„Funkhaus Wallraffplatz“, 09.03.2002

Am 9.3.02 wurde in der Sendung „Medien im Gespräch“ eingeladen, mit zwei Korrespondenten des WDR über die Berichterstattung aus dem Nahen Osten zu diskutieren. Ich bin zwar durch gekommen, wurde aber nicht zurück gerufen. Daher eine Hörer-Reaktion an den WDR:

Sehr geehrte Damen und Herren,

am heutigen Samstag luden Sie in Ihrer Sendung „Funkhaus Wallraffplatz“ zu einer Diskussion über die Berichterstattung aus dem Nahen Osten ein. Nachdem mich ein Freund auf den heutigen Inhalt Ihrer Sendung aufmerksam gemacht hat, habe ich sie eingeschaltet und mich auch bei Ihrer Aktions-Hotline gemeldet. Leider wurde ich nicht zurück gerufen. Deshalb hier eine ausführliche Stellungnahme zu den Dingen, die in dieser Sendung Thema waren und besprochen wurden.

Grundsätzlich halte ich Ihre Berichterstattung über Israel für absolut einseitig zugunsten der Palästinenser. Die Sendung hat das einmal mehr belegt. Die Auswahl Ihrer Gesprächspartner am Telefon spricht für sich – es handelte sich weitgehend um Menschen, die die von Ihnen verbreiteten Berichte und Positionen als gut oder zu wenig gegen Israel gerichtet ansehen. Die wenigen Stimmen, die sich kritischer in der anderen Richtung äußerten, sind sehr harmlos gewesen. Ich weiß von mindestens zwei Personen, die weitaus mehr dazu beigetragen hätten, die von Ihnen aber nicht zurück gerufen wurden. Warum? Haben die bei ihrem Anruf so gute Argumente gebracht, dass ihre Korrespondenten dem nicht hätten Stand halten können? Eine kritische Auseinandersetzung mit der Arbeit Ihres Senders war also nicht wirklich erwünscht.

Frappierend war der Inhalt der Gespräche. Es sollte ja wohl um die Berichterstattung aus dem Nahen Osten gehen. Ihre Korrespondenten haben ihre jeweilige einseitige Haltung klar zum Ausdruck gebracht, als sie die Palästinenser ausschließlich als das unterdrückte und seiner Rechte beraubte Volk darstellten. Von dieser Position gehen sie aus und das bestimmt ihre Berichterstattung. Sie waren wenigstens so ehrlich zuzugeben, dass eine „neutrale“ Berichterstattung nicht möglich ist. Aber sie behaupteten immer noch, ausgewogen zu berichten. Ich widerspreche dem.

Ihre Korrespondenten – wie auch die von Ihnen zugelassenen Hörer/Anrufer – haben sich praktisch ausschließlich mit israelischen „Verbrechen“ bzw. „Untaten“ befasst. Premierminister Sharon wurde massiv für die Zustände verantwortlich gemacht. Die Massaker der Falangisten von 1982 wurden wieder aufgeführt. Es wurde von israelischen Maßnahmen gegenüber der Presse geredet. Alles ausschließlich negativ bis auf die Tatsache, dass in Israel Pressefreiheit herrscht (dass das auf palästinensischer Seite anders aussieht, wurde nicht einmal angedeutet!). Abgesehen davon, dass die Widerrechtlichkeit der israelischen Maßnahmen gegenüber den Palästinensern nicht gegeben ist, gibt es gewichtige Gründe für das, was Israel in den letzten 35 Jahren getan hat – Gründe, die einer Überprüfung durchaus stand halten!

Aber diese Gründe wurden geflissentlich außen vor gelassen.

Ihre Korrespondenten behaupteten, es sei kaum noch möglich mehr zu tun als die Toten auf beiden Seiten zu zählen. Das spiegelt sich leider in Ihrer Berichterstattung generell. Nur: Es ist nicht wahr. Die Zusammenhänge, unter denen Menschen umkommen/getötet werden, können durchaus – auch in sehr kurzen Meldungen – dargestellt werden. Sie unterlassen dies aber.

Von Ihren Korrespondenten wurde – nicht nur in dieser Sendung – nicht ein einziges Wort dazu gesagt, welche Verantwortung die Palästinenser an der Situation tragen. Dem überkritischen Umgang mit Premierminister Sharon auf der einen Seite steht ein völliges Auslassen der Person Arafats und seiner Verbrechen gegenüber. Dass dieser Vater des Terrorismus sich in den letzten 40 Jahren nicht einen Millimeter auf Israel zu bewegt hat, es sei denn aus taktischem Kalkül, um eine bessere Ausgangsposition für den nächsten Schlag zu bekommen, findet bei Ihnen und den beiden Herren keinerlei Erwähnung. Dass Israel mit Kontrollen Attentaten vorbeugen MUSS, wird verschwiegen (statt dessen werden sie als Unterdrückungsmaßnahme gebrandmarkt). Dass die Nervosität der israelischen Soldaten an den „Grenzübergängen“ durch palästinensische Übergriffe ohne Ende verursacht und sicher gerechtfertigt ist, fällt unter den Tisch. So, wie Ihr Korrespondent sich ausdrückte, könnte man meinen, das liege an der Schießwütigkeit der Soldaten!

Sie zählten auf, dass Israel Verpflichtungen aus Verträgen nicht nachgekommen sei. Dabei plappern Sie die palästinensische Propaganda nach – merken Sie das überhaupt? -, die es inzwischen geschafft hat, dass die eigenen Verpflichtungen bezüglich dieser Verträge unter den Tisch fallen gelassen werden. Eine ausgewogene Berichterstattung – und ein ausgewogenes Gespräch in Ihrer Sendung – hätte das mit aufrollen müssen. Dazu waren Sie aber offensichtlich nicht bereit – weder ihre Korrespondenten noch die Personen, die die Anrufer durchgestellt haben.

Wo bleibt da Ihr Versuch der Ausgewogenheit? Er ist schlichtweg nicht vorhanden!

Es wurde von einem Hörer auch die Auswahl der Gesprächspartner in der Berichterstattung angesprochen. Dieser sprach sich dafür aus, dass mehr Menschen wie Uri Avneri zu Wort kommen sollten. Ihre Korrespondenten wiesen richtigerweise darauf hin, dass Herr Avneri nur einen marginalen Anteil der israelischen Bevölkerung repräsentiert und es auch andere Gesprächspartner in genügender Auswahl gibt. Was dabei verschwiegen wird: Ihre israelischen Gesprächspartner – zumindest, soweit sie ihre Positionen ausführlich darlegen können, ohne dass man mit aggressiver Nachfragetechnik ihre Darstellung massiv in Frage stellt – sind zum größten Teil aus dem gleichen politischen Lager und unterstützen vor allem die Palästinenser.
Meine kritische Äußerung über die Auswahl der Gesprächspartner zum „Jahrestag“ des Beginns der derzeitigen Terror-„Intifada“ wurde von der Redaktion des WDR2-Mittagsmagazins mit dem stolzen Hinweis darauf beantwortet, dass man israelische Experten wie Uri Avneri und Moshe Zimmermann regelmäßig zu Wort kommen lässt. Deren einseitige, pro-palästinensische Haltung wird von Ihnen gerne und regelmäßig verbreitet, also nicht – wie Ihre Korrespondenten andeuteten – ihrem Einfluss angemessen. Wirkliche Darstellung der Regierungsposition ist beim WDR unverhältnismäßig stark unterrepräsentiert.

Insgesamt ist Ihre Berichterstattung unverhältnismäßig einseitig, denn sie fokussiert sich auf das Problem des Unterdrückers Israel gegen die unterdrückten Palästinenser. Die ideologische Gleichschaltung der Palästinenser, ihre systematische Aufhetzung gegen Israel und gegen den Frieden durch Arafats Propagandamaschine (Printmedien, Radio, Fernsehen) und Bildungssystem wird unterschlagen und nicht berücksichtigt. Die arabische Strategie, dem Westen gegenüber Friedensaufrufe zu verkünden, den eigenen Leuten gegenüber aber zum Jihad aufzurufen und das „Märtyrertum“ der Selbstmord-Terroristen zu verherrlichen, scheint Ihnen völlig zu entgehen. Damit erweisen Sie dem journalistischen Berufsstand alles andere als Ehre.

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