Angela Merkel im Wunderland aufwecken

Michael Freund, Jerusalem Post, 24. August 2016

Jeder, der nach überzeugenden Beweisen sucht, dass die europäische Zivilisation unaufhaltsam auf ihren selbstverschuldeten Untergang zurast, muss nur den völlig hirnverbrannten Bemerkungen zuhören, die letzte Woche die deutsche Kanzlerin Angela Merkel von sich gab.

Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Norddeutschland bestand Merkel darauf – offenbar ohne eine Miene zu verziehen – dass die jüngste starke Anstieg islamisch-jihadistischer Anschläge, die viele Deutsche nervös gemacht haben, absolut nichts mit der Flut von über einer Million Flüchtlingen aus Syrien und dem Nahen Osten zu tun habe, die ihre Land im vergangenen Jahr überrannt haben.

„Das Phänomen des islamistischen Terrorismus des IS“, sagte Merkel, „ ist nicht ein Phänomen, das durch die Flüchtlinge zu uns gekommen ist.“ [1] Stattdessen, sagte sie, sei es eine Herausforderung, die „wir auch schon vorher hatten“.

Es gibt da nur ein kleines Problem mit Merkels Äußerung: Sie stimmt einfach nicht.

Vielleicht kann sie sich nicht erinnern, aber es war erst vor einem Monat, am 24. Juli, dass ein syrischer Asylbewerber namens Mohammed Daleel einen Selbstmordbomben-Anschlag vor einem Musikfestival in Ansbach in Bayern verübte, bei dem er sich selbst tötete und 15 Personen verletzte.

An demselben Tag zog in Reutlingen ein weiterer syrischer Flüchtling eine Machete und benutzte sie, um eine Schwangere abzuschlachten, während am 18. Juli ein afghanischer Migrant sich bei Würzburg entschied Fahrgäste in einem Zug mit einem Beil anzugreifen.

Alle drei Anschläge wurden von Möchtegern-Flüchtlingen verübt, die im Zug von Merkels Politik der offenen Tür nach Deutschland kamen; es verschlägt einem also den Atem, dass sie versucht die Verbindung zwischen Europas Migrantenkrise und der Zunahme des islamischen Terrorismus zu bestreiten.

Tatsächlich war es vor weniger als zwei Wochen, dass ein ranghoher deutscher Verfassungsschützer öffentlich zugab, dass es ISIS-Terroristen gibt, die als Asylsuchende in das Land einreisten.

„Wir müssen akzeptieren, dass wir Hit-Teams und Schläferzellen auch hier in Deutschland haben., sagte Manfred Hauser, Vizepräsident des bayrischen Verfassungsschutzes der BBC.[2] Er fügte hinzu: „Wir haben substantielle Hinweise, dass sich unter den Flüchtlingen auch ‚Hit Teams‘ befinden. Es gibt hunderte solcher Berichte, einige von Flüchtlingen selbst.“ Diese Berichte würden nun geprüft, aber es gebe „eindeutige Hinweise“ darauf, dass in Deutschland IS-Kommando-Strukturen existieren, die Terrorangriffe wahrscheinlich machen.

Angesichts all der Belege des Gegenteils ist klar, dass Merkels Behauptung zu den Flüchtlingen wenig mehr als Wunschdenken sind, die an Wahnvorstellung grenzen.

Natürlich sind die Politiker der gesamten Welt dafür bekannt, dass sie annehmen, sie könnte damit davon kommen zu alberne Dinge zu sagen, weil die Menschen ein kurzes Gedächtnis haben. Offenbar gilt dasselbe auch für Berlin.

Doch Merkels Widerwille zuzugeben, was praktisch jeder sonst auf diesem Planeten begreift, ist weit beunruhigender, schon weil sie darauf hindeutet, wie abgeneigt sie und andere westliche Führungspolitiker sind der unbestreitbaren Bedrohung entgegenzutreten, die der islamisch-jihadistische Terrorismus für unsere kollektive Zukunft darstellt.

Immerhin war das Menetekel seit letztem Jahr schon die ganze Zeit vorhanden, als ISIS öffentlich zu behaupten begann, dass er erfolgreich Terroristen nach Europa geschmuggelt habe. Jeder von der libyschen Regierung bis zum ungarischen Premierminister hat gewarnt, dass der Zustrom an Flüchtlingen nach Europa unausweichlich zunehmendem islamischem Terrorismus auf dem Kontinent zur Folge haben würde.

Doch Merkel und ihre Kollegen können oder wollen den Fehler einfach nicht zugeben, den sie machten, als sie sich entschieden mehr als eine Millionen Menschen nach Europa hereinzulassen, von denen viele aus dem Westen und seinen Werten gegenüber feindlich eingestellten Staaten kommen, ohne sich auch nur ansatzweise um eine Überprüfung zu kümmern, wer sie waren.

Man bedenke: Berichte vom Beginn diesen Jahres deuteten darauf hin, dass 80 Prozent der Flüchtlinge, die Deutschland erreichen, keinerlei Ausweispapiere haben. Aber um in München oder Frankfurt ein Prepaid-Handy zu kaufen, muss man irgendeine Identifizierung vorlegen.

Das bedeutet, dass in Merkels Deutschland eine Person, die keinerlei unterstützenden Dokumente vorlegen kann, sich dauerhaft im Land niederlassen kann, aber der Kauf eines Prepaid-Handys als zu riskant angesehen wird. Macht das irgendeinen Sinn? Wer Probleme hat zu begreifen, wie die Kanzlerin denkt, steht damit nicht alleine.

Wie der Protagonist in Lewis Carrolls Klassiker Alice im Wunderland von 1865 scheint Merkel durch ein Kaninchenloch in eine alternative Realität gefallen zu sein, in der Logik und gesunder Menschenverstand schlicht nicht gelten.

Aber wo Carrolls Buch nur eine unterhaltende Kindergeschichte war, hat Merkels Torheit Auswirkungen auf die reale Welt, die sich bereits als tödlich erwiesen haben.

Und wenn ihre bockige Entschlossenheit Millionen Flüchtlinge aus dem Nahen osten im Herzen Europas ohne wirkliche Chance sie zu integrieren und sie absorbieren nicht umgedreht wrid, wird das auf Jahre und sogar Jahrzehnte hinaus verhängnisvolle Folgen haben. Islamisch-jihadistischer Terrorismus und Gewalt werden weiter außer Kontrolle geraden und es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis sie sich weiter über die Grenzen Europas hinaus ausbreiten.

Aber wenn uns Alice im Wunderland irgendetwas lehrt, dann die, dass die Hoffnung nie mehr als eine Dosis Eigenwahrnehmung entfernt ist.

Im letzten Kapitel des Buches verliert Alice die Geduld mit Herzkönig und Herzdame und den grotesken Vorgängen, die sie betreiben; sie sagt ihnen schließlich: „Wen interessiert ihr? Ihr seid nichts als ein Stapel Spielkarten!“ Die Spielkarten fliegen davon und Alice wacht plötzlich auf, den Kopf im Schoß ihrer Schwester und sie erkennt, dass alles nur ein böser Traum war. Mit anderen Worten: Als Alice wieder bei Sinnen war, war der Tag gerettet.

Hoffen wir, dass jemand endlich Angela Merkel aufweckt und sie und den Rest ihrer gleichgesinnten Schelme aus ihrem selbstgeschaffenen Wunderland zurückholt, bevor es zu spät ist.

[1] DIE WELT, 18.08.2016

[2] Rheinische Post, 12.08.2016

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