Ein etwas anderer Nachruf auf Peres

Ulrich W. Sahm (direkt vom Autor)

Schimon Peres war nicht nur der „unverbesserliche Optimist“ und der Träger des Friedensnobelpreises zusammen mit Jitzhak Rabin und Jassir Arafat. Erwähnt wird stets, dass Peres der „Vater der israelischen Atombombe“ sei. Tatsächlich hat er mit französischer Hilfe die „Textilfabrik“ bei Dimona errichtet – wie Staatsgründer David Ben Gurion den Atomreaktor bezeichnete.

Vergessen ist, dass Peres ein politischer Falke war und deshalb als „Vater der Siedlungspolitik“ in die Geschichte eingehen sollte. Er hat die hochqualifizierte israelische Militärindustrie aus dem Boden gestampft, heute einer der Motoren der Wirtschaft. Aus ihr ist die erfolgreiche Start-up Industrie hervorgegangen.

Im Ausland weniger bekannt war sein politischer Kunstgriff, die Inflationsrate von über 400% zu bändigen. So hatte er Israels Wirtschaft vor ihrem Untergang bewahrt. Seine politischen Niederlagen in seiner langen Karriere hatte er teilweise selber verschuldet. Er verlor 1996 die Wahlen an Benjamin Netanjahu wegen einem verfehlten Bombardement im libanesischen Dorf Kana mit 106 Toten. Ebenso hatte er die Toten nach einem palästinensischen Selbstmordattentat auf einen Linienbus in Jerusalem als „Opfer für den Frieden“ bezeichnet.

Der Humor des Peres

Vor allem aber war Peres mit seiner knarrenden Stimme und dem unüberhörbaren polnischen Akzent im Hebräischen nicht nur Ziel köstlicher Satiren. Er hatte auch großartigen Humor. Kurz vor seinem Hirnschlag, von dem er sich nicht mehr erholte, veröffentlichte er ein „Selfie“ mit den Pyramiden von Ägypten im Hintergrund. „Ein Bild von mir aus der Zeit des Auszugs der Kinder Israel aus Ägypten“. So amüsierte er sich über sein hohes Alter. 2014, als er mit 91 Jahren den Präsidentenpalais räumte, fragte ihn eine Sekretärin nach seiner Zukunft. Peres antwortete, dass er neue Arbeit suchen werde.

Im Videoclip, der schon über 700.000 geteilt wurde, packt er seine Sachen ein.

Eine Ben Gurion Puppe: „Die behalte ich.“ Ein Buch mit dem Titel „Präsidentenamt für Dumme.“ Peres: „Das werde ich spenden“. Auf seinem Computerbildschirm ist ein Kartenspiel zu sehen, bis er „Kleinanzeigen für Arbeitssuchende“ anklickt.

„Welche Erfahrungen haben sie“, fragt ihn eine Dame vom Arbeitsamt. „Ich war vorzüglicher Melker“ sagt Peres. Die Dame zickt: „Das ist heute alles automatisch.“ Peres: „Ich war auch ein vorzüglicher Hirte und habe nie ein Schaf verloren.“ Dame: „Heute sind alle Vegetarier.“ Peres: „Ich war Postminister, verantwortlich für eingehende wie ausgehende Briefe.“ Die Dame: „Heute gibt’s nur noch Emails.“ Peres: „Ich habe Rafael aufgebaut.“ Dame: „Meinen sie dieses teure Restaurant in Tel Aviv?“ Peres: „Rafael ist das Netz für die Entwicklung von Rüstungssystemen.“ Höhnisch lächelnd erklärt die Dame: „Sie haben also keinerlei Erfahrung. Lassen Sie uns das Beste hoffen.“

Ein Lieferwagen fährt an einer Tankstelle vor. „Voller Tank“ kommandiert der Mann am Steuer. Peres erscheint im hellblauen Pullover im Fensterrahmen: „Wasser und Öl gefällig?“ Fahrer: „Nein danke“ Peres: „Ein Sechserpack Mineralwasser?“ Fahrer, entnervt: „Kein Interesse.“ Peres bietet noch anderen unnützen Kram, worauf der Fahrer immer wieder „Nein“ antwortet. Peres: „Wenn Sie weiter nein sagen, werden Sie am Ende einen hohen Preis zahlen…“ Am Ende klopft Peres an die Wagentür und ruft: „Fahre in Frieden („Schalom“). Das ist die einzige Lösung.“

In der nächsten Szene sitzt Peres im gelben Kittel an der Kasse eines Supermarkts. „Wollen Sie etwas über unsere Sonderangebote erfahren?“ fragt er eine Kundin. Im Hebräischen sind die Worte für Sonderangebot und Militäroperation identisch. Also beginnt Peres an der Kasse über die „Operation Entebbe“ zu erzählen. „Alles war Finster. Wir wussten nicht, wo die Geiseln und wo die Terroristen waren. Wir mussten auf totale Disziplin und Ruhe achten.“

Es klingelt der an der Tür. Da steht der Pizzabote Peres im roten Pullover. Der Kunde: „Sie sagten 45 Minuten und es ist schon über eine Stunde vergangen.“ Peres: „Hör zu. Der Durchbruch war schwer und dauerte.“ Der Kunde wollte die Tür zuschlagen als Peres rief: „Was ist mit dem Tipp (Trinkgeld).“ Der Kunde zückt sein Portemonnaie. Peres: „Ein Volk, das die Hoffnung nicht verloren hat, gibt Tipps (Ratschläge) und nimmt keine an.


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