Beschießen israelische Soldaten gezielt Journalisten?

Zum Tod eines italienischen Journalisten in Ramallah

1.) 12.03.2002 – Pressekonferenz des Obersten Gal Hirsch
zum Eindringen und den Maßnahmen der israelischen Armee in Ramallah

In dieser Pressekonferenz gab Oberst Hirsch bekannt, dass Kampfzonen von Journalisten nicht betreten werden sollten und die Armee sie als tabu für Journalisten betrachtet. Anschließend kam folgende Frage eines Journalisten (aus dem Zusammenhang könnte es jemand von Israel Radio gewesen sein):

Frage: Warum können wir unser Leben nicht riskieren und nach Ramallah gehen, wann wir wollen? Das ist unser Job und wir werden dafür bezahlt.
(heplev: Das spricht ja wohl für sich! Am nächsten Tag wurde ein italienischer Fotograf erschossen, ein französischer Journalist schwer verwundet.)
Antwort: In Bezug darauf, dass Sie Ihr Leben riskieren: Wir von der IDF wurden von Ihnen, den Journalisten, wegen der israelischen Politik gegenüber den Medien angegriffen. Das kann so nicht weiter gehen. Letzte Nacht kamen Journalisten in einem Hotel in Süd-Ramallah unter Feuer. Wir sind für Sie verantwortlich und haben uns entschieden, Sie aus Sicherheitsgründen dort nicht hingehen zu lassen.
(heplev: Während also einerseits die Journalisten sich beschweren, dass sie in Kampfzonen stark gefährdet sind und Schaden erleiden könnten, wollen zumindest einige nicht einsehen, dass die israelische Armee dem schließlich entgegen tritt und sie von diesen Zonen ausschließen möchte.)
2.) 13. März 2002 – ICEJ-newsletter (verschickt am 14. März 2002)
Ausländische Journalisten überfluten Israel trotz des Todes eines Fotografen

Weil man spürt, dass das internationale Interesse sich immer stärker auf die Region richtet, während die Gewalt kein Zeichen zeigt, dass sie abebben wird, strömen ausländische Journalisten nach Israel, trotz des Todes eines italienischen Freelance-Fotografen in den Kämpfen in Ramallah am Mittwoch.

Nach Angaben des israelischen Pressebüros der Regierung (GPO) sind in den letzten 10 Tagen rund 300 ausländische Journalisten nach Israel eingereist, rund 500 innerhalb des letzten Monats. GPO-Direktor Danny Siman sagte, die Zahl der ausländischen Journalisten hier sei nun höher als die Zahl derer, die kamen, als die Intifada im September 2000 begann.

All das trotz des Todes von Raffaele Ciriello am Mittwoch. Der 42-jährige italienische Fotoreporter wurde durch Feuer aus einem israelischen Panzer während Zusammenstößen in Ramallah getötet. Er arbeitete für die italienische Tageszeitung Corriere della Sera und war selbst kurz vor seinem Tod neben PLO-Chef Yassir Arafat stehend fotografiert worden.

Ein Zeuge des Schusswechsels, der Journalist Amedeo Ricucci, sagte, er und sein Kollege seien am Morgen palästinensischen Bewaffneten durch das Zentrum von Ramallah gefolgt, als ein israelischer Panzer hinter einer Straßenecke hervor kam. Er sagte, die Soldaten auf dem Panzer feuerten mit einem Maschinengewehr ohne Warnung aus ca. 150m Entfernung und trafen Ciriello. Er wurde von sechs Kugeln im Bauch getroffen, während er über die Übernahme Ramallahs durch die israelische Armee berichtete. Man nimmt an, dass er der erste Journalist ist, der in den eineinhalb Jahren der intensiven israelisch-palästinensischen Kämpfe getötet wurde.

Später berichtete Ricucci dem italienischen Fernsehsender RAI 1, dass es im Nachhinein so aussieht, dass die bewaffneten Palästinenser, denen sie folgten, sich die Ankunft des Panzers durch Zeichen ankündigten. Er fügte auch hinzu, dass er nach dem Feuerstoß aus dem Maschinengewehr des Panzers sah, dass ein bewaffneter Palästinenser hinter ihnen auf die Straße getreten war.
(heplev: Was den Feuerstoß des Panzers deutlich erklärt. Die Israelis hatten nicht den Journalisten ins Visier genommen, sondern Bewaffnete gesehen und auf diese geschossen. Kein Wunder, dass der dazwischen stehende Journalist entweder als zu den Terroristen gehörend vermutet wurde oder schlichtweg ins Kreuzfeuer geriet.)

Ein französischer Fotograf wurde auch als in Ramallah verwundet gemeldet; dabei wird behauptet, er wurde von Querschlägern zweimal im Bein getroffen, während eine andere Version besagt, dass er von einer kleinen Bombe verwundet wurde, die von Palästinensern gelegt wurde, um die vorrückenden israelischen Truppen aufzuhalten. Er wurde zur Behandlung in ein israelisches Krankenhaus gebracht.

Wegen der erwarteten schweren Kämpfe in Ramallah und Beschwerden der Journalisten, dass sie unter Feuer gerieten, schloss die Armee die Presse von der Berichterstattung über die Kämpfe dort aus, was bedeutet, dass alle Reporter in der Stadt sich in militärischem Sperrgebiet befanden. Kommandeur Oberst Benjamin Gal Hirsch sagte den ausländischen Journalisten in einer Pressekonferenz am Dienstag, dass Ramallah für sie tabu sei. Er machte darauf aufmerksam, dass eine Fernsehkamera auf der Schulter einer Person aus der Entfernung leicht mit einer Antipanzer-Waffe verwechselt werden kann.

Die israelische Armee drückte ihr Bedauern über den Tod von Ciriello aus wie auch über die Verletzungen des französischen Fotografen, betonte aber, dass die Untersuchung nicht ergeben habe, wer die Schüsse in beiden Vorfällen abgegeben habe.
3.) 14. März 2002 – Zeugenbericht:
Ein Augenzeuge der Verwundung des französischen Fotografen in Ramallah sagt, er wurde von einer Bombenexplosion verletzt, nicht von israelischem Feuer.

Bericht auf: http://www.idf.il/english/announcements/2002/march/14.stm#6

Zusammenfassung:
Der Zeugenbericht eines Kollegen des verwundeten französischen Fotografen gegenüber Oberstleutnant Rafowicz wurde von der IDF gefilmt. Darin beschreibt der Journalist anhand einer selbst gezeichneten Kartenskizze, wo genau er, ein weiterer Kollege und der Franzose sich aufhielten, wer verwundet wurde, wo sich Palästinenser aufhielten und wie sich diese verhielten, in welche Richtung sie schossen. Er beschrieb, wie eine Explosion zwischen Mülleimern einen der Palästinenser tötete, die nicht von einem Geschoss (z.B. eines Panzers oder von einer Rakete) stammen konnte, sondern eine Bombe gewesen sein musste. Eine weitere, gleichartige Explosion ließ einen anderen Palästinenser in die Luft fliegen; die Druckwelle der Explosion ging in Richtung Straße und verwundete den französischen Fotografen. Auch viele andere Menschen auf der Straße wurden durch diese Explosion verwundet.

Der Journalist sagte, er sei sich zu 99% sicher, dass es sich um eine Bombe handelte.
4.) Arafat ehrt den getöteten italienischen Journalisten

Ramallah, 15.03.2002
Seine Exzellenz, Präsident Arafat, ordnete in einem präsidialen Erlass an, dass der italienische Journalist Rafaele Ciriello als Märtyrer anzusehen ist, weil der starb, während er seinen Pflichten nach ging, über die israelische Aggression gegen unser Volk zu berichten.

Kommentar IMRA:
Es bleibt unklar, ob er sich damit auch für die Jungfrauen im Paradies qualifiziert hat.


Die arabische Presse ficht es nicht an, was an Hinweisen vorliegt, dass die IDF nicht für den Tod des Italieners und die Verletzung des Franzosen verantwortlich gemacht werden kann.


5.) Jordan Times, 15.03.2002
Kommentar: Israel muss Buße tun

Mehr als 50 Journalisten wurden in den letzten 10 Monaten des palästinensischen Aufstands von israelischem Feuer verwundet. [Anmerkung: Die „Intifada“ dauert seit 17 Monaten an, es wurden 47 Journalisten verwundet. In den meisten Fällen ist nicht klar, wessen Feuer dafür verantwortlich war.]

Aber nicht ein einziger israelischer Soldat wurde dafür zur Verantwortung gezogen, dass er auf Nachrichtenmänner und Frauen geschossen hat. Es hat nicht einen einzigen ernsthaften Versuch gegen, solche kriminellen Aktionen zu stoppen. Das Ergebnis sind zunehmende Angriffe auf Mitglieder der Presse in den letzten Tagen, wobei die israelischen Besatzungstruppen den italienischen Journalisten Raffaele Ciriello töteten und einen Franzosen und einen Ägypter verwundeten.
[Anmerkung IMRA: Es hat keine Angriffe auf die Presse gegeben. Es gibt erhöhte militärische Aktivität und die Presse besteht darauf, militärisches Sperrgebiet zu betreten.]

Die Rechtfertigungen, die Israel in dem Versuch, diese Angriffe zu erklären, angeboten hat, sind armselig und nicht überzeugend. Das offizielle Schweigen und das Fehlen ernsthafter Untersuchungen der Vorfälle deuten darauf hin, dass die israelische Regierung etwas zu verbergen hat. Kameras haben den Hass eingefangen, den viele in den israelischen Besatzungstruppen gegen Journalisten hegen. Das lässt die Schlussfolgerung nicht gerade weit hergeholt erscheinen, dass israelische Soldaten ausländische Korrespondenten, die über die palästinensische Intifada berichten, gezielt beschießen.
[Anmerkung IMRA: Das ist sehr wohl weit hergeholt. Ausländische Korrespondenten können nicht von anderer Presse unterschieden werden. Wenn Journalisten gezielt beschossen würden, würde die Zahl der Getöteten und Verwundeten sehr viel größer sein.]

Die internationalen Medien haben die Verbrechen offen gelegt, die die israelischen Soldaten an hilflosen und unbewaffneten Palästinenser begangen haben. Das gefiel den Befürwortern der Besatzung nicht sonderlich. Viele in Israel haben daher die Überbringer der Botschaft verurteilt. Andere töten sie.
[Anmerkung IMRA: Der getötete Fotograf befand sich im Umfeld bewaffneter Hamas-Typen. Israelische medizinische Hilfe konnte ihn wegen der Intensität des Kreuzfeuers nicht erreichen.]

Israel ist seit Jahren mit Mord davon gekommen.
[Anmerkung: Es war der erste getötete Journalist. Das kann man nicht „jahrelangen Mord“ nennen.]

Die Jordan Times betrauert seinen (Ciriellos) Tod.
[Anmerkung: Das ist höhnisch. Mit diesem Toten lässt sich wieder Stimmung gegen Israel machen, gegen alle Fakten. Die Jordan Times bedauert ihn vielleicht ein wenig, ist aber andererseits für die Gelegenheit überaus dankbar, Israel ein weiteres Opfer anhängen zu können, für das eher die Palästinenser verantwortlich sind!]

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