Jerusalem: „Wir gewinnen, ihr verliert“

Gerald M. Steinberg, Jerusalem Post, 8. Oktober 2009

Seit den tödlichen Krawallen von 1929 gehört der Kampf um Jerusalem zum Kern des arabisch-israelischen Konflikts; wie die jüngsten Ereignisse zeigen, hat sich diesbezüglich nichts geändert. Für die Palästinenser und ihre Unterstützer ist jede jüdische Anwesenheit in Jerusalem, die nicht unter arabischer Kontrolle steht, nicht nur inakzeptabel, sonder wird als Bedrohung betrachtet. Und jeder antike Text, archäologische Fund oder Besitzanspruch, der das 3.000-jährige jüdische historische und religiöse Erbe in dieser heiligsten aller Städte bestätigt, wird als „Judaisierung“ zurückgewiesen. Diese Vorwürfe werden genutzt, um gewalttätige Attacken, vom Steine werfen bis zum Massenterror, zu fördern und zu rechtfertigen.

In der Sprache der Spieltheorie ist und bleibt Jerusalem – mehr als jede andere Dimension dieses extrem komplexen Konflikts – ein Nullsummen-Spiel. Das bedeutet, dass jegliche Zugeständnisse einer Seite notwendigerweise Siege der anderen sind, was Kompromiss nicht nur schwierig macht, sondern unvorstellbar. In eine Nullsummen-Welt gibt es keinen Raum für unterschiedliche Stimmen und Meinungen; und Kompromiss auf Grundlage der Akzeptanz unterschiedlicher Sichtweisen ist unmöglich. Daher ist für die Araber die Anerkennung der Geschichte und Legitimität jüdischer Ansprüche eine Bedrohung ihrer eigenen Geschichtserzählung und Legitimität, besonders für die Muslime. In dieser sozialen Rubrik gefangen ist geteilte Kontrolle auf Grundlage gegenseitiger Akzeptanz und Anerkennung, wie sich viele das in Friedensprogrammen ausmalen, unmöglich.

Die neueste Runde arabischer Gewalt in Jerusalem, geschürt durch den Wettkampf um das Prestige, das durch die extremsten Stimmen gewonnen wird, hebt das Fehlen von Bewegung zu dieser Kern-Identitätsfrage hervor. Für die meisten Palästinenser – in der Tat den Großteil der arabischen und islamischen Welt der Umgebung – gibt es absolut keine Bereitschaft auch nur die grundlegendsten historischen Fakten zuzugeben, die Kompromiss in Sachen Jerusalem verlangen würden.

Beim Camp David-Gipfel im Juli 2000 schockte Yassir Arafat Präsident Bill Clinton und machte diesen wütend, weil er jegliche Diskussion gemeinsamer Kontrolle über Jerusalem ablehnte. Clinton und seine Berater, die die Oslo-Verhandlugnen seit Jahren hüteten, hätten nicht überrascht sein dürfen. Arafats Haltung spiegelte und verstärkte die dominierende Sicht der meisten Araber und Muslime.

Gleichermaßen haben die Bemühungen von NGO-Vertretern, die für sich in Anspruch nehmen, gegenseitige Akzeptanz und Kompromiss zu Jerusalem zu fördern und von europäischen Regierungen finanziert werden, den Nullsummen-Rahmen verschärft. Politische NGOs wie Ir Amim z.B. kritisieren ausschließlich Israel. Der Film „Jerusalem Moments“ wurde in der Jerusalem Post als „aufhetzender palästinensischer Propaganda-Angriff“ und „knüppelnde Dokumentation der palästinensische Opferrolle und angeblicher unbekümmerter israelischer Grausamkeit und Aggression“ beschrieben.

Die Palästinenser nutzen die Unterstützung dieser israelischen NGOs, um die Nullsummen-Position zu bestätigen und Kompromisse zurückzuweisen. (Ir Amim und ähnliche politische NGOs wenden sich auch an Ausländer, darunter Journalisten und Diplomaten; sie führen Gruppen auf höchst verzerrte „Bildungs“-Touren durch Jerusalem und die Sicherheitsbarriere, um ihre Position aufzudrücken.) Durch ihre Natur sind Nullsummen-Situationen nicht auf eine Seite des Konflikts beschränkt; wenn ein Teilnehmer jeglichen Kompromiss ablehnt, werden die anderen gezwungen dieselbe Strategie zu übernehmen. Damit führt die palästinensische und arabische Haltung, die alle jüdischen Verbindungen zu Jerusalem auslöscht, zu einer Eskalation der jüdischen Verteidigungszüge, die dazu geschaffen sind eine Rückkehr zur Lage des totalen Ausschlusses und der Entweihung von 1948 bis 1967 zu verhindern.

Für die Juden bleibt das totale Versagen, die Bedingungen der Waffenstillstands-Vereinbarung von 1949 – die auf dem Papier freien Zugang zu den heiligen Stätten garantierte – eine traumatisierende Erinnerung. Von 1948 bis 1967, als die Altstadt arabisch besetzt war, wurde das jüdische Viertel, einschließlich der Synagogen und Friedhöfe, systematisch entweiht und die „internationale Gemeinschaft“ tat nichts, um die Vereinbarung durchzusetzen. Seitdem beleben die periodischen Wellen arabischer Gewalt in Jerusalem die Bedenken, dass Abkommen auf der Grundlage geteilter Souveränität oder „internationaler Kontrolle“ zu derselben inakzeptablen Lage führen werden. Ohne jegliches Zeichen von Bewegung hin zu einem realistischen Kompromiss haben die jüdischen Israelis die Sorge, dass ohne die Verstärkung ihrer Anwesenheit in der Stadt sie irgendwann wieder einmal hinausgedrängt werden.

In diesem Nullsummen-Kreislauf werden die jüdischen Antworten auf diese Geschichte und fortgesetzte Drohungen von den Palästinensern und ihren Unterstützern als noch mehr „Besatzung“ und „Judaisierung“ Jerusalems gebrandmarkt. Das nährt die eskalierende Gewalt und verstärkt das Gefühl, dass Gespräche keinen Sinn machen, da niemand zuhört oder bereit ist Kompromisse einzugehen.

Selbst um sich auf nur minimale gegenseitige Absprachen zuzubewegen, die Gewaltausbrüche eingrenzen und verhindern können, muss das erste Ziel darin bestehen, die palästinensische und arabische Gesellschaft dafür zu öffnen die jüdische Version überhaupt zu hören. Das würde den Übergang von einem Nullsummen-Schwarzweiß-Rahmen des Konflikts zu dem hin erlauben, was „Win-Win“-Rahmen genannt wird, der Koexistenz und Gleichheit trotz grundlegender Differenzen in Geschichtsverständnis und Ideologie gestattet.

Das ist das, worauf die unterschiedlichen Möchtegern-Friedensschaffer und NGO-Finanziers, insbesondere bei den europäischen Regierungen, ihr Geld setzen und ihre Aktivitäten konzentrieren sollten. Solange die arabische und muslimische Position die Tür zuschlägt, um jüdische Geschichte zu blockieren, wird Jerusalem ein Schlachtfeld bleiben, auf dem die jüdischen Nation keine Wahl hat, als Stärke zu benutzen, wenn es nötig ist ihre Rechte zu verteidigen.

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