Wenn die Medien so richtig daneben liegen (1)

Wo Medien selbst bei noch so einseitiger Betrachtung einfach Schwachsinn von sich geben:

ARD Tagesschau, 30.11.2004, 20 Uhr:
Hintergrund: Ende November fand in Den Haag eine Konferenz statt, die den Friedensprozess in Nahost wieder in Gang bringen soll. Dazu trafen sich die 25 Außenminister der EU mit zwölf arabischen Delegationen. Am 29.11. traf sich dann auch eine Troika aus der EU-Außenkommissarin Ferrero-Waldner, dem niederländischen Außenminister Bot (als Vertreter der amtierenden EU-Ratspräsidentschaft) und EU-Chefdiplomat Solana mit dem israelischen Außenminister Schalom. (Dass die Araber sich nicht mit dem Israeli treffen würden, gehört ja schon zum normalen Verhalten…)
Der Bericht der Tagesschau schloss mit den Worten:

„Den Europäern kommt jetzt eine Schlüsselrolle zu, denn sie genießen – anders als die USA – das Vertrauen beider Seiten, der Israelis und der Araber. Das hat diese Konferenz gezeigt. Damit könnte Europa der Motor sein, der den Friedensprozess wieder in Gang bringt.“

Das dürfte die Fehleinschätzung des Monats sein. Noch dazu eine, die furchtbar einfach zu widerlegen ist. Aber das macht ja nichts in unserer Medienlandschaft, da belügt man sich selbst und das Publikum mit dem eigenen Wunschdenken, ohne Rücksicht auf Verluste. Unmittelbar vorher hatte nämlich Minister Schalom sich folgendermaßen geäßert:

„Es kann nicht sein, dass die EU zuerst zu 100 Prozent hinter der palästinensischen Seite steht, und dann als unparteiischer Vermittler in dem Konflikt akzeptiert werden will.“ (vgl. den oben verlinkten Artikel)

Womit sich die Tagesschau-Redaktion als Absurditäten-Kabinett outet. Aber was tut man nicht alles, um den Amerikanern eins auszuwischen: „anders als die USA“. Das könnte die entscheidende Aussage des ganzen dusseligen Satzes gewesen sein…
Aber auf die Idee, dass die Israelis – anders als gewisse andere Leute – jede Gelegenheit wahr nehmen, um zu sondieren, was wirklich möglich ist um Frieden zu schließen, darauf kommt man in Deutschland vielerorts offenbar nicht…


AFP schlägt richtig zu (übermittelt von honestreporting.com): Einen Bericht zu der IDF-Operation in Gaza begann die Agentur so:

Israels massive Militäroperation im nördlichen Gazastreifen zeigt nach zwei tödlichen Wochen kein Zeichen des Nachlassens, in denen 111 Palästinenser getötet wurden, hauptsächlich Kinder und Qassam-Raketen werden weiterhin auf israelisches Territorium abgeschossen.

„Hauptsächlich Kinder“ getötet? Nach Angaben der New York Times und auch palästinensischer Quellen aus den Krankenhäusern gibt es nach 11 Tagen Kämpfen 90 tote Palästinenser, darunter 55 Militante und 35 Zivilisten. Unter den Toten befinden sich 18 Palästinenser, die 16 Jahre oder jünger“ sind – was auch die Zählung bei Associated Press ist (auch keine sonderlich israelfreundliche Firma).

Bleibt die Frage, was das soll. Diese Angabe von Agence France Presse ist kein unbedeutendes Detail. Die Ungenauigkeit betrifft eine hoch sensitive Frage und wurde in die erste Zeile der Meldung von AFP gestellt. Damit wird ein Ton gesetzt, der verurteilen soll.

HonestReporting.com hat sich an AFP gewandt und der Fehler wurde dort zugegeben. Allerdings hat AFP die falsche Angabe nicht korrigiert, sondern nur aus dem nächsten Bericht die falsche Angabe gestrichen – AFP hatte aber keinen Hinweis an die Empfänger des ersten Berichts gegeben, dass in diesem ein Fehler enthalten war, der nicht veröffentlicht werden sollte. Dadurch wurde die Falschmeldung weltweit veröffentlicht (YahooNews und hier und hier.)

In Agenturberichten können Fehler passieren. Journalistischer Standard ist in solchen Fällen, dass eine kurzfristige und deutliche Korrektur erfolgt. Das stellt sicher, dass andere Medien die Erfindung nicht verbreiten und eigene Korrekturen veröffentlichen, falls der Fehler schon verbreitet wurde. Dass eine solche Korrektur von AFP nicht erfolgte, weicht vom Standard journalistischer Abläfe ab. Damit macht sich AFP der gezielten Verbreitung von Falschinformationen schuldig.


Gestern und heute (3. und 4. Oktober 2004) streuten die deutschen Medien (mit wenigen Ausnahmen) einen Satz aus: Ariel Scharon habe die Streitkräfte zu einem „härteren Vorgehen“ im Gazastreifen aufgefordert. Die entsprechend bissigen Kommentare ließen nicht lange auf sich warten. Nur scheinen die deutschen Medien ein kleines Problem mit der englischen Sprache zu haben: Alle englischen Agenturmeldungen, auf die sich auch die deutschen Medien stützen, beschreiben Scharons Aufforderung als „expand“ = ausdehnen – das ist etwas ganz anderes als „härter“!
Ein Schuft, der Böses dabei denkt, oder?


Associated Press bringt am 15. August 2004 den Schwachsinn der Woche, wie HonestReporting.com in seinem „Backspin“ berichtet:
Reporter Barry Schweid von AP glaubt wirklich, dass Arafat „der Gewalt abschwor“; er schreibt:

Arafat übernahm die Palästinensische Befreiungsorganisation 1967, nachdem Israel die Araber im Sechs-Tage-Krieg entscheidend besiegt. Seitdem der Führer der Palästinenser, hat er den Terrortaktiken abgeschworen, die die PLO Jahrezehnte nutzte und der Koexistenz mit Israel zugestimmt. Er wurde Kopf der Palästinensischen Autonomie, die im Rahmen der Oslo-Vereinbarungen in den 90-ern eingerichtet wurde.

Es ist wirklich lächerlich, wie dem Vater des Terrors von Menschen im Westen immer wieder Persilscheine ausgestellt werden. Das scheint aber das Hobby der meisten Schreiberlinge dieser Art zu sein. Wer angesichts der Berge an Beweisen des Gegenteils trotzdem immer noch den „guten“ Arafat (die Schwächen des Mannes sind nicht von Bedeutung, alles ist Israels Schuld, insbesondere Scharon und die Siedler) kolportieren, ist mir schleierhaft. Aber die Journalisten befinden sich ja in bester Gesellschaft: Die EU-Kommission (allen voran Sir Christopher Patten), fast alle EU-Staaten, OLAF usw. ignorieren ja auch alles, was gegen Arafat und für Israel sprechen könnte…


Rassismus in Israel (24.12.2003)
Der britische Guardian berichtete am Mittwoch über einen schwerwiegenden Fall von Rassismus in Israel.
Chinesische Angestellte eines nicht genannten israelischen Unternehmens mußten sich dem Bericht zufolge vertraglich verpflichten, jegliche religiöse und politische Aktivitäten zu unterlassen und außerdem keinerlei sexuelle Beziehung zu israelischen Frauen – einschließlich Prostituierten – aufzunehmen.
Ein Sprecher der Polizei, Rafi Yaffe, sagte, daß dies nicht illegal sei und daß es keine Untersuchung geben würde.
Ein israelischer Anwalt, der anonym bleiben wollte, sagte, daß die Verträge von einem Gericht verboten werden würden, sollte dagegen geklagt werden. Dies ist aber kaum wahrscheinlich, da chinesische Arbeiter in Israel nicht nur kaum die finanziellen Mittel für eine solche Klage besitzen, sondern auch bereit sind, fast alles zu akzeptieren, um Arbeit zu bekommen.
Erst im August hatte die „Fédération Internationale des ligues des Droits de l’Homme“ („Internationale Föderation des Menschenrechtsorganisationen“) einen Bericht (Adobe Acrobat-Datei) mit dem Titel „Gastarbeiter in Israel – Eine moderne Art der Sklaverei“ veröffentlicht.
Gastarbeiter werden in Israel demnach häufig mehr als Leibeigene denn als Angestellte behandelt. Häufig werden ihnen die Ausweispapiere abgenommen und ihnen der ihnen zustehende Lohn nicht bezahlt.
Die Bedingung aber, daß die chinesischen Arbeiter keine Beziehung zu israelischen Frauen haben dürfen, geht weit hierüber hinaus, da sich hieraus kein wirtschaftlicher Vorteil für das Unternehmen ableiten läßt.
Hier kann es sich nur um ein deutliches Beispiel von Rassismus handeln. Insbesondere die Reaktion der Polizei, die dies als völlig legal betrachtet, ist hierbei bemerkenswert, andernfalls würde es sich „nur“ um einen mehr oder weniger einzelnen Fall handeln. Da dieses Verhalten aber von der israelischen Polizei vollständig akzeptiert wird, ist davon auszugehen, daß es sich hier eben nicht nur um einen „Ausrutscher“ handelt.

Hierzu ein Kommentar von Ulrich W. Sahm:
Ich machte mir den Spass, jenen zitierten Polizeisprecher Rafi Yafe (der arbeitet bei der Ausländerbehörde) anzurufen und nach dem Artikel zu fragen:
Es stellt sich heraus, dass es sich um ein Dokument handelt, das in China (für die chinesische Bevölkerung) auf chinesisch verfasst wurde und irgendwie nach Israel zu der Arbeiter-Vermittlergesellschaft „Kav La´oved“ gelangte. Die haben das Papier übersetzt (möglicherweise müssen chinesische Gastarbeiter das in China unterschreiben, ehe man sie ausreisen läßt, und zwar auf Verlangen der chinesischen Behörden).
Das Dokument wurde von Kav Laoved an die Polizei gegeben, um es zu prüfen. Rafi Yafe: Für uns gab es da nichts zu prüfen, weil es ein chinesisches Dokument ist und nichts mit Israel zu tun hat. „Was geht uns das an“.
Der Journalist des Guardian, so Yafe habe wohl alles umgedreht. Es gebe in Israel keine solche Verpflichtungen der Gastarbeiter.


„Steine werfende Jugendliche von israelischen Soldaten erschossen (07.01.2004)
Die Meldungen vom letzten Wochenende sprachen davon, dass israelische Soldaten in Nablus auf Jugendliche geschossen hätten, die Steine auf sie warfen. Interessant ist das folgende Foto von AP, das diese Jugendlichen und ihre Steine zeigt:

apwerferDie „Steine“ sind Betonblöcke, die aus einer Höhe von mehreren Stockwerken geworfen werden. Damit stellen sie tödliche Waffen dar – in Europa werden Menschen, die Steine von Autobahnbrücken werfen, wegen Todschlag, wenn nicht Mordversuch verurteilt. Steine, die hier bei uns von Autobahnbrücken geworfen werden, sind nicht annähernd so groß wie die Blöcke, die auf diesem Foto „fliegen“. Eine Presse, die verharmlosend von „Steine werfenden Jugendlichen“ berichtet, die von israelischen Soldaten beschossen wurden, lügt, ist parteiisch und verletzt damit ihre Berichterstatter-Pflichten.


honestly-concerned-Newsletter vom 07.04.2003:
Ulrich Sahm schrieb einen Artikel über Hass-Predigten im Islam. Dabei fiel ihm zur deutschen Presse auf:

In der Welt des Islam waren diese Reden populär, während sie in Deutschland entweder nicht wahrgenommen oder aber in der Presse wegzensiert wurden. In Kirchenkreisen redete man von einem „Dialog“ mit dem Islam. Da „störten“ diese fanatischen Sprüche. Unbeachtet blieb so auch der Ruf des berühmten Scheich Kardawi. Nachdem die Moslems Konstantinopel (Istanbul) mit dem Schwert erobert hätten, sei nun Rom an der Reihe. Ganz offen rief er auf, Europa den Lehren des Propheten Mohammad zu unterwerfen.

An diesem Wochenende legitimierte die höchste geistliche Instanz der sunnitischen Moslems, Scheich Tantawi von der Al Ashar Universität in Kairo, Selbstmordattentate gegen die amerikanischen Agressoren in Irak. „Die Aktionen von Märtyrern gegen die Invasoren sind gerechtfertigt.” So verbreitete es die ägyptische Nachrichtenagentur Mena und so berichtete es auch die BBC. Doch eine große deutsche Zeitschrift titelte: „Islamischer Religionsführer nennt Saddam einen Terroristen“ und schrieb weiter [HE: nach Information aus demselben Newsletter war das der „Spiegel“]: „Der höchste islamische Geistliche in Ägypten hat Saddam Hussein scharf angegriffen. Der irakische Präsident hätte ins Exil gehen sollen.“ Die Befürwortung der Selbstmordattentate gegen Amerikaner aus dem Munde des Gottesmannes passten offenbar nicht ins Konzept. Also wurden sie ihren Lesern vorenthalten.


Honestreporting.com vom 14.01.2002

Reuters Schwachsinn der Woche

Eine der jüngsten Reuters-Meldungen redet von „Selbstmord-Bombern, die von israelischen Streitkräften getötet werden“.
Kommentar von honestreporting.com: Nur in der verrückten Welt von Reuters kann Israel für den Tod von Palästinensern verantwortlich gemacht werden, die Selbstmord begehen.
(Die Original-Meldung von Reuters, letzter Abschnitt)

Für’s Archiv: Der Reuters-Artikel berichtet, dass Abdel Aziz Rantissi, der Führer der Hamas, einen Aufruf gestartet hat, Selbstmord-Attentäter sollten gegen Amerika eingesetzt werden. Bei einer Demstration von Zehntausenden in Gaza sagte Rantissi: „Ich rufe alle arabischen Nationen auf, den Boden unter den Füßen der Amerikaner in allen Hauptstädten zu verbrennen.“
Die Demonstranten schrien „Tod Amerika“ und verbrannten amerikanische, israelische und britische Flaggen. Rantissi erklärte: „Ich rufe den Irak auf eine Armee möglicher Märtyrer vorzubereiten und zehntausende Sprengstoffgürtel vorzubereiten… Jagt euch gegen die amerikanische Armee in die Luft. Bombardiert sie in Baghdad.“

APs Schwachsinn der Woche

Nach 15.000 Terroranschlägen gegen Israelis verkündet Associated Press – unglaublicherweise – immer noch, die Palästinenser liebten den Frieden. Schauen Sie sich diesen kürzlich gemachten Bericht über den Premierminister-Kandidaten Amram Mitzna an:
„Als ich diente, sagte ich, man kann nicht gegen den Willen von 3 Millionen Menschen nur durch Militärmaßnahmen gewinnen“, sagte Mitzna in dem Interview. „Man muss verhandeln, man muss reden.“

Dann führt AP die eigene Meinung an:

Palästinenserführer begrüßen das als einen Weg hinaus aus dem Konflikt, der in 28 Monaten mehr als 2.700 Menschen das Leben gekostet hat…“

Welchen Palästinenserführer meinen sie? Yassir Arafat? Marwan Barghouti? Hamas-Führer Abdel Aziz Rantissi?

Lesen Sie den AP-Artikel auf: http://honestreporting.com/a/r/331.asp

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