Das erfundene Volk im 19. Jahrhundert

Elder of Ziyon, 10. Dezember 2011

Die palästinensischen Araber und ihre Israel hassenden Freunde sind wegen Newt Gingrichs Beschreibung, sie seinen ein „erfundenes Volk“ ausgeflippt.

Man muss in der Geschichte nicht weit zurückgehen, um zu sehen, dass die verschiedenen arabischen Gemeinschaften Palästinas nichts mit einander gemein hatten und einander in Wirklichkeit bekämpften.

Aus der The New Werner Twentieth Century Edition of the Encyclopaedia Britannica, Eintrag zu Palästina, 1907:

Die arabischen Stämme verpflanzten ihre alten Unterschiede nach Palästina, besonders die zwischen den Nördlichen und den Südlichen Arabern (Kais und Jemen; vgl. „Arabia“). Die arabische Bauernschaft ist weiter in Clans gespalten; z.B. westlich von Jerusalem in die Bezirke der Beni Hassan und Beni Malik, nördlich davon in die Beni Harith, die Beni Zeid und die Beni Murrd und nach Osten die Beni Salim. Bis vor kurzem waren die Beziehungen der getrennten Fellachen-Clans eine gegenseitiger Feindseligkeit und betätigten – ungehindert durch die türkische Regierung – in blutrünstigen Konflikten. Was die Verhaltensweise und die Sprache angeht behalten die palästinensischen Bauern (obwohl Arabisch allgemein en vogue ist) vieles Althergebrachte bei. Es wäre aber überspannt aus ihren Traditionen heraus zu behaupten, es würden bei ihnen immer noch urzeitlich-kanaanitische Elemente existieren. Der vorherrschende Typus ist in Wirklichkeit syro-arabisch, in vielen Distrikten rein arabisch; und ihre abergläubischen Bräuche sind zum Teil Überbleibsel syrische Glaubensvorstellungen, zum Teil moderne arabische Reproduktionen, unter ähnlichen externen Bedingungen entstanden, althergebrachten Aberglaubens. Diese Bemerkungen sind auf die Heiligenverehrung anwendbar, die sich gegenwärtig über die gesamte orientalische Welt ausbreitet. Die Fellachen sind insgesamt eine fleißige, genügsame Rasse, der es nicht an Intelligenz mangelt. Würden sie von einer gerechten Regierung gut behandelt, die sie sie vor den Erpressungen durch Nomadenstämme schützt, wären sie das Mittel – mit Hilfe der Kapitalisten – die Kultivierung des Landes mächtig zu verbessern, insbesondere in den verschiedenen Tiefebenen des Distrikts. Sie wählen ihre Dorfscheiks, die den größten Teil ihrer Autorität aus ihrem Ansehen und ihren Tugenden, ihrem Mut und ihrer Großzügigkeit. Die Beduinen, d.h. wandernde Stämme rein arabischer Herkunft, spielen ebenfalls eine wichtige Rolle in dem Land. Bis vor kurzem besuchten sie gewöhnlich bestimmte besiedelte Distrikte und erpressten die Bauern; sie finden ihre unstrittigen Herrschaftsbereichen in diesen Distrikten, die nicht zu kultivieren sind und nur für Viehzucht taugen, und in anderen fruchtbaren Teilen, die aus verschiedenen Gründen nicht vom Landwirt besetzt sind. Zur ersten Kategorie gehört der Wüstengürtel westliche des Toten Meeres, die südlichsten Teile des Landes westlich des Jordan und der Süden des Landes jenseits des Flusses (Moab); zur zweiten gehört ein großer Teil der Ebene am Meer, der Senke des Jordantals und ein Teil des Landes im Osten. Die Teilungen der arabischen Stämme werden im Artikel über Syrien diskutiert. In Palästina östlich des Jordan sind die Beni Sakhr (Moab) von größter Bedeutung; Jebel ’Ajlun ist der Sitz der ’Adwan. Die Ghawarine (die Einwohner von Ghor oder der Jordansenke) formen eine merkwürdige Rasse, die – weil teilweise landwirtschaftlich orientiert – siedelten seit langer Zeit im Distrikt. Vom Typ her, wie auch in ihrer Degeneriertheit, unterscheiden sie sich von andere Beduinen. Der wahre Lebensstil der Beduinen kann nur jenseits des Jordan oder im Süden Palästinas beobachtet werden, das die Stämme westlich des Flusses, wie die Ta’Smire und Jehalin im Süden alle mehr oder weniger heruntergekommen sind.

Der Palestine Exploration Fund recherchierte 1884 die Namen der Stämme um Jerusalem und entdeckte etwas Faszinierendes:

Wenn wir uns aber der Landkarte Arabiens in den Tagen Mohammeds und Omars zuwenden, finden wir die folgenden Stämme dort repräsentiert:
Beni ‘Amir, ein Stamm des Nejed bei Yemana oder wieder südöstlich von Medina.
Beni Harith, ein Stamm des Jemen nordöstlich von Sana.
Beni Murreh, sowohl östlich von Medina als auch südlich der Oase Jauf.
Beni Suleim, östlich von Medina.
Beni Malik, ein Teil der Beni Temim, der bei Yemana lebte.

Es war die Hilfe dieser und anderer Stämme, die dem berühmten Khaled 634 n.Chr. half die Römer* auf dem Hieromax zu besiegen; und unter Omar fegten sie kurz darauf über Palästina hinweg.
Es scheint daher möglich, dass wir mit diesen lokalen Namen eine Spur der Eroberung Syriens durch Omar haben und dass die Hügel Judäas und Samarias regelmäßig unter seinen Anhängern aufgeteilt wurden. Die vornehmen Familien Jerusalems behaupten immer noch damals „mit dem Eroberer hergekommen“ zu sein. Damit haben wir schlicht ein weiteres Beispiel dafür, dass das Überleben früher Teile der Muslime in Syrien und die Teilung der Gruppen der Keis und der Yemeni, die in die frühen Tage des Islam zurück verfolgt werden kann, immer noch nicht ausgestorben ist und man sich im südlichen Palästina gut daran erinnert.

Andere Forscher der jüngeren Vergangenheit stimmen dem zu – die Stämme Palästina waren umgesiedelte Splitterstämme aus verschiedenen Teilen Arabiens und behielten ihre Namen.

Ein später geschriebenes Werk namens Syrian Stone-lore, or The Monumental History of Palestine (Syrische steinerne Sagen oder: Die monumentale Geschichte Palästinas), ebenfalls für den Palestine Exploration Fund geschrieben, scheint viel aus dem Zitat von oben entlehnt zu haben, fügte aber hinzu:

1881 hörte ich, wie in Taiyibeh von einem langen Bericht der Auseinandersetzungen dieser Gruppen berichtet wurde (s. ‚Memoirs‘, Vol. iii), die in recht junger Vergangenheit stattfanden. In Palästina waren die östlichen Araber die Yeimini-Partei und die siedelnde Dorfbevölkerung hauptsächlich die Keis-Partei. Diese Fehde der Keis und der Yemini, die während der Omayyaden-Herrschaft über Palästina entstand, war eine Aufspaltung zwischen den aramäischen oder nordarabischen Stämmen, die den Anspruch erhoben von den Aditen abzustammen, und den jemenitischen oder südarabischen Stämmen, die beanspruchten vom Himyar und vom Kahtan abzustammen. Den beiden Gruppen schlossen sich jedoch aus rein politischen Motiven verschiedene Stämme an, so dass die Teilung nicht genau eine rassische ist. Im Jahr 64 muslimischer Zeitrechnung hatte Merwan in der Schlacht von Merj Rahif einige Stämme südarabischer Herkunft auf seiner Seite.

Das ist nicht umstritten. Die einfache Tatsache ist, dass die Araber Palästinas sich vor dem Jahr 1900 voll und ganz mit ihren Stämmen und Dörfern identifizierten udn überhaupt nicht miteinander; sie hatten nicht mehr gemeinsam als sie mit ihren Nachbarn jenseits des Jordan und in Syrien hatten.

Zu sagen sie seien ein „Volk“, ist schlicht erfunden. ES kann argumentiert werden, dass sie heute ein Volk sind, hauptsächlich wegen ihres geteilten Leides durch die Hand ihrer arabischen Brüder, doch für die Zeit vor dem 20. Jahrhundert ist das schlicht nicht wahr.

* Elder of Ziyon offenbart hier nicht zum ersten Mal Probleme mit der Kombination von Mathematik und Geschichte.
** So wurden die Byzantiner von den mohammedanischen Arabern genannt.

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