Zu Sari Nusseibeh (2) – Profil: Sari Nusseibeh – Arafats Mund, aber Saddasm Augen und Ohren

Michael Widlanski, The Media Line, 28. Dezember 2001

Mehrere hundert Spruchbänder tragende Mitglieder der israelischen Linken marschierten heute durch Jerusalems Hauptstraßen, „um ein Zentrum für Dialog und gemeinsame Aktivitäten“ zwischen Palästinensern und Israelis einzuweihen, aber besonders, um beim Aufkeimen der politischen Karriere eines sich zunehmend Gehör verschaffenden arabischen Akademikers namens Sari Nusseibeh, Yassir Arafats Repräsentant in Jerusalem, zu helfen.

Die Demonstranten, von denen die meisten in Schwarz gekleidet waren und gegen Israels Politik in der Westbank protestierten, wussten sehr genau, dass Nusseibeh, in Oxford ausgebildeter Professor, kürzlich von Arafat als Quasi-Minister für Jerusalemfragen in der Autonomiebehörde ernannt wurde.

Die linksextremen Demonstranten, von denen viele aus Westeuropa eingeflogen waren, waren sich natürlich auch im Klaren darüber, dass die israelische Regierung versucht hat Nusseibeh davon abzuhalten, ein öffentliches Amt in Jerusalem einzunehmen, weil die Oslo-Vereinbarungen und das israelische Gesetz palästinensische staatliche Amtsausübung in Jerusalem ausdrücklich untersagen.

Sie sagen, dass Nusseibeh ein „Moderater“ sein und dass die israelische Regierung dumm handle, wenn sie eine „moderate Stimme“ auf der palästinensischen Seite zum Schweigen bringen wolle.

„Vor zwei Wochen wurde Dr. Nusseibeh verhaftet, als er versuchte einen Empfang im Hotel abzuhalten. Koalitionsmitglieder drückten ihre Hoffnung aus, dass die Regierung denselben Fehler nicht ein zweites Mal begeht und Abstand von dem Versuch nimmt, die Stimme der Mäßigung zum Schweigen zu bringen“, erklärte eine Stellungnahme der Israelisch-palästinensischen Friedenskoalition.

Die Demonstranten, darunter der frühere israelische Justizminister Yossi Beilin, wussten aber vielleicht nicht, dass Dr. Sari Nusseibeh, bevor er mit der Arbeit für Arafat begann, für Saddam Hussein arbeitete, indem er versuchte Raketenangriffe auf Israel zu leiten.

Während des 1991-er Golfkriegs wurde Nusseibeh geschnappt, als er irakische Gemeindienstler kontaktierte, um zu helfen, Scud-Raketen Saddam Husseins ins Ziel zu bringen; durch die 39 Raketen-Angriffe wurden vier Israelis getötet (einer davon direkt) und viele verletzt.

„Während die Raketen fielen, wurde uns klar, dass dieser Herr mit dem irakischen Botschafter eines benachbarten Landes telefonierte um den Irakis zu sagen, wohin sie die Raketen schießen sollten“, erklärte Oberst a.D. Shalom Harari, früherer Berater für arabische Angelegenheiten im israelischen Verteidigungsministerium.
In einem Exklusiv-Interview mit The Media Line beschrieb Harari, wie der „moderate“ Nusseibeh den irakischen Beamten z.B. erzählte: „Schießt nicht in den Negev, sondern an ein andere Stelle, damit ihr mehr Wirkung erzielt.“

Nusseibeh wurde von Israels Geheimdienst Shin Bet (heute alsl Shabak bekannt) verhaftet und mehrere Wochen lang ohne Gerichtsverhandlung in Gewahrsam der Verwaltung genommen.

Nach dem Ende des Golfkriegs ließen israelische Beamte unter Druck der israelischen Linken eine „Kuhhandel“ zu, unter dem Nusseibeh freiwillig das Land für drei Jahre verließ, sagte Harari, heute Forscher am Interdisciplinary Center in Herzliya.

„Sari Nusseibeh ist ein Stratege und Ideologe mit langfristiger Perspektive“, erklärte Shalom Goldstein, Berater für arabische Fragen bei der Jerusalemer Stadtverwaltung.
„Er ist jemand, der in der Lage ist eine Auszeit zu nehmen und einen Weg für die Zukunft auszuhecken“, sagte Goldstein, der Nusseibehs politische Aktivitäten genau beobachtete.
„Für ihn ist ‚Frieden Jetzt‘ nur ein Zwischenziel“, sagte Goldstein und zitierte Erklärungen Nusseibehs gegenüber der arabischsprachigen Presse, die zeigen, dass Nusseibeh ein volles „Rückkehrrecht“ für arabische Palästinenser befürwortet, was zu einem schrittweisen demographischen Sieg über Israel führen würde.

„Ich rief niemals – zu keiner Gelegenheit – dazu auf, auf das Rückkehrrecht der Flüchtlinge zu verzichten“, erklärte Nusseibeh am 23. November in einem Interview mit der arabischen Jerusalemer Zeitung Al-Quds.
Nusseibeh erklärte weiter, dass er zur Zeit wegen der relativen diplomatischen und militärischen Schwäche der Araber einen taktischen Ansatz gegenüber dem derzeitigen Stand des arabisch-israelischen Konflikts übernimmt.

Mitglieder der israelischen Linken oder des „Friedenslagers“ haben behauptet, dass Nusseibeh eine Haltung gegenüber der Rückkehr der Flüchtlinge umrissen hat, aber israelische Geheimdienst-Experten sagen, dass dies nur ein weiteres Beispiel für Nusseibehs angeblich „moderate Haltung“ sei, die von den Fakten nicht gestützt wird.

Die Geheimdienst-Informationen der Regierung sagen, dass sie weitere geheime Informationen haben, die Nusseibehs wirkliche Feindschaft zu Israel aufzeigen – die durch seine Unterstützung von Saddams Raketenangriffen 1991 sehr lebhaft veranschaulicht wird.
„Im Grunde genommen hat er die Irakis angewiesen, wohin sie ihre Raketen schießen sollten“, sagte Hariri, der Oberst a.D. des israelischen Geheimdienstes.
„Wir entschieden, ihn unter Arrest zu stellen, aber das war nicht einfach“, sagte Harari.
„Sogar damals war er (Nusseibeh) bereits der Liebling der israelischen Linken; als aber einige von denen heraus fanden, was er tat, änderten sie ihre Meinung“, sagte er.
„Yossi Sarid, der zu den Mitgliedern des außenpolitischen Ausschusses gehörte, sagte nach der Durchsicht der Akte zum Fall: ‚Wäre ich der Richter, dann würde ich ihn nicht zu drei Monaten sonder zu zehn Jahren verurteilen“, merkte Hariri an.

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Widlanski wurde von der israelischen Linken heftig wegen dieses Artikels angegriffen; die Zeitung Ha’aretz schrieb u.a.:

– Nusseibeh hätte 1991 nicht mit dem irakischen Botschafter in Tunesien telefoniert, sondern mit jemandem, der sich als solcher ausgegeben hätte

– Als er sich für eine Feier zum Ende des Ramadan heraus putzte, habe er plötzlich erfahren, dass die Veranstaltung von den israelischen Behörden verboten worden sei und er von der Polizei verhört werden solle

Die israelische Linke (Peace Now, Gush Shalom) schoss sich gemeinsam mit palmediaalert@yahoogroups.com auch auf die israelischen Maßnahmen ein, die in Folge der „Internationalen Solidaritäts-Mission“ statt fanden, u.a. „Israelische Soldaten sind sich inzwischen nicht mehr zu schade palästinensische Jugendliche zu belästigen; internationale Beobachter* wurden Zeugen davon, dass Soldaten 8- bis 10-jährige Kinder anbrüllten und ihre Ausweise** sehen wollten.

Mit diesen Aussagen sollte das Verbot und die Befragung Nusseibehs durch die israelische Polizei weiter diskreditiert werden. Die Aktivisten haben fleißig Fotos gemacht, die sie über das Internet verbreiten.

Anmerkungen:
* Diese „internationalen Beobachter“ waren eine Gruppe, die sich „International Checkpoint Watch“ nennt. Die ICW setzt sich aus Freiwilligen aus verschiedenen Ländern zusammen, die regelmäßig Kontrollpunkte beobachten um Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren.
** Totaler Quatsch: Kinder haben keine Ausweise. Im PA-Gebiet bekommt man erst im Alter von 16 Jahren einen Personalausweis, die Soldaten können also keinen solchen von den Kindern verlangt haben!

Michael Widlanski antwortete gegenüber IMRA auf die Vorwürfe:

Ich habe bei meinen Quellen noch einmal nachgefragt und sie lachten über den Ha’aretz-Artikel als ein „rein waschen“.

„Um zu verstehen, wie groß das Verbrechen ist, das Nusseibeh beging, sollten Sie die Peace Now-Leute bitten, die Reaktion Yossi Sarids von 1991 nachzuprüfen, einem Abgeordneten des Knesset-Ausschusses mit Zugangsberechtigung zu den geheimen Akten über die Anklage gegen Nusseibeh“, sagte ein Geheimdienstler (der sich jetzt im Ruhestand befindet), der aber immer noch durch die Durchführungsbestimmungen für Geheimsachen daran gehindert ist, die Einzelheiten aus Nusseibehs Fall zu enthüllen.

„Sarid (damals Meretz-Abgeordneter) wurde von Nahum Barnea von Yediot Aharonot interviewt und sagte, hätte er Nusseibeh verurteilt, dann hätte er ihm nicht drei Monate, sondern 10 Jahre Gefängnis aufgebrummt“, sagte der Geheimdienstler.

Die Leute von Peace Now können Yossi Sarid fragen, ob er immer noch zu seiner Bemerkung nach dem Durchsehen der geheimen Akte steht.

In allen Fällen stehen meine Quellen zu ihren Aussagen und haben noch zusätzliche Punkte angeführt:

1. Nusseibeh redete NICHT mit jemandem, der behauptete der irakische Botschafter in Tunesien zu sein. ES WAR NICHT TUNESIEN UND ES WAR EINDEUTIG EIN IRAKISCHER BEAMTER, NICHT JEMAND, DER SICH ALS SOLCHER AUSGAB.

2. Wenn Nusseibeh so unschuldig war, wie er behauptet, warum akzeptierte er den israelischen Kuhhandel mit dem freiwilligen Exil, was wahrscheinlich die schlimmste Sache – und die letzte – ist, die ein Palästinenser mit Selbstachtung und politischem Bewusstsein jemals akzeptieren würde?

3. Die Vorgehensweise Nusseibehs in den letzten Wochen – sich an Agenten und Unterstützer aus dem Ausland zu wenden – hat sich wiederholt. Diesmal hat Nusseibeh mit der Hilfe von Yossi Beilin (einen israelischen Politiker, der von Unterstützern aus dem Ausland finanziert wird) die Gelegenheit ergriffen, ausländische Unterstützer zu holen, die Provokationen gegen die israelische Polizei in Jerusalem und gegen israelische Soldaten in der Westbank ausführten.

4. Ha’aretz Magazin als „Belegtext“ anzuführen, beweist gar nichts.
Die Haltung der Herausgeber von Ha’aretz ist seit Jahren die gleiche wie die von Peace Now und Gush Shalom. Diese Einstellung beeinflusst nicht nur die Herausgeber-Artikel, sondern die gesamte Berichterstattung. Deshalb berichtete Ha’aretz falsch über das, was Nusseibeh auf der Straße am Imperial Hotel am Jaffa-Tor in der Jerusalemer Altstadt tat. Er „putzte sich“ nicht einfach „heraus“ und entdeckte auf einmal, dass er von der Polizei zur Befragung gesucht wurde. DIE WAHRHEIT IST, DASS NUSSEIBEH EINE POLIZEILICHE ANORDNUNG IGNORIERTE, DIE IHM VERBOT EINE ÖFFENTLICHE VERSAMMLUNG ABZUHALTEN, DIE GEGEN ISRAELISCHES GESETZ UND DIE OSLO-VERTRÄGE VERSTÖSST – DIE DER PLO UND DER AUTONOMIEBEHÖRDE AKTIVITÄTEN INNERHALB JERUSALEMS VERBIETEN – UND DASS ER VORSÄTZLICH VERSUCHTE EINE DEMONSTRATION AUF DER STRASSE ZU VERANSTALTEN.

DIE SCHLICHTE WAHRHEIT IST, DASS ER VERHAFTET UND BEI DER VERHAFTUNG FOTOGRAFIERT WERDEN WOLLTE. WENN NUSSEIBEH SEINEN GÄSTEN EINFACH MITGETEILT HÄTTE, SIE MÖCHTEN BITTE NACH HAUSE GEHEN, HÄTTE DAS GANZE OHNE VERHAFTUNGEN STATTGEFUNDEN. ABER NUSSEIBEH UND SEINE „FRIEDENSKOALITION“ WOLLTEN DIE KONFRONTATION UND (für Israel) PEINLICHE FOTOS. (Was Widlanski mit E-mail-Nachrichten der „Friedensaktivisten“ belegt)

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