Terror durch Einzeltäter (2) – Einzelgänger-Terrorismus in Israel

Im Verlauf dieses Jahres haben vermehrt „Einzeltäter“ [heute würde man sie „einsame Wölfe“ nennen – heplev 2016] ohne erkennbare Verbindung zu einer der Terrororganisationen Terroranschläge in Jerusalem verübt. Der erste war die Ermordung von Schülern einer Jeschiwa in Jerusalem; dem folgten im Juli zwei Anschläge mit Hilfe von Baumaschinen; und am Löwentor (auch Stephanstor) wurden zwei Polizisten auf Patrouille beschossen (einer davon erlag inzwischen seinen Verletzungen).
Dass diese vermeintlichen Einzeltaten miteinander verbunden sind und auch ein gewolltes Konzept dahinter steht, zeigt Joel Fishman in seinen zwei Artikeln für
Makor Rishon auf.

Einzelgänger-Terrorismus in Israel – die Verbindungen herstellen

Joel Fishman, Makor Rishon, 25. Juli 2008 (direkt vom Autor)

Am Dienstagnachmittag, 22. Juli, machte Jerusalem erneut die Erfahrung eines Terroraktes, als ein Bürger aus Ostjerusalem sich einen Bagger aneignete, um ihn als Waffe gegen unschuldige Zivilisten zu benutzen. Die Medien reagierten anfänglich damit, dass sie den Anschlag eine Nachahmungstat nannten, die nach dem Vorbild des Anschlags vom 2. Juli an der Jaffa Road im Zentrum Jerusalems verübt wurde, als ein anderer Ostjerusalemer Fahrer absichtlich einen Radlader in Fahrzeuge, unter anderem einen Linienbus, rammte und drei Menschen ermordete und Dutzende verletzte. Die Polizei bezeichnete diesen und den vorigen Baggeranschlag als Tag eines Terroristen, der auf eigene Faust handelte. In einem kurzen Artikel mit dem Titel „Der Mythos des einsamen Terroristen“ in der Makor Rishon vom 4. Juli habe ich dargelegt, dass es unmöglich ist zu wissen, ob der Terrorist auf eigene Initiative handelte und dass man Terrorakte nicht von der Umwelt des Täters trennen kann, nämlich der Langzeit-Beeinflussung durch Aufhetzung zu Hass und Gewalt. Wenn wir den Mord an acht Schülern der Jerusalemer Merkaz Ha-Raf-Jeschiwa vom 6. März einbeziehen, der nach Angaben der Polizei auch von einem einsamen Terroristen begangen wurde, sowie die Schüsse auf zwei Polizisten auf Patrouille am Löwentor am 11. Juli, dann ist klar, dass wir uns einer Serie von individuellen Terrorakten gegenüber sehen und nicht willkürlichen Ereignissen.

Bedeutet das, dass wir nun einer neuen Art des Terrors ausgesetzt sind, die offenbar ohne einen Führer oder eine Organisation stattfindet? Vielleicht ja. Jüngst in den USA veröffentlichten Berichte haben das Problem des „Einzelgänger-Terrorismus“, „Einzelgänger-Extremismus“ oder „führungslosen Widerstands“ untersucht. Nach Angaben von Wikipedia „identifiziert sich der ‚Einzelgänger’-Terrorist ideologisch oder philosophisch mit einer extremistischen Gruppe, kommuniziert aber nicht mit der Gruppe, mit der er/sie sich identifiziert. Während die ‚Einzelgänger’-Taten dadurch motiviert sind die Ziele der Gruppe voranzubringen, sind die Taktik und die Methoden vollständig durch den ‚Einzelgänger’ ausgedacht und geleitet, ohne jeglichen Befehl oder Leitung von außen. In vielen Fällen … hat der ‚Einzelgänger’ niemals persönlichen Kontakt mit einer größeren Gruppe gehabt. Deswegen stellt der Einzelgänger-Terrorismus ein besonders Problem für Terrorbekämpfungs-Beamte dar, da es – verglichen mit konventionellem Terrorismus – beträchtlich schwieriger ist Informationen hierzu zu sammeln.“

Nach Angaben der Anti-Defamation League formulierte Alex Curtis, ein White Supremacist aus San Diego, diese Methode, die vorher bereits ohne angemessene Bezeichnung existiert haben könnte. Curtis vertrat die Abtrennung rassistischen Untergrund-Organisationen, um dem Kriminalsystem auszuweichen. Ein Artikel auf der Internetseite der ADL, der im Juli 2002 erschien, stellt fest, dass Curtis „sich eine zweiteilige Hass-Bewegung vorstellte, innerhalb derer ‚kontroverse und subversive’ Propaganda weithin verbreitet und damit zu einem revolutionären Untergrund führen würde. Dieser Untergrund würde aus ‚Einzeltätern’ bestehen – rassistischen Kriegern, die alleine oder in kleinen Gruppen agieren, die über ‚tägliche anonyme Taten’ die Regierung oder andere Ziele angreifen. Curtis betrachtete sich selbst als Propagandisten, der die Saat einer rassistischen Revolution sät…“

Darüber hinaus vertritt der frühere FBI-Informant Mike German in der Washington Post (Juni 2005), dass Timothy McVeigh, der den Bombenanschlag von Oklahoma City ausführte (19. April 1995), ein klassisches Beispiel für den „Einzelgänger“ ist. Bei seinem Terroranschlag wurden 168 Menschen getötet und hunderte verletzt. German gibt an: „Der ‚Einzeltäter-Terrorismus’ ist kein Phänomen; er ist eine Technik, eine List, die das Strafrechtssystem untergraben soll. McVeigh handelte als einsamer Terrorist und wurde trainiert, es so zu machen… Aber sein Akt des Einzel-Extremismus war Teil einer laufenden Komplotts, der bis heute weiter zu Gewalttaten inspiriert… Es ist ein Problem der Herstellung der Verbindungen…“

Gleichermaßen veröffentlichte Eyad Kishawi, ein palästinensischer Aktivist aus San Francisco, im Januar 2006 ein Handbuch, das einen Boykott Israel forderte und eine neue Strategie der politischen Kriegsführung vorschlug. Kishawi empfahl, das die Anstrengungen der antiisraelischen Aktivisten dezentralisiert werden sollten, um dem Zugriff der amerikanischen Strafverfolgungsbehörden und „israelischen außergerichtlichen und illegalen Aktivitäten“ auszuweichen. Bemerkenswerterweise betont er die Notwendigkeit individueller Initiativen. Es ist kein großer Schritt dieses Prinzip – wie es für den politischen Aktivismus angewendet wird – in eine Taktik der terroristischen Kriegsführung zu umzuformen. Tatsächlich ist Kishawis Ansatz im wesentlichen derselbe wie der „Einzeltäter“-Terrorismus des Rassisten Alex Curtis.

Wenn wir die jüngsten Terror-Beispiele in Jerusalem im Licht des Prinzips des „Einzeltäter“-Terrorismus betrachten, ist es möglich zu würdigen, wie offensichtlich isolierte Ereignisse verbunden sein könnten, selbst ohne eine Organisation oder einen Führer. Tatsächlich gibt es eine kulturelle Verbindung zwischen der fortgesetzten Hetze und spezifischen Terrorakten. Daher ist es notwendig das kulturelle Umfeld zu beseitigen, das Einzelpersonen dazu aufstachelt Hass-Verbrechen zu begehen. Zu positiven Maßnahmen würde gehören, dass die Polizei dauerhaft dagegen vorgeht, dass das Bildungssystem neu aufgebaut wird, die Schulbücher umgeschrieben werden und Predigten in Moscheen der Zensur unterliegen. Darüber hinaus muss es hohe Strafen für diejenigen geben, die zu Gewalt aufhetzen, wie auch für die, die Terrorakte begehen.

Diejenigen, denen der Schutz der israelischen Zivilisten übertragen wurde, müssen neue Mittel finden – und die alten einfallsreich anwenden – um die Kettenglieder zu brechen, die die religiöse und die politische Hetze mit denen verbinden, die entsprechend den Prinzipien des „Einzeltäter-Terrorismus“ handeln. Zusätzlich muss der Staat Israel darauf bestehen seine Souveränität in der Hauptstadt wie im ganzen Land auszuüben. Andernfalls wird er sich einer Situation gegenüber sehen, die der ähnlich ist, die in Frankreich und anderen europäischen Ländern anzutreffen ist, wo es „der Republik verloren gegangene Gebiete“, Distrikte und Stadtviertel gibt, die die örtlichen Einwohner den Strafverfolgungsbehörden unzugänglich gemacht haben. Schließlich muss Israel überall innerhalb seiner Grenzen energisch das Gesetz des Landes durchsetzen, wenn es seine Bürger schützen und seinen Fortbestand sicher stellen will.

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