Internationale NGOs: der neue Feudalismus

Seit 1960 ist eine neue feudal-koloniale Elite aufgestiegen. Sie war erstmals durch fehlende Bildung in den neuen Staaten notwendig geworden, die in Asien und Afrika geboren wurden.

Seth J. Frantzman, The Jerusalem Post, 27. November 2016

Werden Kinder in Haiti befähigt oder in permanenter Verarmung gehalten?
(Foto: REUTERS)

Vor kurzem ging ein Mann namens Sherzad Mosa in Erbil, der Hauptstadt der Kurdenregion im Irak, in eine Bar und war überrascht zu hören, dass eine Frau sie als „NGO-Bar“ beschrieb. Mosa wunderte sich auf Facebook, dass Hunderttausende Flüchtlinge in der Kurdenregion leben und „Kinder und Frauen“ leiden, während „200 NGOs mehr als 1.600 Ausländer haben, die für sie arbeiten, denen mehr als $10.000 im Monat gezahlt wird und die in den besten Hotels wohnen“. Andere kommentierten in seinem Thread, dass NGO-Mitarbeiter in brandneuen Fahrzeugen umherfahren und nur ein paar Stunden mit den Flüchtlingen verbringen und dann zurück in ihre Hotels fahren.

Was diese Männer gesehen hatten, war nur ein Bruchteil einer neuen Art von Feudalismus, an dem Regierungen, NGOs, internationale Organisationen und in geringerem Maß Medien und Akademiker beteiligt sind.

Den Versuch zu unternehmen das Ausmaß davon zu beziffern, ist wie die Parabel des Elefanten im Raum.

Jeder streift einen Teil des feudalen Imperiums, ist aber nicht in der Lage das Ganze zu sehen.

Als ich in den Palästinensergebieten arbeitete, liefen mir im Verlauf der Jahre diese Art NGO-Mitarbeiter und Mitglieder der UNO und EU-Regierungspersonal über den Weg. Ihre SUV-Flotten füllten die Sraßen und ihre Arbeiter verdienten das Zehnfache der örtlichen Löhne. Wenn sie unter sich waren, witzelten sie über die Arbeit, die sie machten. Ein Deutscher, der an Themen zu palästinensischen Wahlen arbeitete, gab zu, dass das ein Geldsegen ist. Es würde nie Wahlen geben, sagte er: „Aber ich verdiene hier gutes Geld und bekomme etwas für meinen Lebenslauf.“ Ein Mann, den wir trafen und der einen Abschluss in Politikwissenschaften hatte, war irgendwie zu einem „Sicherheitsexperten“ einer internationalen Organisation geworden, erstellte „Einschätzungen“ zu Bedrohungen im Gazastreifen. Organisationen wie die „Temporary International Presence in Hebron“ (TIPH – Vorübergehende Internationalen Präsenz in Hebron) ist nicht vorübergehend; sie besteht seit Jahrzehnten und zahlt Gehälter an Europäer, die ihre Wochenende, wie ihre Fahrzeuge beweisen, damit verbringen sich in Lokalen in Jerusalem oder Tel Aviv zu vergnügen. Die neuen Kolonisten bezeichnen sich selbst als „Internationale“.

Der alte Kolonialismus, der bis zu den 1960-er Jahren größtenteils sein Ende fand, war seinem Wesen nach ausbeuterisch und diktatorisch. Er ersetzte örtliche Eliten durch Eroberung mit Kolonialoffizieren und parasitären Klassen an Europäern, die in Herrenhäusern lebten und einen Lebensstandard genossen, der für die kolonisierten Völker unerreichbar war. Das ist in jeder Beschreibung des Lebens im britischen Raj oder französischen Indochina erkennbar.

Aber seit 1960 ist eine neue feudalartige Kolonialelite aufgekommen. Anfangs war sie durch fehlende Bildung in den neuen Staaten erforderlich, die in Asien und Afrika entstanden. In einer ironischen Wendung wurde genau die Bildung, die die kolonialen Imperien den Einheimischen verweigert hatten, der Daseinsgrund für zumeist Westler, die an Ort in Afrika oder Asien zurückkehrten, um die Lücken zu füllen, Infrastrukturprojekte zu leiten oder Schulen zu bauen und Bildung zu schaffen. Ein Kolonialismus wurde durch einen anderen ersetzt, der von einem scheinbar gutartiger Art war. Nach fast 55 Jahren davon ist es wichtig die Frage zu stellen, was es bedeutet, wenn die örtlichen Eliten aus UNO-Organisationen, NGOs und anderen bestehen, die mit westlichen, zumeist weißen Eliten aus Europa und Nordamerika besetzt sind.

Läge das Interesse bei Bildung, dann sollte man erwarten, dass an Orten wie Afrika ein Prozess der Indigenisierung erwarten, bei den hochrangige Stellen und gut bezahlte Posten nicht von Außenstehenden besetzt sind, sondern von zunehmend ausgebildeten Einheimischen. Doch wir sehen das nicht. An Orten wie Haiti sehen wir Generationen von NGOs, die aus Haiti Kommenden exorbitante Gehälter zahlen, um örtlichen Menschen zu helfen. Faktisch ist das, was passiert ist, die Schaffung eines neuen Kolonialreichs, personell besetzt von derselben Oberklasse an Westlern, die früher die hohen Ränge der Kolonialverwaltungen besetzten.

„Für das Imperium arbeiten“ ist mit „bekomme einen Job bei einer NGO“ ersetzt worden.

Das könnte man „gemeinnützig“ nennen, aber sind große Profite involviert. Der „Dritten Welt“ zu helfen ist nicht die selbstlose Aufgabe, die es zu sein scheint, sondern ein Schlüsselteil eines Systems, das sich dazu entwickelt hat Gehälter von Spendern an die Kollegen zu verschieben. Im Wesentlichen bleibt fast alles für Projekte in der Dritten Welt ausgegebene Geld in der Ersten Welt. Es gibt keinen Transfer von Reichtum in den globalen Süden, sondern es gibt Gehälter, die Europa beginnen und in Europa bleiben.

Eine Fallstudie über internationale NGOs von Bill Morton zu Entwicklungskooperation, in der er internationale Nichtregierungsorganisationen (NGOs) analysierte, stellte fest: „Sie liefern mehr und mehr Hilfe an Entwicklungsländer als je zuvor.“ Sie haben „Erträge, die zusammen 2011 mehr als $11,7 Milliarden ausmachten, 40 Prozent mehr als 2005. NGOs repräsentieren eine führende Präsenz in vielen sich entwickelnden Ländern.“

Sie sind ein „zunehmend einflussreicher Faktor bei politischen Prozessen und in der weltweiten Führung von Hilfe“. 2011 hatten nach Angaben der Studie Organisationen wie Save the Children ein massives Einkommen von $1,4 Milliarden, während World Vision International $2,79 Milliarden erhielt und Ärzte ohne Grenzen (MSF – Medecins Sans Frontieres) $1,24 Milliarden zur Verfügung hatte.

MSF zum Beispiel liefert Informationen zu seinen lokalen Budgets für einzelne Länder.

2012 sagte die Organisation, dass sie in Guatemala 23 Mitarbeiter hatte, von denen 20 vor Ort angestellt wurden und drei Internationale waren. Dieselbe Seite sagt, dss sie 437.000 Euro an die 20 Örtlichen und 159.000 an die 3 Internationalen zahlte.

Ein Bericht im Telegraph stellte fest, dass leitende Angestellte der größten Wohlfahrtsorganisation Großbritanniens mehr Gehalt erhielten als der Premierminister.

„Sechsstellige Gehälter bei Großbritanniens 14 führenden Auslandshilfs-Organisationen sind im Verlauf der letzten drei Jahre um fast 60 Prozent gestiegen“, heißt es in dem Bericht. Man fand heraus, dass diese Leiter von „gemeinnützigen Organisationen“, darunter Save the Children, mehr als $200.000 im Jahr verdienen.

Wenn echte Löhne für Durchschnittsmenschen in einem Großteil der Welt stagnieren (die Löhne in Großbritannien sanken von 2009 bis 2014 nach Angaben von Business Insider um 2%), warum erhalten dann NGOs und ihre internationalen Angestellten – was zumeist Westler bedeutet –  mehr als je zuvor, höhere Gehälter als je zuvor? Das stille Ergebnis ist die Schaffung einer neuen Feudalklasse gewesen. Die Welt der NGOs ist sehr undurchsichtig, oft nicht gebunden an übliche Regeln zu Einstellungsverfahren und Vetternwirtschaft. Diese Organisationen haben wenig treuhänderische Verantwortung und Antidiskriminierungsregeln gelten für sie oft nicht auf dieselbe Weise wie es in der Geschäftswelt der Fall ist.

Die Spender aus dem Ausland haben riesigen Einfluss auf kleine, arme Länder. Es liegt in ihren Interesse Länder von ihrer Hilfe abhängig zu machen, als Krücke und um Grunddienstleistungen an sie auszulagern. Ein Artikel auf TheDiplomat.com zu Kambodscha schloss: „Die Bereitschaft von NGOs für die Regierung in Bereichen zu übernehmen, wo die Politik immer noch schwach ist, schafft die erste Wahl von Kambodschas Besten und Klügsten das Risiko, dass die Fähigkeiten der Regierung selbst kompromittiert wird.“ Je mehr „Kunden“ eine Hilfsorganisation lokal hat, desto mehr kann sie Zuhause Geld einfordern, desto mehr Internationale kann sie einstellen.

Würden wir die Internationalen testen, die hohe Gehälter von NGOs beziehen, würden wir feststellen, dass die meisten aus den wohlhabendsten Klassen des Westens kommen. Sie haben enge Beziehungen zu denselben Regierungsministerien, die sie finanzieren. Sie nutzen Gelder von Steuerzahlern als Vermögenstransfer an die Wohlhabendsten.

Arbeit in „Entwicklungshilfe“ ist hilft Punkte für den Lebenslauf aufzubauen, um an anderen Stellen in Regierungsdiensten zu arbeiten oder umgekehrt. Das Interesse dieser Feudalklasse besteht darin die Größe dieser Budgets immer weiter auszubauen, innerhalb wie außerhalb der Regierung.

Ein globaler Süden ohne die Notwendigkeit sich auf Hilfe und Wohltätigkeit zu verlassen, würde einen gewaltigen finanziellen Verlust für eine große Anzahl betuchter Bürokraten und ihre Kinder darstellen, deren Abschluss an prestigeträchtigen Privatschulen ihnen ein Gleis in die Berufstätigkeit garantiert.

Auf der Ebene der Elite gibt es ein erstaunliches Fehlen an Vielfalt. Die Netzwerke, die die Kolonialzeit dominierten, herrschen heute noch vor; dieselben Namen, dieselben Familien. Soziale Mobilität, die in einigen Berufen eingesickert ist, hat im „öffentlichen“ wie im „gemeinnützigen“ Sektor nicht zugenommen. Wir können die Art sehen, auf die diese Feudalklasse sich über ihre Selbstdefinition im Ausland mit „nur NGO“-Bars, -Hotels und –Clubs abgeschottet hat.

Wie sieht der Unterschied zu alten „nur Europäer“ oder „nur Weiße“-Gesellschaften des 19. Jahrhunderts aus? Wenn man mit der dauerhaften Verarmung von Menschen Geld verdienen kann, dann gibt es keinen Ansporn Grund diese zu lindern. Die übermäßigen Lobreden auf Fidel Castro übers Wochenende, die Bewunderung für seine Verelendung Kubas, so dass Einheimische nur $20 im Monat verdienen können, kommt aus derselben westlichen Clique, die zunehmend von der Armut und Not der Dritten Welt lebt. Nach Angaben der Weltbank wurden 2014 $160 Milliarden für Auslandshilfe ausgegeben (2000 waren es $50 Milliarden) und die Summe stiegt jedes Jahr, ohne Beweise für Nachhaltigkeit oder Wachstum in den Empfängerländern. „Auslandshilfe schient nachteilige Auswirkungen auf Wirtschaftswachstum in Entwicklungsländern zu haben“, war eine der Schlussfolgerungen eines Aufsatzes, der die Wirtschaften von Entwicklungsländern im Zeitraum von 1986 bis 2007 untersuchte („The effect of foreign aid on economic growth in developing countries“ von E.M. Elanayake und Dasha Chatrna).

Haiti ist ein Paradebeispiel. Es gibt 10.000 NGOs, die in Haiti 80% der Regierungsdienste bereitstellen. NPR und ProPublica deckten auf, dass das Rote Kreuz $200.000 für Gehälter für im Ausland Lebende vorhält, während der ranghöchste haitische Ingenieur $42.000 für ein Projekt erhielt. Nathalie Baptiste, die einen Artikel zu dem Thema schrieb, argumentierte, dass „Nichtregierungsorganisationen mit örtlichen haitianischen Gruppen Partnerschaften bilden sollten, was zu wirklich nachhaltiger Entwicklung führen wird“.

Länder hätten versuchen können diesen Prozess der Abhängigkeit von einem neuen Feudalismus zu verlangsamen, indem sie verlangen, dass einheimische Arbeitskräfte nicht nur eine Mehrheit der Beschäftigten stellen müssen, sondern auch gleiche Löhne erhalten. Spenderländer könnten den Prozess des Eingrabens dieser Elite reduzieren, indem sie dieselbe Vielfalt und Fördermaßnahmen in NGOs fordern, die in anderen Bereichen der Gesellschaft gefordert werden.

Das Problem ist: Wenn man sich diese Welt der reichen im Ausland Lebenden und die mit ihnen verbundenen NGOs und Regierungen, ihre raffinierten Public Relations, zunehmenden Budgets, in die Höhe schießende Entlohnung und gefälligen Medien und Akademiker als eine Form des Neofeudalismus betrachtet, kann erkennt man, dass es nicht um „Partnerschaften“ geht. Es geht um Kolonialismus.

Fast 60 Jahre nachdem er endete, ist er wieder da.

Ironischerweise sind die, die in behaupten gegen Imperialismus zu sein und Castro bewundern, die größten Erben seines Vermächtnisses.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s