Die „Gewaltspirale“ ist eine Lüge des Nahen Ostens

Jossi Klein-Halevi, Los Angeles Times, 23. Januar 2002 (Kommentar)

Es gibt keine Gewaltspirale.

Die eine Seite hat religiöse Fanatiker, die gewalttätig und voller Hass sind, aber bei der Mehrheit der Öffentlichkeit verrufen sind und von den meisten der religiösen Führer abgelehnt werden. Die andere Seite hat religiöse Fanatiker, die gewalttätig und hasserfüllt sind und von der Mehrheit als heilige Männer gefeiert werden.

Die eine Seite ist bereit für Kompromisse für den Frieden und hat ihren Traum vom vollständigen Besitz des umstrittenen Landes aufgegeben. Die andere Seite besteht auf dem absoluten Besitz des Landes. Die eine Seite ist bereit dazu, die Diskussionen über die Geschichte zu beenden und der Zukunft Vorrang einzuräumen. Die andere Seite kämpft immer noch mittelalterliche Kriege gegen Ungläubige.

Die eine Seite hat schmerzlich zu dem Schluss gefunden, dass beide Seiten in diesem seit Jahrzehnten andauernden Konflikt Ungerechtigkeiten verübt und erlitten haben. Die andere Seite glaubt, dass nur sie Ungerechtigkeit erlitten hat und schreibt alle Übeltaten ihrem Feind zu.

Die eine Seite glaubt, dass es sich um den tragischen Konflikt zwischen zwei legitimen nationalen Bewegungen handelt. Die andere Seite glaubt, es sei ein Konflikt zwischen Einheimischen und fremden Eindringlingen.

Die eine Seite war es so leid Besatzer zu sein, dass sie ihren Erzfeind an die Macht brachte und seine terroristischen Kräfte bewaffnete und ihm gemeinsame Oberhoheit über ihre Hauptstadt anbot. Die andere Seite stürmt gegen eine Besatzung, von der der Besatzer angeboten hat sie zu beenden.

Die eine Seite hat internationale Kompromisse für eine friedliche Lösung des Nahostkonflikts akzeptiert, angefangen mit der Peel Kommission von 1937, weiter mit dem UN-Teilungsplan von 1947 und schließlich bis Camp David 2000 und Taba 2001. Die andere Seite hat auf jeden dieser Kompromisse mit Terrorismus und Krieg geantwortet und beschwert sich gegenüber der Welt über die Ungerechtigkeit ihrer Niederlagen.

Die eine Seite wandte sich erst ihrem derzeitigen Hardliner als Anführer zu, nachdem ihr Frieden stiftender Führer von Verhandlungen zurückkehrte, die Krieg als Gegenangebot brachten. Die andere Seite brachte nie eine Führung hervor, die Kompromisse einzugehen bereit war.

Die eine Seite lehrt ihre Kinder Friedenslieder. Die andere Seite lehrt ihre Kinder Lieder über Blut und Feuer.

Die eine Eine Seite sorgt für freie Medien, die ihre eigene Regierung und Armee kritisieren und vom Leiden der anderen Seite berichtet. Diese andere Seite sorgt dafür, dass ihre kontrollierten Medien den Menschen erzählen, der Holocaust habe nie stattgefunden und dass der 11. September ein wohl verdienter Schlag gegen die USA waren.

Die eine Seite steht Qualen aus und debattiert, wenn ihre Armee eine unmoralische Tat begeht. Die anderes Seite tanzt auf den Straßen, wenn in ihrem Namen Gräueltaten begangen werden.

Die eine Seite versucht den Tot von Zivilisten im Kampf zu vermeiden. Die andere Seite definiert Kampf als einen Krieg gegen Zivilisten.

Die eine Seite bringt Mütter hervor, die dagegen protestieren, dass ihre Söhne in den Krieg geschickt werden. Die andere Seite bringt Mütter hervor, die mit dem Selbstmord-Toden ihrer terroristischen Söhne prahlen und ihre Bereitschaft erklären noch mehr Söhne für die Sache zu opfern.

Es gibt keine Gewaltspirale.

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