Dass die UNESCO Tempelleugnung gut heißt ist nicht nur falsch – es ist gefährlich

Petra Marquardt-Bigman, The Tower, 17. Oktober 2016

„Da Kriege in den Hirnen von Menschen beginnen, ist es das im Hirn von Menschen, wo die Verteidigungen des Friedens gebaut werden müssen.“

Diese Beobachtung ist am Beginn der Verfassung der United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO) zu finden. Was stimmte, als UNESCO kurz nach dem Ende eines verheerenden Weltkreigs gegründet wurde, bleib auch sieben Jahrzehnte danach gültig, wenn die UNESCO sich damit beschäftigt die Flammen der religiösen Leidenschaften zu schüren, die den gesamten Nahen Osten in Brand setzen könnten. Mit ihrem gerade verabschiedeten Beschluss, der gewollt die jüdische – und damit auch die christliche – Verbindung zu Jerusalems Tempelberg ignoriert, hat die UNESCO praktisch die Ansichten von Mohammed Hussein, dem Großmufti von Jerusalem übernommen, der vor ein paar Jahren drohte: „Wenn die Israelis hierher kommen [auf den Tempelberg], dann wird es mehr als eine Intifada geben… die gesamte Region wird von Krieg verschlungen werden.“ Vor einem Jahr wiederholte der Großmufti seine Drohung; er fügte dabei Unheil verkündend hinzu, dass Gewalt „die gesamte Welt“ erreichen könnte, würde Juden oder irgendwelche anderen Nichtmuslime erlaubt werden irgendwo am „Al-Aqsa-Moscheegelände“ zu beten – d.h. der gesamten Tempelberg-Promenade.

Ebenfalls vor einem Jahr behauptete der Großmufti in einem Interview mit einem israelischen Fernsehsender, dass es nie einen jüdischen Tempel auf dem Tempelberg gegeben habe, während die Al-Aqsa-Moschee dort „vor 3.00 Jahren und vor 30.000 Jahren stand … seit der Schaffung der Welt“. So absurd diese für westliche Ohren klingen mag, bedenkt man die archäologischen Beweise des Gegenteils, es ist wichtig zu begreifen, dass „Tempel-Leugnung“ unter Palästinensern und Muslimen allgemein keine Randmeinung ist: Der tote Palästinenserführer Yassir Arafat war nicht im Geringsten verlegen während der Verhandlungen in Camp David im Juli 2000 die historische Existenz der jüdischen Tempel in Jerusalem zu bestreiten; und sein Nachfolger Mahmud Abbas wie auch andere offizielle Palästinenser-Vertreter und religiöse Führer haben ähnliche Behauptungen oft genug wiederholt, um – wie der Autor Daniel Levin 2009 im The Forward schrieb, den Schluss zu rechtfertigen, dass „Tempelleugnung zu einem zentralen Dogma des palästinensischen Nationalismus geworden ist“.

Aber während Tempelleugnung in den letzten Jahrzehnten populär geworden ist, wurde die Verwendbarkeit des Aufwiegelns religiöser Leidenschaften zur Mobilisierung von Muslimen zum Kampf gegen Juden und Zionismus erstmals von Haddsch Amin al-Husseini verwirklicht, dem berüchtigten Palästinenserführer, dessen Allianz mit Nazideutschland ihm schließlich den Beinamen „Hitlers Mufti“ einbrachte. Husseini begann seine Karriere als politischer und religiöser Führer in den 1920-er Jahren mit einer ambitionierten Kampagne zur Sammlung von Geldern für die Renovierung muslimischer Heiligtümer auf dem Tempelberg, die sich in völliger Verwahrlosung befanden, weil die muslimischen  Herrscher des osmanischen Reichs Jerusalem erlaubten Jahrhunderte lang als verwahrlostes Kaff zu schmachten. Um potenzielle Spender von der Bedeutung seines Projekts zu überzeugen behauptete Husseini, dass der Zionismus den „Wiederaufbau des Tempels anstrebt, der Salomons Tempel genannt wird, am Ort der gesegneten Al-Aqsa-Moschee und in dem religiöse Dienste durchgeführt werden sollen“. Schon bald wurde diese völlig fadenscheinige Beschuldigung nicht nur dazu genutzt Gelder zu sammeln, sondern auch um zu tödlicher Gewalt gegen Juden aufzustacheln – eine Taktik, die bis heute tausenden Juden das Leben kostete, angefangen mit den mörderischen arabischen Krawallen von 1929 bis zur blutigen „Al-Aqsa-Intifada“ Anfang der 2000-er und der Welle der aktuellen Terroranschläge.

Einiges von der Rhetorik die in den späten 1920-er Jahren genutzt wurde, um zu Gewalt gegen Juden aufzustacheln, unterscheidet sich nicht sonderlich vom Tenor der jüngsten UNESCO-Resolution. Im Oktober 1928 beschuldigte der Oberste Muslimrat, dem Husseini vorstand, die Juden als „Konkurrenz der Muslime um die Heilige Burak, die Westmauer der Moschee Al-Aqsa“ und erklärte:

Da sie die bittere Erfahrung der grenzenlosen, habgierigen Ansprüche der Juden diesbezüglich erkannt haben, glauben Muslime, dass das Ziel der Juden darin besteht allmählich Besitz von der Moschee von Al-Aqsa zu ergreifen; ihr Vorwand ist der Tempel, sie beginnen mit der Westmauer an diesem Ort, die ein untrennbarer Bestandteil der Moschee von Al-Aqsa ist.“

Fast 90 Jahre später gibt die UNESCO diese Hetze wieder: Der Text [PDF] der Resolution bezieht sich auf den Platz an der Westmauer nur in Anführungszeichen, während er vorgibt, der Ort sei in Wirklichkeit der „Al-Burak-Platz“; der Tempelberg wird ausschließlich als „Al-Aqsa-Moschee/Al-Haram Al-Scharif“ bezeichnet, der in seiner Gesamtheit als „muslimische heilige Gebetsstätte“ beschrieben wurde. Ähnlich zum Begriff „Al-Aqsa-Moschee-Gelände“ – in Begriff der regelmäßig von Al-Jazira verwendet wird, um den gesamten Tempelberg zu bezeichnen – verfehlt es die exklusive Nutzung von „Al-Aqsa-Moschee-Gebäude/Al-Haram Al-Scharif“ durch die UNESCO zwischen dem Gebäude der tatsächlichen Al-Aqsa-Moschee am südlichen Rand des Tempelbergs und dem Rest der gewaltigen Plattform zu unterscheiden. Wenn aber der gesamte Tempelberg die „Al-Aqsa-Moschee/Al-Haram Al-Scharif“ ist (oder das „Al-Aqsa-Moschee-Gelände“) ist und alles insgesamt „eine muslimische heilige Gebetsstätte“, dann wird die Anwesenheit eines jeden Juden oder nicht Nichtmuslim irgendwo auf dem Tempelberg schnell ein nicht tolerierbare Provokation, die die UNESCO streng als „ständige israelische Aggressionen“ verurteilt.

Das Lob, das die UNESCO von Izzat al-Rischeq, einem Sprecher der islamistischen Terrorgruppe Hamas, erhielt, war daher wohlverdient: „Wir loben die Abstimmung bei der UNESCO, die jegliche historischen Ansprüche zwischen Juden und der Al-Aqsa-Moschee und ihrer Westmauer bestreitet.“ Ähnliche kann Abbas heute zurecht das Gefühl haben, in seiner Sicht bestätigt worden zu sein, dass den Juden nicht erlaubt werden darf die Al-Aqsa „mit ihren dreckigen Füßen zu besudeln“ und dass „jeder Tropfen Blut, der für Jerusalem vergossen worden ist … sauberes und reines Blut ist, das für Allah vergossen wurde“. Und während die UNESCO „ständige israelische Aggressionen“ verurteilt, hat der vor zehn Jahren von Abbas ernannte, angeblich „moderate“ Großmufti nicht nur die Existenz der jüdischen Tempel bestritten und wiederholt mit Krieg gedroht, um exklusive muslimische Kontrolle des Tempelbergs geltend zu machen, aber er begrüßte auch Selbstmord-Bombenanschläge und zitierte beifällig die berüchtigte islamische Prophetie, die markant in der Hamas-Charta steht, denn diese sieht eine göttlich bestimmte apokalyptische Schlacht vor, in der Muslime fast alle Juden töten.

Palästinensische Ansichten zu diesen Dingen haben sich seit den Tagen des berüchtigten Haddsch Amin al-Husseini geändert und mit der aktuell verabschiedeten Resolution hat die UNESCO fast ein Jahrhundert palästinensischer Unnachgiebigkeit und tödlicher Hetze belohnt.

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