Ein – gar nicht mal – imaginäres Szenario

Udi Ohana, 2. Juli 2004 (direkt vom Autor)

Ein imaginäres Individuum entscheidet sich, seine imaginären Verwandten zu besuchen. Er sammelt seine Frau und seine imaginären Kinder ein, packt einen Koffer und macht sich auf den Weg. Um zu seinen Verwandten zu kommen, muss er eine Barriere überwinden. Da gibt es eine lange Schlange von Menschen, die darauf warten durch diese Barriere durchgelassen zu werden und unser imaginärer Freund wartet geduldig mit seiner Familie. Am Ende der Schlange untersuchen streng blickende Menschen in Uniform mit frustrierender Langsamkeit jede einzelne Person, die die Barriere passieren will. Eine weitere Person in Uniform gibt unserem imaginären Freund ein Formular in einer Sprache, die er nicht versteht, und sagt ihm, er solle es ausfüllen. Auf diesem Formular muss unser imaginärer Freund erklären, wer er ist, wer seine Begleiter sind, sein Ziel und warum er reist.

Neben der langen Schlange, in der unser imaginärer Freund ruhig wartet, gibt es eine weitere Schlange, in der andere Leute schnell und ohne Untersuchung durch die Barriere gelangen, als sollte die Ungerechtigkeit dieser imaginären Welt betont werden.

Als unser imaginärer Freund die Kontrolle erreicht, verlangt ein weiterer Beamter in Uniform, dass er seine Tasche öffnet. Sein Besitz wird ausgebreitet und sorgfältig durchsucht. Er muss bestimmte Teile von seiner Kleidung nehmen und könnte sogar aufgefordert werden seine Arme auszubreiten. Von hier wird unser imaginärer Freund zu einem weiteren Beamten in Uniform geschickt, der einen Blick auf das ausgefüllte Formular wirft und dieselben Fragen erneut stellt – Wie heißen Sie? Wohin wollen Sie? Wer begleitet Sie? Was machen Sie, wenn sie ans Ziel kommen? usw.

An diesem Punkt, als unser imaginärer Freund das Gefühl hat, dass er und seine Familie die Tiefen der Ungerechtigkeit und Erniedrigung erfahren, wird ihm erlaubt zu passieren.

Dieses nicht imaginäre Szenario findet zu jeder Minute in jedem See- und Flughafen eines jeden Landes der Welt statt – und niemand beschwert sich. Es ist ziemlich offensichtlich, dass jeder souveräne Staat der Welt das Recht hat die Leute zu überprüfen, die in ihn einreisen wollen. In Bezug auf jedes Land der Welt wird das „Passkontrolle“ genannt. In Bezug auf Israel nennt man das inzwischen „Blockaden“, „Mauern“, „Zäune“ usw.

Jedes Land der Welt umgibt sich mit Mauern und mit Kontrollstellen. In jeder derartigen Kontrollstelle wird man Menschen in Uniform vorfinden und vielerorts wird man auch Soldaten mit Waffen sehen. Jedes Land der Welt hat eine Mauer. Die physische Gestalt der Mauer entspricht ihrer Funktion und ihrem Zweck. Wenn der Zweck der Mauer ist, Touristen und unschuldig dabei Stehende zu überprüfen, dann wird die Mauer ein modernes, komfortables und klimatisiertes Terminal sein. Wenn sie den ungehinderten Durchgang von Terroristen mit Waffen und Sprengstoff verhindern soll, die unschuldige Zivilisten ohne Ansehen ermorden wollen, wird die physische Gestalt aus Beton bestehen, Wachtürme haben usw.

Kein Land der Welt sieht sich dem unablässigen, heftigen und Gefühle abtötenden Horror der Auswirkungen des Terrorismus im gleichen Maß ausgesetzt wie Israel. Trotzdem ist Israel das einzige Land der Welt, dem vom Internationalen Gerichtshof gesagt worden ist, es habe nicht das Recht seine Grenzen zu sperren und die Leute zu kontrollieren, die hinein oder hindurch wollen.

Wenn das Grundrecht der palästinensischen Araber, sich frei von einem Ort zum anderen zu begeben, von palästinensischen Terrororganisationen ausgenutzt wird, um Terroraktivitäten in Israel auszuüben, dann hat Israel grundsätzlich das Natur gegebene Recht als souveräner Staat, die Einreise solcher Individuen zu verhindern – auch über die Kosten des Baus einer Mauer/Zaun/Barriere.

Tatsache: Kein internationales Gericht verhandelte gegen Jordanien wegen der Verletzung grundlegender Menschenrechte der palästinensischen Araber, weil es ihnen die freie Einreise nach Jordanien verweigerte – trotz der Tatsache, dass bis 1967 die gesamten Gebiete der Westbank unter jordanischer Herrschaft standen.

Tatsache: Tatsache ist allerdings, dass praktisch keine Selbstmord-Bomber dort nach Israel hinein gekommen sind, wo die Mauer/Barriere gebaut worden ist.

Tatsache: Das höchste israelische Gericht hat geurteilt, dass bestimmte Teile der Mauer auf einer anderen Route gebaut werden sollten, sondern dass auch Sicherheitsaspekte mit den Bedürfnissen der örtlichen Bewohner abgewägt werden sollten.

Tatsache: Die Palästinensische Autonomie will die Mauer nicht, weil die Mauer das Konzept der zwei Staaten für zwei Völker reflektiert. Die PA will einen binationalen Staat, in dem durch die demographische Entwicklung die Juden sehr bald zur Minderheit werden, was unvermeidlich zum Ende des Staates Israel führen wird.

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