Eine atemberaubende Theologie des Terrors beim Weltkirchenrat

This Ongoing War, 2. Januar 2017

Pfarrer Olav Fyske Tveit vom ÖRK (Bildquelle)

Wir haben mindestens ein gutes Dutzend Einträge dem gewidmet, was der Ökumenische Rat der Kirchen gesagt und getan hat (klicken Sie hier) und offen gesagt ist es schwer irgendetwas Positives über ihn zu sagen. Hier ist das jüngste Beispiel und der Grund dafür.

Gestern gab das Sekretariat des ÖRK, der seinen Sitz in Genf hat, den Medien gegenüber eine Stellungnahme zum Neujahrs-Massaker im Istanbuler Club Reina aus. Die Verantwortung für diese brutalen und grausamen Morde wurde heute von einer islamistischen Terrorgruppe [„The Latest: Islamic State claims Instanbul night club attack“, Associated Press, heute].

Hier die Erklärung des Rats:

ÖRK verurteilt Terroranschlag in Istanbul auf unschuldige Neujahr Feiernde | 1. Januar 2017 | Der Generalsekretär des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK), PFr. Dr. Olav Fykse Tveit, verurteilt den jüngsten Terroranschlag auf Menschen in Istanbul, die das neue Jahr feierten. Mindestens 39 Menschen wurden getötet und Dutzende weitere wurden verletzt, als ein einzelner Bewaffneter einen gedrängt vollen Nachtclub in Istanbul angriff… „Unschuldige Menschen leiden immer wieder. Das ist eine böse Tat. Dieser Anschlag schockiert besonders, erstens, weil es eine klare Absicht gegeben zu haben scheint gewollt Menschen zu treffen, die einfach den Neujahrstag genießen wollten“, sagte Tveit… „Angesichts dieser Brutalität, muss die Familie der Menschheit, alle Menschen voller Glauben und gutem Willen zusammenstehen, um sich wieder dem Respekt und der Fürsorge für einander, gegenseitigem Schutz und der Verhinderung solcher Gewalt zu verpflichten.“ Der ÖRK bietet den Trauernden und Verletzten sein tiefstes Beileid. Tveit sagte: „Gott, in deiner Gnade sei bei den Opfern und ihren Familien und denen die sie begleiten und ihnen helfen.“ (Online hier)

Die meisten verantwortungsbewussten Menschen werden zustimmen, dass es richtig ist, wenn eine höchst einflussreiche Religionsgruppe den Allmächtigen anruft sich auf die Seite der Opfer zu stellen. Es wäre unvorstellbar, dass Pfarrer Tveit die gegenteilige Sicht eingenommen und zu Mitgefühl für die mörderischen Barbaren von ISIS aufgerufen hätte.

Aber Moment.

Wir möchten aufzeigen, wie anders derselbe Herr Tveit sich in Bezug auf eine andere Ansammlung von Barbaren äußert, die, anders als die Täter des Barbarismus von Istanbul vor zwei Tagen, gefasst und in den meisten Fällen wegen Terrorvorwürfen vor Gericht gestellt und verurteilt wurden. In Bezug auf diese Barbaren drängte Herr Tveit die christlichen Gläubigen sehr öffentlich von seinem Büro aus, sie sollten für sie beten und ihnen auf praktische Weise zu helfen und keinen Gedanken auf die Dinge zu verschwenden, die diese Häftlinge getan haben, um weggesperrt zu werden.

Die Szene vor den Nachtclub Reina in Istanbul (Bildquelle)

Dieser widerliche Appell nach Mitgefühl für tatsächliche und verhinderte Mörder erweckte unsere Aufmerksamkeit im April 2014 [hier], das der ÖRK seine Gläubigen zur Solidarität mit dem aufrief, was er unaufrichtig so nantnte:

„rund 5000 palästinensische Männer, Frauen und Kinder, die in israelischen Gefängnissen schmachten“.

Zu ihren Gunsten sollten gläubige Mitglieder

„für alle Häftlinge beten, sie besuchen und sich um ihre Bedürfnisse kümmern, egal weshalb sie in Haft sind. In Israel und Palästina haben Häftlinge eine größere Bedeutung als in der Vergangenheit bekommen.“

Lassen Sie diese Worte einmal in ihrem Kopf herumgehen. „Egal, weshalb sie in Haft sind.“ Das lässt uns fragen, welche Art von boshafter falscher Theologie dieser Mann und seine Kohorten ausüben. Natürlich betrachten er und sie sich nicht als eine Art satanischer Kult, sondern vielmehr als

die breiteste und inklusivste der vielen organisierten Ausdrucksformen der modernen ökumenischen Bewegung, eine Bewegung, deren Ziel die Einheit der Christen sit. Der ÖRK bringt Kirchen, Konfessionen und kirchliche Gemeinschaften in mehr als 110 Ländern und Gebieten der gesamten Welt zusammen; er repräsentiert 500 Millionen Christen und darunter den Großteil der orthodoxen Kirchen, viele anglikanische, baptistische, lutherische, methodistische und reformierte Kirchen sowie viele unierte und unabhängige Kirchen. Zwar ist die Mehrheit der Gründerkirchen des ÖRK europäische und amerikanische Kirchen waren, kommen die meisten Mitgliedskirchen heute aus Afrika, Asien, der Karibik, Lateinamerika, dem Nahen Osten und dem Pazifik: Es gibt heut 348 Mitgliedskirchen. Für diese ist der ÖRK ein einzigartiger Ort: einer, in dem sie gemeinsam reflektieren, sprechen, handeln, beten und arbeiten können, einander herausfordern und unterstützen können, miteinander teilen und diskutieren können… [aus der Internetseite des ÖRK von heute]

Es spielt für Olav Fykse Tveit, den Vorsitzenden des ÖRK, einen gebildeten und kultivierten Mann auf einer Mission und ein norwegischer lutherischer Geistlicher, keine Rolle, dass viele der Häftlinge verurteilte Mörder sind, die zugaben unschuldige Menschen getötet zu haben. Zumeist unschuldige jüdische Menschen, sollten Sie sich bereits wundern.

Eine wie große Rolle spielte es, dass die meisten davon Terroristen sind, die keine Reue zeigen? Oder dass die palästinensisch-arabische Gesellschaft von ihrem Präsidenten Mahmud Abbas bis nach ganz unten sie alles als Helden umarmt, wie wir es diesem Blog Dutzende Male im Verlauf des letzten Jahrzehnts gezeigt haben? Die Antwort: kein Bisschen. (Zu den anderen Kommentaren, die wir damals abgaben, siehe: „Christliche Solidarität mit reuelosen Mörder: Wo bleibt die Empörung?“)

Also spielen wir mal „Was wäre, wenn“.

Wie hätte die Reaktion gestern in Istanbul ausgesehen – oder in Paris oder Brüssel oder Sydney – hätte der Leiter des Weltkirchenrats dazu aufgefordert

  • die Freiheit der Mörder von Istanbul wiederherzustellen
  • die Gerechtigkeit der Sache der Bewaffneten zu respektieren
  • die Würde der Schützen von Istanbul – die mit ihren leistungsstarken Waffen aus kürzester Entfernung auf die Feiernden im Nachtclub schossen – die Solidarität der gläubigen Christen gewinnen zu lassen.

Trauernde bereit die Beerdigung eines der Opfer des Massakers von Istanbul vor [Bildquelle]
Freiheit, Gerechtigkeit, Würde, Solidarität. Herr Tveit forderte seine Herde vor zwei Jahren auf alles davon über den Himmel zu Gunsten und Zuspruch für palästinensisch-arabische Häftlinge hinter israelischen Gittern anzusreben. (Volle Offenlegung: Mehrere der Verurteilten sind zufälligerweise die Mörder unserer 15-jährigen Tochter Malki. Also fehlt uns hier wohl eine gewisse wissenschaftliche Objektivität.)

Hätte er es gewagt seiner Kanzel in Genf eine solche Bitte zugunsten der Schützen und die Verschwörer von Istanbul vorzubringen? Die Antwort ist offensichtlich. Was er machte, kann er – und nur deshalb – tun, weil die Opfer des palästinensisch-arabischen Terrors die sind, die sie sind.

Mit der Zeit wird klarer, dass diese wichtige christliche Gruppe eine Theologie des Terrors und der Opferrolle entwickelt hat und propagiert, die schonungslos kritische Überprüfung verdient, unseres Wissens nach aber bisher nicht erhält.

Warum versuchen wir nicht den Standpunkt des Ökumenischen Rats der Kirchen zu bekommen? Das haben wir in der Tat versucht. Wie hier vermerkt kam die einzige substanzielle Reaktion, die wir selbst jemals bekamen (und wir haben uns sehr bemüht und das wiederholt) kam in Form einer persönlichen Note des damaligen Kommunikationsdirektors des ÖRK im Auftrag von Herrn Tveit, einem Mark Beach, der diesen Posten nicht länger inne hat. In einer E-Mail aus Genf an uns, datiert vom 5. Juni 2014, in der unsere Fragen und harten kritischen Kommentare angesprochen wurden, die ihm sein Chef weitergegeben hatte. Wir schrieben als Eltern eines wunderbaren 15-jährigen Kindes, das von den Strolchen ermordet wurde, für deren Würde zu beten die Christen des ÖRK aufgefordert wurden.

Anscheinend nicht allzu bewegt informierte und Herr Beach hilfreich:

„Ja, ich glaube, wir haben nichts weiter zu sagen.“

Und tatsächlich haben wie nie wieder etwas von ihm gehört. Der Hintergrund dazu ist hier [Angst und Abscheu beim Weltkirchenrat].

Wir sind verwirrt von der Vorstellung, dass religiös und moralisch gesonnene Christen das sehen können und trotzdem nicht danach rufen, dass die ÖRK-Führung die Treppe ihres außerordentlich gut ausgerüsteten schweizerischen Hauptsitzes hinunter, von ihren Kanzeln und auf die Straße geworfen wird.

2 Gedanken zu “Eine atemberaubende Theologie des Terrors beim Weltkirchenrat

  1. Ein nicht antisemitischer Luther müßte her. Von einem gewöhnlichen Christen zu erwarten, daß er sich wegen einer solch wichtigen Frage laut und sichtbar gegen seine kirchliche Obrigkeit stellt, ist zu viel verlangt. Sie sind noch nicht soweit. – Was die Führung des ÖRK betrifft: Mehrheitlich eine antisemitische Bagage. Das ist nicht sehr höflich, doch wahr.
    lg
    caruso

  2. Der lutherische Protestantismus ist das Problem! Wer hat denn Antisemitismus bei den Mittelstand und der Oberschicht vor 500 Jahren hoffähig gemacht? Bei den Katholiken war es meist nur die Unterschicht die sich an Pogromen beteiligte, wobei die Sicherheiten des Kaiser’s auch nicht wirklich Sicher wahren. Ich bin auch der Meinung das der deutsche, luherische Protestantismus die Shoa mit verschuldet hat.

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