Die Terrorwelle, ein Jahr nach ihrem Beginn

Prof. Eyal Zisser, Israel HaYom, 18. Oktober 2016

Es ist mehr als ein Jahr her, dass Israel mit der jüngsten Welle palästinensischen Terrorismus zu tun bekam, die von „Einsame-Wolf“-Anschlägen geprägt ist, oft von Minderjährigen begangen, die sich entschieden eigenständig und spontan zu handeln. Die meisten dieser Terroristen haben keine Geschichte der Beteiligung an Terroraktivitäten und gehören keiner bestimmten Terrororganisation an.

Die Terrorwelle begann mit fast täglichen Anschlägen, die im Winter auf ein oder zwei pro Woche abflauten. Die Welle scheint jetzt wieder zuzulegen. Neununddreißig Israelis sind bei diesen Anschlägen ermordet und fast 500 verletzt worden. Diese Zahlen hätten weit höher ausfallen können, gäbe es nicht die entschlossenen vorbeugenden Maßnahmen der IDF und in einigen Fällen die der palästinensischen Sicherheitskräfte. Die meisten Angreifer, mehr als 200, wurden beim Versuch der Durchführung von Anschlägen getötet, was diese zu einer Art Selbstmordmission für die Terroristen macht.

Anfangs, als die Welle begann, versuchte mancher sie zu Spannungen wegen des Tempelbergs zu verknüpfen, was die Islamische Bewegung in Israel mit dem Slogan „Die Al-Aqsa ist in Gefahr“ zu schüren versuchte. Seitdem sind die Spannungen wegen des Tempelbergs abgeklungen und wir können sehen, dass die Motivation Juden anzugreifen keinen besonderen Grund oder Hintergrundsituation braucht.

Diese Terrorwell ist insoweit einzigartig, als sie von keinem bestimmten Organisator direkt gesteuert wird. Die palästinensische Autonomiebehörde ist auf der Hut und verurteilt Terroristen nicht; sie nimmt sie sogar in ihre Herde auf – aber im Gegensatz zur vorherigen Intifada initiiert weder sie noch eines ihrer Organe den Terrorismus. Die Hamas ihrerseits befindet sich im Gazastreifen tief in einem Überlebenskampf und ist ohnehin zu schwach, um eine breit angelegte, populistische Terrorkampagne in der Westbank zu starten, anders als die örtlich begrenzten Anschläge, die ihre aktiven Zellen im Feld verüben. Zudem ist wichtig zu vermerken, dass die palästinensische Bevölkerung als Ganzes nicht bei der aktuellen Gewaltwelle mitmacht, auch wenn sie die Angreifer hinterher unterstützt. Jeder vernünftige Palästinenser begreift, dass die aktuelle Realität, in der die Palästinenser in der Westbank leben, so komplex sie auch sein mag, der in der arabischen Welt von Libyen über Syrien, den Irak und selbst dem Gazastreifen vorherrschenden Situation vorzuziehen ist.

Die jungen Angreifer haben allerdings ihre eigene Logik. Das Motiv ist in der Regel ein persönlihces und eine Herausforderung der Realität ihres Lebens, die praktisch die Realität junger Araber im gesamten Nahen Osten ist. Die Herausforderung wird an die Gesellschaft gerichtet – die Nahe wie die Ferne, die palästinensische und sogar die Arabische. Es handelt sich um eine Generation junger Menschen, die von Seiten der sozialen Netzwerke beeinflusst sind und nach ihren eigenen Diktaten handeln, während sie ihre Eltern und sozialen Gefüge ignorieren. Und heute gibt der radikale Islam, einschließlich der Gruppendoktrin des Islamischen Staats, in diesen sozialen Netzwerken den Ton an.

Es ist unwahrscheinlich, dass sich ein 14- oder 15-jähriger, der sich vornimmt eine Anschlag zu verüben, fragt, wie die Palästinenserführung oder die Zukunft der Gebiete nach der Ära von PA-Präsident Mahmud Abbas aussehen werden. Stimmt, manchmal dienen Spannungen mit israelischen Soldaten als Motivationsfaktor, aber im weitesten Sinne sieht die Realität so aus, dass der jungen arabischen Generation die Zukunft und Hoffnung fehlt und Seiten der sozialen Netzwerke ihr Leben füllen und junge Palästinenser dazu drängen Anschläge zu verüben. Die nicht tolerierbare Leichtigkeit, mit der jeder Konflikt unmittelbar in Gewalt abrutscht – etwas, das wir auch bei israelischen sehen – fördert das Phänomen nur noch.

Wie die früheren Terrorwellen wird auch diese ausklingen, obwohl man kaum sagen kann, ob das Monate oder Jahre dauern wird. Israel hat erfolgreich eine Eskalation verhindert, ebenso eine Eruption eines breiten, allgemeinen, gewalttätigen Ausbruchs, indem es sofort auf Anschläge reagierte, ohne die Beziehung zur palästinensischen Gesellschaft oder zur PA zu beeinträchtigen, die beide ebenfalls nicht an einer Eskalation interessiert sind. Wie in früheren derartigen Kapiteln unseres Lebens müssen wir die Zähne zusammenbeißen, an der Verhinderung von Anschlägen arbeiten und bestimmt auf sie reagieren; und dann geduldig darauf warten, dass bessere Tage kommen werden.

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