Ein offener Brief an Neuseeland

Paula R. Stern, Israellycool, 27. Dezember 2016

Vier Staaten (Senegal, Neuseeland, Malaysia und Venezuela) traten vor, um den Schlachtruf gegen Israel im UNO-Sicherheitsrat anzuführen. Dass diese Resolution in den letzten Tagen der Obama-Administration zustande kam, spricht Bände. Aber das ist etwas für einen anderen Eintrag (bitte warten Sie darauf). Für jetzt würde ich gerne etwas erklären. Wie ich es bereits für den Senegal macht, schreibe ich jetzt über Neuseeland.

Der Senegal war einfach. Er ist ein Staat in Not, bereit, aber offenbar nicht fähig zu begreifen, dass eine Beziehung, die nicht beiden Seiten nutzt, voraussichtlich scheitert. Einfach ausgedrückt: Israel gab, der Senegal nahm. Das war in Ordnung, solange wir keine Erwartungen hatten und der Senegal glücklich war zu nehmen und zu nehmen und zu nehmen. Zum ziemlich ersten Mal brauchten wir etwas zurück und der Senegal zeigte uns den berühmten Finger; also ist es nur logisch, dass wir ihnen dasselbe zeigten. Ein angenehmes Leben, Senegal; und nächstes Mal, wenn eure Leute leiden, eure Ernten ausfallen, ja, ruft Abu Mazen an.

Jetzt Neuseeland. Das ist etwas schwieriger. Schwieriger Neuseeland zu sagen, sie sollten dahin gehen, wo der Pfeffer wächst und schwerer ihnen zu empfehlen, dass die Beziehung zwischen Neuseeland und Israel so viel Bedeutung hat wie die zu anderen Staaten.

Andererseits habe ich Freunde in Neuseeland und den Traum eines Tages dorthin zu reisen. Andererseits gibt es im Hebräischen ein großartiges Sprichwort: Wenn man den Weg zu einem weit entfernten und schwer zu erreichenden Ort beschreibt, sage, dass der Ort „am Ende der Welt und dann links“ liegt.

Israel und Neuseeland stehen ungefähr auf Augenhöhe, was die Lebensqualität, moderne Annehmlichkeiten und gesellschaftlichen Status angeht. Anders als der Senegal, der Jahre nach Israel gegründet wurde, war Neuseeland 1948 Teil der Hilfe zur Gründung Israels. Es war einer der ehrenhaften Staaten, die 947 für den Teilungsplan stimmten. Es sollte zwei Staaten geben, bot der Plan an – einen jüdischen auf etwa der Hälfte des Landes. Genau, wir bekamen die Wüste und die Sümpfe, aber egal, denn wir nahmen die Zitronen und machten Limonade. Wir nahmen die Wüste und ließen sie erblühen; wir nahmen die Sümpfe und legten sie trocken. Und einen arabischen auf etwa der Hälfte des Landes (nicht eingerechnet die zwei Drittel des Landes „Palästina“, die bereits den Jordaniern gegeben worden waren).

Wir sagten „Ja, danke“. Die Araber sagten „Nein, yalla, wir machen Krieg“. Und seit fast 70 Jahen haben wir die Schrecken dieser Entscheidung gelebt. Fast genauso lange ist Neuseeland für Israel gewesen, hat in Ehren Handelsabkommen unterschrieben, Forschung und Wissen geteilt.

Mit ein paar auffälligen Pannen. Zum Beispiel bot Israel im Februar 2011, nachdem ein massives Erdbeben Neuseeland traf, an Rettungsmannschaften und medizinische Teams zu schicken, während in Neuseeland lebende Israels auch zu Hilfe eilten. Anfangs wurde die Hilfe abgelehnt, aber als das Ausmaß der Katastrophe offensichtlich wurde, akzeptierte Neuseeland Israels Angebot. Dann drehten sie sich um und beschuldigten eines der israelischen Opfer Mossadspion zu sein (vier Monate und jede Menge Ermittlungen später gab Neuseeland zu, dass es keine Beweise zur Stützung seiner Behauptungen gab).

Gemäß der teilweise von Neuseeland protegierten Resolution hat Israel keine legalen Rechte, keinen Anspruch auf das Land, auf dem unserer Vorfahren wandelten, den Ort, wo sie beerdigt sind, wo sie beteten und wo sie – bis heute – jeden Tag beten.

Es scheint so, als wolle Neuseeland die fundamentalen Rechte des einheimischen Volks in diesem Land ignorieren und es scheint, das wir im Blick darauf, warum der UNO-Sicherheitsrat so abstimmte, wie er abstimmte, einen Blick auf das Motiv werfen. Der Senegal war einfach – der ist eine Prostituierte, die sich die höchstbietenden, angenehmsten Bettpartner aussucht.

Neuseeland … was motiviert die? Nun, ich habe zwei Theorien, aber ich werde hier nur eine vorlegen. Sie mit diesem „Ding“ des indigenen Volks zu tun.

Nach Angaben von Wikipedia lautet die Definition eines „indigenen Volkes“ so:

Indigene Völker … sind nach einer international geltenden Definition diejenigen Bevölkerungsgruppen, die Nachkommen einer Bevölkerung sind, die vor der Eroberung, Kolonisierung oder der Gründung eines Staates durch andere Völker in einem räumlichen Gebiet lebte, und die sich bis heute als ein eigenständiges „Volk“ verstehen und eigene soziale, wirtschaftliche oder politische Einrichtungen und kulturelle Traditionen beibehalten haben.

Ignoriert man die Versuche der Palästinenser die Geschichte umzuschreiben und ein Erbe zu beanspruchen, das nicht existiert (äh, nein, Jesus war kein Palästinenser und sie sind nicht seit 300 Jahren in diesem Land, schon gar keine Million Jahre), dann ist sehr klar, dass das jüdische Volk und NUR das jüdische Volk die Kriterien im oben angeführten Absatz erfüllt. Dasselbe kann von den Europäern nicht gesagt werden, die in Neuseeland siedelten (weitgehend auf Kosten der indigenen örtlichen Volks der Maori).

Was die Regierung von Neuseeland ärgert ist, dass das indigene Volk von Neuseeland die Maori und das indigene Volk des Landes Israel die Juden sind. Wenn man Israel abstrafen will, muss man also seine geschichtlichen Ansprüche und Geschichte ablehnen, vielleicht wird das alles entschuldigen, was sie den Maori angetan haben … oder auch nicht.

Liebes Neuseeland,

seit ich ein kleines Mädchen war, erinnere ich mich an den Satz „Wer im Glashaus sitz, soll nicht mit Steinen werfen“. Indigenes Volk.

Wir, das jüdische Volk, haben dieses Land seit mehr als 3000 Jahre unsere Heimat genannt. Wenn wir graben, dann finden wir unsere Knochen, unsere antiken Relikte. Es sind die Symbole, die Münzen, die Tonscherben des jüdischen Volks, von Judäa, Israel. Indigenes Volk.

Es ist das jüdische Volk, das in diesem Land gelebt, Städte gebaut, Wälder gepflanzt, von Palästinenser gelegte Feuer gelöscht hat. Wir, das jüdische Volk, die Leben und Frieden in Ehren gehalten haben. Wenn wir schon vom Leben reden: Wusstet ihr, dass die durchschnittliche Lebenserwartung (für Juden UND Araber) in Israel höher ist als in der arabischen Welt und dass die Gesundheitsversorgung, die wir auch den Palästinensern zugutekommen lassen, weit besser und die Säuglingssterblichkeit niedriger ist?

Ich habe zu eurer Geschichte recherchiert und bei Wikipedia gibt es diese grundlegende Beschreibung: „Die Geschichte Neuseelands geht mindestens 700 Jahre zurück, als es von Polynesiern entdeckt und besiedelt wurde, die eine ausgeprägt maorische Kultur entwickelte, die sich auf blutsverwandtschaftlichen Verbindungen und Land konzentrierte. Die erste europäische Entdecker, der Neuseeland sichtete, war Abel Janszoon Tasman am 13. Dezember 1642.“

Siebenhundert Jahre. Indigenes Volk. Ihr könnt nicht sagen, dass ihr irgendetwas davon der Maori-Bevölkerung angeboten habt, dem indigenen Volk des Landes, das ihr besetzt. In Wikipedia heißt es:

Unverhältnismäßige Zahlen an Maoris sehen sich beträchtlicher wirtschaftlichen und sozialen Hindernissen gegenüber, haben im Vergleich mit anderen ethnischen Gruppen in Neuseeland eine niedrigere Lebenserwartung und Einkommen. Sie leiden unter höherem Niveau an Verbrechen, Gesundheitsproblemen und niedrigeren Bildungsleistungen. (Quelle: Wikipedia)

Hier in Israel werden Leute, die einen Standard für sich nehmen und einen anderen für andere, Heuchler genannt. In eurem Land heißen sie anscheinend Politiker.

Ich glaube Ihre Ablehnung unserer Verbindung zum Land Israel gründet nicht auf antiisraelischen Überzeugungen, sondern ist wahrscheinlich ein Hinweis auf ein fundamentales Problem, das ihr habe, eine tief sitzende Angst, dass das Volk der Maori glauben könnte, es hatte einen Anspruch auf sein Land, so wie wir glauben, dass wir einen auf das unsere haben. Vielleicht identifiziert ihr euch mehr mit den Palästinensern als mit den Israelis, weil diese letztlich – so wie wir – die wahren Besatzer sind.

Eure Insel ist von Glas und Steinen umgeben, die ihr auf Israel geworfen habt, die aber nur wieder euch selbst treffen. Unser Recht an diesem Land geht auf Zeiten zurück, lange bevor eure Insel überhaupt entdeckt wurde. Als sie noch von Meer umgebener öder Fels war, baute mein Volk Gemeinwesen, übte seine Religion aus, zog seine Kinder auf. Es wurde ins Exil getrieben und kehrte zurück, ins Exil getrieben und kehrte zurück. Wir haben bittere Feinde abgewehrt, die weit durchtriebener waren als ihr.

Manchmal lauert das schlimmste Übel in denen, die behaupten nicht interessiert zu sein. Aber ihr habt ein Interesse. Ihr wollt nicht, dass die Welt die Notlage der Maoris sieht; lieber die Aufmerksamkeit auf Israel ablenken.

Schalom, Neuseeland. Ich hoffe, die Belohnungen, die ihr bekommt, wiegen eure verloren gegangene Integrität auf, die von euch aufgegebene Ehre.

Im richtigen Leben, im politischen Leben, in den Beziehungen zum eigenen Volk scheint Neuseeland sich auf sehr schwankendem Grund zu befinden, während wir hier in Israel uns auf Boden bewegen, der zahllose Feinde, Lügner und Heuchler überstanden hat.

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