Im Vorfeld von Annapolis (2): Ist der Kaiser verrückt geworden?

Die USA (unter Außenministerin Rice) hatten für November ein Friedenskonferenz in Annapolis angesetzt, um den Nahost-Konflikt endlich zu lösen oder eine Lösung zumindest wieder in den Bereich des Möglichen zu bringen. Wie viel Sinn macht es, diese Konferenz zu führen? Kann sie ein positives Ergebnis bringen? Was sind die Motive der Veranstalter und Teilnehmer diese Konferenz abzuhalten? Wie realistisch ist die Erwartung, dass eine Lösung wenigstens ansatzweise auf den Weg gebracht wird? Was ist dazu nötig? Dazu hier der zweite von neun Texten, die vor der Konferenz eine Einschätzung gaben.

Michael Freund, 02. November 2007

Heute hat Ha’aretz eine große Schlagzeile in der Zeitung; es ist die Art von Schlagzeile, bei der man sich am Kopf kratzt und sich den Geisteszustand der Inhaber der Stühle der Macht in Frage stellt.

„Olmert will zu ‚Kernfragen’ innerhalb eines Jahres Übereinkunft erzielen“, schreibt die Zeitung; in ihrem Bericht führt sie an: „Premierminister Olmert hofft innerhalb eines Jahres eine Übereinkunft in allen Kernfragen des israelisch-palästinensischen Konflikts zu erzielen, sagte der Premier in Gesprächen mit Vertretern Israels und ausländischen Diplomaten während der letzten Tage.“

Hinter dem eher unschuldig klingenden Begriff „Kernfragen“ verstecken sich natürlich einige Themen wie die Zukunft Jerusalems und das Schicksal der palästinensischen Flüchtlinge. Wenn entschiedene Friedensprozessler wie Yossi Beilin, Shimon Peres und Ehud Barak in dem Jahrzehnt nach den Oslo-Vereinbarungen nicht in der Lage waren die „Kernfragen“ zu lösen, was lässt dann Olmert glauben, dass er das in gerade einmal 12 Monaten schaffen kann?

Darüber hinaus erstaunt, wie Herrn Olmerts Optimismus so radikal von der Wirklichkeit vor Ort getrennt sein kann. Selbst während er eifrig damit beschäftigt war diese Gespräche mit israelischen und Auslands-Vertretern zu führen, fuhren die Palästinenser ihre täglichen Raketenangriffe auf die Städte im Süden Israels hoch.

Und mit wem plant Olmert überhaupt einen Handel zu schmieden? Er verhandelt mit Mahmud Abbas, dessen Kontrolle über die Palästinenser nicht weit über den Schreibtisch seines Sekretärs hinaus geht. Selbst wenn Olmert die Dinge mit Abbas zu Ende bringen sollte, welchen Wert hätte ein solcher Handel überhaupt?

Manchmal scheint es wirklich, ehrlich so, dass der Kaiser verrückt geworden ist, wie manche Bürger Roms – da bin ich sicher – von Zeit zu Zeit vor sich hin murmelten. Das einzige Problem ist, dass er, während er ihn den Wahnsinn abgleitet, das Risiko eingeht die Zukunft Israels mit sich zu nehmen.

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