Israel gewinnt vielleicht

Daniel Pipes, New York Post, 17.12.2001

Außenminister Colin L. Powell sagte kürzlich, dass die Palästinenser „verstehen müssen, dass [Terrorismus] nirgendwo hin führt“ und drängte sie auf dieser Basis ihr Gewalt gegen Israelis zu stoppen.

Ein guter politischer Rat, aber führt der palästinensische Gewaltgebrauch wirklich ins Nichts?

Die Gewalt hat schließlich einen klaren und hoch gesteckten strategischen Zweck, wie Hassan Ayoub, Direktor des Büros des PLO-Exekutivkomitees in Nablus vor einigen Monaten erklärte: „Jetzt ist es ein Spiel der Daumenschrauben zwischen den Israelis und den Palästinensern. Wer als erstes ‚Aua‘ sagt, hat verloren. Und niemand wird ‚Aua‘ sagen, egal, wie sehr es schmerzt.“ Mit anderen Worten: Ein Willens-Krieg ist im Gange.

Die Autonomiebehörde (PA), im militärischen Bereich Israel weit unterlegen, hofft, dass es Israel dazu bringt ‚Aua‘ zu sagen, indem es Terrorismus gegen Zivilisten ausübt. Weil die PA selbst den Terror nicht ausführen kann, gibt es diese Aufgabe an Hamas und den Islamischen Jihad weiter. „[Yassir] Arafat benutzt Hamas um Israel bluten zu lassen, es zu erschöpfen“, bemerkte Ephraim Inbar von der Bali Ilan-Universität richtig. Wenn die PA Erfolg damit hat, Israel genug bluten zu lassen, wird sie größere Zugeständnisse aus ihm herausholen.

Kurz gesagt: Terrorismus ist integraler Bestandteil der palästinensischen Verhandlungsbereitschaft. „Die palästinensische Führung nutzt Terrorismus um den Oslo-Prozess ‚voran zu bringen'“, schreibt Jeff Jacoby vom Boston Globe, „damit die Israelis so verzweifelt und demoralisiert werden, dass sie um so größere Zugeständnisse machen werden, noch mehr Land übergeben und noch härter darum kämpfen werden Frieden mit seinen Feinden zu machen.“

Besonders verfolgt die PA einen kompletten israelischen Rückzug von der Westbank und Gaza, palästinensische Kontrolle über den Tempelberg in Jerusalem und die Erlaubnis für eine massive Anzahl von Palästinensern, in Israel zu leben. Sie will – um das ganz platt zu sagen – die Demontage des jüdischen Staates.

Arafats gestrige Rede [Anm. heplev: am 16.12. im PA-Fernsehen], in der er beides tat (Gewalt gegen Israel zu verurteilen und ein „Rückkehrrecht“ für Millionen Palästinenser nach Israel zu fordern), brachte keine neuen Erkenntnisse, sondern nur die Wiederholung einiger seiner abgenutzten rhetorischen Floskeln. Die US-Regierung reagierte angemessen mit der Forderung, dass nicht Worte, sondern „konkrete Taten“ gefordert sind.

Israel hat eine Gegenstrategie, die, seit Ariel Sharon im Frühjahr 2001 Premierminister wurde, zunehmend deutlich ist: Den Palästinensern wird die Vergeblichkeit ihres Traumes der Zerstörung Israels aufgezeigt, indem sie durch den Verlust von Bewegungsfreiheit, eine tiefen Fall der Lebensstandards und eine allgemeines Unbehagen unter Druck geraten.

„Schau“, sagt Israel praktisch, „das führt dich nirgendwo hin. Gib deinen Traum der Zerstörung auf. Schließ ein Abkommen mit uns.“

Wer gewinnt?

Die 90-er Jahre hindurch erlaubte israelisches Durcheinander und Illusion den Palästinensern, die Oberhand zu gewinnen. Aber seit Sharon im März 2001 im Amt ist, haben die Israelis ihren alten Geist wieder gefunden, ihre alte Einigkeit und ihre alte Entschlusskraft.

Die lähmende Teilungen der 90-er sind fast verschwunden, wie auch die selbst hassenden „Post-Zionismus“-Themen (die israelischen Patriotismus lächerlich machte) und der Defätismus (der den einseitigen Abzug aus dem Libanon veranlasste).

Der Umschwung ist auf der palästinensischen Seite nicht weniger dramatisch. Die militanten islamischen Selbstmord-Bomben mögen feste Entschlossenheit unterstellen, aber sie verdecken weit verbreitete Verzweiflung und Pessimismus. Wie anders sollte man das unerwartete Angebot (und seine verlegene Rücknahme) der letzten Woche erklären, in die militärischen Flügel von Hamas, Islamischem Jihad und zwei militärischen Gruppen, die mit Arafat verbunden sind, Israel einen zeitlich begrenzten Waffenstillstand anboten?

Denken Sie auch daran, dass Arafat kürzlich Sari Nusseibeh zu seinem Repräsentanten in Jerusalem berief – einen moderaten Palästinenser, der Israels Existenzrecht anerkennt.

Die Palästinenser wissen sehr genau, was sie im letzten Jahr geopfert haben – die Leben ihrer Kinder, ihr persönliches Wohlergehen – und wie wenig sie erreicht haben. Solche Fehlschläge machen es ihnen schwer, den politischen Willen zur Zerstörung Israels aufrecht zu halten.

Würde Yassir Arafat von der politischen Bühne abgehen, wäre dieses Ziel sogar noch weiter entfernt. Die Autonomiebehörde könnte zerbrechen, denn sie besteht aus zwei geographisch getrennten Regionen (Westbank und Gaza), die jeweils von einem starken Mann (Jibril Rajoub bzw. Mohammed Dahlan) dominiert werden.

Wenn diese Schläger zu Herrschern ihrer Gebiete aufsteigen, wie es jetzt wahrscheinlich erscheint, wird die palästinensische Nationalbewegung zersplittern wie niemals zuvor und die Schlacht gegen den Zionismus wird noch schwieriger werden.

Aus diesen Gründen scheint ein rascher Verfall der palästinensischen Willsenkraft wahrscheinlich, wie es schon mehrmals passierte (1939, 1949, 1967, 1991) – obwohl es diesmal weitaus schlimmer sein könnte.

Es gibt hier eine gute Nachricht: Wenn die Israelis ihren derzeitige Sinn für gemeinsame Zielgerichtetheit und Entschlusskraft durchhalten können, könnten die Palästinenser ihr Ziel der Zerstörung Israels aufgeben – vielleicht sogar für immer.

Und sollte das passieren, dann könnte ein Ende des Jahrhunderte alten palästinensisch-israelischen Konflikts endlich in Sicht sein.

© Daniel Pipes, 2001


Anmerkung: In einem Punkt widerspreche ich Pipes: Als Christ schließe ich aus den „Endzeit-Berichten“ der Bibel, dass die Palästinenser ihr Ziel der Zerstörung Israels niemals aufgeben werden. Diese Hoffnung ist leider vergeblich.

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