Warum Israel den Medienkrieg verliert

Eine dreimonatige Untersuchung deckt die eigentlichen Gründe für die Sympathien der Medien gegenüber den Palästinensern auf.

David Margolis, The Jewish Week, 20. Juli 2001 (übersetzt von Daniel Marcus)

Mitte April 2001 zerriss ein „Arbeitsunfall“ in einer Bombenfabrik, den palästinensische Sprecher fälschlicherweise als israelischen Raketenangriff bezeichneten, das Hauptquartier der Force 17 in Ramallah. Als Medienleute am Schauplatz erschienen und sich an ihre Arbeit machten, beschlagnahmte palästinensisches Sicherheitspersonal auf harte Art und Weise die Filme der Fotografen und Kameraleute.

„Sie machten sehr deutlich“, sagte Mark Lavie von der „Associated Press“, dass jeder, der Widerstand leistet, „keinen glücklichen Tag haben würde“.

Das Ergebnis war, dass keine Bilder der Explosion auf den Fernsehbildschirmen erschienen. Einige Nachrichtenagenturen machten sich nicht einmal die Mühe, über die Beschlagnahmung des Filmmaterials zu berichten. Doch die falsche Behauptung, es hätte ein israelischer Raketenangriff stattgefunden, hielt sich in den nächsten ein bis zwei Tagen in den Medienberichten.

Wenn man das Meer von einzelnen Vorfällen betrachtet – sehen dann solche angehäuften Versäumnisse und Nuancen wie eine systematische Voreingenommenheit der Medien zu Israels Ungunsten aus? Beeinflussen einzelne Medien die Nachrichten gezielt zum Vorteil der palästinensischen Seite? Oder ist die anti-israelische Voreingenommenheit der Medien ein Mythos und die Reporter sind nur unter ständigem Druck, die ersten bei der Sendung der aktuellsten Nachrichten zu sein und ihr Bestes zu geben, um schnell wechselnde und sehr emotionale Ereignisse zu erklären?

Eine dreimonatige Untersuchung der ausländischen Presse in Israel zeigt, dass einige ausländische Korrespondenten ihre persönlichen Sympathien in die Nachrichten einbringen. Bedrohlicher für die genaue Berichterstattung ist jedoch der Erfolg der palästinensischen Autonomiebehörde, durch Einschüchterung von Journalisten und Manipulation des journalistischen Prozesses sicher zu stellen, dass ihre Version der Ereignisse auf westlichen Fernsehbildschirmen und in dortigen Zeitungen dominiert.

Unterdessen liefern Israels Bemühungen, die Nachrichten zu vermitteln – unwirksame Bemühungen, wie selbst Ariel Sharons Medienchef bestätigt – einen weiteren Grund dafür, warum Israel den Medienkrieg zu verlieren scheint.
Behinderung und Einschüchterung

Nach Augenzeugenberichten waren palästinensische Polizisten und Demonstranten während des Lynchmordes an zwei israelischen Soldaten am 12. Oktober 2000 in Ramallah eifrig darauf bedacht, das Ereignis von den Weltmedien fernzuhalten und haben deshalb Journalisten geschlagen, getreten und sogar mit Messern bedroht, um deren Filmmaterial zu beschlagnahmen. Eine örtliche Photographin einer großen amerikanischen Tageszeitung wurde von der palästinensischen Polizei daran gehindert, nach den Morden den Freudentanz der Menge aufzuzeichnen. Unheilverkündend fügt sie an, dass es „meine Sicherheit gefährden würde, wenn ich mit Namen genannt werde“. Wie viele andere Journalisten, die für diesen Artikel befragt wurden, bat sie deshalb, ihren Namen nicht zu erwähnen.

Als die Aufzeichnung einer italienischen Nachrichtencrew nach dem Lynchmord weltweit übertragen wurde, schrieb der italienische Journalist Ricardo Cristiano – der anscheinend besorgt war, dass er mit der Crew in Verbindung gebracht werden könnte – einen Entschuldigungsbrief an Al Hayat, die offizielle Zeitung der PA, in dem er versprach, die journalistischen „Regeln“ der PA zu „respektieren“.

Im März 2001 herrschte eine angespannte Atmosphäre, belastet durch Verdächtigungen und Feindschaft. Marwan Barghouti, der Führer der PA-Tanzim-Miliz, schickte die dringende Warnung an israelische Journalisten, dass sie getötet werden könnten, falls sie den Gazastreifen betreten würden. Seit diesem Zeitpunkt bleiben israelische Journalisten entweder zuhause oder sie gehen sicher, dass sie von Palästinensern begleitet werden, die gute Beziehungen haben.

Barghouti kündigte außerdem jedem Palästinenser, der mit israelischen Nachrichtenleuten kooperieren würde, an, dass er Schaden nehmen werde und erhöhte damit die Gefahr für palästinensische Journalisten, die sowieso schon lange dadurch, dass ihre Berichterstattung einem hohen Offiziellen missfallen oder als schädlich für die palästinensische „Sache“ betrachtet werden könnte, unter impliziter oder expliziter Bedrohung gelebt haben.

In Kürze: die palästinensische Kampagne der Medienkontrolle durch Gewalt oder Drohungen war zwar nicht neu, ist jedoch inzwischen wesentlich intensiver geworden. Da die Kampagne weitgehend auf Journalisten vor Ort beschränkt ist, wird sie von Journalisten im Ausland im allgemeinen übersehen. Weil der Medienkrieg weniger ein Krieg mit Worten als vielmehr mit Bildern ist, sind ausländische Printjournalisten tatsächlich diejenigen, die den Druck am wenigsten zu spüren bekommen. Und wenn sie ihn bei dieser oder jener Gelegenheit doch bemerken, zucken sie in der Regel mit den Achseln, da sie ihn als für die Nachrichten unbedeutend und wirkungslos betrachten.

Das bedeutet jedoch nicht, dass palästinensische Einschüchterung nur ein lokales Thema ist. Das ist es ganz und gar nicht. Da der Prozess der Sammlung von Nachrichten und deren Verbreitung an westliche Medien nun hauptsächlich von palästinensischen Journalisten durchgeführt wird, haben deren Verbündete und der auf sie ausgeübte Druck eine entscheidende Wirkung darauf, wie die Nachrichten aus Israel weltweit berichtet werden.

Die palästinensische Autonomiebehörde hat gemäß des Committee for the Protection of Journalists (CPJ, zu Deutsch: Komitee für den Schutz der Journalisten) „die Kritiker in der lokalen Presse durch willkürliche Verhaftungen, Drohungen, physischen Missbrauch und die Schließung von Absatzmärkten für Medien mundtot gemacht“ und dadurch die meisten palästinensischen Journalisten aus Furcht zur Selbstzensur getrieben.
Es ist eine Situation wie bei der Mafia, sagt ein palästinensischer Journalist

„Es ist eine Situation wie bei der Mafia“, bestätigt ein palästinensischer Journalist und zitiert andere Journalisten, die „sogar durch ranghohe Beamte wie (den Kommandanten des präventiven Sicherheitsdienstes der Westbank Jibril) Rajoub und Barghouti bedroht und geschlagen und zum Ziel von Morddrohungen geworden waren. Und sie erzählen niemandem davon“, fügt er hinzu, weder ihren Arbeitgebern noch professionellen Organisationen, denn jede Beschwerde würde die Gefahr, in der sie stehen, nur vergrößern. Und wenn Offizielle dadurch berührt werden, könnte es außerdem ihren Arbeitsplatz kosten.

Die 220 Mitglieder der „Foreign Press Association“ (zu Deutsch: Ausländische Pressevereinigung) haben die palästinensischen Einschüchterungen auf Journalisten weder untersucht noch irgendwelche Aktionen dagegen unternommen. Ein ausländischer Korrespondent schnaubt deswegen vor Wut: „Die FPA hat von der PA noch längst nicht genug bekommen.“

Bill Orme, Korrespondent der New York Times und Mitglied des FPA-Vorstandes, überwacht die Probleme der Pressefreiheit und des Pressezutritts – „nicht der Voreingenommenheit der Presse“, fügt er schnell hinzu. Er bestätigt, dass die FPA noch nicht in das Thema der Einschüchterungen „eingestiegen“ ist. „Wir sind eine Mitgliederorganisation, wir reagieren auf Beschwerden“, erklärt er. Solange die FPA keine Beschwerden hinsichtlich der Einschüchterungen erhält, ignoriert sie dieses Thema.

Gewalt gegenüber Journalisten geschieht jedoch nicht nur auf der palästinensischen Seite. Beinahe zwei Dutzend Journalisten -die meisten von ihnen Palästinenser- wurden von israelischen Soldaten getroffen. Unter ihnen auch Ben Wedeman vom CNN, der in Gaza am Rücken verwundet wurde. Einige sind schwer verletzt worden. In nur einem oder zwei Fällen resultierte die Untersuchung der IDF darin, den Täter zu ermitteln und zu bestrafen.

Journalisten wollen dort sein, wo etwas geschieht – sie wollen sehen, wie die Kugel aus dem Gewehrlauf kommt

Rana’an Gissin, Premierminister Ariel Sharons Berater in Sachen Auslandspresse und Öffentlichkeitsarbeit, sagt, das Problem sei, die Journalisten „wollen dort sein, wo etwas geschieht – sie wollen sehen, wie die Kugel aus dem Gewehrlauf kommt“. Weil sie in der Schusslinie arbeiten ist es für die Soldaten schwierig, sie von den anderen zu unterscheiden, sagt er.

Gemäß des CPJ haben israelische Sicherheitskräfte und Siedler Journalisten geschlagen, die über politische Gewalt berichten und in manchen Fällen haben israelische Soldaten zugesehen. Paul Adams vom BBC berichtet, dass seine Kameramannschaft in Elon Moreh, einer Westbank-Siedlung, von Juden hart angepackt und dass die Reifen seines Wagens aufgeschlitzt worden waren. (Adams wurde auch von Palästinensern in Bethlehem zusammengeschlagen und er und seine Kameramannschaft waren gezwungen zu fliehen. Über das Ereignis in Elon Moreh wurde in einer Sendung des BBC berichtet, über dasjenige in Bethlehem nicht.)

Während die FPA ihr Schweigen bezüglich palästinensischer Einschüchterung auf Journalisten aufrecht erhält, protestiert sie heftig mit Briefen an hohe Regierungsbeamte gegen die israelische Gewalt gegenüber Journalisten. Keiner der interviewten Journalisten glaubt jedoch, dass Schießereien von israelischen Soldaten die Politik der israelischen Regierung repräsentiert oder dass Soldaten sie beschießen, weil sie Journalisten oder gar weil sie Individuen sind.

Israelische Offizielle bedrohen auch keine Journalisten. Sie ergreifen keine Sanktionen gegen diejenigen, deren Berichterstattung ihnen missfällt und sie üben keine Kontrolle aus über das, was die Journalisten schreiben.

Dies sind jedoch genau die Methoden, die der palästinensischen Autonomiebehörde geholfen haben, eine Menge von dem festzulegen, was Amerikaner und Europäer als „Nachrichten aus Israel“ sehen und lesen.

Das Produzieren von Nachrichten

Als der palästinensische Aufstand weiter wütete, wurden die Worte, die darüber geschrieben und besonders die Bilder, die darüber gezeigt wurden, zum größten Teil von Palästinensern geformt.

Wie kam eine solch außergewöhnliche Situation zustande?

Diejenigen israelischen Journalisten, die noch in palästinensische Gebiete gehen, gehen sicher, dass sie von Palästinensern begleitet werden, deren Beziehungen zu Sicherheitsdiensten sie schützen können.

„Doch wenn Sie von so jemandem begleitet werden, sind Sie in dem, was Sie sehen und was Sie berichten können, eingeschränkt“, zeigt Khaled Abu Toameh, ein palästinensischer Reporter für israelische, amerikanische und arabische Medien auf. „Es ist in etwa so wie in Syrien oder im Irak, wo Sicherheitsleute ständig ausländischen Journalisten folgen.“

Ausländische Journalisten -viele von ihnen gehen gar nicht an den Ort des eigentlichen Geschehens- sind im allgemeinen auf die Informationen der palästinensischen Lokalreporter angewiesen.

„Die palästinensischen Lokalreporter füttern die ausländische Presse mit Material, das für die PA akzeptabel ist“, sagt Abu Toameh. Ein Journalist, fügt er hinzu, ist „vollkommen in ihren Händen.“

Ausländische Journalisten sind auch auf palästinensische Helfer angewiesen, die „Fixer“ genannt werden. Sie kennen die Sprache, garantieren leichten Zugang zu wichtigen Personen und Ereignissen und arrangieren alles, was ein Reporter braucht, angefangen von einem Fahrer bis hin zu einem Übersetzer. Diese „Fixer“ sind keine professionellen Journalisten. Sie sind oft mit einer politischen oder mit einer Sicherheitsgruppe verbündet – Teil ihres Jobs ist es, ihre Ansicht aufzudrängen.

Was die Bilder angeht, so sind 80 Prozent der Kameraleute, die in der PA arbeiten, Palästinenser. So schätzt eine Journalistin einer holländischen Agentur und folgert: „Demnach stammen die Bilder mit all ihrem Pathos und Drama von der palästinensischen Seite.“
95 Prozent der Bilder werden von palästinensischen Filmcrews geliefert

Ihre Schätzung ist zu niedrig. Ehud Ya’ari, ein Veteran unter israelischen Kommentatoren, schätzt, dass „über 95 Prozent“ der Bilder, die an ausländische und israelische Sender geliefert werden, von palästinensischen Filmcrews kommen.

In einem kürzlich erschienen Artikel im „Jerusalem Report“ schrieb Ya’ari, dass die Palästinenser nun tatsächlich die Berichterstattung über die Intifada kontrollieren. Die meisten Informationen, die aus der Gegend kommen, wurden -egal welcher Art sie sind- von Palästinensern gefiltert oder in erster Linie von Palästinensern zusammengestellt.“

In Kürze: Nachrichten aus Israel werden von Menschen geliefert, die der PA gegenüber loyal sind und Angst vor ihr haben.

„Sie trauen sich einfach nicht, etwas zu filmen, das für die PA peinlich sein könnte“, beendet Ya’ari seinen Artikel. „Somit sind die Kameras darauf ausgerichtet, die Schandflecken der israelischen Armee zu zeigen, sie sind niemals auf palästinensische Schützen gerichtet. Und sie sind sorgfältig darauf bedacht, eine besondere Art Großaufnahmen von der Situation vor Ort zu bringen.“

Ya’ari selbst geht nicht in palästinensisches Gebiet. Doch Abu Toameh tut dies. Und er nennt Ya’aris Analyse „200 Prozent korrekt“.

Doch sind die ausländischen Korrespondenten -Journalisten, die am oberen Ende der Karriereleiter stehen- so träge oder so leicht für dumm zu verkaufen, dass sie die Propaganda als Wahrheit akzeptieren?

Ohne Zweifel gibt es einige, die so sind. Doch Fiamma Nirenstein, Korrespondentin der italienischen Tageszeitung „La Stampa“, bietet eine andere Theorie dafür, warum Korrespondenten Israel so oft teilnahmslos gegenüber stehen. Die Journalisten, so nimmt sie an, sind Opfer ihrer eigenen, nahezu einheitlichen „Vorlieben“, die Ereignisse innerhalb eines linken, pro-palästinensischen und oftmals unrealistisch romantischen Rahmens zu betrachten.

Das heißt, viele Korrespondenten akzeptieren, was aus palästinensischen Quellen kommt, weil sie von sich aus dazu neigen, die Ereignisse in ähnlicher Form darzustellen.

Die Denkweise des Journalisten

„Ein ausländischer Journalist, der behauptet, er sei ‚objektiv‘, ist entweder langweilig oder ein Lügner“, erklärt Sam Kiley von der London Times. „In diesem Konflikt gibt es eine Menge Wahrheiten.“

Viele stimmen darin überein, dass die ausländische Presse nicht objektiv ist. Doch wenn dies so ist, warum sehen so viele Korrespondenten anscheinend die gleiche Wahrheit? „Sie haben das Gefühl, den Palästinensern helfen zu müssen“, sagt Nirenstein.
Die Korrespondenten leugnen ihr persönliches Urteil nicht

„Mein Mitgefühl gilt den Opfern“, sagt einer und meint damit die Palästinenser. „Die Juden nutzen ihre Geschichte, die Zeit ihrer Verfolgung, um bei den Amerikanern und Europäern Mitleid zu erregen“, sagt ein anderer, ebenfalls ganz im Vertrauen.

Conny Mus vom holländischen Fernsehn nennt als zentralen Punkt „die Tatsache, dass eine mächtige Armee all ihre Macht benutzt um eine kleinere Streitmacht zu vernichten.“ Mus behauptet kontinuierlich, dass die Presse „ein exaktes Bild“ der Ereignisse bietet und dass pro-israelische Leser nur deshalb denken, die Nachrichten seien verzerrt, weil sie „nicht wissen, was auf der palästinensischen Seite geschieht“.

Bis zu einem gewissen Grad hat er Recht – auch bei exakten Berichten über die Fakten sehen Juden Israel oftmals nicht gern in einem schlechten Licht. Kritiker der Medien nehmen manchmal nur Anstoß an dem, was sie als „pro-palästinensische“ Berichte bezeichnen, weil sie nicht wollen, dass ihre eigenen Ansichten in Frage gestellt werden.

Doch ein Bericht kann exakt sein und trotzdem die Pointe nicht richtig übermitteln. Ein Beispiel: ein Artikel kann die Zahl der palästinensischen Opfer hervorheben, kann das Zählen der Leichen zum objektiven Maßstab machen. Es wird jedoch nicht darauf hingewiesen, dass die israelischen Toten zum größten Teil unschuldige Zivilisten sind und keine bewaffneten Aufständischen und Terroristen. Viele Journalisten berichten nur über Israels „Eroberung“ der Westbank und weisen niemals darauf hin, dass diese Eroberung in einem Verteidigungskrieg gegen Jordanien erfolgte und dass die Palästinenser dort niemals souverän waren.

Andrea Levin von „Camera“, einer energischen und manchmal schrillen Gruppe von Medienbeobachtern, weist darauf hin, dass Reporter „über eine Geschichte berichten und dabei die Mikroprobleme zwar korrekt erfassen, jedoch die Makroprobleme vollkommen falsch verstehen können.“
Journalisten romantisieren die Palästinenser als David, der gegen den israelischen Goliath kämpft, als ob die Unterdrückten allein per Definition die Guten sind

Nirenstein erlebt ihre Kollegen als solche, die die Palästinenser als David romantisieren, der gegen Goliath kämpft, als ob die Unterdrückten schon allein per Definition die Guten sind. Sie schreibt in der Januarausgabe 2001 des „Commentary Magazine“, dass dieses Romantisieren die Journalisten -die sie als „bilderstürmerisch, flott, ironisch, praktisch alle einer Meinung“ charakterisiert- auf der falschen Seite der Kulturkluft zwischen „westlicher und östlicher Zivilisation, zwischen Demokratie und Diktatur, zwischen jüdisch-christlicher Welt und der Welt des Islam“ platziert.

Die journalistische Denkweise kann auch durch das entstehen, was ein amerikanisch-israelischer Journalist als „massive Ignoranz“ tadelt.

Viele Journalisten haben wenig oder keine Vorbereitungszeit, bevor sie nach Jerusalem und Ramallah geschickt werden. Vor Ort müssen sie ihr Wissen während der Arbeit aufholen, wobei sie es oftmals von anderen ausländischen Korrespondenten übernehmen.

„Wir sind sehr oberflächlich“, bestätigt Dr. Jörg Bremer von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf entwaffnende Art und Weise. „Wann haben wir Zeit ein Buch zu lesen, wenn wir jeden Tag die Nachrichten zusammenstellen müssen?“
Schwarz-Weiß-Denken und Ignoranz

Dieser Mangel an Vorbereitung führt beinahe zwangsläufig dazu, dass Korrespondenten die Schablone eines anderen Ereignisses auf eine Situation mit völlig unterschiedlicher Geschichte und Besonderheit legen. Mike Hanna beispielsweise, der Chef des CNN-Büros in Jerusalem, wurde von der Romanautorin Naomi Ragen und von anderen dahingehend charakterisiert, die Situation in Israel durch seine 20 Jahre als Korrespondent in Südafrika ebenfalls in Termini von „schwarz und weiß“ zu sehen – als Unterdrücker und Unterdrückte.

Doch Probleme journalistischen Urteilsvermögens und persönlicher Sensibilität sind eine Sache. Dahinter lauert die umfassendere Frage, ob die Sympathie der Reporter zu ungerechter Voreingenommenheit führen kann – und ob dann aus Voreingenommenheit entschlossene Manipulation der Nachrichten wird.

Beunruhigende Vorfälle von falscher und ungenügender Berichterstattung sind im Überfluss vorhanden. Gruppen von Medienbeobachtern haben die New York Times, die Los Angeles Times, die London Times, die Washington Post, CNN, Sky News, Reuters, BBC und andere Medien beschuldigt, Nachrichten mit dem Ziel veröffentlicht zu haben, palästinensische Vergehen zu minimieren und israelische hervorzuheben, um die Sympathien für Israel zu verringern oder um Israel als Aggressor aussehen zu lassen. Den Medien wurde auch zur Last gelegt, sie ignorierten Artikel, die entscheidende Zusammenhänge für das Verständnis der Fakten vor Ort liefern, wenn diese Artikel die Palästinenser in einem weniger guten Licht zeigen.

Solche, in großem Maße ignorierte Themen sind z. B. Berichte über palästinensische Rot-Kreuz-Ambulanzen, die Steine und Molotowcocktails zu Flammpunkten transportieren; das gezielte Benutzen palästinensischer Zivilisten als Deckung für palästinensische Kämpfer; der Ansporn der Palästinenser, an gewalttätigen Demonstrationen teilzunehmen, ja, sogar Bustransporte von Kindern zu solchen Demonstrationen; die Inszenierung von „spontanen Demonstrationen“ für eine optimale Berichterstattung in den Medien (und das Scheitern der Reporter, diese Demonstrationen als das, was sie sind, nämlich Inszenierungen, zu beschreiben). In den palästinensischen (und anderen arabischen) Medien gibt es auch endlose Hasstiraden gegen Juden und Israelis, die viele Korrespondenten und deren Redakteure sehen, die sie jedoch erstaunlicherweise als irrelevant für den nationalen Konflikt, über den sie berichten, betrachten.
Eigene Ansichten werden als Fakten verbreitet

Viele Medien verbreiten außerdem als Fakten, was eigentlich ihre eigenen Ansichten der politischen Fragen in diesem Disput sind. „Independent“ und CNN nennen z. B. die israelischen Siedlungen routinemäßig „illegal gemäß internationalem Gesetz“, obwohl diese Angelegenheit längst nicht geklärt ist. Die Nachrichtenagentur Reuters, deren Büro in Jerusalem von einem hohen Prozentsatz palästinensischer Journalisten besetzt ist, bezieht sich auf Gilo, ein Viertel, das in die Stadt Jerusalem eingemeindet wurde, als „Siedlung“ und kommt damit der radikal palästinensischen Meinung nach.

Reflektieren solche Dinge politische Voreingenommenheit? Journalistische Nachlässigkeit? Kenntnismangel des historischen Zusammenhangs, der dieser ganzen Kultur innewohnt? Einen zu kurzen Einblick in die bittere „andere Seite der Geschichte“? Oder soll die unausgewogene Berichterstattung internationaler Sendenetze, wie CNN und BBC, sogar dazu dienen, in arabische und moslemische Medienmärkte „vorzudringen“?

Das Weltbild der Journalisten dringt durch die Abendsendungen im Fernsehen und durch die Morgenausgaben der Zeitungen nach außen. Nachrichtenkonsumenten können nicht wissen, dass sie eine voreingenommene Geschichte bekommen – selbst wenn sie sich daran erinnern, dass jede Geschichte, die oft genug wiederholt wird, gleich der überhäufenden Werbung ihre Spuren in der öffentlichen Meinung hinterlassen wird.

Die Qualität der israelischen Aufklärungsarbeit

Doch es ist nicht nur der Fehler der anderen. Wenn Israel den ernst zu nehmenden zweiten Krieg der Berichterstattung durch die Medien verliert, so muss man auch die traurige Unzulänglichkeit seiner eigenen „Hasbara“ -seine Anstrengungen, die eigene Politik zu erklären- tadeln. Dies ist ein Problem, das seit vielen Jahren diskutiert wird, das man jedoch nicht effektiv angegangen ist.

Wenn sie fachsimpeln, dann singen ironischerweise sogar überzeugte, pro-israelische Journalisten Loblieder auf die PA. „Ein Edelstein in den Händen der Medien“, sagt David Bedein, dessen Agentur für Medienressourcen in Israel im allgemeinen dem israelischen Anrecht Geltung trägt. Bedein lobt besonders die Zugänglichkeit und Offenheit der PA.

Matthew Kelman, ein Korrespondent für USA Today, sagt über die PA, „es ist ein Vergnügen, sich mit ihr zu befassen. Ihre Amtsträger bieten Hilfe an, sie sind umgänglich, sie gewähren einfachen Zugang, sie sind freundlicher und herzlicher als die Israelis – und sie haben bessere Geschichten.“

Niemand sagt so etwas über den israelischen Medienapparat. Im Gegenteil, wenn das Mikrofon abgeschaltet ist, stimmen die Berichterstatter darin überein, dass Israel „keinen schlechteren Job“ an Aufklärung tun könnte, wie es jemand in Worte fasste.
Schlechtes und stockendes Englisch

„Die Sprecher wissen nicht, wie man in eine Kamera spricht“, sagt er ärgerlich, „sie haben schlechte Englischkenntnisse, sie erscheinen oft in Uniform, was den Anschein erweckt, als seien sie Teil des Problems, und sie benutzen bombastische, selbstgerechte Ausdrücke.“

Ein anderer nennt israelische Medien-Offizielle „stachelig“ und klagt: „Sie rufen nicht zurück, sie selektieren die Informationen, die sie geben, manchmal geben sie auch gar keine Informationen weiter, selbst, wenn sie sie haben.“

Ein dritter erzählt von einem sinnbildlichen Treffen mit einem Pressereferenten des Ministeriums, der sich weigerte, ihm Informationen für einen Artikel zu geben und für diese Weigerung eine entsprechende Anordnung des Gerichtshofes aufführte. Ein paar Tage später las er die Information in einer hebräischen Wochenzeitung. „Der Pressereferent wusste nicht einmal, dass diese Anordnung aufgehoben worden war“, schnaubte er.

Gründe für die Unwirksamkeit der israelischen Aufklärungsarbeit sind Budgetkürzungen, besonders bei der Pressestelle der Regierung; sture, interne Machtkämpfe zwischen dem Büro des Premierministers, der Pressestelle der Regierung und einzelnen Ministerien; Überarbeitung; Arroganz und schlichte Inkompetenz. „Israel realisiert diesen Effekt nicht“, seufzt ein Reporter.

„Unsere Geschichte zu verbreiten, ist sehr komplex. Deren Geschichte ist wesentlich einfacher zu handhaben“, protestiert der Medienchef des Premierministers, Rana’an Gissin. Er gibt zu, dass Israels Aufklärungsarbeit unter „technischen Problemen“ leidet, inklusive ungeeigneter Sprecher. Doch er verspricht, nun „schicke ich Leute, die etwas vermitteln können“ und er sagt, dass er weitere Änderungen vorgenommen hat, um Israels Position im Medienkrieg zu verbessern.

Das mag nicht genügen. Während die Pressestelle der israelischen Regierung jeden Presseausweis für einen neuen Journalisten debattiert und jeden Korrespondenten sich selbst überlässt, bieten die Palästinenser ein großes Netzwerk an Hilfe an, sagt Steven Rosenberg, Herausgeber des Boston Jewish Advocate.

„Wenn Hintergrundinformationen, Photos, Interviews und Kurzmitteilungen reichlich zur Verfügung gestellt werden“, weist Rosenberg auf, „ist das Leben eines Journalisten wesentlich einfacher.“ Solche Anleitungen können auch helfen, des Reporters Verständnis für die Ereignisse, über die er schreibt, in die eine oder in die andere Richtung zu formen.

Israels derzeitigem Außenminister Shimon Peres wird der berühmte Satz nachgesagt, dass eine gute Politik keine Hasbara braucht, während einer schlechten Politik mit Hasbara nicht geholfen werden kann.

Dies mag für eine perfekte Welt gelten. Was jedoch den Kampf im Medienkrieg betrifft, scheint Israel noch nicht realisiert zu haben, dass es nicht in einer perfekten Welt lebt.

(Dieser Text wurde ursprünglich für die Internetseite NahostFocus.de übersetzt)

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