Die einzige Lösung [für Israel] ist die militärische

Daniel Pipes, New York Post, 25. Februar 2002

„Wir befinden uns in einem Krieg“, sagte Israels Premierminister Ariel Sharon letzte Woche wobei er sich auf den Kampf seines Landes mit den Palästinensern bezog. Die Palästinenser sehen das genauso: „Das ist Krieg“, antwortete Hussein Scheikh, Kommandeur der Fatah in der Westbank.

In der Tat haben sich Israelis und Palästinenser seit über einem Jahr im Krieg befunden, aber dass ihre Führer diese Tatsache endlich zugeben, macht die geradlinige Analyse der Situation einfacher. Krieg hat klar definierte Muster und diese geben Einsicht in die Situation der Levante:

– Was beide Seiten anstreben – den Sieg zu erzielen oder die Niederlage abzuwenden – ist in erster Linie psychologischer Natur. Sieg besteht darin, dem Feind den eigenen Willen aufzuzwingen (Israel will von seinen Nachbarn in Ruhe gelassen werden; die Palästinenser wollen Israel zerstören), indem er davon überzeugt wird, dass seine Sache hoffnungslos ist. Niederlage bedeutet zu akzeptieren, dass die eigene Sache hoffnungslos ist.

– Wille, Standhaftigkeit und (Kampf-)Moral sind oft wichtiger für einen Sieg als objektive Faktoren wie die (die Lage der) Wirtschaft, Technologie, Waffen, die Zahl der Opfer oder der Stimmen bei der UNO. In vielen Fällen zählen die letzteren nur insofern, als sie die Stimmung einer der kämpfenden Parteien beeinflussen.

– Eine Lösung tritt ein, wenn eine der Parteien erkennt, das sie ihre Ziele nicht länger verfolgen kann und sie aufgibt. Das geschieht normalerweise nach ihrer eindeutigen Niederlage, entweder als militärischem Zusammenbruch (wie im Zweiten Weltkrieg) oder aus internem Zerfall (wie im Kalten Krieg).

„In jedem mir bekannten Fall“, schreibt der Stratege Michael Ledeen, „hat es Frieden (nur) am Ende eines Krieges gegeben, in dem es einen Sieger und einen Verlierer gab. Der Sieger zwang dem Verlierer seine Bedingungen auf und diese Bedingungen wurden ‚Frieden‘ genannt.“

Eine Lösung kann aus anderen Gründen kommen – z.B., wenn eine größerer Feind auftaucht. Aus Sorge über die deutsche Gefahr, die sie beide betraf, begruben Großbritannien und Frankreich 1904 ihre historische Feindschaft.

– Im Gegensatz dazu hält ein Patt den Konflikt am Leben, weil er beide Seiten auf einen späteren Sieg hoffen lässt. Die Deutschen verloren zu knapp, um ihren ersten Versuch aufzugeben, Europa zu dominieren (Erster Weltkrieg), so dass sie es wieder versuchten (Zweiter Weltkrieg), wobei sie dann entscheidend geschlagen wurden und aufgaben.

Viele ungelöste Konflikte ragen in der heutigen Welt drohend auf. Der Koreakrieg endete 1953 ohne Entscheidung; ein halbes Jahrhundert später erscheint eine weitere Runde im Kampf wahrscheinlich – falls das nordkoreanische Regime nicht vorher zusammenbricht. Der Iran-Irak-Konflikt endete 1988, ohne dass eine der beiden Seiten sich geschlagen fühlte, daher sind weitere Feindseligkeiten wahrscheinlich – wieder für den Fall, dass eines der Regime nicht vorher verschwindet.

So auch der arabisch-israelische Konflikt: Die Araber haben viele Schlachten verloren (1948/49, 1956, 1967, 1970, 1973, 1982), sich aber nie geschlagen gefühlt; also machen sie weiter und versuchen es wieder.

– Diplomatie beendet selten Konflikte. Kaum ein einzelner großer zwischenstaatlicher Konflikt ist durch das schlaue Konzept eines Diplomaten beendet worden. Die Vorstellung, dass ein „Friedensprozess“ in schmutziger Kriegsarbeit stattfinden kann, ist pure Einbildung.

Um noch einmal Ledeen zu zitieren: „Durch den Besuch eines Gesandten (mit oder ohne hohen Abschluss der Harvard Business School in Verhandlungskunst), der alle Beteiligten an einen runden Tisch setzt, damit sie vernünftig miteinander reden, kann Frieden nicht erreicht werden.“ Die oft gehörte Zauberformel „Krieg ist keine Lösung“ – in jüngster Zeit z.B. auch wieder vom ehemaligen Senator George J. Mitchell wiederholt – liegt, kurz gesagt, voll daneben.

Diese Regeln des Krieges auf den palästinensisch-israelischen Konflikt anzuwenden, bietet einige nützliche Einsichten. Die Palästinenser lagen vor rund einem Jahr vorne, jetzt die Israelis.

Bis Premierminister Ariel Sharon an die Macht kam, war Israel politisch zerstritten und militärisch demoralisiert, drückte sich vor der Wirklichkeit und erging sich in Manövern zur Flucht vor der Wahrheit (wie z.B. dem „Postzionismus“). Während dessen jubelten die Palästinenser über ihre Erfolge. Weil sie den Sieg rochen, zeigten sie ein eindrucksvolles Durchhaltevermögen und ein hohes Maß an Bereitschaft sich selbst zu opfern.

Ein Jahr später hat sich die Lage umgekehrt. Die palästinensische Gewalt hatte den ungewollte Effekt, die Israelis zu einen, zu mobilisieren und zu stärken. „Terrorismus-Experten sind überrascht worden – einige von uns sind sogar verblüfft von der Ausdauer, der Geduld und der relativen Ruhe der israelischen Öffentlichkeit gegenüber dem, was in den letzten eineinhalb Jahren geschehen ist“, gibt Ely Karmon vom Interdisziplinären Zentrum in Herzliya zu.

Im Gegensatz dazu stürzt die Moral der Palästinenser ab und Verzweiflung greift um sich, während Yassir Arafats ruinöse Führerschaft sie in einem Konflikt fest hält, den sie nicht gewinnen können.

Die Geschichte lehrt, dass, was ein endloses Gemetzel zu sein scheint, zu Ende geht, wenn eine Seite aufgibt. Es erscheint immer wahrscheinlicher, dass die Palästinenser diesen Punkt erreichen, was darauf hin deutet, dass Israel dem Sieg näher kommen wird, wenn es beharrlich an seiner derzeitigen Politik fest hält.

© Daniel Pipes, 2001

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