Was uns nicht gesagt wird

Barry Rubin, GLORIA Center, 5. September 2008

In den alten Tagen gab es, wenn der Nachtwächter durch die Straßen der Stadt patrouillierte, einen Standard-Ruf: „Zehn Uhr und alles ist in Ordnung!“ Schlaft ruhig, alles ist gut.

Jede Woche, wenn ich anfange an dieser Kolumen zu schreiben, hoffe ich, dass ich in der Lage bin ein Äquivalent dazu zu schreiben. Dass ich einfach nur einen Satz schreiben könnte: „Diese Woche sind die Berichte fair und genau, also gibt es für mich nichts, über das ich schreiben müsste.“ Was Ihre Lesezeit, meine Arbeitsbelastung und den Zustand der Welt angeht, gibt es unglücklicherweise jede Woche tatsächlich etwas, über das ich schreiben muss. Leider gilt das auch für diese Woche.

Zunehmend kommt die Berichterstattung der Printmedien von Associated Press und Reuters, da die Zeitungen ihre teuren Auslandsbüros schließen. Das sollte eine gute Nachricht sein, denn diese beiden Nachrichtenagenturen sollen ja in ihrer Darstellung der Ereignisse fair, objektiv und ausgewogen – gar höflich – sein. In der Vergangenheit waren sie gelegentlich Israel gegenüber voreingenommen, allerdings nicht immer auf jede Weise und sich außerdem bewusst, dass es nicht in Ordnung war ihre Berichterstattung zu „färben“. Wie Adam und Eva, die aus dem Garten Eden vertrieben wurden, kannten sie ihre Blöße und schämten sich.

Heutzutage jedoch sind Scham wie Zurückhaltung entfleucht. Viele Artikel – wiederum: nicht alle – sind außergewöhnlich einseitig. Damit das geschehen kann, müssen mehrere Dinge statt finden:

  • Die Reporter wissen, dass sie für ihr Tun nicht betraft werden, weder über verbale Kritik, noch durch eine Bremsung ihrer Karriere oder dadurch gefeuert zu werden.
  • Die Herausgeber wissen dasselbe.
  • Hochrangige Bedienstete fürchten die Beschwerden der Abonnenten ihrer Medien.
  • Und alle haben den Zweck des Journalismus von Fairness und Genauigkeit undefiniert zum Eintreten für politische Ziele.

Natürlich werden sie sagen, dass das alles Unsinn ist und sie einen sehr guten Job machen, vielen Dank. Das Problem ist jedoch, dass man so lächerlich einfach zeigen kann, dass das nicht wahr ist – so einfach, dass man kaum glauben kann, dass die Belege nicht wenigstens diejenigen außerhalb dieser Organisationen zu überzeugen, dass der Fall bewiesen ist.

Eines der gewöhnlichsten Muster, die wiederholt in meinen Kolumnen über die AP dargestellt sind, ist die Darstellung der palästinensischen, aber nicht der israelischen Seite.

Ein zweites ist den Israelis, die in Opposition zur Politik ihres eigenen Landes stehen und die palästinensischen Positionen unterstützen, mehr Raum zu geben als der israelischen Regierungs- und Mainstream-Sicht.

Ein drittes besteht darin, Israel für Probleme verantwortlich zu machen, aber nicht die Palästinenser oder wenigstens nicht die PA oder die Fatah. Es ist erlaubt die Hamas zu kritisieren.

Zu den am regelmäßigsten vorkommenden Missbräuchen gehört, dass man sagt, was die Palästinenser wollen, aber nicht, was Israel braucht; angebliche israelische Nichterfüllung von Verpflichtungen, aber palästinensische Nichterfüllung nicht einmal zu erwähnen, selbst wenn die Dinge aufgebracht werden.

Schauen wir uns Mark Lavie mit „Palestinians reject Israel’s offer on interim peace plan” (Palästinenser weisen Israels Angebot eines Interims-Friedensplans ab) vom 1. September 2008 an. Es stimmt, dass die Schlagzeile die Ablehnung der Idee Israels für einen Interims-Friedensvereinbarung PA-Präsident Mahmud Abbas zuschreibt und dieser beschrieben, der „auf einem Alles-oder-nichts-Ansatz besteht, der praktisch eine Einigung bis zu einem Datum im Januar ausschließt“. Aber das wird durch den Raum mehr als wett gemacht, der dem palästinensischen Unterhändler Saeb Erekat gegeben wird, um die Position seiner Seite zu erklären.

„Wir wollen eine Vereinbarung zum Ende der [israelischen] Besatzung und Gründung eines unabhängigen palästinensischen Staates mit Jerusalem als seiner Hauptstadt.“

Was will Israel? Wissen wir nicht. Man könnte es uns sagen: ein dauerhaftes Ende des Konflikts, der Hetze und des Terrors, gemeinsam mit Sicherheitsgarantien wären der Anfang. Man könnte Grenzänderungen und anderes hinzufügen. Aber ich kann mich buchstäblich nicht erinnern, jemals einen solchen Abschnitt gesehen zu haben.

Uns wird gesagt: „Beamte in Olmerts Büro sagten, Israel habe vorgeschlagen den Palästinensern den ganzen Gazastreifen, 93 Prozent der Westbank zusammen mit einem israelischen Landausgleich von 5,5 Prozent an der Westbank zu geben, ebenso einen Landkorridor durch Israel, um die beiden Gebiete zu verbinden. Die Palästinenser haben gesagt, dass Angebot sei inakzeptabel.“

Aber uns wird nicht gesagt, was die Palästinenser Israel anboten.

Es ist jedoch Raum für zwei Absätze mit palästinensischen Beschwerden: „… Die Palästinenser beschweren sich bitter über fortgesetzte Bautätigkeit in den Siedlungen der Westbank, trotz der israelischen Zusage diese als Teil eines Friedensplans von 2003 einzustellen, der weiterhin als Rahmenwerk für Verhandlungen dient. Abbas-Mitarbeiter Yasser Abed Rabbo nannte den Siedlungsbau ‚die kritischste Frage, die den ganzen Friedensprozess derzeit bedroht’.“

„Die Palästinenser beschuldigen Israel sich Westbank-Land einzuverleiben, das sie für ihren Staat beanspruchen. Israel hält dem entgegen, dass es keine Siedlungen ausdehnt; es baue innerhalb der Siedlungsblocks, die es in einem endgültigen Friedensabkommen zu behalten gedenkt.“

Hat Israel Beschwerden? Erheben die Israelis gegenüber den Palästinenser Vorwürfe, was die tun?

Der Rest ist Schweigen.

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