reisepass hat, trägt man das israelische Visum auf einem Extrablatt. Andere Nationen außer unseren statten ihre Bürger mit zwei Pässen aus. Nachdem die israelische Grenzpolizei dein Visum überprüft hat, sammelt ein ebenso charmanter, höflicher, junger Träger, ein israelischer, deine Taschen von der Veranda des nicht existierenden Hauses im Niemandsland ein. Du gibst ihm ein Trinkgeld, stellst das Gepäck in eine Taxi und fährst ein paar Blocks bis zu deinem Hotel. Von deinem Hotel in Israel aus hast du eine gute Aussicht auf die wunderschöne Mauer und die Altstadt Jerusalems, wo du noch vor einer Dreiviertelstunde gewohnt hattest.

Hier läuft kein Krieg, jedenfalls nicht in den uns bekannten Begriffen. Das Ziel dieser Kein-Frieden-kein-Krieg-Übung ist die Vernichtung Israels, das unzerstört bleibt. Ich kann nicht erkennen, wie es den arabischen Ländern hilft, aber vielleicht tut es das. Vielleicht brauchen sie einen Feind, auf den sie sich einigen können, als einigende Kraft, als Zement ihres Nationalismus.

Ich wollte palästinensische Araber in Israel besuchen, diejenigen, die dort geblieben waren, die nicht Flüchtlinge sind. Wenn ich sie Zuhause sehe, dachte ich, dürfte ich die Mentalität ihrer Brüder im Exil besser verstehen. Ein wichtiger Fingerzeig fehlte, aber ich konnte ihn nicht benennen oder definieren.

Der Fahrer meines Wagens während der Reise in Israel, war ein israelischer Jude, hier geboren, der Arabisch als zweite Muttersprache spricht und derart wie Nasser aussieht, dass es zum Lachen ist. Ich sagte ich wollte das Dorf Meron auf einer Bergspitze in Galiläa besuchen. Er sagte, dass es in Meron einen antiken Tempel der Juden gäbe, das Grab eines berühmten Rabbi, eine Synagoge, eine Jeschiwa (das jüdisch-orthodoxe Äquivalent eines katholischen Seminars), aber seines Wissens nichts anderes. Lasse Sie uns hinfahren und herausfinden, sagte ich. Also fuhren wir nach Norden durch sein Land, das ein Monument des halsstarrigen, nicht ermüdenden menschlichen Willens ist. 1949 pflanzten die neuen Einwanderer Bäume wie Ameisen auf den Hügeln: ihre erste Arbeit. Es sah aus, als pflanzten sie Grasblätter und es erschien ein mitleidiger Glaubensakt. Jetzt sind diese Bäume gewachsen.

Es gibt zahllose Veränderungen in Israel, aber die arabischen Dörfer entlang der Straße nach Nazareth haben sich nicht verändert. Die alten Ziegel- und Feldstein-Häuser hängen aneinander und wachsen auseinander. Sie sind charmant, pittoresk, primitiv und elend; aber nicht in den Augen arabischer Bauern. So ist es immer gewesen; so mögen sie es und so wollen sie, dass es bleibt.

Wir fuhren den Berg hinauf. Zwischen der Synagoge und den heldenhaften Ruinen des zweitausend Jahre alten Tempels fanden wir tatsächlich Meron, das Haus des Aristokraten, der mir auf einer Bergkuppe im Libanon eine Rose anbot. Es gab mehr als zwölf Häuser in dem Dorf. Der Palast des Muktar ist eine lange, schmale Steinhütte mit einer hässlichen, schmalen Veranda die Front entlang. Statt Balken halten verrostete Bahngleise die Veranda. Die anderen kleinen Häuser wurden aus honigfarbenen, rauen Feldsteinen gebaut und mit traditionellen, anmutigen Türen und Fenstern versehen. Im Inneren wirkten die Häuser wie Ställe, nicht geeignet für annehmbare Tierhaltung. Die reichen Felder und Haine, die die Flüchtlinge von Meron beschrieben hatten, waren die steilen Hänge des Berges dahinter, wo die Dorfbewohner Tabak und ein etwas Obst und Feigenbäume anbauten. Zu ihrer Zeit hatte das Dorf keinen Strom oder Wasser; die Frauen trugen das Wasser auf ihren Köpfen aus dem Wadi am Fuß des Berges hoch. Die Aussicht ist traumhaft schön. Elende gegen Elend verglichen, ist Meron nicht besser als ihr Flüchtlingslager Mia Mia, vielleicht nicht so gut, aber die Erinnerung ist magisch und Meron war das Zuhause.

Neben diesen hübschen Steinhütten ragen die Überreste des großen Tempels auf. Die Granitblöcke in der zerborstenen Mauer sind so massiv wie die in der Mauer des salomonischen Tempels in Jerusalem. Die zerbrochenen Säulen sind enorm groß, schlicht und plötzlich ist Samson real und ließ echte Säulen, so schwer wie diese, einstürzen. Hier beteten vor zweitausend Jahren Juden in einem neuen Tempel; zweitausend Jahre sind in der Geschichte er Juden und dieses Landes nicht so sehr viel. Und hier stehen, mit von Unkraut überwucherten, niedrigen Mauern, die verlassenen Häuser der Nachfolger der fremden Krieger, der Araber, die in dieses Land kamen und es eroberten, als der Tempel 600 Jahre alt und ohne Zweifel bereits eine Ruine war. Waren die Dorfbewohner Merons glücklich, als die auf diesem Berg lebten; hielten sie ihn damals für den Garten Eden? Und warum liefen sie weg? Der Krieg hatte diesen Ort nie berührt.

Am 1. Januar 1960 lebten nach Angaben israelischer Statistiken 159.236 Muslime, 48.277 christliche Araber und 22.351 Drusen in Israel. Diese Menschen sind mehr geworden, aber ist das eine ausreichende Basis um weiterzuarbeiten; inzwischen in etwa eine Viertelmillion Araber. Die jüdische Bevölkerung, die hier von den vier Enden der Welt zusammenkommt, stand bei 1.858.8431. Diese wenig ähnlichen Menschen leben auf knapp 13.000 Quadratkilometern recht schönen, arbeit machenden und liebevoll wiedererworbenen Steinhaufen- Sanddünen – von denen ein Drittel nicht verkleinerbare Wüste ist. Die Drusen, eine eigenen und geheime Sekte, sind ein Phänomen; sie sind zufrieden. Sie vertrauten den Juden und erkennen sie an; sie sind loyale Staatsbürger Israels. Die gebliebenen Araber sind wieder etwas anderes.

Auf dieser Reise besuchte ich ein christlich-arabisches Dorf an der libanesischen Grenze, ein muslimisch-arabisches Dorf in der Küstenebene bei Akko, zwei muslimische Dörfer nahe der jordanischen Grenze, eine neue muslimische Siedlung bei Tel Aviv – die genaue Kopie einer neuen, von der Regierung gebauten jüdischen Siedlung – und einen römisch-katholischen Priester in der wunderschönen Kreuzfahrerstadt Akko.

Ich hatte vor arabische Lehrer aufzusuchen, weil diese vermutlich Englisch sprechen, gebildete Männer waren, die Gefühle ihrer Gemeinschaften kennen und über die Probleme der Araber nachgedacht haben würden. Araber, die in ihren eigenen Gemeinden leben, haben ihre eigenen Schulen, auf eigenen Wunsch, in denen die Kinder auf Arabisch unterrichtet werden, nach arabischen Prinzipien. Nissim, mein Fahrer, sollte als Übersetzer dienen, bis ich jemanden gefunden hatte, mit dem ich reden konnte; dann sollte er verschwinden. Ich wollte nicht, dass jemand sich durch seine fremde Anwesenheit gehemmt fühlte. Ich hätte mir die Bedenken sparen können. Die Offenheit der Araber beweist ihre Freiheit innerhalb des Staates Israel; sie sind nicht im Geringsten eingeschüchtert.

In dem christlich-arabischen Dorf war der Lehrer ein attraktiver, schlanker junger Mann mit vorzeitig ergrautem Haar, der in der Kühle des Abends in seinem Garten arbeitete. Er hatte ein gutes, modernes Haus, eine junge, moderne Ehefrau und nach sechs Jahren Ehe ein erstes Baby, ein sechs Monate altes Mädchen namens Maria, das er und seine Frau so verehrten, dass keiner von beiden zur selben Zeit die Augen von dem Kind nahm. Er war gesund, erfolgreich, respektiert, hatte die Freiheit, den von ihm gewählten Beruf auszuüben, er wurde geliebt und liebte; nach jedem Maßstab ein glücklicher Mann. Nach Stunden des Zuhörens konnte ich den fehlenden Anhaltspunkt fassen und mich überkam Hoffnungslosigkeit.

„Großbritannien half den Juden“, sagte er. „Die Engländer gaben den arabischen Ländern Waffen und sie gaben uns Waffen. In diesem Dorf war jeder bewaffnet; wir schossen auf die Juden, jeder von uns. Aber unsere Munition war nicht gut; die Engländer gaben den Arabern schlechte Munition. Vier von fünf Kugeln waren schlecht. Als wir das sahen, liefen wir davon, in den Libanon und nach zwei Wochen kamen wir zurück.“
“Wurde irgendjemand von euch in diesen Kämpfen getötet?“
“Nein, niemand. Ja, wir waren gegen die Teilung. Wir wollen die Juden hier nicht haben; wir wollten das ganze Land für uns, wie es richtig ist. Wir haben nur wegen der UNO und den Westmächten verloren.
Das ottomanische Reich zerstörte den Stolz der Araber. Die Westmächte teilten die Araber nach dem Ersten Weltkrieg in viele Nationen, um sie schwach zu halten. Im Krieg von 1948 wurde das Dorf nebenan von den Juden bombardiert; als wir das sahen, wussten wir, dass es keine Hoffnung gab.“

(Pause zum Luftholen: Die jüdische Luftwaffe bestand damals aus neunzehn Piper Cubs, einem netten kleinen Flieger, keinem Bomber; das Dorf nebenan lag gute 12 bis 13 km entfernt.)

„Jetzt haben wir militärische Sperrgebiete, überall entlang der Grenzen. Wir müssen Genehmigungen einholen, um an verschiedene Orte zu reisen oder dort zu arbeiten. Sie haben unser Land genommen, das in den Sperrgebieten liegt. Ja, sie zahlen dafür, aber sehr wenig.“
“Den Preis, den es während der Mandatszeit wert war? Bevor es von den Juden aufgewertet wurde?“
“Ungefähr. Nein, noch weniger. Gerade wurden zwei Jungs aus diesem Dorf an der libanesischen Grenze gefasst, die libanesische Polizei schickte sie zurück. Die Israelis halten sie zur Vernehmung fest. Wie könnten solche Jungs Spione sein?“
“Das weiß ich nicht. Aber erinnern Sie sich daran, dass die arabischen Länder sich mit Israel im Krieg befinden? Ich denke, es dürfte für die Juden schwierig sein zu wissen, welchen Arabern sie vertrauen können.“
“Sie haben recht 50 Prozent der Araber in diesem Land nicht zu trauen.“
“Wie sollen sie wissen, welchen 50 Prozent?“
“Oh, sie wissen alles. Sie haben in jedem Dorf einen CID-Beamten. Er ist Jude und jeder kennt ihn.“
“Welchen Sinn macht es einen Geheimpolizisten zu haben, wenn jeder weiß, dass er ein Geheimpolizist ist?“
“Es gibt jede Menge Informanten. Ich weiß nicht, was allen Arabern beigebracht hat Spione zu sein.“ Er sagte das in echter Verzweiflung.

„Es gibt in diesem Land Schulpflicht bis zum Alter von 14 Jahren. Das ist etwas sehr Gutes. Wir hatten so etwas vorher nicht. Aber die Muslime schicken ihre Mädchen die Hälfte der Zeit nicht zur Schule und schicken die Jungs nicht, wenn die Geld verdienen können. Was dann? Die Strafe für einen Vater beträgt nur fünf Pfund. Was sind fünf Pfund für den Vater?“

„Wollen Sie wirklich sagen, dass Sie wollen, dass die Juden die Schulen stellen und das Gesetz, das die Schulbildung verpflichtend macht und dann auch die Araber und Drusen zwingen ihre Kinder zur Schule zu schicken und diese Bildung zu nutzen? Würde das die Juden nicht noch unbeliebter machen?“

Er gab mit einem Lächeln zu, dass das der Fall sein könnte und fuhr fort: „Nasser kauft Waffen in Russland, weil er vom Westen keine bekommen konnte. Ägypten hat 20 Millionen Menschen, also braucht es viel mehr Waffen als die Israelis, die nur zwei Millionen sind. Aber Nasser ist nicht verrückt; er wird keinen Krieg führen. Er gibt genauso viel für soziale Reformen aus wie für Waffen. Alle Kinder in den arabischen Ländern gehen jetzt zur Schule.“

„Haben Sie jemals arabische Länder besucht? Waren sie in Ägypten?“

Wir tranken mehr Kaffee; wir zündeten weitere Zigaretten an. Ich machte mich auf weitere Aufklärung gefasst.

„Die arabischen Könige waren nicht die wahren Repräsentanten der arabischen Völker, als sie Krieg gegen Israel führten. Jetzt sollten alle Flüchtlinge zurückkommen und wir sollten die Teilung bekommen.“

An diesem Punkt entschied ich mich, eine lange, entschiedene Stellungnahme abzugeben, um zu sehen, ob es irgendwo einen Treffpunkt der Geister auf Grundlage von beiderseitig akzeptierten Fakten und Denken geben würde.

„Bitte ertragen Sie mich und helfen Sie mir“, sagte ich. „Ich bin eine einfache Amerikanerin und versuche zu verstehen, wie der arabische Verstand funktioniert und das finde ich sehr schwierig. Ich möchte ein paar Dinge auf die Reihe bekommen; wenn ich alles falsch verstehe, korrigieren Sie mich. 1967 empfahlen die Vereinten Nationen die Teilung Palästinas. Ich habe die Landkarte für die Teilung gesehen und studiert. Ich kann nichts dazu sagen, aber es sieht für mich nicht so aus, als wären die Araber um ihren Teil des guten Landes betrogen worden. Die Idee war, dass diese Teilung funktionieren würde, wenn sowohl Juden als auch Araber sie akzeptierten und in einer Wirtschaftsunion lebten. Und natürlich müssten auch die arabischen Länder um die Grenzen herum friedfertig und kooperativ sein, sonst könnte nichts funktionieren. Die Juden akzeptierten diesen Teilungsplan; ich vermute, weil sie das Gefühl hatten, sie hätten keine andere Wahl. Sie waren zahlenmäßig im Land zwei zu eins unterlegen und es gab die arabischen Nachbarstaaten mit fünf richtigen Armeen und vierzig millionen oder mehr Einwohnern, die keine freundschaftlichen Gefühle hegten. Stimmen wir insoweit überein?“

„Das ist richtig.“

„Die arabischen Regierungen und die palästinensischen Araber lehnten die Teilung komplett ab. Ihr wolltet das ganze Land. Das ist kein Geheimnis. Die Äußerungen der arabischen Repräsentanten in der UNO sind aufgezeichnet. Die arabischen Regierungen verbargen nie die Tatsache, dass sie den Krieg gegen Israel anfingen. Aber ihr, die palästinensischen Araber, habt dem zugestimmt, ihr wolltet es. Und ihr habt gedacht, was mir sehr angebracht erscheint, dass ihr gewinnen würdet und zwar schnell. Es schien kaum riskant zu sein; es sah wie eine ganz sichere Sache aus. Ihr seid das Risiko eingegangen und habt verloren. Ich kann verstehen, warum ihr alle seitdem nach Erklärungen für diese Niederlage sucht, weil sie so unglaublich erscheint. Ich akzeptiere eure Erklärungen nicht, aber das tut nichts zur Sache. Was zählt ist, dass ihr verloren habt.“

„Ja.“ Es war einfach erstaunlich; endlich stimmten Ost und West überein, was Worte bedeuten.

„Jetzt sagt ihr, ihr wollt in die Vergangenheit zurückkehren; ihr wollt die Teilung. Ihr sagt also praktisch: Lasst uns den krieg vergessen, den wir angefangen haben, und die Niederlage und nach all dem finden wir, dass die Teilung eine gute, sinnvolle Idee ist. Bitte antworten Sie mir, denn das ist etwas, das ich wissen muss. Wenn die Lage umgekehrt wäre, wenn die Juden den Krieg angefangen und ihn verloren hätten, wenn ihr den Krieg gewonnen hättet, würdet ihr jetzt die Teilung akzeptieren? Würdet ihr einen Teil des Landes aufgeben und den 650.000 jüdischen Einwohnern Palästinas – die vor dem Krieg geflohen waren – erlauben zurückzukommen?“

„Natürlich nicht“, sagte er ohne auch nur einen Moment zu zögern. „Aber es würde keine jüdischen Flüchtlinge gegeben haben. Sie hatten keinen Ort, wo sie hätten hingehen können. Sie würden alle tot oder im Meer sein.“

Er hatte mir den fehlenden Hinweis geliefert. Das Modewort, das wir heutzutage benutzen, heißt „Empathie“ – sich in die Gefühle der anderen hineinversetzen. Ich hatte einzelne Flüchtlinge schätzen gelernt und bewundert, aber ich erkannte, dass ich keine allgemeine Empathie für die palästinensischen Flüchtlinge empfunden hatte und endlich wusste ich, warum – dank dieses netten, grauhaarigen Lehrers. Es ist schwierig mit denen zu trauern, die nur für sich selbst trauern. Es ist schwierig den Mitleidlosen Mitleid entgegen zu bringen. Was einem über alle Zweifel hinweg ans Herz geht, dass die, die laut nach Gerechtigkeit schreien, unschuldig sein müssen. Sie können sich nicht einen siegreichen, lohnenden Krieg gewünscht haben, alle anderen für ihre Niederlage verantwortlich machen und unschuldig bleiben. Einige von ihnen mögen unglückliche Menschen sein und die Zivilisation würde zusammenbrechen (wie sie es berüchtigt in Nazideutschland tat), wenn die meisten Menschen nicht ganz natürlich hingingen, und ihren verletzten Mitmenschen helfen würden. Aber einen profunden Unterschied gibt es zwischen den Opfern von Unglück und Opfern von Ungerechtigkeit. Meine Empathie wusste, wo sie stand, dank des Lehrers.

„Haben sie die Eichmann-Verhandlung mitverfolgt?“, fragte ich. Eine arabische Tageszeitung, Magazine und Radiosender haben in Israel Erfolg.
„Ja. Jeden Tag.“ Er verzog angeekelt die Nase.
„Können Sie sich nicht vorstellen, dass alle Juden in Israel glauben, dieses Massaker an ihrem Volk hätte verhindert werden können, hätten die Juden ein Land gehabt, in das sie hätten fliehen können? Denken Sie nicht, dass sie wussten, also, was Sie gerade sagten: dass es keine jüdischen Flüchtlinge von hier gegeben hätte – sie würden tot oder im Meer sein? Erklärt Ihnen das vielleicht ein wenig?“

Er zuckte mit den Schultern, er lächelte; mit diesen Gesten gab er stillschweigend zu, was ich sagte, aber es hatte wenig Bedeutung. „1948 waren die Araber nicht geeint, deshalb haben wir verloren. 1956 besiegten die Juden Nasser. Er wird nie wieder Krieg führen. Aber wenn es hier in Israel fünf Millionen Juden gibt, werden die Juden Krieg führen, weil sie mehr Land brauchen werden.“

„Israel ist ungefähr so groß wie New Jersey, ein amerikanischer Bundesstaat. In New Jersey leben rund sechs Millionen Menschen recht komfortabel. Israel könne ein Industriestaat werden, ein sehr nützlicher.“

„Nein, kann es nicht. Die arabischen Länder werden das nicht erlauben. Sie werden mit Israel keinen Handel treiben. Sie werden keine israelischen Schiffe durch den Kanal fahren lassen. Sie werden nicht wollen, dass Israel diese Dinge tut. Sie werden Israel nicht akzeptieren.“

„Es ist hoffnungslos“, sagte ich. „Meine Erfahrung ist, dass diejenigen, die mit Krieg drohen, diesen früher oder später auch führen. Wenn die arabisch-israelische Politik sich weiter so entwickelt, mein Freund, dann werden wir vielleicht alle, überall – Sie und Ihre Frau und Maria und mein Kind und mein Ehemann und ich – das Vorrecht habe in demselben dummen letzten Krieg zu sterben.“

Er glaubte, ich mache einen tollen ausländischen Witz. Er hatte nie auch nur den Ansatz eines wirklich großen Krieges gesehen; er konnte ihn sich nicht vorstellen. Er denkt Krieg sei etwas, das ein paar Wochen dauert, während denen man schlechte Munition auf einen weit entfernten Feind schießt, niemand getötet wird, man ein wenig wegläuft und dann in sein unbeschädigtes Haus zurückkehrt und eine guten Leben führt, sogar ein materiell besseres als vorher. Niemand dieser Araber hat ansatzweise erlitten, was die Überlebenden eines modernen Krieges kennengelernt haben, niemand kann sich eine solche Katastrophe vorstellen.

Der christliche Lehrer schickte mich zu einem seiner Freunde, einem muslimischen Lehrer in einem Dorf namens Masra in der Ebene bei Akko. Der muslimische Lehrer war ein junger, schwarzäugiger schöner Mann, der mich in einem kahlen Raum aus Betonwänden empfing, knapp bemöbelt mit einem hässlichen Schreibtisch, Garderobenständer, Stühlen und einer Schlafcouch. Er trug einen gestreiften Pyjama, Spuren von Rasiercreme und eine prinzenhaft sorglose Einstellung. Wir kamen sofort zur Sache.

Vor 1948 betrug die Bevölkerung von Masra 350 Personen; jetzt waren es 200. Ihnen gehörte wenig Land, sie hatten in den benachbarten Kibbutzim und in den Fabriken von Akko gearbeitet. Sie hatten immer gute Beziehungen zu den Juden. „Niemand hier schoss auf die Juden; und keine Juden schossen auf uns.“ (Bemerkenswert ist die Folge in diesem Satz.) Aber jetzt ist Masra gewachsen und angeschwollen; hier leben 900 Flüchtlinge.

„Flüchtlinge?“
“Ja, Leute aus diesen Dörfern.“
Er gestikulierte aus der Tür hinaus, über die Felder.
“Was? Aus den Dörfern in der Umgebung?“
“Ja, ja. Diese Dörfer dort. Sie sind vielleicht sieben Kilometer weit weg.“
“Und ihr nennt sie Flüchtlinge?“

„Natürlich. Hier gab es keine Kämpfe, aber die Leute sind verängstigt, also flohen sie in die drusischen Dörfer, wo sie wussten, dass sie sicher waren, weil die Drusen immer freundlich zu den Juden waren, und hinterher kamen sie hierher. Die israelische Regierung lässt sie nicht in ihre Dörfer zurück. Die Regierung hat ihnen anderes Land angeboten, aber sie werden es nicht nehmen. Vor dem Krieg schickte in diesem Dorf nur mein Vater seine Söhne auf die Schule. Jetzt haben wir eine Schule und 240 Kinder, die dort unterrichtet werden, 100 Mädchen und 140 Jungen. Wir haben fließend Wasser in jedem Haus und elektrisches Licht, das gab es vorher nicht. Niemand besaß ein Radio; jetzt gibt es hier 100 Radios und auch Kühlschränke. Die Leute verdienen gutes Geld.“

„Das muss doch jeder glücklich sein.“
„Nein. Die Leute sind nicht glücklich. Sie wollen zurück in ihre alten Häuser, selbst wenn es dort kein Licht, Wasser oder Geld gibt.“

Sie wussten, dass die Flüchtlinge „in guten Verhältnissen lebten“; er hatte Brüder im Libanon und Syrien, denen es gut ging. Woher wusste er das? Sie schrieben Botschaften als das israelische Radio, das sie sendete; und das libanesische Radio sendete Botschaften zurück. So hatten sie Nachrichten von ihren Familien gehört.

Aber alle Flüchtlinge sollten zurückkehren und Israel sollte geteilt werden. Ich gab ihm denselben Vorschlag wie seinem christlichen Kollegen: Wenn die Araber gewonnen hätten, würden sie die Teilung akzeptieren?

„Nein, niemals, natürlich nicht. Wir würden ein paar Juden als Einwanderer hier leben lassen, aber nicht als die Herren, in keinem Teil von Palästina.“
„Warum, glauben Sie, gingen die Flüchtlinge überhaupt?“

Nun, es gab viel Angst. Dann wussten sie alle von Deir Yassin und erwarteten, dass ihnen dasselbe passieren würde. Innerhalb Israels brauchten die Araber die Flüchtlingsgeschichten von Massakern nicht oder benutzen sie nicht; sie haben keine Berichte von der Flucht, weil sie immer noch Zuhause sind. Sie wissen, was um sie herum passierte und ihre Nachbarn wissen es; solche Geschichten wären zwecklos. Aber sie sprechen von Deir Yassin, wo es ein echtes Massaker gab und das in dem Dorf mit diesem Namen, bei Jerusalem, am 9. April 1948 statt fand.

Bevor der offizielle arabisch-israelische Krieg begann (am 15. Mai 1948), hatte es Monat um Monat „Vorfälle“ gegeben. (Seit der ersten Woche des Dezember 1947 hatte in Palästina der Aufruhr begonnen sich zu steigern. Die Araber behaupteten wiederholt, dass sie der Teilung gewaltsam Widerstand leisten würden. Sie schienen entschlossen diesen Punkt durch Anschläge auf die jüdische Gemeinde Palästinas klar machen zu wollen.“ Trygve Lie: In the Cause of Peace. 1954) Bis Februar 1948 war, abgesehen von verstreuten arabischen Angriffen auf verstreut lebende Juden und Vergeltungsmaßnahmen dafür, die „Arabische Befreiungsarmee“ aus dem Norden nach Palästina verlegt und Jerusalem wurde bombardiert, belagert und von der Außenwelt abgeschnitten. Die Juden versuchten, der belagerten jüdischen Bevölkerung Jerusalems Lebensmittel zu bringen. Eine Menge Juden wurden bei diesen Bemühungen getötet, in Jerusalem und andernorts; und in den Augen einiger Juden wurde nicht genug getan, um das zu verhindern oder zu rächen. Der Staat Israel existierte nicht; keine funktionsfähige jüdische Regierung konnte diese anarchische, tödliche Phase des unerklärten Krieges kontrollieren.

Zwei berühmte illegale Gruppen militanter Juden, die Stern Gang und die Irgun Zvai Leumi, hatte ihre eigenen Vorstellungen, wie Feuer mit Feuer bekämpft werden sollte. Die Briten betrachteten beide als Terroristen. Die Jewish Agency und ihre Untergrundarmee, die Haganah, die die offiziellen jüdischen Autoritäten in Palästina waren, lehnten die Stern Gang und die Irgun Zvai Leumi wegen deren Rücksichtslosigkeit ebenfalls ab. Unter den Umständen, unter denen sie entstanden, erscheinen diese beiden geächteten Gruppen nicht allzu anders als die Widerstandsgruppen, Partisanen und Stoßtrupps, die alle als Patrioten bewundert werden und von denen sich keiner nach den Queensbury-Regeln* richtete.

Die Irgun Zvai Leumi verhielt sich jedenfalls wie verzweifelte Männer im Krieg, nicht wie die Jahrtausend-Erben eines hoch moralischen Kodexes. Das Dorf Deir Yassin lag in der Nähe des belagerten Jerusalem und der lebenswichtigen Straße dorthin. Nach Angaben der Irgun war Deir Yassin ein Nest von Heckenschützen und bewaffneten Arabern; praktisch ein Ort, wo der Feind Kräfte zusammengezogen hatte. Auf eigene Faust entschied die Irgun Deir Yassin anzugreifen. Ihr Führer wurde von arabischem Feuer aus dem Dorf getötet; die Irgun-Kämpfer drehten dann brutal durch und erschossen jeden, den sie sehen konnten. Zweihundertfünfzig Araber wurden getötet.

Bis heute können die Israelis ihre Scham für Deir Yassin nicht überwinden, während sie es nicht schaffen sich selbst, die Araber und die Welt daran zu erinnern, dass Mord schrecklicherweise Mord erzeugt und dass sie eine längere Liste an von Arabern getöteten Juden präsentieren könnten, vor und nach Deir Yassin, aus der Dämmerungszeit des Terrors, die dem offenen Krieg voraus ging.

Die Nachricht von Deir Yassin verbreitete sich im arabischen Palästina wie das Läuten der Begräbnisglocke. Nach ihrem eigenen ethischen Kodex und ihren Kriegsführungsregeln muss Deir Yassin als natürliches Vorzeichen der Zukunft der Araber erschienen sein. Sie wollten die Juden abschlachten; wenn die Juden siegten, würden sie offensichtlich die Araber abschlachten. Wie der schöne Lehrer herausstellte, schickte Deir Yassin Todesangst in ein große Zahl der arabischen Bevölkerung. In Panik flohen sie aus Palästina.

Da wir über Krieg redeten, kamen wir leicht auf das Thema Nasser.

„Hier lieben sie Nasser. Alle lieben ihn. Er ist eine arabische Person. Sie glauben nicht, was er im Radio sagt: Tötet die Juden, werft sie ins Meer. So lange er das sagt, passiert nichts. Es wird keinen Krieg geben. Etwas anderes wird ausgehandelt, aber nicht so bald.“

Der christlich-arabische Lehrer hatte mir von einem Priester in Akko erzählt, den ich besuchen sollte, aber ich konnte ihn nicht finden. Statt dessen ging ich zum nächsten Kirchturm, klingelte an der Tür darunter und wurde von einem enorm großen, rundlichen Priester in brauner Kutte eingelassen. Er sah wie ein Araber aus, war aber Italiener. Er hatte seit fast dreißig Jahren im Land gelebt und gelernt zu überleben: mit Gelächter. Er lachte über alles und es war ein atemberaubender Anblick, als wenn ein Nilpferd in stille Heiterkeit ausbricht.

Wir setzten uns in seine steif gepolsterten Besucherstühle und grübelten über dem Problem der Flüchtlinge. Wenn es die Wahl gäbe zwischen einem großzügigen finanziellen Ausgleich oder Rückkehr, würden nur 50 Prozent der Flüchtlinge zurückkehren wollen und die meisten derer, die zurückkämen, würden nicht bleiben. „Sie könnten nicht ertragen, wie dieses Land geführt wird. Die Disziplin. Die Arbeit.“ Die Flüchtlinge werden von den arabischen Führern, von der Propaganda daran festgehalten an Palästina zu denken. Warum nicht Fabriken bauen und Land zur Verfügung stellen, um sie in arabischen Ländern anzusiedeln? (Die arabischen Regierungen wünschen das nicht, Vater.) Gebt den arabischen Regierungen Geld und sagt ihnen, sie sollten die Arbeit erledigen und kontrollieren. (Wie?) Durch Druck. (Aber welchen Druck, Vater?)

Er erzählte arabischen Priestern oft von den dreizehn Millionen Flüchtlingen, die aus Ostdeutschland nach Westdeutschland kamen; sie wurden alle in Westdeutschland absorbiert und bereicherten das Land. Warum sollten nicht 800.000 arabische Flüchtlinge die arabischen Länder bereichern, die groß und unterbevölkert waren? Aber es ist zwecklos; Araber haben nie von anderen Flüchtlingen gehört oder von anderen Problemen als ihren eigenen; und sie können nicht praktisch darüber nachdenken.

Das ganze Problem ist weder Ost und West; die Araber sind sehr glücklich dazwischen, wo sie Erpressung nutzen können. Das würde aufhören, wenn der Osten und der Westen sich einigen könnten; oder wenn der Westen einig wäre und stark und seinen Willen aufdrücken könnte. (Aber wie, Vater?)

Nun ja, die Juden könnten genauso gut die Flüchtlinge zurückkommen lassen, die Araber hier sind dem Staat gegenüber loyal. („Diejenigen, die ich getroffen habe, verabscheuen die Juden und den Staat, Vater, und das wissen Sie.“ Ich erwartete sein Lachen, um zu lärmen, es war so gewaltig.) Ja, ja, das ist wahr, aber sie tun nichts. Es gibt keinen Widerstand, keinen Untergrund. Überlegen Sie, was sie tun könnten, wenn sie wirklich wollten, mit den arabischen Ländern rundherum als Ausgangsbasis. (Einige Araber taten lange Zeit etwas, Vater – genauer gesagt, bis 1956; schauen Sie sich die zahllosen Zwischenfälle mit den UNO-Polizeikräften an, die gerufen wurden, um Morde, Diebstähle, Sabotage zu untersuchen.) Oh, das war nichts, nichts, verglichen mit dem, was sie tun könnten, wenn sie wirklich wollten.

Mit einem weiteren stillen Ausbruch erzählte er mir, dass die Araber sagten: Erst werden wird die Sabbate beseitigen, dann die Sonntage. Sie verändern ihre Ideen nie. Sie liefen herum und suchten nach den Frauen und den Häusern, die sie nehmen würden, wenn sie es schafften die Juden und die Christen loszuwerden. Er lachte sich in ein kräftiges Schütteln darüber.

Ich frage nach dem Eichmann-Verfahren und der Reaktion seiner römisch-katholischen Pfarrkinder. Nun, seine christlichen Araber glaubten, Eichmann haber recht, weil die Juden der Feind des deutschen Staates waren. Sie waren immer die Feinde des Staates; die Pharaonen hätten sie aus Ägypten gejagt, der persischen König versuchte sie zu beseitigen, Ferdinand und Isabelle warfen sie aus Spanien hinaus. Niemand konnte in guten Beziehungen mit ihnen leben, also hatte Eichmann recht. (Entsetzt, furchtbar entsetzt sagte ich: „Das ist doch sicherlich keine christliche Haltung gegenüber den abstoßendsten Mördern, die wir kennen?“ Er fand es furchtbar lustig, dass ich von Arabern eine christliche Einstellung erwartete.)

„Ich mag weder die Araber noch die Juden“, verkündete der Priester mit großem Humor, „aber ich diene ihnen von ganzem Herzen, wie ich es tun muss.“

Er fragte mich an der Tür, ob es in den Flüchtlingslagern irgendwelche christlichen Araber gäbe. Ja, ich hatte ein Lager mit Christen im Libanon gesehen.

„Das überrascht mich. Es muss sehr wenige geben. Ich hätte erwartet, dass sie besser klar kommen. Sie träumen nicht ständig. Sie haben mehr Kontakt zur Wirklichkeit als die Muslime.“

Inzwischen konnte ich eine örtliche arabische Darstellung der Realität vorhersagen. Zuerst erklären sie, dass nicht sie den Krieg gegen die Juden verloren hätten; verschiedene andere sind für die Niederlage verantwortlich. Dann prahlen sie fröhlich mit ihrem materiellen Wohlstand, als hätten sie diesen erfunden. In dieser Phase könnten die israelischen Juden Rauchfetzen sein; sie hatten nichts mit dem Aufbau des Landes zu tun. Trotzdem geht es den Arabern schlecht; obwohl sie es nie so gut hatten, ist es nicht gut genug, was natürlich die Juden schuld sind. In der Regel sagen diese Araber, wie sehr sie Nasser lieben und ihre Hingabe erinnert seltsam and österreichische Nazis vor fünfundzwanzig Jahren, als sie den stattlich entfernten Führer, Adolf, priesen, aus dessen Hand aller Segen fließen würde. Was sie glauben, das sie jetzt wollen, ist die Flüchtlinge heim zu bringen und die Teilung des Staates. Sie haben das weder als praktische Frage durchdacht, noch sich seine Auswirkungen auf ihren neu gefundenen Wohlstand vorgestellt.

Ich besuchte eine Schule in einem Dorf, in dem der Wohlstand wie Ausschlag ausgebrochen war – neue Häuser, Geschäfte, ein Krankenhaus, Oberschule, größer Grundschule und die Lehrer hielten die von mir vorhergesehenen flammenden Reden. Nachdem sie mir erzählten, wie gut es allen ging und mit ihrem Zuwachs prahlten, sagten sie mir, wie unglücklich und arm sie alle seien, weil sie dort 40.000 Dunam (ca. 400.000ar) Land besessen hätten und jetzt hätten sie nur noch 10.000 Dunam. Aber ein anderer Araber, der das Gespräch mitbekommen hatte und als Agrarinspektor arbeitete, erklärte, dass die 10.000 Dunam bewässert waren, was neu war, und dass sie auch wissenschaftlich bewirtschaftet wurden und daher mehr produzierten als die 40.000 Dunam, die sie vorher hatten. Diesen Gesprächen zuzuhören ist Arbeit für einen Psychiater, nicht für einen Journalisten.

Ich sehnte mich nach meinem Hotelzimmer in Jerusalem, aber Nissim hat zwei Herzenswünsche: und Nissin war ein derart netter Mann, dass ich ihm das nicht abschlagen konnte. Da gab es diese „große Dame“, die ich treffen sollte, eine Muslimin. „Sie gründete ganz alleine einen muslimischen Frauenverein, sie“, sagte Nissim. „So etwas hat es noch nie gegeben. Was für eine mutige Frau. Die Musliminnen treffen sich an einem Ort und lernen zusammen und hören Vorträge, die Frauen. Ist das nicht wundervoll?“ Ich konnte sehen, dass Nissim von Natur aus eine Sufragette war. Er wollte mit mir auch ein neues Dorf mit von der Regierung gebauten Häusern besuchen, die die arabischen Bürger durch Teilzahlungspläne über eine kleine Miete kauften. Nicht jeder hat die Chance solch schöne, preisgünstige Häuser zu besitzen und Nissim – wie alle jüdischen Israelis – ist so richtig stolz auf jede Verbesserung in seinem Land.

Zuerst besuchten wir die Dame, die in einer modernen Villa wohnte, an Mittelklassen-Standards überall auf der Welt gemessen luxuriös, für den Nahen Osten geradezu ein Palast, sehr glänzend und geschmacklos. Nissim fand es wunderbar; sie auch, mit anerzogener Zurückhaltung. Sie war jung, charmant, gerade von ihrer Arbeit als Lehrerin zurückgekehrt, gebadet und für den Nachmittag in ein ärmelloses rotes Kleid gekleidet. Sie sprach von ihrem muslimischen Frauenverein, dessen Mitglieder die Altersgruppe von 15 Jahren bis 60 umfasste und Nähen, Kochen, Kindererziehung lernte, Vorträge hörte und von ihrem neuen Unternehmen begeistert waren. Ich bin wie Nissim eine Sufragette und war höchst erfreut. Dann begannen die vorhersagbaren Beschwerden. Die Bauern, sagte sie, haben Arbeit und Geld und kümmern sich um nichts anderes. Aber die gebildeten Leute leiden; sie haben alle ihre Bildung und nachdem sie ihre Ausbildung abgeschlossen haben, was sollen sie tun? Nur die Berufe und Geschäfte und ein paar werden ins Parlament gewählt; aber sie können in der Armee keine Positionen erreichen. Ihr Ehemann, ein Apotheker, muss vier Busse nehmen, um seinen Arbeitsplatz zu erreichen, aber hier ist das Dorf mit 8.000 Menschen ohne Apotheke, warum eröffnen die Juden keine Apotheke?

„Wenn es hier so dringend eine Apotheke gebraucht wird, warum eröffnet Ihr Mann nicht selbst eine? Das ist kein kommunistischer Staat hier; es gibt auch keine Gesetze gegen private Unternehmen. Sie sind bekannte Leute, volle und freie Staatsbürger. Sei können sicherlich einen Kredit bekommen, wenn Sie einen brauchen.“

Es wird erwartet, dass man nicht über Beschwerden streitet; das sind schlechte Manieren. Ihr Gesicht verschloss sich wie eine hübsche, olivenfarbene Falle.

„Die Israelis sagen, dass sie keine Araber in die Armee einziehen – außer den Drusen, die selbst darauf bestanden – weil die einzigen Leute, gegen die die Arme jemals kämpfen müsste, Araber sind. Das scheint mir anständig zu sein und es scheint eine vernünftige militärische Sicherheitsmaßnahme zu sein. Wie würden eure Männer sich fühlen, wenn sie aufgeforderte würden ander Araber zu bekämpfen, die ihre Blutsverwandten sein könnten und vorhaben ihre Befreier zu sein? Glauben Sie, es ist ein guter Job, wenn ein Mann in die Armee geht, in der er nicht mit seinem Herzen dienen kann und sein Wissen weiter gibt, wenn die Zeit dazu reif ist? Das könnte ein hervorragender Job für Spione sein, aber nicht für Soldaten.“

Sie öffnete ihr verschlossenes Gesicht, um zu sagen: „Ja, ich verstehe. Aber das ist unser Land.“

Das Thema war zu heiß und zu aussichtslos. Abgesehen davon war ich das Gespräch leid, das anscheinend verlangt, dass Nichtaraber Araber behandeln, als seien neurotische Kinder, die Wutanfälle bekamen oder innere Blutungen durch spirituelle Wunden. Dieses Mädel kam mir nicht wie ein armseliger Schwächling vor.

„Nur durch das Recht des Eroberers“, sagte ich. „Im siebten Jahrhundert. Die Juden kamen als erste, rund zweitausend Jahre vor euch. Ihr haben eine sehr lange Zeit nicht als Herren in eurem eigenen Haus gelebt. Abgesehen von den Kreuzfahrern, haben die ottomanischen Türken euch stabile vierhundert Jahre herumkommandiert, bevor die Briten das übernahmen. Jetzt haben die Juden ihre Land durch das Recht des Eroberers zurückgewonnen. Hin- und hergedreht“, sagte ich und fühlte mich selber so gemein gesonnen wie ein Araber. „Fair ist fair.“

“Wie war’s?”, fragte Nissim, der im Auto gewartet hatte. „Sie ist klasse, nicht wahr? Bedenken Sie, sie hat angefangen die muslimischen Frauen zu unterrichten. Niemand sonst tat das.“

Die Israelis sind immer die ersten, die dir erklären (und wer könnte das besser wissen als sie?), dass es schmerzhaft ist eine Minderheit zu sein: Die Araber in Palästina wurden plötzlich zu einer Minderheit. Es ist schmerzlich (und wer weiß das besser als die Israelis?) von den zahlreichen, benötigten Mitgliedern der eigenen Familie getrennt zu sein. Die Israelis werden auch erklären, dass die Araber in Israel zerrissen sind: Ihre ethnische Loyalität gehört den Feinden Israelis und sie haben Angst; wenn die arabischen Staaten ihren Krieg gegen Israel führen, wie es regelmäßig im Radio aus Kairo, Damaskus, Beirut versprochen wird, wie wird ihr Schicksal aussehen? Würden die Araber draußen sie, die Araber in Israel, als Kollaborateure, als Verräter betrachten?

Die emotionale Position der israelischen Araber quält sie (und wird von den arabischen Radiosendern in dieser Qual festgehalten), obwohl sie materiell sicher leben, geschützt durch Gleichbehandlung durch die Justiz unter dem Gesetz und durch einen beinahe übertriebenen Respekt für ihre Gefühle. Wenn die arabischen Staaten mit Israel Frieden schließen würden, dann ist es möglich, dass alle israelischen Araber sich entspannen, glücklich sein und mit vollem Herzen Israel unterstützen würden. Wenn nicht, dann nicht. Niemand könnte, nachdem er den israelischen Arabern zugehört hat, glauben, dass palästinensische Flüchtlinge zufriedene oder loyale Bürger Israels sein könnten.

Das neue Dorf, das Nissan so zufrieden stellte, bestand aus Reihen kleiner, verputzter Häuser, gestrichen in Pastellfarben oder weiß mit pastellfarbenen Holzarbeiten. Sie haben eine Veranda mit Vordach, zwei recht große Zimmer, eine Küche, ein Badezimmer mit Dusche und kleine Gärten. Kein Araber der Arbeiterklasse, den ich irgendwo sonst im Nahen Osten sah, besaß ein Haus wie diese, aber die Eigentümer waren nicht zufrieden, wie sie es, das wusste ich, nie sein würden. Ein etwa 14 Jahre alter Junge konnte Englisch sprechen; Jungs in dem Alter sind wertvolle Informanten – sie plappern die Älteren ohne nachzudenken nach.

„Wir sind sehr arm“, sagte er.
“Wie kann man sehr arm sein und in solchen Häusern leben? Ihr müsst für sie zahlen.“
“Wir müssen sehr hart arbeiten. Härter als früher. Furchtbare Arbeit. Wir haben kein Land.“
“War Landwirtschaft keine harte Arbeit?“
“Nein. Das war leicht. Nicht so wie jetzt.“
“Wie kommt deine Familie klar?“
“Meine Brüder arbeiten. In Tel Aviv. An einer Tankstelle. Das ist furchtbar harte Arbeit.“

Als wir wegfuhren, liefen hübsche, gesunde Kinder neben dem Auto her. Ich winkte. Nissim sah merkwürdig aus, es stimmte etwas nicht; dieser chronische Optimist schien traurig.

„Was ist los, Nissim?“
“Nichts. Was die Kinder sagen.“
“Du meinst, was sie gerade rufen?“
“Ja. Sie sagen: ‚Wo fährst du hin, Bastard? Ich spucke auf dich.’“

Warum, dachte ich. Wozu? Wird das nie aufhören?

„Hasst du die Araber, Nissim?“
“Nein. Natürlich nicht.“
“Warum nicht?“
“Was bringt Hass Gutes?“

Ja, was? Araber stopfen sich mit Hass voll, sie suhlen sich darin, sie atmen ihn. Die Juden stehen ganz oben auf der Liste des Hasses, aber alle Fremden sind für Hass gut genug. Die Araber hassen auch einander, einzeln und in der Masse. Ihre Politiker verändern die Richtung ihres Hasses, als würden sie ihre Hemden wechseln. Ihre Presse vulgär niederträchtig mit Hass erfüllten Karikaturen; ihre Berichterstattung beschreibt, welcher Hass gerade am höchsten steht und zweckdienlich ist. Ihr Radio ist ein langer Schrei des Hasses, eine Forderung nach Hass. Sie lehren ihre Kinder in der Schule Hass. Sie müssen den Geschmack des Hasses lieben; er ist ihr täglich Brot. Und was hat er ihnen Gutes gebracht?

UNO-Gelder für das Ausbrüten von Hass auszugeben hat keine Zukunft. Es kann keine Zukunft darin liegen, Israel ständig zuzusetzen und zu drangsalieren, dass es über das Hereinlassen eines Heuschreckenschwarms von Feinden Selbstmord begeht. Die Zukunft kann nicht in Nassers Lösung liegen, dem Heiligen Krieg gegen Israel; und wir sollten das besser sehr deutlich machen, und zwar sehr schnell. Alte, trübe Erinnerungen gibt es von den Sudetendeutschen und der Tschechoslowakei. In einer neuen Inszenierung nehmen die palästinensischen Flüchtlinge die Rolle der Sudetendeutschen an. Israel wird zur Tschechoslowakei. Die Propaganda bereitet den Befreiungskrieg „unserer Brüder“ vor. Der sieg über einen unwichtig nahen Feind wird geplant als westlicher erster Schritt auf einer langen Triumphfahrt der Eroberung. Ein muslimisches tausendjähriges Reich, der von Ägypten beherrschte afrikanische Kontinent mögen ein wahnsinniger Traum sein, aber wir haben Erfahrung mit wahnsinnigen Träumen und wahnsinnigen Träumern. Wir können gar nicht vorsichtig genug sein. Das Echo der Stimme Hitlers ist im Land wieder zu hören; sie spricht jetzt Arabisch.

Unglücklicherweise für uns alle, einschließlich der Araber, sind die arabischen Staaten des Nahen Ostens gleichzeitig von der Unabhängigkeit und dem zwanzigsten Jahrhundert getroffen worden. Das ist ziemlich viel auf einmal und sie gehen damit weder verlässlich noch vernünftig um. Der Kalte Krieg ist auch nicht hilfreich; er ermutigt zu Dummheiten. Ost und West gehen mit den Arabern mit nervöser Unruhe um, beschwichtigend und mit Bestechung; Ost und West haben ihre Augen auf die geographische Lage der arabischen Staaten und die immense Menge an Öl unter ihren Wüsten fixiert. Niemand kann mit den Arabern über praktische Fakten zu Israel reden oder tut es; es wäre sinnlos. Selbst die vernünftigsten arabischen Führer haben sich die Hände durch eine offizielle Politik des Hasses gebunden. Gegenwärtig würde jede arabische Regierung, die auf eine rasche, friedliche und vorteilhafte Lösung des Problems der palästinensischen Flüchtlinge drängt, pöbelnd angegriffen. Der Mob ist dreizehn Jahre lang indoktriniert worden, die arabischen Flüchtlinge ebenfalls.

Die palästinensischen Flüchtlinge hätten lange in das wirtschaftliche Leben der arabischen Länder absorbiert werden können, trotz der Behauptung des UNRWA-Direktors – in seinem Bericht von 1960 – dass es für die Flüchtlinge in den arabischen Staaten keine Arbeit gibt. Natürlich gibt es sie nicht; wenn es sie gäbe, wäre der arabische Lebensstandard ein höherer und besserer als er es jetzt ist. Die Arbeitsplätze müssen geschaffen werden; aber die arabischen Staaten brauchen die Schaffung dieser Jobs genauso wie die Flüchtlinge sie brauchen um zu arbeiten. Der Direktor der UNRWA erklärt im selben Bericht, dass die Mehrheit der palästinensischen Flüchtlinge unqualifizierte Bauern sind und es in den arabischen Staaten bereits genügend oder zu viele davon gibt. Zweifellos. Aber unausgebildete Bauern haben überall auf der Welt gelernt geschickte Fabrikarbeiter oder wissenschaftliche Farmer zu sein und zwar innerhalb kurzer Zeit; diese Fähigkeit zu lernen ist es, das unsere moderne Industriezivilisation bewegt. Die jemenitischen Juden, die innerhalb einer Woche aus dem Mittelalter nach Israel umzogen, die unausgebildeten polnischen Landarbeiter, die die Stahl-Walzwerke von Nova Huta betreiben, sind offensichtliche Beispiele für diese Verwandlung. Die benachbarten Araber halten die palästinensischen Araber als ausgesprochen intelligent. Ich würde meinen, dass dieser Ruf verdient ist. Es gibt keinen Grund zu glauben, dass sie nicht lernen können, wie andere es getan haben.

Wo es einen Willen gibt – und derart viel ungenutztes Land und verschwendetes Wasser, Mineralien und Öl, Unterbevölkerung und unentwickelte Industrien wie in den riesigen arabischen Territorien – da gibt es einen Weg. „Westliche Imperialisten“ müssten für den größten Teil des Weges Geld beitragen und es wäre zu einem geringen Preis. Es ist teurer Unterstützungsempfänger auf Dauer zu unterstützen, als freie, sich selbst finanzierende Bürger. Die eine Verwendung von Kapital ist aussichtslos und hört niemals auf; die andere ist eine Investition, human und profitabel, die sie sich bezahlt macht. Sie bezahlt dadurch, dass der Frieden erkauft wird und wir brauchen uns nicht darüber zu streiten, was der bessere Handel ist: Frieden oder Krieg. „Westliche Imperialisten“ sollten den Weg bereitstellen, die arabischen Regierungen den Willen ihn zu gehen.

Die Wirtschaft ist nicht alles; und die Tragödie der meisten Flüchtlinge besteht nicht darin, dass sie in den Ländern, in denen sie jetzt wohnen, verhungern, sondern dass ihre Herzen und Seelen verhungern. Sie sind einsame Fremde, die die Sprache des neuen Landes nicht sprechen, noch seine Gewohnheiten kennen; sie sind Fremde. Aber die palästinensischen Flüchltnge sehen so aus, denken, fühlen und organisieren sich sozial so, wie es die Araber der „Gastgeberländer“ tun. Sie sprechen dieselbe Sprache, sie praktizieren dieselbe Religion. Die christliche Minderheit würde in jedem arabischen Land Minderheits-Christen finden, außer im Libanon – dort sind sie die größte Gruppe. Die palästinensischen Araber sind in der arabischen Welt keine Fremdlinge; sie sind Mitglieder in derselben Familie.

Nach Angaben der arabischen Politiker und Apologeten lehnen die palästinensischen Flüchtlinge es ab in der arabischen Welt integriert zu werden; für sie heißt es Palästina oder nichts. Jeder schreit für die palästinensischen Flüchtlinge, schreit auf sie ein, schreit über sie hinweg, aber niemand hat je die Flüchtlinge gefragt, was sie selber wollen: Wo wollt ihr leben? Was wollt ihr tun? Mit meiner winzigen Gallup-Umfrage habe ich reichlich Flüchtlinge ausgegraben, die glücklich wären, wo sie sind und nicht die Sehnsucht haben nach Palästina zurückzukehren, egal, was passiert; und reichlich Flüchtlinge, die sich danach sehnen in reichere arabische Länder auszuwandern, wo die Zukunft besser aussieht oder hinaus in die große nichtarabische Welt. Mit Ausnahme eines christlichen Arabers aus Jaffa, der glaubt, dass die Juden ehrlicher sind als die arabischen Muslime und man mit ihnen besser Geschäfte machen kann, wollte keiner von ihnen als israelische Staatsbürger nach Israel zurückkehren und in Frieden mit ihren jüdischen Nachbarn leben. Wir brauchen eine heimliche Umfrage unter beiden Geschlechtern, vom Alter von 12 Jahren an, um herauszufinden, was die Flüchtlinge selbst sich für ihr Leben wünschen. Diese Umfrage müsste geheim ablaufen, denn es ist unmöglich, gar gefährlich für einen arabischen Flüchtling offen auf sein Interesse an Palästina zu verzichten. Ein solcher Freidenker würde als Verräter an der arabischen Sache gebrandmarkt. Der Mensch ist ein politisches Tier, aber er will auch leben. Die Politik hat diesen Flüchtlingen seit langer Zeit eine sehr trockene Brotkrume angeboten.

Doch die arabischen Regierungen bestehen darauf, dass die palästinensischen Flüchtlinge en politisches Problem sein. Einmal im Jahr schwingen sie formell diese wartenden Leben in der UNO-Vollversammlung. Den Rest des Jahres schwingen sie mit unterschiedlicher Intensität, die von ihrer Innenpolitik abhängt, diese wartenden Leben, um den arabischen Hass Zuhause zu schüren. Die arabischen Regierungen sagten, sie werden die Existenz des Staates Israel nie und nimmer akzeptieren. Die logische Schlussfolgerung ist, dass sie, sobald sie bereit sind, vorhaben aus ihrem kalten Kriegszustand in einen heißen bewaffneten Konflikt ausbrechen und Israels Existenz beenden werden. Wir können die arabischen Staaten nicht zwingen mit Israel Frieden zu schließen, aber wir müssen sie um des gesamten menschlichen Lebens willen, einschließlich ihres eigenen, davon abhalten tatsächlich Krieg zu führen. Eine unerlässliche Verhinderungshandlung wäre es, die palästinensischen Flüchtlinge als Rechtfertigung für Krieg wegfallen zu lassen.

Bringt es nichts, den arabischen Regierungen etwas anzubieten? Wir können sie nicht drängen oder ihnen drohen. Ihr Stolz ist verletzt worden; sie sind unsichere, lärmende Heranwachsende in einer verschlagenen Erwachsenenwelt; ihr Nationalismus ist neu und sie haben den Verdacht, dass er von allen Seiten beleidigt oder angegriffen wird; sie leben nicht leicht mit sich selbst oder mit einander; und sie haben noch nicht begriffen, dass eine Nation nur so stark ist wie ihr Volk – wenn Waffen auf Seuchen, Analphabetismus und Armut getürmt, ist das eine nutzlose Last. Aber wenn wir unsere Seelen kennen, geduldig sind, fest und großzügig, könnten uns die arabischen Regierungen erlauben ihre Länder zu bereichern.

Unser westliches Angebot sollte klar sein: Die UNRWA soll als Brücke in die Zukunft weiter arbeiten; wir werden für die Brücke und die Zukunft zahlen – dass die palästinensischen Flüchtlinge Stück um Stück arabische Staatsbürger werden, ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen, auf dem Land, in der Industrie, die unser Geld und unsere technische Hilfe zur Verfügung stellen. All das, aber nicht einen einzigen Pfennig für ein politisches Problem. Die palästinensischen Flüchtlinge müssen für immer aus der Politik entfernt werden; ihnen muss dieselbe Chance gegeben werden, die Millionen Flüchtlinge vor ihnen hatten: eine Chance auf Arbeit, privaten Frieden und ein Privatleben.

Sollten die arabischen Regierungen ein solches Angebot glatt ausschlagen, pikiert sein und die UNRWA den Russen übergeben? Die arabischen Führer ist Zuhause der Kommunismus egal. Russland, als Mutter und Lehrer Hunderttausender junger arabischer Flüchtlinge, würde wie nicht bezaubern. In der widerwärtigen Ost-West-Rivalität um die arabische Zuneigung (und der um Öl und die Geographie) könnten wir wenigstens einmal ein vernünftiges, mitfühlende Risiko eingehen. Es ist nicht wahrscheinlich, das wir in diesem Bereich überboten werden. Die arabischen Regierungen lieben uns nicht, aber sie haben mehr Angst vor den missionierenden Kommunisten.

Die UNRWA hat hervorragend Mutter und Vater gespielt und kann den Flüchtlingen als Führer in die Zukunft dienen. Das größte Geschenk der UNRWA für die Flüchtlinge, die arabische Welt und – indirekt – für uns sind die Bildung und Gesundheit ihrer Schützlinge. Die UNRWA sollte mehr Geld erhalten und in erster Linie als Bildungsinstitution angesehen werden. Meiner Meinung nach wird die UNRWA noch eine Weile dabei sein, eine bewundernswerte Trainingsinstitution für junge Palästinenser und ein freundliches Seniorenheim für ältere Palästinenser. Aber die UNRWA muss aus der Politik herausgenommen werden. Ihre Arbeit sollte nicht der arabischen politischen Aufsicht unterliegen; keine ihrer Aktivitäten sollte für arabische Propagandazwecke genutzt werden; und ihr westliches Personal muss sich rigoros aus dem arabisch-israelischen Konflikt heraushalten.

Die palästinensischen Flüchtlinge sind eine Kettenreaktion. Arabische Politiker und ihre Apologeten wollen uns glauben machen, dass die Explosion mit der Balfour-Erklärung begann, die „mit Wohlwollen die Errichtung einer Heimstatt für das jüdische Volk in Palästina betrachtet“. Wahrscheinlicher ist, dass die Explosion in den Tiefen der Zeit los ging, als die Römer die Juden aus ihrer einzigen Heimat vertrieben, von dem Boden, der ihre Geschichte hervorbrachte, der Bibel. Fast 2000 Jahre später begingen Hitler und seine Anhänger derart barbarische Verbrechen gegen die Juden, wie sie die Christenheit und der gesamte Islam, auch sie barbarisch, ihnen in den Jahrhunderten der jüdischen Zerstreuung niemals zugefügt hatten. Die Nazis und die Gaskammern machten den Staat Israel unausweichlich: die palästinensischen Araber und die fünf Invasionsarmeen bestimmten die Grenzen Israels.

Die palästinensischen Flüchtlinge sind unglückliche Opfer eines kurzen Augenblicks in der Geschichte. Es wird vergessen, dass auch die Juden gleichermaßen Opfer sind, Opfer desselben Augenblicks. Der arabisch-israelische Krieg und seine sich fortsetzenden Nachwirkungen schufen eine zweifache Völkerflucht. Fast eine halbe Million Juden, die alles hinter sich ließen, was sie besaßen, entkamen aus den arabischen Ländern, in denen sie lebten, um wiederum als Flüchtlinge in Israel ein neues Leben zu beginnen. Innerhalb einer Generation werden, wenn die Zivilisation bestehen bleibt, die palästinensischen Flüchtlinge in die arabischen Staaten einfügen, weil die Jungen darauf bestehen werden ein echtes Leben zu führen, statt endlos zu warten. Wenn wir den Frieden erhalten können, so unruhig er auch sein mag, werden die Kinder der palästinensischen Flüchtlinge sich unter Ihresgleichen im Land ihrer Vorfahren eine Heimat schaffen. Für die Juden gibt es kein Land der Vorfahren außer Israel.
*Marquess of Queensbury Rules für den Boxkampf aus dem 19. Jahrhundert (http://en.wikipedia.org/wiki/Queensbury_rules)

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