Nach dem Libanonkrieg 2006 – Kommentar (5): Militärische Aktionen auf dem Golan möglich

Am 12. Juli überfiel ein Kommando der Hisbollah aus dem Libanon heraus eine israelische Patrouille, tötete 8 Soldaten und entführte zwei. Zur Ablenkung beschoss die Hisbollah Israel massiv mit Katjuscha-Raketen. Israel reagierte mit einem Einmarsch in den Südlibanon. Die Kämpfe dauerten etwa einen Monat, dann ließ sich die israelische Regierung von der UNO, Westeuropa und den USA zu einem Waffenstillstand überreden. Es wurde versprochen, im Südlibanon eine Schutztruppe von 15.000 UNO-Soldaten zu stationieren, die dafür sorgen sollte, dass die Hisbollah entwaffnet wird und keine Bedrohung für Israel mehr darstellt. So viel zur Vorgeschichte.

Was nach dem Beginn des Waffenstillstands geschah und wie dieser sowie die Versprechen an Israel einzuschätzen sind, dazu folgen einige Kommentare. Ich habe auch den von Charles Krauthammer übersetzt, obwohl ich denke, dass er völlig falsch liegt. Ich stelle ihn an den Anfang, weil die übrigen Texte aufzeigen, dass die bei Krauthammer beschriebenen Voraussetzungen nicht erfüllt werden – im Gegenteil: Die Erfahrungen aus diesem Krieg führen sogar dazu, dass anderer Feind Israels seine strategischen Planungen ändert.

Hier der fünfte von insgesamt 5 Kommentaren zur damals aktuellen Lage:

Neue syrische Organisation für die Befreiung der Golanhöhen:
Wir könnten militärische Aktionen auf dem Golan erleben

MEMRI Special Dispatch zu Jihad und Terrorismus, 29. August 2006

Am 25. August 2006 berichtete die kuwaitische Tageszeitung Al-Ra’I Al-‘Am über eine neue Organisation, die in Syrien für „die Befreiung des Golan” gegründet wurde und die Strategie der Hisbollah nutzt. Dieser Bericht kommt nach mehreren Wochen, in denen die syrische Regierungspresse zahlreiche Artikel veröffentlichte, die den „Widerstand“ priesen; sogar auch einige Artikel, die drohten, dass Syrien den Weg des Widerstands auf den Golanhöhen übernehmen würde.(1) Der syrische Präsident Bashar al-Assad sagte am 14. August 2006 in einem Interview mit der ägyptischen Oppositions-Wochenzeitung Al.’Usbu’, dass „der Golan durch syrische Hände befreit werden wird“. Er wiederholte diese Äußerung in einer Rede am 15. August 2006. In einem Interview mit Dubai TV am 23. August 2006 sagte er: „Es ist das syrische Volk, das entscheiden wird, ob es Widerstand auf dem Golan geben wird.“(2)

Es folgen Auszüge aus dem Artikel:(3)

Die Volksorganisation für die Befreiung des Golan verkündet in ihrem ersten Kommuniqué:„Sie von nun an nicht schweigen angesichts der Ignorierung unserer Rechte und angesichts des Golan, wie er besetzt bleibt.“ Die Organisation behauptet, dass „der Weg zur Wiederherstellung der Rechte [der Araber] klar geworden ist und der Weg Sieg und Ehre [zu erreichen] der des Widerstands ist“. Die Erklärung verkündete: „Die Volksorganisation zur Befreiung des Golan folgt dem Weg des Widerstands und Israel und die [westlichen] Mächte werden ihre Verantwortung tragen müssen, nachdem sie uns aller anderen Wege versperrt haben.“

Ein hochrangiges Mitglied der Volksorganisation für die Befreiung des Golan sagte Al-Ra’i Al-’Am: „Widerstand schließt politische und wirtschaftliche Wegen wie auch verschiedene Wege des Widerstands mit militärischem Handeln ein.“ Er fügte an: „Die Organisation wird sofort mit ihren Widerstandshandlungen innerhalb ihres allgemeinen Handlungsrahmens beginnen und wir könnten in der nahen Zukunft militärische Aktionen im besetzten syrischen Golan erleben.“

Die Zeitung berichtete, dass es offensichtlich war, dass versucht wurde der Erklärung einen islamischen Anstrich zu geben; sie begann mit dem Koranvers „Wenn Allah dir den Sieg schenkt, wird niemand in der Lage sein dich zu besiegen.“ Das hochrangige Mitglied der Organisation fügte hinzu: „Die UNO stand hilflos der Entschlossenheit der USA gegenüber, internationale Resolutionen selektiv und einseitig umzusetzen – etwas, das das arabische Volk in Palästina, dem Libanon und Syrien und den arabischen Massen dazu gebracht hat die Legitimität der UNO und der internationalen Gemeinschaft wegen ihrer pro-israelischen Neigung zu bestreiten. Diese Situation hat [uns] zu einem Punkt gebracht, an dem uns keine andere Option geblieben ist außer der Option des Widerstands, der seine Effektivität bewiesen hat, trotz dem, was die, die den Widerstand zurückhalten und die defätistischen Menschen sagen, wenn sie die Option des Widerstandes als Option der Abenteurer beschreiben.“

Er sagte weiter: „Die Söhne des besetzten Golan und die Söhne des stolzen, arabischen Syriens gehen ihren Weg weiter, da die internationale Gemeinschaft sie im Stich gelassen und ihnen den Rücken gekehrt hat. Es gibt keine andere Option für uns als den libanesischen Widerstand zu als Modell für uns zu übernehmen, da unsere Geduld zu Ende ist.“
Anmerkungen:
(1) s. MEMRI Special Dispatch Nr. 1264: Syrian Government Press Threatens War in the Golan: ‚Those Who… Call for Peace Must Always Support the Resistance’, 25. August 2006, http://www.memri.org/bin/latestnews.cgi?ID=SD126406.
(2) s. MEMRI Special Dispatch Nr. 1250: We Have Reentered the Era of Victory Through Resistance: Iranian and Syrian Reactions to the Crisis – August 13-14, 16. August 2006, http://www.memri.org/bin/articles.cgi?Page=archives&Area=sd&ID=SP125006; MEMRI Special Dispatch Nr. 1256: Syrian President Bashar Al-Assad Praises the Resistance, Harshly Criticizes Arab Leaders, and Threatens Israel, 22. August 2006, http://www.memri.org/bin/articles.cgi?Page=archives&Area=sd&ID=SP125606; MEMRI Special Dispatch Nr. 1265: Syrian President Al-Assad on Deploying UNIFIL at Lebanese-Syrian Border: ‚If [Lebanon] Wants to Destroy Relations Between Syria and Lebanon, It is Free to Do So – and to Bear the Responsibility, 25. August 2006, http://www.memri.org/bin/articles.cgi?Page=archives&Area=sd&ID=SP126506.
(3) Al-Ra’I Al-’Aam (Kuwait), 25. August 2006.

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