Wenn die Medien zuschlagen… (3)

aus dem Juli 2005:

Honestly-concerned.org zeigt am 27.7.05 einige sehr bezeichnende Beispiele dafür auf, wie Medien gezielt Stimmung machen:

„Eine neue Form der Vergeltung“
So wird aus „Antwort“ und „Reaktion auf Terroranschläge“ eine „neue Form der Vergeltung“. (Das wurde nicht nur vom „Standard“ so verbreitet!)

STANDARD – Sharon kündigt „neue Form der Vergeltung“ an – Israels Premier droht mit „sehr harten Maßnahmen“
Jerusalem – Nach dem tödlichen Angriff palästinensischer Extremisten auf Israelis im Gaza-Streifen hat der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon mit einer „neuen Form der Vergeltung“ gedroht. Der amerikanischen Außenministerin Condoleezza Rice habe er mitgeteilt, dass die Armee bereits Anweisung erhalten habe, „mit Entschlossenheit gegen den Terrorismus“ vorzugehen, sagte Sharon am Sonntag in einer Ansprache während der wöchentlichen Ministerratssitzung in Jerusalem.
„Neue Form der Vergeltung“
Die israelische Regierung werde „eine neue Form der Vergeltung üben, die in sehr harten Maßnahmen gipfeln wird“, sagte der Ministerpräsident. Im Falle weiterer „Terroranschläge“ werde dies auch für die Zeit nach dem israelischen Abzug aus dem Gaza-Streifen gelten.

Ein Leser hatte sich die Mühe gemacht, den entscheidenden Teil der Meldung der israelischen Regierung aus dem Hebräischen zu übersetzen (die englische Meldung benutzt dieselbe Wortwahl wie die hebräische):

„Israel wird sich mit dem Terror nicht abfinden….Ich habe ihr (Rice) klar gemacht, dass weitere Weidungern an die Sicherheitsbehörden zu diesem Thema klar sind und dass die israelische Armee mit Schärfe auf Terroraktivitäten reagieren wird. Ich habe ihr klargemacht, dass die Reaktionen mit sehr scharfen Mitteln (geschehen werden), gleichgültig ob Terroranschläge während des Abzugs oder nach der Räumung von Gaza passieren.

Das kann man beim besten Willen nicht mehr als mangelnde Fremdsprachenkenntnisse deuten. Das ist eindeutig verfälschende und mit politischen Zielen versehene Stimmungsmache von Presseorganen und hat nichts mehr mit Berichterstattung zu tun!

Nur die Juden können Palästinenser umbringen

Jedenfalls, wenn man der deutschen Medienlandschaft glaubt. Am 20. Juli 2005 wurden ein palästinensischer Junge erstochen. Die PA-Propaganda-Maschinerie wusste sofort, dass es Siedler waren, die das Verbrechen begingen. Das wurde überall gleich aufgenommen und verbreitet, wie Kewil in seinem Blog „FaktenFiktionen“ auflistete. Dass die PA-Polizei schon kurz darauf einen verdächtigen Palästinenser festnahm und der Junge bei einer Clan-Auseinandersetzung getötet wurde, konnten die deutschen Medien zwar erfahren, haben es aber, wenn sie es überhaupt registrierten, nicht an die Leser/Zuhörer/Zuschauer weiter gegeben.
Hier der Auszug aus dem Blog (vom 22.07.2005):

Jugendliche Siedler erstechen 13-jährigen Palästinenser

Diese schlimme und emotionsgeladene Schlagzeile erschien vor zwei Tagen bei dpa. Sie wurde wortwörtlich kopiert, nachgedruckt, in den Nachrichtenticker und ins Internet gestellt von:

Westdeutsche Zeitung (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 23:02 Uhr)
Saarland Online (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:28 Uhr)
stimme.de (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:32 Uhr)
Der Tagesspiegel (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:24 Uhr)
Kölner Stadt-Anzeiger (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:20 Uhr)
Kieler Nachrichten (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 23:09 Uhr)
Frankfurter Rundschau (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:16 Uhr)
Web.de (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:19 Uhr)
RZ-Online (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:21 Uhr)
Siegener Zeitung (Donnerstag, den 21. Juli 2005 – 00:20 Uhr)
Segeberger-Zeitung (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 23:08 Uhr)
Offenbach Post (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 23:19 Uhr)
Aachener Zeitung (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 23:07 Uhr)
Esslinger Zeitung (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:29 Uhr)
PNP-Online (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:49 Uhr)
Hildesheimer Allgemeine Zeitung (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 23:04 Uhr)
MT-Online (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:23 Uhr)
Remscheider General-Anzeiger (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:25 Uhr)
Neue Osnabrücker Zeitung (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:29 Uhr)
BZ auf Draht (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:22 Uhr)
General-Anzeiger Online (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:17 Uhr)
Die Harke (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:33 Uhr)
RTLnews.de (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:22 Uhr)
Berliner Morgenpost (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:28 Uhr)
Lübecker Nachrichten (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 23:08 Uhr)
Reutlinger General-Anzeiger (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:17 Uhr)
Gelnhäuser Tageblatt (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:42 Uhr)
Lippische Landes-Zeitung (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:27 Uhr)
Hamburger Morgenpost (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:37 Uhr)
Uetersener Nachrichten (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 23:02 Uhr)
Morgenweb (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:21 Uhr)
Lauterbacher Anzeiger (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:42 Uhr)
Merkur Online (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:20 Uhr)
all-in.de (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 23:06 Uhr)
newsclick.de (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 23:15 Uhr)
Welt am Sonntag (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:31 Uhr)
tz Online (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:23 Uhr)
Trierischer Volksfreund (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:24 Uhr)
Thüringer Allgemeine (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 23:14 Uhr)
Fränkischer Tag (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:31 Uhr)
bkz-online (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:35 Uhr)
mittelhessen1 (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:45 Uhr)
Kreis-Anzeiger (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:31 Uhr)
Landeszeitung Lüneburger Heide (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:21 Uhr)
Gießener Anzeiger (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:44 Uhr)
Usinger Anzeiger (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:51 Uhr)
RTL II (Mittwoch, den 20. Juli 2005 – 22:30 Uhr)

Manche Zeitungen wie FOCUS oder der Schweizer BLICK brachten sogar eine eigene Schlagzeile zusammen nach dem Muster: „Jüdische Siedler erstechen Palästinenser-Bub“.

Vermutlich waren es insgesamt mehr als 60 Presseorgane mit derselben Überschrift und Nachricht wie dpa. Die Nachrichtenagentur AFP dagegen wechselte in den Singular: „Siedler ersticht palästinensischen Jungen“. Einige wenige Blätter wie die RHEINPFALZ druckten diesen Artikel nach!

Problem Nr. 1 – die Nachricht war falsch. Das Kind war von eigenen Clan-Mitgliedern im Rahmen einer palästinensischen Familienfehde erstochen worden, was laut JERUSALEM POST auch von den Palästinensern zugegeben wurde.

Problem Nr. 2 – die falsche Nachricht wurde natürlich kaum irgendwo korrigiert. FOCUS hat es gemacht, von den anderen Publikationen ist bisher nichts bekannt.

Im Internet wurde vor ein paar Monaten ein Blog überschwenglich gefeiert, der einem SPIEGEL-Redakteur nachwies, daß er aus Wikipedia abgeschrieben hatte. Mein Gott, was ist das für ein unwichtiges Kinkerlitzchen im Vergleich zu dem, was unsere Presse ungesehen, ungefragt und unkritisch jeden Tag der Deutschen Presse Agentur wortwörtlich nachbetet! Und dafür zahlt sie auch noch!
Diesem Kommentar kann ich mich nur anschließen.


Kein Terror in Israel
Das legen zumindest Karten nahe, die angeblich zeigen, wo der islamistische Terror in den letzten Jahren zugeschlagen hat. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung bezieht sich auf „Schwere Terroranschläge seit dem 11. September“; die Spanne der jeweiligen Toten reicht von 9 bis zu den mehr als 3.000 von New York und Washington. Die können sich also nicht mit Zahlen von Opfern herausreden.
Ebenso die britische „Sun“ mit ihrer Graphik „Evil across the World“, die „Terrorangriffe durch islamische Extremisten seit 1993“ zeigt. Anscheinend sind Hizbollah, Hamas und der Islamische Jihad keine islamischen Extremisten und damit Israel kein Terrorziel solcher. Was man nicht alles unternimmt, um nicht zugeben zu müssen, dass die Israelis Terroropfer und die palästinensischen Terroristen Terroristen sind…


Die Medien bauen die Verpflichtungen der Palästinenser ab

Palestinian Media Watch-Kommuniqué vom 7. Juli 2005

Während London noch von den heutigen Anschlägen benommen ist und Israel seinen schmerzlichen Rückzug aus Gaza voran bringt, sind Beobachter zunehmend besorgt wegen des Tages nach der „Abtrennung“ – wird Gaza zum Zufluchtsort für Terroristen?

Unglücklicherweise hat die Palästinensische Autonomiebehörde fast nichts getan, um dieses Szenario zu verhindern, womit sie die von ihr unterschriebene Verpflichtung aus der Roadmap von 2003 verletzt, dass sie „terroristische Fähigkeiten und Infrastruktur abbauen“ muss – tatsächlich lädt sie die Hamas in die Hallen der Macht ein. (Hamas hat das Angebot abgelehnt.)

Die westlichen Medien haben es in der Zwischenzeit versäumt zu veröffentlichen, dass die PA ihrer Verpflichtung zur Beseitigung des Terrors nicht nachgekommen ist. HonestReporting hat in der Vergangenheit einzelne Fälle dieses Verhaltens angeführt, aber diese Art der Umschreibung hat eine neue Ebene erreicht. Inzwischen ist es Standard-Vorgehensweise praktisch aller wichtigen Medienunternehmen, die Verpflichtung der PA, den Terrorgruppen notfalls mit Gewalt entgegenzutreten, als bloße „israelische Forderung“ oder „israelische und amerikanische Forderung“ darzustellen. Beispiele:

Associated Press (3. Juli): “Die Einladung an die islamischen Gruppen ist Teil der Bemühungen des palästinensischen Führers Mahmud Abbas sie zur Zusammenarbeit zu bewegen, statt sie zu entwaffenen, wie Israel und die Vereinigten Staaten es verlangten.“

Reuters (5. Juli): „Israel und die Vereinigten Staaten haben verlangt, dass Abbas die militanten Gruppen als Teil der von den USA unterstützten ‚Road Map’ zum Frieden und einem palästinensischen Staat im Gazastreifen und der Westbank beseitigen.“

AFP (5. Juli): „Abbas hat sich bisher israelischem Druck widersetzt Fraktionen wie Hamas zu entwaffnen.“

New York Times (4. Juli): “Während Abbas anstrebt die Hamas und andere bewaffnete Fraktionen einzubinden, sagt Israel, er soll sich diesen Gruppen entgegen stellen.“

*********************

Ein Kommentar in der heutigen Washington Times (7. Juli 2005) deutet an, dass das Problem nicht mit mangelndem Potenzial seitens der PA zusammenhängt:

Lt. Gen. William Ward, der amerikanische Soldat mit der verantwortlichen Aufgabe betraut wurde den Palästinensern zu helfen ihre Sicherheitskräfte wieder aufzubauen, sagte dem außenpolitischen Ausschuss des Senats, dass nur rund 22.000 der 58.000 Personen in den PA-Sicherheitskräften sich darum kümmern überhaupt aufzutauchen. Aber auf dem Papier sollten selbst 22.000 Sicherheitsbeamte völlig in der Lage sein, sich der Hamas und den anderen ablehnenden Gruppen entgegenzustellen. Einer der Gründe, dass die Sicherheitskräfte so kläglich versagt haben, sagte der palästinensische Innenminister Nasser Yussef kürzlich freimütig vor dem Palästinensischen Legislativrat, ist der, dass zu ihnen Terroristen und Gangster gehören, die verantwortlich sind für die Schaffung der Gesetzlosigkeit, die die Westbank und den Gazastreifen im Griff halten.

Die Roadmap ist eine internationale Vereinbarung, die von den USA, der Europäischen Union, den Vereinten Nationen und Russland eingebracht wurde – und den die PA unterschrieb. Als Journalisten die Verpflichtung von einer palästinensischen Verpflichtung und internationalen Vorschrift zu einer bloßen „israelischen Forderung“ oder einem gemeinsamen amerikanisch-israelischen Projekt verschieben, werden sie im Effekt zum Komplizen der Bemühungen der PA sich vor ihren hochwichtigen Verpflichtungen zu drücken.

heplev: Ich sehe nicht, dass das in unseren Medien sonderlich anders wäre.

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