Beispiele für die Darstellung des Nahost-Konflikts in deutschen Medien (3)

Am Dienstag, 12. August 2003, fanden innerhalb einer Stunde zwei Selbstmord-Bombenanschläge gegen Israelis statt. Ein Selbstmord-Attentäter sprengte sich bei Tel Aviv in einem Supermarkt in die Luft; kaum eine Stunde später geschah dasselbe an einer Bushaltestelle der „Siedlerstadt“ Ariel. Die Bilanz: zwei tote Selbstmord-Attentäter, ein toter Israeli und ein Haufen Verwundete. Wie wurde in deutschen Medien über diesen Vorfall berichtet?

——

Leserbref an den WDR (WDR2-Mittagsmagazin, abgeschickt 12.37 Uhr):

Sehr geehrte Damen und Herren,

das erste Thema Ihrer heutigen Mittagsmagazin-Sendung waren die beiden Selbstmord-Attentate gegen Israelis.

Ich muss mich über die Analyse Ihres Korrespondenten wundern (Vorname Karsten, den Nachnamen habe ich nicht verstanden). Er führte lang und breit aus, dass weder Hamas noch Islamischer Jihad sich zu diesen Anschlägen bekannten, dass diese beiden Gruppen im Gegenteil noch immer auf der Einhaltung des Waffenstillstands beharren.

„Automatische“ Schlussfolgerung des Moderators: Da sind also offenbar durchgeknallte Einzeltäter am Werk.

So kann man sich das natürlich auch stricken!

Ihnen und Ihrem Korrespondenten scheint völlig durchzugehen, dass dies nicht die ersten Anschläge waren, seit die beiden von Ihnen genannten Terrorgruppen ihre „Hudna“ verkündeten (die bestenfalls eine zeitlich begrenzte Feuerpause zur Verbesserung der Bewaffnung und zur personellen Stärkung dient – lesen Sie mal nach, was im Islam eine Hudna ist!). Und bei den bisherigen Anschlägen haben sich immer wieder Fatah-Gruppen (also Terror-Gruppen des angeblichen „Palästinenser-Präsidenten“, der lediglich Vorsitzender der Autonomiebehörde ist) zu diesen Anschlägen bekannt. Durchgeknallte Einzeltäter? Angesichts von 170 Terroranschlägen seit Beginn der „Hudna“ wohl kaum!

Sie verschließen einmal mehr die Augen vor den Realitäten und arbeiten damit weiter an der Verdummung Ihres Publikums.

Das Beste in dieser Richtung kam dann aber noch, nicht wahr? Das geht nicht, dass man über Palästineser-Terror berichtet, ohne Israel wenigstens einen Teil der Schuld für diesen Terror zu geben. Oder wie soll verstanden werden, dass
a) im Zusammenhang mit Attentaten, die ausdrücklich wohl nicht (allgemeine Vermutung!) von Hamas oder Jihad begangen wurden, die vier (bisher habe ich in allen Meldungen von zweien gelesen!) toten palästinensischen Hamas-Terroristen erwähnt werden, die vor ein paar Tagen „von israelischen Soldaten getötet wurden“, und
b) dabei nicht einmal erwähnt wurde, dass die versuchte Verhaftung dieser vier (oder waren es doch nur zwei?) Top-Terroristen in einem Feuergefecht endete, bei dem diese (und ein israelischer Soldat) umkamen? Nach den Worten Ihres Korrespondenten müsste man annehmen, dass die Israelis die vier einfach erschossen haben, von einem Kampf hat er jedenfalls nichts erwähnt.

Aber das als „Rechtfertigung“ dafür zu nehmen, dass die Israelis sich nicht wundern müssten, dass wieder Morde an ihnen verübt werden, ist schon reichlich dreist.

Wann berichten Sie mal wieder alle Fakten über den Nahen Osten?
Wann werden endlich mal wieder falsche Zusammenhänge fallen gelassen?

In den Nachrichten-Schlagzeilen von 12.30 Uhr reden Sie dann davon, dass bei „zwei Selbstmord-Anschlägen drei Menschen ums Leben gekommen“ seien. Was soll das eigentlich? Zwei dieser Toten waren offenbar die Selbstmord-Attentäter! Die sind also genau so umgekommen, wie das jüdische Opfer? Waren sie auch Opfer? Das ist eine unglaublich unverschämte Verfälschung der Wahrheit!

So, wie Sie die Situation im Nahen Osten darstellen, sind Sie Partei. Sie haben sich auf eine Seite gestellt, die von Ihnen stärker vertreten wird. Das ist nicht Journalismus, das ist Propaganda. Und zwar Propaganda für die Terroristen, nicht für die Opfer!
Hören Sie damit auf!


Nachtrag von 14.41 Uhr:

Sehr geehrte Damen und Herren,

gerade lese ich bei „Spiegel online“:

Hamas und Aksa-Brigaden bekennen sich zu Terroranschlägen

Sowohl die radikalislamische Hamas als auch die Arafat-nahen Aksa-Brigaden haben sich zu den Selbstmordanschlägen auf eine jüdische Siedlung im Westjordanland und ein Einkaufszentrum bei Tel Aviv bekannt.

Damit dürfte sich die „These“ Ihres Korrespondenten von kurz nach 12 Uhr erledigt haben, dass es durchgeknallte Einzeltäter sind, die die Attentate gegen Israel ausführen.

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