Israel ist nicht friedfertig

Jonah Goldberg, Jewish World Review, 5. November 2017

Nach einer von der Europäischen Union durchgeführten Umfrage, betrachtet eine Mehrheit der Europäer Israel als die größte Bedrohung des Weltfriedens. Und sie haben in gewissem Sinne Recht.

Man könnt auch sagen, dass die amerikanischen Gründerväter die Hauptbedrohung des Weltfriedens waren. Warum konnten sie nicht einfach weiter die tyrannische britische Herrschaft weiter ertragen? Das hätte so viele Dinge so viel einfacher gemacht.

Man könnte auch sagen, dass Sir Thomas More die größte Bedrohung des zivilen Friedens war, als er sich weigerte den König über Gott zu stellen.

Man könnte sagen, dass die Vampirjägerin Buffy die größte Bedrohung des Friedens in Sunnydale ist, weil sie es ablehnt Dämonen zu erlauben in böser Ruhe zu herrschen.

Gut, jetzt ist mein Punkt wohl klar: Nur, weil Entschlossenheit Spannungen schafft, heißt das noch nicht, dass diese Entschlossenheit falsch ist. Hätte Großbritannien sich geweigert, sich Hitler entgegen zu stellen, hätte es „Frieden“ geben können. Aber zu welchem Preis?

Israel ist nicht friedvoll, weil seine Nachbarn es nicht in Frieden leben lassen wollen. Israel weigert sich vernichtet zu werden, also gibt es da einen Konflikt.

Gleichermaßen weigert sich Amerika still zu halten, während andere unseren Untergang planen. Daher ist es nicht überraschend, dass Europäer glauben, Amerika sie die zweitgrößte Bedrohung des Weltfriedens. Na ja, wir sind auf einer Ebene mit dem Iran und Nordkorea. Es gibt hier eine nette Symmetrie. Weil wir die Besatzer des Irak sind, denken Europäer, wir hätten den Platz des Irak in der Achse des Bösen übernommen. Glauben vielleicht sie, dass das schon immer unser Plan war?

Na egal, Amerika ist der einzige Staat da draußen, der bereit ist Blut und Geld für die Sache des Weltfriedens zu opfern. Wir sind der Motor der Weltwirtschaft, wir sind der Hauptbürge für globale Stabilität und Sicherheit und wir sind das Vorbild zahlloser Nationen in zahllosen Bereichen – von Gesetzgebung über Politik bis zur Bildung. Wichtiger noch: Amerika begreift – sehr ähnlich den Briten im 19. Jahrhundert – dass solch eine delikate Maschinerie gewartet, wie auch gegen Saboteure geschützt werden muss. Der 11. September erinnert uns daran.

Oh sicher, die Europäer sorgen sich um den Frieden, aber sie glauben, er können durch Reden gewonnen werden. Ins einem wunderbaren Buch „Of Paradise and Power“ (Vom Paradies und der Macht) argumentiert der Historiker Robert Kagan, dass Amerika und Europa nicht länger eine gleiche Weltsicht teilen. Amerikaner glauben, dass der Gebrauch von Gewalt nötig ist, wenn Gewalt notwendig ist. Europäer glauben – zum großen Teil deshalb, weil sie die Möglichkeit des Gebrauchs von Gewalt nicht haben – dass Gewalt niemals nötig ist. Amerika ist vom Mars, Europa von der Venus, schreibt Kagan.

„Die Europäer haben etwas getan, das niemand je zuvor getan hat: Sie haben eine Friedenszone geschaffen, wo Krieg nicht in Frage kommt, absolut nie“, sagte Karl Kaiser, Leiter des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Angelegenheiten letztes Jahr im Vorfeld des Irak-Kriegs in der Chicago Tribune. „Die Europäer sind überzeugt, dass dieses Modell für andere Teile der Welt Gültigkeit hat.“

Kaisers rosige Version der Historie spiegelt perfekt die Irrealität der europäischen Sichtweise wider. Erstens haben die USA in Nordamerika den Frieden seit 1865 erhalten. Zweitens: Was ist mit dem Schlamassel im früheren Jugoslawien, das die meiste Zeit durch die 90-er Jahre anhielt und wegen dem immer noch US-Truppen dort sind, um den Frieden zu erhalten? Aber was auch immer, wir reden hier über Ansichten über die Welt, nicht über Fakten, würde ich sagen.

Aber zurück nach Israel. Viele der Verteidiger Israels waren mit Vorwürfen schnell dabei, die Europa-Umfrage enthüllte „nichts weniger als puren Antisemitismus“, um Natan Scharansky zu zitieren, einen Minister der israelischen Regierung.

Ich bin da nicht so sicher. Ich glaube natürlich, dass Antisemitismus ein wachsendes und reales Problem in Europa ist. Ich kann auch erkennen, wie die Jahrhunderte alte europäische Tendenz, Juden als „Unruhestifter“ und „Problembereiter“ zu betrachten, wenn diese sich verteidigen, bei der europäischen Einseitigkeit gegen Israel eine Rolle spielen. Aber ich denke, dass Antisemitismus hier letztlich nur ein Teil der Sache ist.

Israel hat eine Weltsicht, die – notwendigerweise – die Notwendigkeit von Gewalt sogar noch besser versteht als Amerika. Israels Nachbarn betrachten die Ermordung kleiner Kinder und alter Frauen als Grund zum Feiern. Nur ein kleines Beispiel: Eine kürzliche Umfrage unter Palästinensern ergab, dass 59 Prozent von ihnen wollten, dass der Terror gegen Israel selbst nach der Gründung eines palästinensischen Staates fortgesetzt wird.

Aber Europäer legen in ihrer herablassenden Haltung und Arroganz bei den Arabern nicht die gleichen Maßstäbe an wie bei den Israelis. Erinnern Sie sich, dass ein schwedischer Beamter den Schimon Peres den Friedensnobelpreis aberkannt sehen wollte, aber keinen Grund sah, dass Arafat den seinen abgeben sollte?

Die Europäer betrachten die Israelis als Mit-Westler; und sie können ihnen nicht vergeben, dass sie nicht dem Beispiel Europas folgen, Meinungsverschiedenheiten bei flüssigem Käse und Mineralwasser in schicken Hotels zu regeln. Die Wahrheit ist, das die Israelis nichts lieber tun wollen. Aber nicht, wenn das Gequatsche bei Brie nichts als ein Vorwand für seine Vernichtung ist. Also wählen sie die Selbstverteidigung. Sie mögen dabei Fehler machen, aber man kann kaum von ihnen erwarten, dass sie im Namen des Weltfriedens einfach Selbstmord begehen.

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Ein Gedanke zu “Israel ist nicht friedfertig

  1. Die Pädagogik die hinter dem Verhalten steckt ist eigentlich gut zu verstehen. Man muss nur wollen. Niemand hat das Recht Israel zum Selbstmord zu reizen. Jeder hätte die Möglichkeit von Israel zu lernen wie man wohl zum Frieden mit ihnen kommen kann. Nämlich dann wenn wir es nicht behindern. Dabei kommt etwas ganz erstaunliches zu Tage. Je mehr Frieden wir von der dargebotenen Hand annehmen desto friedfertiger wird man selbst. Unsere Friedfertigkeit hilft Israel daran zu glauben, dass es in Wahrheit unentbehrlich für uns ist. Gott sei dank gibt es Israel. Bitte Israel gib nicht auf. Dein Geheimnis ist für die Welt nur deshalb ein Rätsel, weil deine Weisheit so menschlich verpackt ist. Was wir falsch machen ist dies: Wir kapieren nur so langsam dass Gott im Schwachen mächtig ist. Wir bilden uns ein das Recht zu haben seine Schwächen anzugreifen, anstatt die eigene Schwäche zu sehen. Wie ist das nochmal mit dem Splitter im Auge? Ach ja, der macht uns blind! Je mehr ich meine eigenen Defizite anerkenne, desto friedfertiger werde ich. Das habe ich von Israel gelernt.
    Ich habe es als sehr friedfertig erlebt. Ich verneige mich vor dir. Lasse dich nicht jagen. Ruhe ganz in dir.Und wer dich aus der Ruhe bringt der wird schnell deine Tatzen spüren. Merke: störe niemals einen Löwen in seinem Revier. Das gilt speziell für den Löwen von Juda. Respekt ist der Anfang zum Frieden.

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