Die Rassisten seid ihr, nicht ich

Rachel Moore, The Times of Israel (blogs), 30. Dezember 2016

Ich bin eine orthodoxe jüdische Siedlerin, die in der Westbank sieben Kinder großzieht. Ich bin außerdem eine amerikanische Staatsbürgerin und habe für Donald Trump gestimmt. Jau, so eine bin ich. Ich habe ihr ein Geschäft eröffnet und ich machte das bewusst. – um auf die Antisiedler-Aktivitäten der BDS-Bewegung zu antworten, indem ich jüdische Einwohner der Westbank ermutige in der Westbank zu arbeiten und ihre eigenen Geschäfte vor Ort in der Westbank zu belassen. Ich glaube an Annexion und ich unterstütze die Zweistaatenlösung nicht.

Und das macht mich zu einer friedliebenden, Palästinenser respektierenden Person. Nicht ich bin rassistisch. Ihr seid es.

Ihr, meine linken, Antisiedler-, Anti-Trump-Freunde, die ihr meine Ansichten hasst – wenn auch mich (noch) nicht – seid die Rassisten. Ich habe eine Menge Zeit insbesondere in den letzten drei Monaten damit verbracht mir von Wählern der US-Demokraten und UNO-Fans sagen zu lassen, was für eine monströs rassistische Gruppe von Leuten wir sind, solche Leute „wie ich“.

Mir reicht es jetzt. Ich habe so viele von euch eingeladen sich mit echten Menschen zu beschäftigen und von ihnen zu hören, statt zu urteilen und ihr zeigt kein Interesse. Offenbar ist es vorzuziehen sich vom Fernsehen und der New York Times zu euren Ansichten über meine kleine Ecke der Welt informieren zu lassen.

Ich möchte mit den US-Wahlen beginnen. Ich habe einen Blogeintrag nach dem anderen gelesen, der mir erzählte, warum Trump-Wähler für ihn stimmten. Wie wir denken, wie wir fühlen, was uns wichtig ist (und was nicht, z.B. Frauen und/oder Minderheiten) und wer wir sind. Mit reichlich ernsten Beleidigungen. Aber ihr habt mich nicht gefragt. Und ihr wisst nicht wirklich, was ich denke oder fühle oder will oder warum ich gewählt habe. Ihr vorverurteilt mich. Auf Grundlage eines ganzen Haufens von Zeugs. Aber das ist Vorurteil, egal, wie ihr es dreht. Und ich habe– so gerade eben – acht Jahre einen Präsidenten ertragen, der mir nicht nur sagte, was ich zu denken und zu fühlen habe, sondern der Welt Unterstellungen über mich erzählte als weiße Person erzählte, die „privilegiert“ aufwuchs, die schlicht nicht stimmen. Ich habe zugesehen, wie meine Lebensentscheidungen und Werte als in der Westbank in Israel lebender Mensch vom Führer der westlichen Welt auf eine Weise zusammengefasst, beurteilt und betrachtet wurden, der schlicht falsch ist und mein Gefühl für Fairness, Gerechtigkeit und Menschlichkeit beleidigt. Ich bin ohne angemessenes Verständnis dessen, wie die Realität hier aussieht, fehlverurteilt und falsch charakterisiert, faktisch sogar bestraft worden.

Ich habe zugesehen, wie ein Präsident Exekutivgewalt an sich riss, während der Kongress schrie und die Bürger es ignorierten. Ich habe einem Präsidenten der politischen Linken zugesehen, der demokratisch gewählt wurde und einen Anspruch auf seine Ansichten hat, wie er eine Kultur der Dämonisierung der Rechten auf eine Art schuf, die für mich zeitlebens ohnegleichen ist. Ich sah Politik, die die USA in Richtung Sozialismus bewegte. Und ich stimmte gegen jedes weitere Jahr davon. Nicht, dass ihr mich gefragt hättet. Aber wenn ihr – oder er oder Hillary – mit frauenfeindlich oder rassistisch oder ein Schwein oder „erbärmlich“ nennt, weil ich so stimmte, wie ich stimmte, dann beurteilt ihr eine ganze Gruppe von „denen“, die nicht ihr seid. Un ich weiß, wie sehr ihr es hasst, wenn andere das tun.

Was ist damit, dass ich israelische Siedlerin bin? Ich lebe und arbeite mit und unter Palästinensern. Sie sind meine Nachbarn, meine Kollegen, meine Freunde und ja, meine Bedrohung. Sie, ihre Würde, ihr Schmerz, ihre Realität und Familien sind mir täglich vor Augen und in meinem Bewusstsein. Ich setze nicht voraus zu wissen, was alle Palästinenser als Gruppe denken oder glauben. Was ich weiß ist: Es gibt ein sehr breites Spektrum und jedem Menge Grau-Schattierungen ohne viel Schwarz und Weiß. Lasst mich damit beginnen euch zu fragen: Wusstet IHR das?

Währen die Welt zusieht, wie Aleppo brennt und syrische Kinder jedes Jahr zu tausenden abgeschlachtet werden, ohne auch nur einen einzigen Protest oder Aufruf zum Handeln, ist dieselbe Welt hinter uns her, um zu zeigen, dass israelische Besatzung eines anderen Volkes das wahre Böse in der Welt ist.

Und dass dieselbe von Vorurteilen volle Welt so lange mit einer Demokratie gelebt hat, dann denke ich, vielleicht habe ihr alle vergessen, was es wirklich heißt sie nicht zu haben. Hier ist das Problem, mit dem ich einen Moment ringen muss: Es gibt keine Option für eine Palästinenserführung, die dem Volk eine Stimme gibt, es stärkt und Frauen bildet, individuelle Freiheit schafft und aufbaut. Palästinensische Bürger Israels (viele von ihnen nennen sich stolz arabischen Israelis und nicht Palästinenser, wenn auch nicht alle, aber das ist Teil der Grautöne und für einen anderen Blog-Eintrag) haben heute Zugang zu subventionierter Bildung, allgemeiner Gesundheitsversorgung, können ein Geschäft eröffnen, Richter am Obersten Gerichtshof und Mitglied in Israels Parlament sein. Sie können auf legale Weise und von innen gegen das System kämpfen und in unserem Parlament, der einzigen Demokratie im Nahen Osten, aufstehen und erklären, warum Israels die Lage der heutigen Palästinenser verbessern müssen.

Wisst ihr überhaupt, welche „rassistische“ Realität es heute gibt? Israelis müssen dem Gesetz verpflichtet, auch in der „Westbank“, es befolgen und hochhalten. Das macht uns rechtlich und finanziell haftbar, sollten wir irgendjemandem oder irgendetwas Schaden zufügen. Aber ein Einwohner eines von der palästinensischen Autonomie kontrollierten Gebiets, nur ein paar Kilometer von meinem Haus, kann in die Seite meines Autos krachen, lachen und weggehen. Ein Palästinenser kann Land kaufen und darauf bauen. Ein Jude kann das nicht. Fakt ist: Ein Jude kann überhaupt nicht in von den Palästinensern kontrolliertes Gebiet reisen, ohne Angst zu haben, dass man ihn lnycht, verprügelt und ermordet. Was dann nicht nur nicht bestraft wird, sondern wenn das passiert, wird es auf den Straßen gefeiert. Das macht MICH hier in der Westbank zum Opfer von Rassismus und Apartheid. In Israel lebende Araber haben mehr Freiheit, mehr Bildung, mehr Demokratie, mehr Stimme und mehr Möglichkeiten als die Menschen der sich über tausende und tausende Kilometer erstreckenden Länder im Nahen Osten. Juden gibt es in diesen Ländern nicht mehr, weil der Rassismus/die Apartheid gegen sie dort so grassiert, so alltäglich ist und doch keine einzige Rede in der UNO oder im Weißen Haus veranlasst hat, die das verurteilt.

Wenn ich gegeißelt werde, weil ich die Annexion von Land befürworte, das einige fälschlich als „besetzt“ kennzeichnen (es ist umstritten, nicht besetzt, so sagt das Völkerrecht; schaut nach), dann sagt ihr mir, dass Palästinenser, deren aktuelle Lage weit, weit weniger als ideal ist und Wut und Trauer auslöst und verbessert werden muss, alle unter einem unterdrückerischen, diktatorischen, gangsterartigen Regime leben wollen, das Unterschlagungen begeht, Mädchen keine angemessen Ausbildung erlaubt, Hass einübt und keine Demokratie hat, nur weil es aus Palästinensern besteht. (Führungskräfte nach der Ethnie aussuchen? Ihr Rassisten!)

Ihr sagt mir, dass „sie“ sich das mehr wünschen als in 100% Freiheit und Demokratie in einem „jüdischen“ Staat zu leben, der arabische/muslimische Religionsrechte, Bildung, Gesundheitssystem hat und die Möglichkeit Veränderungen legal vorzunehmen und effektiv zu sein, indem sie in der Regierung dienen. Und wenn ihr mir sagt, was sie wollen, dann sagt ihr mir, dass ihr wisst, dass es das ist, was für sie am besten ist. Das ist die beste Alternative für die, die da draußen auf sie warten. Es ist auf jeden Fall die Alternative, die John Kerry gerade entwarf.

Ihr sagt mir, was sie wollen, was sie bevorzugen … Oder zumindest, dass ihr, die ihr da drüben in Massachusetts und Kalifornien (und Herzliya) sitzt, wisst, was sie wollen SOLLTEN. Was für sie am besten ist. Ihr nehmt eure westlichen Ideale und Annahmen und Wahlmöglichkeiten und verhängt sie über Menschen hier, ohne dass ihr tatsächlich das Volk, die Geschichte begreift. Ihr schluckt politische Rhetorik über eine Gruppe Menschen – über sie und über mich. Und das ist euer Vorurteil – euer Rassismus.

Annexion würde den Streit um umstrittene Gebiete beenden. Sie würde denen, die in den als „post-1967-Linien“ bekannten Gebieten leben, volle Rechte geben. Sie würde Juden und Arabern erlauben Land zu kaufen und bauen, wo sie leben. Und zu streiten und einander zu widersprechen und zu WÄHLEN. Und das System im Lauf der Zeit zu verbessern. Mit echter Demokratie. Sie würde Frauen erlauben Ärzte zu werden und Rechtsanwälte und berühmte Nachrichtensprecher, wie die arabischen Vorbilder, die Israel bereits hat! Sie würde Israel erlauben alle Terroristen rauszuwerfen und zu deportieren. Gleiche Gelegenheit die Bösewichter auszuweisen. Denn ich glaube, dass nicht terroristische Palästinenser nicht unter Terroristen leben wollen oder von Terroristen regiert werden oder Terroristen beschützen müssen. Oder von der Welt wegen dieser Terroristen abgestempelt zu werden. Ich denke über sie besser als so. Ihr auch?

Annexion würde, ja, „meine jüdische demografische „verdünnen“. Aber das macht mir keine Sorge und es macht mir keine Angst. Ihr habt einfach angenommen, dass es das tun würde – wegen eurer rassistischen Vorurteile gegen mich. Ich würde lieber Menschen aller Religionen auf der einen Insel der Demokratie, Freiheit und Hoffnung leben sehen, die inmitten einer geistesgestörten Welt der Gewalt, des Todes, der Klitorisbeschneidung, Kinderbräute und viel Schlimmerem existiert, die der Nahe Osten heute ist, statt die Palästinenser den Händen von Gangsterführern zu übergeben, die sie weder mögen noch respektieren, vor denen sie nur Angst haben und denen sie einfach gehorchen müssen. Was das ist, was diejenigen, die nicht damit gesegnet sind in „Kern“-Israel zu leben, heutzutage erleiden müssen.

Die im Gazastreifen lebenden Palästinenser werden im Hass erzogen. Sie haben Raketen in ihren Kindergärten und Kinderzimmern. Mädchen und Frauen können verprügelt werden, wie im größten Teil des Nahen Ostens, aufgrund der vorherrschenden Kultur und Führung. Währen ihr durchaus bereit zu sein scheint mit einer „Zweistaatenlösung“ einen offiziellen zu schaffen, in dem das das ist, wo die Latte angesetzt wird, habe ich keinen so geringen Respekt für palästinensisches Leben. Was kleine palästinensische Mädchen angeht, so will ich Besseres für sie. Israel kann ihnen Besseres geben – weil Israel es für viele bereits tut.

Ich denke, sie verdienen ein so reiches und wunderbares Leben, wie ich es zu haben gesegnet bin. Und Israel ist der einzige Ort im Nahen Osten, der ihnen das geben kann. Ihr wollt ihnen den Gazastreifen geben? Wie wäre es mit Aleppo? Oder Saudi-Arabien, wo Frauen nicht Auto fahren dürfen und wo im Fernsehen Lehrstunden dazu gegebenw erden, wie man Makeup nutzt, um die Spuren von Prügel abzudecken? Das, glaubt ihr, ist alles, was sie wert sind?

Wenn ihr so sehr für eine Realität kämpft, in der das das Beste ist, was sie bekommen können, dann werft einen Blick in den Spiegel, denn bin sicher nicht ich rassistisch. Ihr seid es.

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Ein Gedanke zu “Die Rassisten seid ihr, nicht ich

  1. Hervorragend geschrieben, Rachel! Danke.

    Ich habe einen palästinensischen Freund, der vor Jahren in Europa einen Terroranschlag verübte. Er überlebte. Es dauerte dann rund zehn Jahre, als er sich neu zu orientieren und zu begreifen begann, wie perfide er von der arabischen Propaganda missbraucht, ins Feuer geschickt und verheizt wurde.
    Er wuchs in einem Flüchtlingslager auf, wo er der Doktrin der palästinensischen Ideologen ausgesetzt war und ihr schließlich unterlag. Ein Lebensmotto von ihm war: „Der Krieg ist schön“.
    Das haben sie mit ihrem Hass auf alles Jüdische/Nichtmuslimische einem Kind, das in einem freien Land alle Chancen gehabt hätte, angetan.

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