Wir lehnen es ab den Hass zu wählen

Sherri Mandel, Jerusalem Post, 2. September 2003 (Link besteht nicht mehr)

Vorbemerkung: Bei diesem Text handelt es sich um ein Beispiel dafür, wie die Israelis mit ihren Erfahrungen des Terrors umgehen. Das wird in unseren Medien eigentlich nie gezeigt. Dieses Verhalten und diese Einstellungen finden wir auf der „anderen Seite“ nicht – dort haben wir ständig die Bilder der „Beerdigungen“, die eigentlich selten etwas anderes sind als Mordaufrufe. Diese Diskrepanz sollte der Öffentlichkeit auch langsam einmal bewusst werden.

Camp Koby and Josef, die mein Mann und ich in Folge der Ermordung unseres Sohnes schufen, betreibt Lager für hunderte israelischer Kinder, die Eltern oder Geschwister bei Terroranschlägen verloren oder die selbst verwundet wurden. In diesem Sommer haben wir fast 600 Kinder betreut, ihnen geholfen mit Freude weiterzuleben.

Unsere Lager bieten Kunst-, Musik- und Theater-Therapie mit besonders ausgebildeten Beratern und Mitarbeitern, die Heilungsbelange der Kinder fördern und sie lehren, dass Schmerz gefühlt, erlitten und geteilt werden kann. Unser Ziel ist es, Schmerz zu kanalisieren und verändern, damit die Kinder produktive, sprühende Bürger werden können.

In den meisten palästinensischen Sommerlagern steht die Philosophie in großem Gegensatz zu der unserer Lager. Wie die Jerusalem Post berichtete, lernen palästinensische Kinder im Sommerlager wie Soldaten zu kämpfen; die Lager ehren mit ihren Namen Terroristen, die Busse gesprengt haben; die Lager-Teilnehmer marschieren herum wie Guerillakämpfer und schwören Ergebenheit Israelis zu töten.

Ein Reporter hörte diese Kinder-Schlachtruf: „Wir wollen kein Mehl; wir wollen keine Sardinen; wir wollen Bomben.“

Inzwischen erklärte der Leiter eines Ausnahme-Lagers, das ausdrücklich als eines gegründet wurde, das palästinensischen Kindern keine Gewalt lehrt, dass er die Kinder statt dessen „Solidarität“ lehrt. Mit anderen Worten: es gibt immer noch eine politische Tagesordnung, selbst wenn Gewalt ausdrücklich nicht zum Programm gehört.

Als israelische Mutter, die ein Kind durch Terror verlor, weiß ich, wie groß die Trauer ist und wie viel Arbeit es bedeutet, mit dem Verlust fertig zu werden und ihn dort zu lassen, wo er von Liebe und Freundlichkeit umgeben ist. Der Schmerz ist einfach untragbar. Aber in meiner Arbeit mit über 150 israelischen Müttern in diesem Jahr, von denen alle Kinder oder Ehemänner durch Terror verloren, habe ich nur eine Hand voll von Wut reden hören.

Die Medien gehen davon aus, dass Israelis, die von Terror betroffen sind, voller Hass und Wut und Racheschwüren umher gehen. Das ist aber nicht wahr. Wir sind erfüllt von Traurigkeit und Verzweiflung. Aber diese Verzweiflung treibt uns nicht an zu hassen oder zu töten. Wir Juden verwandeln unseren Schmerz in Trauer und ein verzweifeltes Bedürfnis, damit klar zu kommen, persönlich zu wachsen und unserer Kinder zu gedenken.

Das ist die Botschaft, die wir unseren Kindern vermitteln.

Im Gegensatz dazu lehren viele Palästinenser ihre Kinder, ihren Schmerz in Wut und Rache zu verwandeln. Und obwohl viele sagen, dass die Palästinenser machtlos und verzweifelt und daher gezwungen sind, auf Rache und Gewalt zurückzugreifen, zeigte uns die kurzlebige Hudna, dass palästinensische Machtlosigkeit ein Ammenmärchen ist.

Die Palästinenser können ihre sogenannte Verzweiflung kontrollieren. Ihre Racheschwüre, ihr Hass ist gewählt. Und ihre Führer wählen weiter den Hass. Diesen Hass kann man offen ausgedrückt in den palästinensischen Sommerlagern finden.

Was eine Zeit unschuldigen Abenteuers sein sollte, wird statt dessen in eine Zeitspanne poliitischer und moralischer Indoktrination der schlimmsten Sorte manipuliert. Und es sind die Kinder, die manipuliert werden; mancher würde sagen: missbraucht werden.

Lagerlieder könnten als irrelevant abgetan werden; wenn aber die palästinensischen Kinder Hass-Lieder singen, sind das die Lieder, die die Herzen dieser Kinder für Jahrzehnte füllen.

Es gibt eine Kluft zwischen der israelischen und der palästinensischen Kultur; und während manche sie der Politik zuschreiben wollen, ist die tragische Wahrheit, dass keine politische Lösung die Flammen des Hasses dämpfen kann, die in der palästinensischen Gesellschaft gezündet worden sind. Dieser Hass sitzt zu tief, ist zu hartnäckig und zu sehr akzeptiert.

Wenige Journalisten wollen die Geschichte des palästinensischen Hasses angehen. Große Medien wie die „New York Times“ und die „Washington Post“ meiden unser Lager – vielleicht, weil es den tief verankerten Unterschied zwischen den beiden Kulturen entlarvt.

Israelis versuchen, ihre Trauer zu bearbeiten – die Palästinenser beuten ihre aus.

Unterschätze niemand die Macht des Schmerzes. Unbehandelte Trauer kann Jahrzehnte andauern. Die zynische Ausbeutung des Schmerzes – in Sommerlagern, Schulen und in den palästinensischen und internationalen Medien – ist einer der wichtigsten Hinderungsgründe jeden Friedensversuchs – und könnte das für weitere Generationen sein.

Die Israelis versuchen, mit ihrer Trauer klarzukommen. Die Palästinenser nähren sie, heizen sie an und verehren sie.

 

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