Wissen, wie man sich verteidigt, auf Angriffe vorbereitet

Prof. Eyal Zisser, Israel HaYom, 18. September 2016

Vor den Manövern, die das Heimatfrontkommando diese Woche veranstalten wird, veröffentlichten Israels Zeitungen eine Beschreibung „des nächsten Krieges“, die die Manöver simulieren sollen. Es stellt sich heraus, dass die IDF schätzt, dass es ein mit Raketen geführter Krieg sein wird, ähnlich dem Zweiten Libanonkrieg von 2006 und der Operationen Wolkensäule (2012) und Fels in der Brandung (2014).

Das Hisbollah und Hamas zur Verfügung stehende Arsenal – ganz zu schweigen von Syrien und dem Ira – umfasst rund 230.000 Flugkörper, von denen bis zu 5% eine große Reichweite haben. Einige sind starke Präzisionswaffen. Die IDF erwartet, dass an jedem Tag des Krieges zwischen 1.000 und 1.500 Raketen auf Israel geschossen werden, was zu tausenden Angriffe auf dicht bevölkerte Gebiete und hunderte Verletzte Zivilisten führen wird. Und als besondere Bedrohung wir das Manöver erfordern, dass die IDF sich auf die Möglichkeit vorbereitet, dass Hisbollah-Agenten und möglicherweise Hamas versuchen werden Gemeinden und Militärposten entlang der Grenze anzugreifen.

All das zeigt natürlich, dass Israel immer noch keine Lösung dafür gefunden hat die Wurzeln der Kampfansage an seine Sicherheit anzugehen, der es sich in den letzten zwei Jahrzehnten gegenüber sah: die Raketenlager von Hisbollah und Hamas. Israel hat in der Tat langfristige Ruhe entlang seiner Nordgrenze und sogar an seiner Südgrenze sichergestellt, aber der Preis für diese Ruhe – der Kern der gegenseitigen Abschreckung zwischen Israel, Hisbollah und Hamas – besteht darin, dass diese Organisationen zwei- bis dreimal so stark geworden sind, als sie es waren und die Qualität sowie Quantität ihrer Raketen verbessert wurde. All dies unter den halb geschlossenen Augen Israels, das es vorgezogen hat die Ruhe so lange wie möglich zu erhalten, bis der Krieg schließlich ausbricht.

Die Geschichte des IDF-Manövers wirft die Frage auf, wie realistisch eine solche Art von Krieg ist. Am Ende hat niemand in der Region, nicht die Führer der Hamas oder Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah, ein Interesse daran die Grenze anzuzünden und in einen ausgewachsenen Krieg mit Israel gezogen zu werden. Immerhin ist das, was in dem Manöver nicht geübt wird, die Macht einer israelischen Reaktion auf einen Angriff. Die Schläge gegen die Schiiten des südlichen Libanon würden weit schmerzhafter sein als im Zweiten Libanonkrieg oder bei den letzten Konfrontationen im Gazastreifen.

Doch der Nahe Osten ist an Kriege gewöhnt, die ausbrechen, obwohl niemand sie wollte. Eine Panne oder eine falsche Entscheidung reicht aus, um dafür zu sorgen, dass die Dinge bergab gehen und außer Kontrolle geraten. Die auf israelische Flugzeuge geschossenen syrischen Raketen von letzter Woche demonstrieren die zunehmende Zuversicht auf der anderen Seite der Grenze und es ist möglich, dass jetzt, wo Russland wieder in der Nachbarschaft aktiv ist, Nasrallah und der syrische Präsdient Bashar Assad selbstsicherer sind und das Gefühl haben, sie würden an der Seite Syriens als Absicherung und Unterstützung kämpfen.

Aus Russland ist von Bedeutung. In jedem Abrutschen in Krieg würde Russland eine wichtige Rolle spielen, hoffentlich eine positive und stabilisierende. 1967 war es die Sowjetunion, die die Region in den Krieg stürzte, aber seitdem und auf jeden Fall in den letzten Jahren scheint es so, als ob Russland und die USA jeden Einfluss auf das verloren haben, was hier geschieht. Jetzt ist Russland zurück und spielt eine Führungsrolle.

Moskau hat gute Beziehungen zu Israel wie Syrien, ebenso zum Iran und indirekt zur Hisbollah. DA Russland kein Interesse an einem Konflikt hat, der seine Interessen in der Region beeinträchtigen und seine Verbündeten (zu denen Israel nicht gehört) schädigen könnte, könnte es handeln, um zu verhindern, dass die Dinge in die Brüche gehen könnten und alle beteiligten Seiten unter Druck setzen, um die Bremsen zu ziehen, bevor sie vollkommen abrutschen. Das bedeutet natürlich eine Begrenzung der Operationsfreiheit Israels, wenn Moskau seinem Handeln nicht billigt.

Im Endeffekt wird Israels Sieg aber nicht durch den Schutz der Heimatfront oder die Fähigkeit kommen, Angriffe auf eine tapfere Zivilbevölkerung zu überstehen, denn Kriege werden nicht durch Verteidigung gewonnen. Israel muss sich darauf vorbereiten dem Feind einen Schlag zu versetzen, von dem er sich nicht leicht erholt; das wird Israel erlauben die Bedingungen zur Beendung des Kriegs zu diktieren, die verhindern, dass der Feind sich schon bald darauf wieder zu erholen und den Countdown zur nächsten Runde zu beginnen.

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