Verfolgt sie bis nach Damaskus

Nissan Ratzlav-Katz, Israel National News, 12. November 2003

Sie zwangen den Feind zur Flucht. Sie plünderten die Ausrüstung des Feindes und das Beutegut nach allen Regeln der Kunst. Dann nahmen sie Geiseln.

Als der jüdischen Führung bekannt wurde, dass Verwandtschaft gefangen genommen wurde, wurde eine Entscheidung gefällt. Nein, nicht zu sehen, was zur Freilassung der Gefangenen verhandelt werden konnte. Nein, nicht das Rote Kreuz oder die Deutschen herbeizurufen, um Kontakt mit den Entführern herzustellen. Und nein, nicht sitzen zu bleiben und zu warten, in der Hoffnung, dass irgendwie Informationen über das Schicksal der Geiseln angeboten würden.

Statt dessen traf die jüdische Führung sofort eine Entscheidung, tief im Feindgebiet einen Zangenangriff bei Nacht mit mehr als 300 Mann zu führen, um die Geiseln zu befreien. Der Stoßtrupp war mehr als erfolgreich. Die Geiseln wurden befreit, das Eigentum wurde zurückgegeben und die Feindkräfte zur Flucht Richtung Damaskus gezwungen.

Ein Journal der Ereignisse berichtet wie folgt darüber: „Er jagte nach bis nach Dan. Und nachts teilte er ‹und fiel› über sie her, er und seine Knechte, und schlug sie und jagte nach bis nach Hoba, das links von Damaskus liegt. Und er brachte die ganze Habe zurück; und auch Lot, seinen Neffen, und dessen Habe brachte er zurück und auch die Frauen und das Volk.“

Inzwischen sollte natürlich klar sein, dass die fragliche „jüdische Führung“ der biblische Patriarch Abraham ist – oder Abram, wie er damals noch genannt wurde – und der beschriebene Vorfall die Entführung und Rettung seines Neffen Lot ist, während der Schlacht der vier Könige gegen die fünf Könige (1. Mose/Genesis 14,1-24; Lekh Lekha, letzte Woche in allen Synagogen der Welt gelesen).

Und wie mit allen Geschichten der Bibel ist diese lehrreich für die heutigen jüdischen Führer. Insbesondere für die, die sich einer Situation gegenüber sehen wie der verhandelten Erpressung durch die Hisbollah-Mafia im Libanon.

Heutzutage erwarten wir von Ariel Scharon nicht, wie Abraham die Soldaten selbst in die Schlacht zu führen – obwohl er das einst sehr fähig tat –, aber wir können eine abrahamische Lösung erwarten, nicht mit den Terroristen zu verhandeln. In diesem Stil sollten sich Verhandlungen mit der Hisbollah nicht auf der Freilassung dieses oder jenes Terroristen im Austausch für diese oder jene kleine Information oder Geisel konzentrieren. Solches Gerede erhöht nur die Motivation arabischer Terroristen Israelis zu entführen, da es eine recht ansehnliche Belohnung für solche Handelsware und praktisch keine operationellen Kosten gibt.

Stattdessen muss die israelische Regierung, um den Hisbollah-Entführungen ein Ende zu bereiten, unzweideutig erklären: „Wir haben die Verhandlungen mit der Hisbollah beendet, da die libanesische Terrorbande sich als unfähig zu Veränderung erwiesen hat – sie versuchten erst letzte Woche eine weitere Entführung. Daher verlangen wir nun die unverzügliche Freilassung von Elchanan Tennenbaum und die sich ihrem Besitz befindlichen Leichen unserer Soldaten, sonst werden wir die gezielten Tötungen von Hisbollah-Führern überall und an jedem Ort aufnehmen, dazu die nicht so genaue Bombardierung libanesischer Dörfer, die sich unter der Kontrolle der Hisbollah befinden. Wir kündigen das nur an, um den südlibanesischen Zivilisten eine Gelegenheit zur Flucht zu geben. Nasrallah, du hast 24 Stunden unsere Forderungen zu erfüllen, sonst wird beginnen, was wir ‚Operation unerledigte Geschäfte’ nennen.“

Es gibt solche, wie Außenminister Silvan Schalom, die darauf bestehen, dass die Nichterfüllung der Hisbollah-Erpressung die Entführung weiterer Israelis zur Folge haben könnte, da Hisbollah versucht, den Preis für Israel zu erhöhen. Natürlich benutzte Schalom nicht genau diese Sprache. Die Logik diktiert allerdings, dass, wenn Israel angesichts von Erpressung standhaft bleibt und statt dessen die Erpresser einen hohen Preis für ihre Torheit zahlen lässt, sie dann gezwungen sein werden zu begreifen, dass es für die Entführung von Israelis keine erpresserischen Gewinne gibt.

Dann gibt es allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass Hisbollah sich entscheidet andere Taktiken anzuwenden – wie die Bombardierung israelischer Städte oder das Eindringen aus dem Südlibanon. Aber wenn Israel Verhandlungen über Geiseln zustimmt, weil es Katjuscha-Angriffe auf Nahariya fürchtet, dann hat Nasrallah einmal mehr praktisch mehr nicht nur Tennenbaum als Geisel genommen, sondern den gesamten Staat Israel.

Aus demselben Grund muss die Drohung gegen Hisbollah völlig unproportionale Vergeltung für ihre Geiselnahmen sein und eine klare Erklärung, dass kein Staat, auch nicht Syrien, davor immun ist.

Der jüdische Wert andererseits, der die israelische Bereitschaft unterstreicht, hunderte Terroristen freizulassen, um eine israelische Geisel zu erlösen und drei tote Soldaten, ist, Alles in Allem, ehrenwert. Der Geisel-Deal wird von dem moralischen Imperativ motiviert, alles in der eigenen Kraft stehende zu tun, um die Freilassung Gefangener zu erreichen.

Während 2.000 Jahren im Exil, als geknechtete Minderheit, bedeutete die Umsetzung dieses jüdischen Wertes in Handlung im Allgemeinen eine Art von Zahlung an einen feudalen Lehnsherrn. Jetzt aber, als unabhängiger Staat, muss die Umsetzung dieses Wertes in Begriffe stattfinden, die unserem Vorvater Abraham verständlicher sein sollte; in Begriffe, die Yoni Netanyahu, der Held des Entebbe-Einsatzes von 1976, absolut gut verstehen würde.

Kurz gesagt: keine Verhandlungen mit Terroristen; verfolgt sie bis nach Uganda und Damaskus, oder weiter.

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