Ja, Fotos lügen

Jonathan S. Tobin, Jewish World Review, 22. Juni 2006

Als eine Explosion an einem Strand des Gazastreifens diesen Monat einige Palästinenser tötete, dachten die internationalen Medien nicht einen Moment nach, recherchierten oder stellten Fragen zum Vorfall. Sie stürzten sich drauf. Auf Israel.

Während das Bild eines Mädchens, das über der Leiche ihres toten Verwandten trauerte, weltweit verbreitet wurde und auf die Titelseiten von Zeitungen wie der New York Times kam, gab es wenig Zweifel darüber, wer für ihr und das Leid aller Palästinenser verantwortlich zu machen war: die israelischen „Besatzer, deren Brutalität einmal mehr das Leben arabischer Unschuldiger gefordert hatte.

Das einzige Problem dieser Story wie so vieler anderer, die diesem Konflikt entstammen, ist, dass ihre Grundannahme nicht richtig ist. Granatensplitter, die einigen der bei dem Vorfall Verwundeten entnommen wurden, die in israelischen Krankenhäusern behandelt wurden, und weitere Faktoren zeigten, dass die israelischen Streitkräfte nicht verantwortlich waren.

Aber die Fakten zählten selbst einige Tage später wenig, als die leichtgläubigen Medien die üblichen, schrillen Vorwürfe von Palästinenser-Sprechern und ihre linken Verbündeten aus Nichtregierungs-Organisationen zu Israel vor Ort für bare Münze nahmen.

Die Wahrheit spielt keine Rolle

Der Kontext dieser Story, der eine palästinensische Qassam-Raketenoffensive gegen israelische Städte war, von Territorium das der jüdische Staat im letzten Sommer verlassen hatte, wurde weit gehend ignoriert. Dass die Auseinandersetzungen selbst ein direktes Ergebnis der Entscheidung eines Teils der Palästinenserführung war, weiter Gewalt auszuüben statt Friedensverhandlungen zu führen, ging im Aspekt des „menschlichen Interesses“ der palästinensischen Opfer verloren.

Seit sie Israel als prinzipiell im Unrecht befindlich verstanden, selbst wenn es Orte beschoss, von denen Raketen auf sein Territorium abgeschossen wurden, scheinen viele in den Medien zu handeln, als sei es in Ordnung den Mythos auf Kosten der Wahrheit zu verbreiten.

Klingt das alles bekannt? Sollte es. Die Story vom Strand von Gaza war nur die jüngste Wiederholung desselben Szenarios, das wir alle schon gesehen haben. Wir hatten dasselbe, als ein palästinensischer Junge namens Mohammed al-Dura angeblich von israelischen Scharfschützen in den Armen seines Vaters am Beginn der zweiten Intifada im Herbst 2000 ermordet wurde, während er in Wirklichkeit durch palästinensisches Gewehrfeuer getötet wurde.

Und dasselbe Szenario wurde im Frühjahr 2002 gespielt, als viele in den Medien die Lüge über ein Massaker an arabischen Zivilisten in Jenin während einer Gegenoffensive der israelischen Armee nach einer Welle palästinensisch Selbstmord-Bombenanschläge kauften. Selbst die UNO musste schließlich akzeptieren, dass auch dies falsch war.

Warum passiert das immer weiter? Wie kommt es, dass die Bilder und die Fakten so weit von einander entfernt zu sein scheinen, wenn es um Israel geht? Für eine glaubwürdige Antwort auf diese Fragen gibt es keine bessere Stelle zum Nachsehen als ein Buch, das letztes Jahr mit wenig Tamtam vorgestellt wurde: „The Other War: Israelis, Palestinians and the Struggle for Media Supremacy“ (Der andere Krieg. Israelis, Palästinenser und die Kampf um die Vorherrschaft in den Medien) der Journalistin Stephanie Gutmann.

Gutmann, deren Buch von den meisten Mainstream-Medien wie nicht anders zu erwarten ignoriert wurde, verbrachte die meiste Zeit der zweiten Intifada als Mitglied der arbeitenden Presse und sah aus der Nähe, wie sich alles abspielte. Das Ergebnis ist ein schlankes Buch, das ein Lese-Muss für jeden ist, der verstehen möchte, warum so viele in den Medien dieselben Fehler immer und immer wieder begehen.

Wie Gutmann berichtet, ist im Alter des 24/7-Nachrichtenzyklus des Internet und reiner Nachrichten-Kanäle im Fernsehen der Einsatz in dieser Sache nie höher gewesen. „Wenn du die Weltmedien dominieren kannst und die Meinung der Welt auf deine Seite ziehst“, schreibt sie“, kannst du deinen Feind besiegen.“

Das ist eine Weisheit, von der sie sagt, dass „ein Meister der Manipulation der Medien“ wie der verstorbene Yassir Arafat nur zu gut verstand. Und mit 350 dauerhaft in Jerusalem anwesenden Auslands-Nachrichtenbüros, die jeden Tag bis zu 900 Artikel produzieren, gibt es eine Menge Medien, die man manipulieren kann. Diejenigen, die bereit waren die Lüge über Gaza, al-Dura oder Jenin zu glauben, machten das, weil sie glauben sie würden den Konflikt begreifen, denn „sie vertrauen der BBC und der Times“ und denken: „Die Bilder, die sie auf CNN sehen, lügen nicht.“

In ihrer Einleitung erklärt Gutmann: „Ich habe dieses Buch geschrieben, weil die Menschen offensichtlich daran erinnert werden müssen, dass Bilder lügen – Die zweite Intifada wurde der Öffentlichkeit als Serie von Bildern erklärt – Bilder, die uns nicht die Wahrheit bringen.“

Der gesamte Kurs des palästinensischen Terrors gegen Israel, der die letzten Jahre wütete, gründete darauf die Medien zu benutzen, um die Unterstützung Israels Zuhause wie im Ausland zu untergraben. In der Tat, schreibt sie, „ist es unmöglich eine Analyse der zweiten Intifada von der Medienberichterstattung zu trennen“. Der Punkt ist: Hat eine Seite erst einmal ihre Sichtweise als die von Reportern und Redakteuren akzeptierte etablieren können, ist nicht wirklich wichtig, was tatsächlich passierte.

Das klassische Beispiel dafür war ein gefeierter Fehler der New York Times, bei dem die Zeitung ein Bild von Associated Press abdruckte, von dem gesagt wurde es zeige einen israelischen Soldaten, der auf dem Tempelberg einen blutenden palästinensischen Jugendlichen verprügelt. Wie die Times herausfinden musste, war der Jugendliche in Wahrheit ein amerikanischer Jude, der von Arabern angegriffen wurde. Der Soldat, von dem den Lesern der Times erzählt wurde, dass er den Jungen prügelte, war in Wirklichkeit ein israelischer Polizist, der ihn vor dem Mob rettete, der ihn lynchen wollte.

‚Freud’sche Fehlleistung“

Auf der Suche nach einer Erklärung für diesen schlampigen Journalismus vergleicht Gutmann den Fehler mit einer „Freud’schen Fehlleistung, die etwas über die Zeitung verrät: die Vorurteile und Annahmen zum Konflikt, die das Denken der meisten Redakteure bestimmt.“

Jeder dieser symbolischen Taktlosigkeiten, die die tollpatschige Behandlung des Konflikts durch die Mainstream-Medien kennzeichnen, widmet Gutmann ein Kapitel. Darin zerlegt sie die al-Dura-Story, den Jenin-Mythos, wie auch die furchtbare Geschichte des Versagens des größten Teils der Medien über den Lynchmord an zwei israelischen Soldaten durch einen palästinensischen Mob in Ramallah zu berichten.

Selbst wenn sie mit offensichtlichen Manipulationen zur Produktion von Gräuelgeschichten über die Israelis konfrontiert wurden oder mit der Wahrheit über palästinensische Terrortaktiken, zogen es viele Journalisten bei ihrer Arbeit in Jerusalem vor die falschen Mitteilungen der Palästinenser als glaubwürdig zu behandeln. Und sie verachteten ehrliche Israelis. Sogar dann, wenn sich die Beweise direkt vor ihrer Nase befanden.

Gutmann gibt weiter, dass ein europäischer Reporter ihr gegenüber gestand, er würde die Geschichte eines Selbstmord-Bomberjungen nicht berichten, der gefangen genommen wurde, bevor er seine Bombe zünden konnte, weil er das Gefühl hatte, dass „die Israelis versuchten das auszuschlachten“. Die Ausnutzung eines Kindes, das die Palästinenser als Menschenopfer zu benutzen versuchten, schien ihn nicht zu beunruhigen.

Gutmann schließt mit einer hoffnungsvollen Bemerkung, in der sie voraus sagt, dass Blogs und alternative Medienquellen das „imperiale Medienmonopol“ untergraben und Verantwortlichkeit in einen Berufsstand bringen, der diese verzweifelt benötigt.

Ich hoffe, sie hat recht, aber angesichts der Art, wie antizionistische und antiamerikanische Verschwörungstheorie-Bekloppte diese alternativen Ressourcen nutzen, um die Wahrheit genau so stark zu untergraben wie die Lügner von Jenin, teile ich diesen Optimismus nicht.

Inzwischen würden die allgemeine Öffentlichkeit und die Journalisten gut daran tun ihre warnende Erzählung einer Geschichte zu lesen, die weiterhin falsch aufgefasst wird – und sie todernst zu nehmen.

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