Wenn die Medien so richtig daneben liegen (2)

Wo Medien selbst bei noch so einseitiger Betrachtung einfach Schwachsinn von sich geben:

Fragwüridge „Dokumentation“ auf Phoenix.de
Phoenix.de gibt in seiner Dokumentation zu Ariel Sharon ganz tolle Sachen von sich. Den Vogel schießen sie dort aber mit folgenden Daten ab (man bedenke: mit Datum 6. Januar 2006!):

Sharon musste zurücktreten, blieb aber in verschiedenen Funktionen in der Regierung und konnte nach der Ermordung Izthak Rabins 1995 erneut Schlüsselpositionen einnehmen: 1996 als Minister für Infrastruktur, zwei Jahre später als Außenminister und schließlich 1999 als Premierminister.

Friedensprozess in weiter Ferne
Im Herbst 2000 marschiert Sharon im vollen Bewusstsein der sensiblen Situation mit massivem Polizeiaufgebot zur Al-Aksa-Moschee. Die Reaktion der Palästinenser ist vorhersehbar: Die zweite Intifada (Aufstand der Palästinenser) beginnt und damit eine Welle von palästinensischen Selbstmordattentaten und israelischen Vergeltungsaktionen. Seither wurden mehr als 2.000 Palästinenser und 1.000 Israelis getötet.

Da hat es also Ehud Barak gar nicht gegeben, denn wann sollte der sonst Premierminister gewesen sein?
Der Besuch Sharons auf dem Tempelberg war ja überhaupt nicht mit der PA-Führung abgesprochen.
Die „Reaktion der Palästinenser“ war ja überhaupt nicht geplant, völlig spontan und folgte unmittelbar, oder? Oder war es doch so, dass Arafat sie Monate lang planen ließ und Marwan Barghouti am Tag des Besuchs das Rumpelstielzchen machte, weil der Terror nicht so los ging, wie er das wollte und dann doch erst mehr als 24 Stunden nach der „Provokation“ „ausbrach“.
Und die tolle „Statistik“ ist zumindest, was die Palästinenser angeht, so was von veraltet, dass ich mich frage, ob keiner die Spinnweben spürt, die da dran hängen – immerhin gibt es inzwischen rund 3.500 tote Palästinenser infolge dieser „Intifada“.


In München kamen 1972 11 Palästinenser um
„Das neue Werk des Kultregisseurs handelt von dem Attentat während der Olympischen Spiele in München 1972, bei dem elf Palästinenser ums Leben kamen.“ So stand es auf KINO.DE in der Ankündigung des Films mitsamt Erwähnung einiger Kritikpunkte, die am Film geübt werden.
Inzwischen ist das richtiggestellt. Fragt sich nur, wie es kommt, dass die Schreiber von KINO.DE diesen Schwachsinn überhaupt erst in die Tastatur bringen konnte. Vielleicht liegt’s ja am Film, der sich weniger mit dem Mehrfachmord der Terroristen als mit der israelischen „Rache“ beschäftigt. Wenn der Film sich um israelisches Morden dreht, dann schreibt man schnell was über palästinensische Opfer, auch wenn Palästinenser die Täter waren.


spiegel online, 5. Dezember 2005 – Unter Schwere Explosion in israelischem Supermarkt – Dutzende Opfer konnte man Erstaunliches lesen – inzwischen hat spiegel-online den Schwachsinn gelöscht, aber dass das überhaupt auf deren Website kommen konnte, spricht für die Ahnungslosigkeit oder Dummheit der Journalisten. Diese hatten nämlich über den Tatort geschrieben: „Die Explosion ereignete sich in einem Einkaufszentrum, das nach dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon benannt ist.“
Das ist einfach unsinnig. Das Einkaufszentrum heißt „Ha-Sharon“ ist nach der Region um Netanya benannt, die auch Sharon heißt – was absolut nichts mit den heutigen Ministerpräsidenten zu tun hat.
Qualitativ hochwertige journalistische Arbeit. Herzlichen Glückwunsch, SPIEGEL!


arte, Info Nachrichtenjournal, 6. September 2005, Ausgaben von 19:45 und 23:50 Uhr (übernommen aus einer Info-Mail):
In der Arte-Reportage von F. Méon und W. Charaf wurde die ägyptische Muslimbruderschaft als eine Organisation der Bahrmherzigkeit und Wohltätigkeit vorgestellt: „Hilfe für die Schwächsten, darin liegt die Stärke der Bruderschaft“. Ein schmeichelhaftes Bild für eine Bewegung, die etwa bei der Verbreitung der 1938 veröffentlichten arabischen Übersetzung von „Mein Kampf“ den Deutschen behilflich war oder 1946 alles dafür tat, die Einreise von 100.000 Überlebenden der Shoa nach Palästina zu verhindern.
Wer, über diese einzelnen Ereignisse hinausgehend, derart gelassen von der zentralen Bedeutung der Bruderschaft für den sich radikalisierenden und in den internationalen Raum expandierenden antisemitischen Kampf absieht, den kümmert anscheinend auch nicht die rigerose Mobilisierung nach Innen. Diese schwört die ägyptische Bevölkerung nicht nur ein auf Djihad und Märtyrertod, sondern zudem auf das islamische Inferioritätspostulat. Kein Wort also von anbefohlener Ganzkörperbekleidung usw.
Hat also innerhalb der Arte-Nachrichtenredaktion und bei Arte insgesamt, die populistisch-karitative Seite der Bruderschaft Vorrang vor den terroristischen Strukturen und Verwicklungen jener Organisation und vor der Unterwerfung der Frauen Ägyptens? Oder sind es vielleicht, ganz pluralistisch, gleichberechtigte Themen?

Der WDR stellt einen der radikalsten Islamisten als Moderaten hin; arte gibt die Muslimbruderschaft als Wohlfühlverein aus. Da fragt man sich, wann Osama bin Laden zum Chef der Eurythmie-Übungen in den Waldorf-Schulen stilisiert wird.


The Guardian, 18. Juni 2005: Israel wird Gaza mit Unterwasser-Mauer abriegeln

Die israelische Marine wird eine Unterwasser-Sicherheitsbarriere um den Gazastreifen bauen, um Palästinenser daran zu hindern, von See her nach Israel einzudringen; das wurde gestern angekündigt.

Und wie soll diese „Gefängnismauer“ unter Wasser aussehen, die rund um den Gazastreifen installiert wird (folgt später im selben Artikel)?
Die Barriere wird aus einer 150 m (500ft) langen Mauer und einem 800 m langen Zaun bestehen, die vom Strand ins Mittelmeer verlaufen, so Berichte in den Nachrichten.
Der Teil Zaun soll 1,8m hoch sein und direkt unter der Wasseroberfläche liegen. Elektronische Sensoren sollen jede Bewegung ober- oder unterhalb der Barriere entdecken.

Wow! Der Guardian ist ein Meister der Rechenkunst! Der Gazastreifen hat also ganze 150m Küste, dann kommt schon Ägypten! Fehlt nur noch der Begriff „marine Apartheidmauer“, um den Schwachsinn dieser Zeitung vollends zu entblößen…
(Für Ahnungslose: Die Israelis wollen die beschriebene Sperre im rechten Winkel zur Küstenlinie ins Meer bauen, um Terroristen den Zugang nach Israel zu erschweren.)


honestreporting.com, 24.05.2005:

In den USA macht einmal mehr ein Magazin die unsinnigste Behauptung über die Ursache der Gewalt im Nahost-Konflikt. Opra Winfreys Magazin „O“ behauptet in einem Artikel über die Leiden einer 18-jährigen Palästinenserin, die wegen der Planung eines Selbstmord-Attentats in Israel zu Gefängnis verurteilt wurde. Dazu stellt Autor David France die Frage: „Was könnte ein Mädchen [HE: Warum sind 18-jährige Palästinenserinnen eigentlich immer Mädchen, während Israelinnen Frauen oder Siedlerinnen genannt werden?] dazu bringen einen so radikalen und grässlichen Schritt zu tun?“, um sofort mit der Erklärung eines Professors weiter zu machen:
„Religion ist nicht die Ursache [des palästinensischen Selbstmord-Terrors]… Das sind Leute, die ihre Situation als hoffnungslos definieren. Sie fühlen, dass sie keine Möglichkeit haben auf das zu antworten, was sie als israelische militärische Aggression betrachten.“

Wie, bitte, passen dann solche Sachen wie die folgende in diese Einschätzung des Professors bzw. des Magazins? Vom 13. Mai stammen diese Worte von Imam Ibrahim Mudayris bei einer „Freitagspredigt“ im palästinensischen Fernsehen:

Mit der Errichtung des Staates Israel wurde die gesamte muslimische Nation verloren, denn Israel ist ein Krebs[geschwür], das sich im gesamten Körper der islamischen Nation ausbreitet; denn die Juden sind ein Virus, der ähnlich ist wie AIDS und an dem die gesamte Welt leidet… Der Tag wird kommen, dass wir Amerika beherrschen, Großbritannien, wir werden die ganze Welt beherrschen, außer den Juden. Die Juden werden nicht einverständig und dauerhaft unter unserer Herrschaft leben, denn sie sind die ganze Geschichte hindurch verräterisch gewesen… Hört auf euren Geliebten [Mohammed], der euch vom überaus entsetzlichen Ende der Juden erzählt. Die Steine und Bäume werden von den Muslimen verlangen, jeden einzelnen Juden zu erledigen.“

Zu behaupten, der Terror sei nur auf die als hoffnungslos definierte Situation der Palänstinenser zurückzuführen, der blendet die Hetze nicht nur aus, die aus den Moscheen, Medien und Schulen strömt, sondern der bewegt sich in einer unrealen Welt, die nichts, aber auch gar nichts mit dem zu tun hat, was wirklich los ist.


WDR 5, „Zeitzeichen„, 22.05.2005:

Sendung über die Scharia („das islamische Rechtsystem“) und wie sich Ägypten in seinem Rechtswesen darauf stützt. Tenor: Die Scharia ist eigentlich gar kein Problem, sondern nur Auslegungssache. Dabei wird der „moderate Scheik der Al-Azhar-Universität“ (also praktisch die oberste Instanz der Universität überhaupt und darüber hinaus als „dem Papst in der katholischen Kirche am nächsten kommende Instanz“ gilt) in Kairo zitiert, der vermeintlich fortschrittliche Positionen vertritt. Hm. Wenn man Fatwas gegen die USA als fortschrittlich bezeichnen will – so den Aufruf zum Jihad gegen die amerikanischen Streitkräfte im Irak samt der Aufforderung an alle Araber und Muslime, als Jihadkämpfer in den Irak zu gehen. Und besonders moderat ist es, Selbstmordbomber-Aktionen als „höchste Form der Jihad-Operationen“ zu bezeichnen; kein Wunder, dass er die Selbstmord-Mörder der Palästinenser in den höchsten Tönen lobt. Da es auch um moderne Formen des Islam ging, sollten die Autoren sich lieber anschauen, was Jihad Watch zu Tantawi zitieren kann – dass er nämlich Reformen im Islam untersagt. Dass er antisemitische Äußerungen von sich gibt, darf da nicht überraschen (höchstens die Redakteure des WDR?): Die Geschichte der Juden ist Blut getränkt und gekennzeichnet von Täuschung und Verrat.“ Weiter: „Es ist legal Juden und Israelis zu töten.“ Er geht sogar noch weiter und behauptet, dass der Antisemitismus eine Erfindung der Juden sei, „ein Mittel, um Araber und Muslime unter Druck zu setzen und ihre (jüdischen) Verschwörungen in arabischen und muslimischen Ländern umzusetzen“. Wenn das ein moderater islamischer Würdenträger ist, dann möchte ich nicht wissen, was nach Vorstellung des WDR einen radikalen und extremistischen Muslim ausmacht.


FAZ, 4. Mai 2005, Nr. 103, Seite 10:

Unrealistisch
Die Forderung mag unrealistisch sein, doch ein gewisses Verständnis kann man angesichts der Terrorerfahrung schon dafür haben: Israel möchte die radikalislamische Hamas vollständig entwaffnet sehen, bevor sie sich an den Wahlen im Juli beteiligt. Diese sollen zur weiteren Demokratisierung und inneren Befriedung der palästinensischen Gesellschaft beitragen. Andererseits haben die in Palästina eingewanderten Juden, als sie ihren Staat Israel noch nicht hatten, ihre bewaffneten Kräfte auch niemals entwaffnet. Aus ihnen ging später die israelische Armee hervor. Angesichts der fortdauernden israelischen Besatzung und des Ausbaus mancher jüdischer Siedlungen im Westjordanland kann der Palästinenser-Präsident Abbas nicht einfach die Entwaffnung der Hamas (oder anderer Gruppen) anordnen. Es ist schon schwer genug, sie einigermaßen auf den Waffenstillstand zu verpflichten, der im Februar in Scharm al Scheich verabredet wurde. Nur ein glaubwürdiger Friedensprozeß wird in der Lage sein, die in Palästina vorhandenen militanten Kräfte wenigstens so weit zu schwächen, daß man verläßlich Politik betreiben kann. Immerhin sind die Sicherheitskräfte von Abbas erstmals gegen Hamas-Leute vorgegangen.

Man merkt einmal mehr, wie bei Journalisten Geschichtsklitterung vorherrscht. Der (nicht genannte) Schreiber dieses Kommentars entbehrt weitest gehend geschichtlicher Kenntnisse, selbst der jüngsten Vergangenheit. Ein Umstand, der quasi eine Rechtfertigung der palästinensischen Vorgehensweise und Vertragsbrüche darstellt.
Dieses Unwissen beginnt schon mit der Gleichsetzung des jüdischen Untergrunds vor 1948 mit den Terroristen von heute. Wie viel Dummheit und Ahnungslosigkeit ist nötig, um diese Gleichsetzung vorzunehmen? (Andere könnten hier auch böse Absichten unterstellen.) Bis 1948 gab es keinerlei vertraglich abgesicherte Autonomie für die Juden, wie es bei den Palästinensern der Fall war. Niemand hat den Juden Waffen zum Selbstschutz oder eine eigene Sicherheitsorganisation zugestanden, im Gegenteil – anders als bei den Palästinensern. Es gab keine Verträge zur Entwaffnung aller Milizen, wie sie in den Verträgen seit Oslo und der verpflichtenden Präambel der Roadmap enthalten sind. Israel hat seine Untergrund-Gruppen integriert und unter ein einziges Kommando gestellt, das keine irregulären Tätigkeiten mehr zuließ; die Terroristen auf Seiten der Palästinenser sind neben den „Milizen“ oft gerade Mitglieder der „Sicherheitskräfte“ und „Polizei“ der PA! Irreguläre Truppen zum Selbstschutz von 1948 mit terroristischen Vereinigungen zur Vernichtung eines Volkes und Staates gleichzusetzen, ist unerträglich.
Hätte die PA die Hamas-Mitglieder 1994 in die Polizei aufgenommen und wäre die „Miliz“ nicht mehr existent, sähe die Sache ganz anders aus. Aber statt dessen wird gerechtfertigt, dass die PA mt Herrn Abbas, der PLO usw. sich nicht an Verträge hält, weil Israel es 1948 angeblich auch nicht anders gemacht haben soll. Wo bitte ist heute die angestrebte Vernichtung der Palästinenser, der Wille sie ins Meer zu treiben und alles zu verhindern oder zu vernichten, was einen eigenen Staat darstellen könnte? Israel arbeitet am Gegenteil! Ganz anders als die Araber seit 1948!
Die Äußerungen dieses Kommentators in der FAZ strotzen vor Unwissen oder bösem Willen. Beides ist journalistisch unredlich und untragbar.

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