Phoenix „dokumentiert“

Freitag, 25. November 2004:
Auge um Auge, Zahn um Zahn
Das Feilschen der Agenten
Film von Hubert Seipel – Phoenix, 20.15 – 21.00 Uhr

Die Dokumentation beginnt mit einer drastischen Fehldarstellung: Es wird explizit behauptet – und durch den ganzen Film hindurch immer wieder wiederholt – dass die Israelis Hisbollah-Mitglieder (in dubiosen und illegalen Aktionen) nur deshalb gefangen nehmen, um sie als Verhandlungsmasse benutzen zu können. Dass die gefangen Genommenen Terroristen sind – aktiv oder im Hintergrund – die nichts als die Vernichtung Israels predigen und leben, ist offensichtlich. Dass Israel diese aus dem Verkehr ziehen will, ebenfalls, damit sie „entschärft“ werden. Nur dem Autor dieses Films nicht. Dass ausgerechnet die Hisbollah umgekehrt Israelis entführt und umbringt, um damit ihre Leute in israelischen Gefängnissen freizupressen, wird – natürlich? – mit keinem Wort erwähnt. Da hat die Hisbollah auf einmal aus völlig unerfindlichen Gründen (ach nein, die Israelis sind ja ständig in aggressivem Kampf gegen die Hisbollah tätig, da kommt die dann automatisch dazu) drei tote israelische Soldaten in der Hand, die sie austauschen können. Dass die gezielt in eine Falle gelockt und umgebracht wurden – und das auch noch unter den Augen der UN-Schutztruppen, die das filmten und die Information nicht herausrückten (!) – darf nicht erwähnt werden, es würde das Bild verzerren, das gemalt wird.

Aber diese Art der Darstellung passt ins Bild: „Mehrfach ist Israel im Nachbarland einmarschiert – ‚aus Sicherheitsgründen’, sagen die Militärs.“ Unverschämter kann man die Tatsachen kaum noch auf den Kopf stellen, ohne explizit auch noch im Wortlaut zu lügen. Denn die Gründe für den „mehrfachen Einmarsch“ werden wieder verschwiegen: den Terrorkrieg der PLO – und später der Hisbollah – gegen Israel. Der Zuschauer muss zu dem Eindruck gelangen: Israel hat aggressiv und expansiv gehandelt, die Araber wehren sich nur. Dieser Eindruck wird den ganzen Film hindurch vermittelt. Da werden zu israelischem Handeln Adjektive gewählt, die einen eindeutig negativen Touch haben; da wird am Ende gesagt, dass Israels Arroganz und Handeln die Aufklärung des Schicksals von Ron Arad verhinderte. (Die vollmundige Behauptung der Ankündigung der Sendung, das Schicksal Arads stehe vor der Aufklärung ist damit auch erledigt.) Aber umgekehrt kein Wort der Kritik oder auch nur der angedeuteten moralischen Wertung des Handelns von Hisbollah oder Iran. Nach dem, was man in diesem Film „erfährt“, ist einzig Israel schuld an allem, was da im Nahen Osten schief geht. Israel ist aggressiv, Israel ist skrupellos und damit basta.

Das ist Geschichtsklitterung reichlich übler Sorte. Dieser Film ist es nicht wert, dass man ihm Beachtung schenkt; wenn man alle Wertungen heraus nimmt, gibt es ein paar interessante Einblicke in die Versuche des BND zu vermitteln und in die Arroganz der iranischen Staatsführung, die sich beleidigt gab und entsprechend böse reagierte, als ein deutsches Gericht ein auf eindeutigen Beweisen beruhendes Urteil fällte. Und darüber hinaus, wie verbohrt verzerrend in deutschen Medien dafür gesorgt wird, dass im Nahost-Konflikt nur ja keiner auf die Idee kommt, dass die Israelis nicht die Täter sind, sondern die Opfer.

Ein Gedanke zu “Phoenix „dokumentiert“

  1. Wie könnte es auch anders sein? Phoenix ist ein Staatssender und ist (auch) Vollzieher der Indoktrination durch die Regierung und andere Kreise. Objektives kann da nicht erwartet werden, keinesfalls.

    Es hat auch keinen Sinn mehr, Staatssender zu schauen. Weder politische Sendungen noch Nachrichten, ja nicht einmal allgemeine Filme sind zu ertragen, weil immer wieder Gehirnwäsche versucht wird. Schlimmer als weiland in der DDR.

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