Ein kleiner Überblick über antiisraelische Hetze in den Niederlanden

ManfredGerstenfeldManfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Diese Woche wird Premierminister Benjamin Netanyahu die Niederlande besuchen. Eine prägnante Zusammenfassung der antiisraelischen Hetze dort könnte ihm und seinen Mitarbeitern helfen besser zu verstehen, wie die aktuelle niederländische Realität sich von dem verzerrt positiven Bild unterscheidet, das viele Menschen immer noch haben: dem, das auf der häufig publizierten Geschichte von Anne Frank und ihrem Tagebuch beruht.

Die Geschichte von Anne Frank hat eine weit wichtigere völlig in den Schatten gestellt: das totale Desinteresse der niederländischen Regierung in London während des Zweiten Weltkriegs am Schicksal ihrer jüdischen Bürger unter der deutschen Besatzung. Drei Viertel der 140.000 Juden in den Niederlanden wurden in den deutschen Todeslagern in Polen ermordet. Die Niederlande sind heute das einzige westeuropäische Land, das niemals das Versagen seiner Regierung und ihrer Haltung gegenüber den Juden eingestanden hat. Selbst Luxemburg und Monaco haben das vor kurzem getan.[1] Darüber hinaus ist, obwohl Archive die Information seit Jahrzehnten enthielten, erst vor kurzem veröffentlicht worden, dass niederländische SS-Freiwillige an den Massentötungen von Juden in Osteuropa beteiligt waren.[2]

Um die Jahrtausendwende hat sich die bedeutende antiisraelische Haltung in vielen niederländischen Kreisen verstärkt. Die fortgesetzte Aufstachelung vieler niederländischer – hauptsächlich linksextreme und mitte-linker – Politiker, führender Medien, pseudo-humanitären NGOs und so weiter gegen den jüdischen Staat hat die Bürger der Niederlande enorm beeinflusst. Eine Eurobarometer-Studie fragte 2003, welche Länder den Weltfrieden am stärksten gefährden. Israel landete nach dem Iran auf Platz 2 – 59% der Europäer vertraten diese Ansicht. Von allen befragten Ländern hatten die Niederlande mit 74% den höchsten Prozentsatz. Diese Meinung kann weitgehend mit der weit verbreiteten niederländischen Hetze gegen Israel erklärt werden.[3] Eine Studie der Universität Bielefeld aus dem Jahr 2011 stellte fest, dass mehr als 38% der niederländischen Bevölkerung der Äußerung zustimmen, dass Israel einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser führt.[4]

Die heute für Israel gefährlichste politische Partei ist die Arbeitspartei, Juniorpartner in der aktuellen, vom liberalen Premierminister Mark Rutte geführten Regierung. Die Arbeitspartei hetzt auf vielerlei Weise gegen Israel. Während ihrer ersten Nahost-Konferenz im Jahr 2013 griff sich Parteichef Diederik Samsom den israelisch-palästinensischen Konflikt als den einzigen heraus, bei dem die Geduld verloren wird. Er wies die gesamte Verantwortung für die Lösung des Konflikts Israel zu.[5]

Die Arbeitspartei, die D66-Demokraten und die Christdemokraten haben auch einen Antrag im Parlament eingebracht, der zu Sanktionen gegen Israel führen könnte.[6] Früher dieses Jahr versuchte Außenminister Bert Koenders von der Arbeitspartei seine israelischen Gegenüber zum Narren zu halten, indem er sagte, es gebe in den Niederlanden Meinungsfreiheit, aber die niederländische Regierung sei gegen BDS.[7] Er erwähnte jedoch nicht, dass die niederländische Regierung Cordaid, eine für BDS werbende katholische Entwicklungshilfe-Organisation, von 2007 bis 2011 mit einer halben Milliarde Euro subventionierte und das seitdem mit weniger hohen Summen tut. Cordaids Unterstützung der extremen Hetze gegen Israel reicht mindestens 15 Jahre zurück.

2002 entwickelte sich ein bedeutender Skandal, als bekannt wurde, dass die Ford-Stiftung die antiisraelischen Hassprediger der palästinensischen Organisation LAW zum Teil finanzierte, die wegen weit verbreiteter Korruption aufgelöst werden musste. Der Tatsache, dass Cordaid sogar noch mehr Geld an LAW gespendet hatte, wurde nicht beachtet. Die aktuelle Ministerin für Handel und Entwicklung, Liliane Ploumen von der Arbeitspartei, hatte von 2001 bis 2007 höchste Posten bei Cordaid inne. Weitere niederländische Pro-BDS-Organisationen erhielten von der Regierung ebenfalls große Geldmengen.[8] Koenders ist außerdem in der europäischen Kampagne zur Kennzeichnung von Produkten aus der Westbank aktiv gewesen.[9]

Die Liste der jüdischen Gäste für das von König Willem Alexander zum Besuch des israelischen Präsidenten Shimon Peres veranstalteten Diners ist nie veröffentlicht worden. Die Leiter der beiden größten jüdischen Gemeinden, der aschkenasisch-orthodoxen und der liberalen, wurden nicht eingeladen. Der Leiter der winzigen, extremen, antiisraelischen jüdischen Gruppe EAJG sehr wohl.

Zum ersten Mal in der Geschichte der unabhängigen Niederlande – ausgenommen die Zeit der deutschen Besetzung – musste ein Reihe jüdischer Geschäftsleute 2014 private Personenschützer beschäftigen, ein Ergebnis von Drohungen.[10] Der heftigste antisemitische Vorfall in den Niederlanden fand letztes Jahr (durch Kriminelle, die marokkanisch-arabischer Herkunft zu sein schienen) in Amsterdam statt; dabei wurde ein altes Paar Holocaust-Überlebende beraubt. Die Frau hatte Auschwitz überlebt. Die Räuber nannten sie dreckige Juden und prügelten sie schwer.[11]

Der jüngste Skandal ist eine Behauptung in der Tageszeitung NRC, dass der Mossad einen Menschenrechtsaktivisten in den Niederlande bedrohe.[12]

Hin und wieder besucht Premierminister Rutte Israel mit einer Delegation niederländischer Geschäftsleute. Er wird von zwei Ministern der Arbeitspartei begleitet, die die Palästinensergebiete besuchen. Vielleicht lädt Premierminister Netanyahu Rutte und seine Minister zu einem Gedenktreffen am Ort des Terroranschlags in der Sbarro-Pizza in Jerusalem ein, wo sich 2001 ein palästinensischer Selbstmord-Bomber sprengte. Zu den fünfzehn Getöteten gehörten fünf Mitglieder der Familie Schijveschuurder. Die beiden Eltern und drei ihrer Kinder wurden ermordet, drei weitere verletzt.[13] Sie waren Kinder und Enkel niederländischer Holocaust-Überlebender.

Das Obige ist eine kleine Stichprobe der weit verbreiteten Hetze gegen Israel in den Niederlanden. Dieses Thema ist ohne weiteres zu einem dicken Buch erweiterbar.

[1] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/17483

[2] http://www.historischnieuwsblad.nl/tweedewereldoorlog/artikelen/nederlandse-ss-ers-en-de-holocaust/index.html

[3] European Commission: Iraq and Peace in the World. Eurobarometer Survey, Flash Eurobarometer 151, November 2003, S. 81. http://ec.europa.eu/public_opinion/flash/fl151_iraq_full_report.pdf

[4] library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf.

[5] http://www.dagelijksestandaard.nl/2014/12/mini-erdogan-diederik-samsom-hitst-op-tegen-israel/

[6] file:///D:/Users/user/Downloads/kst-23432-434.pdf

[7] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/19105

[8] ebenda

[9] ebenda

[10] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/15481

[11] http://www.niw.nl/wrede-beroving-heemstedestraat-566/

[12] http://www.nrc.nl/nieuws/2016/08/10/ze-dacht-dat-nederland-veilig-was-3652144-a1515668

[13] http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4106884,00.html

Ein Gedanke zu “Ein kleiner Überblick über antiisraelische Hetze in den Niederlanden

  1. Ein kleiner Überblick über antiisraelische Hetze in den Niederlanden

    – hauptsächlich linksextreme und mitte-linker –

    Das stimmt nur halbwegs!
    In Holland muss es ein Zenrum geben, wo Neonazis ausgebildet werden.

    Ich hatte einen „Jugendfreund“, der musste mal schnell nach Holland – zurück kam er mit dem Hitlergruss!!

    Dann habe ich einen Bruder, der musste mal schnell nach Holland (Die Ausrede war die EU) – zurück kam er mit dem Hitlergruss!!

    Dann habe ich auch noch einen Schwager, der musste nach Holland um „Messungen“ zu machen – zurück kam er mit einer freundlichen Gesinnung zu den Rechtsradikalen.

    Meine Fragen sind die:
    – Zu was für einem Zentrum gingen diese drei Leute, dass alle mit der rechtsradikalen Einstellung zurück
    kamen?
    – Wo, in Holland, ist dieses Zentrum stationiert?
    – Wie kann man es dokumentieren oder gar publizieren?

    Mir fällt immer wieder auf, dass nur die „rote“ Seite, gegenüber Israel erwähnt wird – was durchaus stimmt. Jedoch kann die „braune“ oder „weisse“ Seite viel gefährlicher sein, weil man sie nicht so schnell entlarven kann!!

    Sucht nach dem weissen, antichristlichen IMPERIALISMUS (Offb. 6) in diesem Land.
    Diese Denkweise muss auffindbar sein!!

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