Wenn die Medien zuschlagen… (4)

aus dem November 2005

22.11.2005, 15.10 Uhr: ZDF- Teletext, Tafel 133
„Vier Tote bei Gefechten an israelisch-libanesischer Grenze“
Bei den schwersten israelischen Angriffen im Südlibanon seit Juli sind vier Kämpfer der Hosbollah-Miliz getötet worden. Dies berichtete der Hisbollah-Fernsehsender El Manar. Zuvor war von drei Toten die Rede gewesen.
Die israelische Luftwaffe hatte am Montag die seit Monaten heftigsten Angriffe gegen Stellungen der Miliz im Süden Libanons geflogen. Laut Augenzeugen feuerten israelische Kampfjets Raketen auf zwei Ziele im Grenzbereich ab. Zugleich lieferten sich die israelische Armee und Hisbollah-Kämpfer Artillerie-Gefechte.

ZDF http://www.heute.de, 22.11.2005, 15.30 Uhr: ein winziger Kasten in einem langen Artikel über Ariel Scharon und seine neue Partei:
Gefechte an israelisch-libanesischer Grenze
Israelische Soldaten und Kämpfer der Hisbollah-Miliz haben sich an der israelisch-libanesischen Grenze Gefechte geliefert. Die pro-iranische Hisbollah habe Stellungen auf dem Gebiet der umstrittenen Scheeba-Region mit Granaten oder Raketen angegriffen, wie ein Armeesprecher in Tel Aviv sagte. Nach libanesischen Angaben feuerte israelische Artillerie zurück. Beide Seiten liefern sich Schusswechsel.

Liebes ZDF,
eure Redakteure scheinen die geborenen Propaganda-Tröten zu sein. Da wird im ZDF-Text nicht einmal darauf hingewiesen, dass die Hisbollah – und zwar massiv! – Israel beschossen hat – so heftig, dass die Armee die Israelis im Norden angewiesen hat in die Luftschutzkeller zu gehen; im Internet wird diese Information so auch nicht gegeben, sondern die Aggression durch Nutzung des Konjunktivs bei der israelischen Darstellung angezweifelt. Statt dessen scheint der Hisbollah-Hetzsender Al-Manar als eine sehr zuverlässige Quelle angesehen zu werden, jedenfalls zuverlässiger als die israelischen Quellen. Und schwupps, sind die vier „Kämpfer“ durch die israelische Luftwaffe im Südlibanon getötet worden, statt bei den Angriffen der Terroristen auf israelische Stellungen – das ZDF gibt also Lügen wieder, die es einfach hätte überprüfen können. Durch die Wortwahl wird Israel wieder einmal in die Rolle des Aggressors gerückt, statt eindeutig die Verursacher auf der anderen Seite zu nennen. Auch im Internet scheint der Libanon eine zuverlässigere Quelle zu sein als Israel. Was die Redaktion nicht davon abhält, die Aggression der Terroristen (Verzeihung: „Kämpfer“) hintan zu stellen und das Beiderseitige zu betonen („Beide Seiten liefern sich Schusswechsel“), damit der „Kreislauf der Gewalt“ auch nur ja stimmt.
Es wäre vielleicht besser gewesen, das ZDF hätte die Sache totgeschwiegen wie die meisten anderen auch.

Hier dieselbe Begebenheit im Newsletter der israelsichen Botschaft:

Die Terrororganisation „Hisbollah“ hat am Montagnachmittag (21. November 2005) zivile und militärische Ziele in Israel angegriffen. Die Hisbollah griff mit Katjuscha-Raketen, Panzer-Abwehr-Raketen, Mörsergranaten und Gewehrfeuer das Gebiet von Metula, Rajar und Har-Dov an. Zwei israelische Wachposten, ein Offizier und ein Soldat, wurden schwer verletzt. Raketen und Mörsergranaten landeten in zivilen Wohngebieten. Ein Haus in der Stadt Metula wurde getroffen. Zum ersten Mal seit langem wurden alle Bewohner der Nordgrenze Israels aufgefordert, ihre Luftschutzbunker aufzusuchen.
Zeitgleich kam es zu mehreren Angriffen auf israelische Stellungen in den Gebieten Rajar und Har-Dov, in deren Verlauf israelische Soldaten entführt werden sollten. Die Armee konnte die eingedrungenen Terrorzellen erfolgreich abwehren. Insgesamt wurden elf israelische Soldaten verletzt. Mindestens vier Angreifer wurden getötet.
In Reaktion auf diese Angriffe zerstörte die israelische Luftwaffe ein Gebäude, das die Terrororganisation im Libanon als Kommandozentrale nutzte sowie Zufahrtsstraßen.
Der Leiter der Nord-Kommandantur, Generalmajor Udi Adam, kommentierte: Die Hisbollah brachte bei den Angriffen ihr gesamtes Waffenarsenal auf. Vor den Angriffen verhielt sich die Armee in der Region völlig ruhig. Der Angriff war seit langer Zeit geplant. Seit langem haben wir nicht mehr einen so groß angelegten und koordinierten Angriff der Hisbollah gesehen.


Newsletter der israelischen Botschaft – Stellungnahme zur Nachrichtensendung „RTL Aktuell“, am 8.11.05 um 18:45 Uhr

Betr.: Nachrichtensendung „RTL Aktuell“, am 8.11.05 um 18:45 Uhr, Bericht von Israel-Korrespondent Christoph Sagurna

Der Bericht von RTL-Korrespondent Christoph Sagurna zeigt eine Konfrontation zwischen israelischen Polizisten und palästinensischen Schülern am 8. November 2005 in Anata, im Ostteil Jerusalems.

In der Anmoderation sagte Peter Kloeppel: „Soldaten schießen Tränengas-Granaten auf Schulkinder.“ Herr Sagurna sprach von israelischer Provokation, die von Palästinensern mit Steinwürfen beantwortet wurde. Danach hätten die israelischen Polizisten Tränengas-Granaten auf die Schule geworfen.

Es ist sehr bedauerlich, dass Herr Sagurna in seinem Bericht Beweis-Material, das ihm die israelische Polizei zur Verfügung stellte, nicht verwendet hat und Israel der Provokation beschuldigt, während der Vorfall ganz anders verlaufen ist.

In der Umgebung der Grundschule in Anata finden Bauarbeiten der vom Obersten Gerichtshof in Jerusalem genehmigten Sicherheitsanlage statt.

Jeden Tag werden die Bauarbeiter der Sicherheitsanlage von palästinensischen Jugendlichen mit Steinen angegriffen. Um diese Bauarbeiter zu schützen, sind Polizeikräfte in Anata im Einsatz.

Am 8. November haben einige Jugendliche in der Pause um 10 Uhr das Schulgelände verlassen und Steine auf die Polizisten geworfen. Die Polizisten haben die Jugendlichen gefilmt. Dann kamen vermummte Personen aus der Schule und brachten weitere Schüler mit sich, um Steine auf Bauarbeiter und auf Polizisten zu werfen. Zu ihrer Verteidigung haben die Beamten Tränengas-Granaten geworfen. Auch dies wurde gefilmt. Dieses Film-Material wurde Herrn Sagurna zur Verfügung gestellt.

Es muss betont werden, dass sich diese Ereignisse auf der Straße außerhalb des Schulgeländes abgespielt haben. Auch wenn der Bericht von Herrn Sagurna einen anderen Eindruck vermittelt, so zeigt auch sein Bildmaterial, dass auf keinen Fall Tränengas innerhalb des Schulgeländes zum Einsatz kam.

Es ist bedauerlich, dass der deutschsprachigen Öffentlichkeit wieder einmal eine Situation im palästinensisch-israelischen Konflikt mit unvollständigen Informationen und Bildern vermittelt wird, ohne die wahren Umstände zu zeigen.

Juedische.at: Hier die Antwort des Chefredakteurs des Senders RTL, Peter Kloeppel:

Sehr geehrter Herr Laster,
Haben Sie herzlichen Dank für Ihre mail, in der Sie Ihre Gedanken und Ihre Kritik zu dem von uns gesendeten Beitrag aus Israel übermitteln. Ich freue mich, dass Sie uns schreiben. Erlauben Sie mir zu Ihrer Kritik Stellung zu nehmen.
Unser Korrespondent lebt seit mehreren Jahren in Israel und informiert sich nach bestem Wissen und Gewissen über die Verhältnisse in diesem Land. Wir haben in seiner Berichterstattung noch nie Grund zu der Annahme gefunden, dass er mit Vorurteilen oder unterschwelligen Assoziationen arbeitet. Der von ihm geschilderte Fall spielt sich tatsächlich häufig (ich habe Herrn Sagurna ausdrücklich noch einmal gefagt, ob dieser Vorfall ein EINZELFALL war – Antwort: klares Nein!) in der von ihm geschilderten Form ab, ansonsten hätten wir das Thema nicht in unsere Sendung aufgenommen. Ob das Thema in den israelischen Medien tatsächlich nicht behandelt wird, und wenn nicht, warum nicht, dies kann ich persönlich nicht beurteilen.
Wir alle wissen: zu einem Konflikt gehören immer Zwei. Wer wen zuerst provoziert hat (ist das Auftauchen in einem Armee-Jeep eine Provokation und in wessen Augen? Und wer warf von wo den ersten Stein?), lässt sich wahrscheinlich nicht eindeutig klären. Fakt ist: auf einen Schulhof werden Tränengas-Granaten geschossen, und Kinder leiden darunter. Wir halten das durchaus für berichtenswert.
Ich kann Ihnen versichern: es liegt uns fern, in diesem Konflikt (über den wir ja in all seinen Facetten seit vielen Jahren berichten) eine einseitige Haltung einzunehmen. Ich sehe nicht, dass wir einen Abfall ins Bodenlose vollziehen oder auch nur kurz davor stehen.
Auch wenn ich Ihnen also nicht zustimmen kann würde mich freuen, wenn Sie unsere Nachrichten weiter mit kritischem Blick verfolgen.
Mit bestem Gruß
Ihr
Peter Kloeppel

Halten wir fest: Wenn der Herr Journalist sagt, das passiert so, dann sieht Herr Kloeppel keinerlei Anlass sich auf Hinweise einzulassen, die aufzeigen, dass der Journalist NICHT richtig berichtet hat. Fakten spielen also keine Rolle, wenn sie nicht vom Korrespondenten selbst kommen. Das ist der Journalismus von RTL.
Und die „nicht einseitige“ Haltung von RTL konnte man immer besonders dann bewundern, wenn Maßnahmen der israelischen Regierung mit kräftigsten kommentierenden Worten verurteilt wurden – was ich bei persönlich bei Aktionen der Palästinenser so nicht erlebt habe, geschweige denn bei dem Larifari-Gefasel der PA-Führung.
Herr Sagurna schreibt als Stellungnahme, das Material der Israelis sei nicht brauchbar gewesen und unterstellt Israel mindestens gleichermaßen zu provozieren wie die Steinewerfer. Außerdem sei es unerheblich, wer angefangen habe. (Warum moniert er dann, das israelische Video sei erst Stunden nach dem Beginn der Auseinandersetzung gemacht worden?) Da kommt der Gedanke auf, dass man sich auch gerne mal Dingen versperrt, die nicht in das passen, was man unbedingt rüber bringen will.

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