Trump packt drei echte Probleme an

ManfredGerstenfeldManfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Durch die Bloßstellung der Einseitigkeit der amerikanischen Medien, des muslimischen Terrorismus und der Scheinheiligkeit Europas zieht US-Präsident Trump die Aufmerksamkeit auf drei wichtige Themen, die angegangen werden sollten. Aus vielen Richtungen wird reichlich auf ihn geschossen. Nur ein Teil davon kommt von Leuten, die noch nicht verdaut haben, dass Barack Obama nicht länger US-Präsident ist. Allerdings sollte sich Trump als demokratisch gewählter Präsident auch nicht so verhalten – nicht einmal ungewollt – als glaube er an Mussolinis Anspruch „Viel Feind, viel Ehr‘.“

Die drei echten Probleme, die Trump angeht, haben allesamt Einfluss auf Juden oder Israel. Was führende Medienorganisationen angeht, so verzerren einige von ihnen die Wahrheit gewaltig. Wer die Publikationen der Medienwatch-Organisation CAMERA[1] über die Jahre verfolgt, der sieht, wie die New York Times regelmäßig antiisraelische Einseitigkeit sowohl in ihren Nachrichten als auch ihren Kommentaren zum Ausdruck bringt.

In einem Interview beschuldigten die beiden ranghohen CAMERA-Analysten Ricki Hollander und Gilead Ini die Zeitung interessegeleiteten Journalismus zu betreiben. Sie sagten: „Sowohl ihre Redaktionsseiten als auch die Nachrichten-Berichterstattung neigen sich stark in eine antiisraelische Perspektive… die NYT vergiftet die öffentliche Meinung gegen Israel, indem sie die Wahrnehmung des jüdischen Staates als verantwortlich für viele, wenn nicht die meisten der Missstände der Region formt. Sie tut das mit zweierlei Maß in der Berichterstattung über Israel im Vergleich zu seinen Feinden und indem nur die halbe Geschichte erzählt wird. Sie säubert die Rolle der Gegner Israels, einschließlich der Terrororganisationen; auf Schritt und Tritt klagt sie Israel an.[2]

Würde Trump auf den Rat eines Strategen hören, dann griff er nicht alle Medien auf einmal an. Stattdessen würde er einen erfahrenen Medienbeobachter damit beauftragen die Einseitigkeit der New York Times zu analysieren und regelmäßig Beispiele davon zu zitieren. Das wäre weit überzeugender als ein allumfassender Angriff auf die Medien. Die anderen Medienorganisationen würden keine Solidarität mit der NYT zeigen, denn warum sollte man die Einseitigkeit von jemandem stärken, wenn er angegriffen wird? Alle Angriffe auf eine einzige Zeitung zu konzentrieren, indem man regelmäßig Beispiele davon liefert, ist für die Öffentlichkeit weit überzeugender als generell Angriffe auf die Medien zu verteilen. Die NYT zu bestrafen, zum Beispiel indem man sie von den Pressekonferenzen des Weißen Hauses ausschließt, würde dann auch von vielen als gerechtfertigt betrachtet.

Ein zweites wichtiges, von Trump aufgebrachtes Problem ist der beträchtliche Terrorismus, der aus Teilen der muslimischen Gesellschaften kommt. Doch einmal mehr ist die Herangehensweise zum Umgang mit diesem wichtigen Thema ungeschickt. Mit etwas professioneller Unterstützung hätte zum zeitlich beschränkten Einreiseverbot für Menschen aus einigen Ländern vorab erklärt werden können, dass es Inhaber von Green Cards, Bürger mit doppelter Staatsbürgerschaft, diejenigen, die dem US-Militär geholfen haben und ein paar anderen Kategorien aus den betreffenden Ländern nicht betrifft. Der Kern dessen, was von den USA erreicht werden sollte, besteht darin, mit so wenig innenpolitischen Protesten wie möglich nicht nur potenzielle Terroristen aus dem Ausland draußen zu halten, sondern auch Hassverbreiter. Da Richter die Maßnahmen der Administration für verfassungswidrig erklärt haben, liegt die Lösung vermutlich bei besserer individueller Überprüfung.

Es wäre sehr ratsam, einreisende Ausländer zukünftig weiteren, verbesserten Sicherheitsüberprüfungen zu unterziehen, einschließlich einer Untersuchung auf Antisemitismus.[3] Trump hat das während seines Wahlkampfes als eine Möglichkeit vorgeschlagen und jüdische Organisationen sollten ihn darin unterstützen. Lag Trump falsch, als er twitterte „unser Land braucht starke Grenzen und drastische Überprüfungen und zwar jetzt“? Das hätte den 9/11 vielleicht verhindert. Er beendete sein Argument damit, dass er zurecht sagte, es gebe in Europa ein entsetzliches Chaos.[4]

Was uns zum dritten Thema bringt, das Juden tangiert. Trump begreift, dass die Europäische Union viele Jahre lang zu verschiedenen wichtigen Themen eine Politik betrieben hat, die das Gegenteil seiner Politik ist. Gibt es für Trumps Politik etwas noch Fremdartigeres, als die deutsche Haltung der offenen Tür gegenüber Flüchtlingen, die im September 2015 begann? Nur ein Teil dieser Einreisenden wurden von den deutschen Behörden registriert. Hunderttausende kamen ohne jegliche Registrierung herein.

Trump will starke Vereinigte Staaten, die nicht durch die Opposition europäischer Masochisten geschwächt werden. Die massive europäische Kritik am US-Einreiseverbot, die nur in Teilen gerechtfertigt ist, bietet weiteren Belegt dafür, dass man im Kampf gegen den Terrorismus nicht allzu sehr auf ein halbherziges Europa zählen kann. Die wahllose Immigrationspolitik der westeuropäischen Länder hat zu einem gewaltigen Zustrom an Antisemiten, hauptsächlich aus arabischen Ländern, geführt.

Es war kaum eine Stimme zu hören, die den europäischen Kritiker-Brigaden widersprach. Der italienische Außenminister Angelino Alfano sagte der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera, was Trump macht, liege nicht auf der Linie italienischer Politik; dennoch „hat Trump in seinem Wahlkampf gewisse Äußerungen getätigt. Auf dieser Grundlage hat er die Wahl gewonnen. Heute führt er aus, was er gesagt hat. Er macht nichts anderes als das zu tun, was er versprochen hat.“

Alfano fügte an: „Europa sollte nicht annehmen, dass es sowohl inkompetent mit dem Steuern der Immigrantenfrage umgehen und gleichzeitig für seine Beurteilungen respektiert werden kann. Es befindet sich nicht in einer Position, dass es Meinungen zu Entscheidungen anderer äußern kann. Oder wollen wir vergessen, dass auch in Europa Mauern gebaut worden sind?“[5]

Die Israelis verstehen sehr wohl, welche Wahrheit Alfano da äußerte. Die EU behauptet zu wissen, was Israel bezüglich der Palästinenser tun sollte, wobei es manchmal zweierlei Maß anwendet, was der Kern von Antisemitismus ist. Gleichzeitig befindet sich die EU in einer großen Krise: Indem er darauf besteht, dass die Europäer anfangen beträchtlich mehr für Militärisches auszugeben – statt die Schmarotzer der Vereinigten Staaten zu sein – könnte Trump durchaus Europa vor sich selbst retten.

Den Medien, muslimischem Terrorismus und europäischer Scheinheiligkeit die Stirn zu bieten sind allesamt Felder, auf denen Trump einen wichtigen Beitrag leisten kann, um westliche Werte hochzuhalten, wenn er auf übertriebenen Sprachgebrauch verzichtet, mit dem alle guten Punkte, die er anführt, verloren gehen würden. Juden und Israel werden von seinem möglichen Erfolg profitieren. Man kann nur hoffen, dass Trump im Umgang mit diesen hoch problematischen Themen professioneller wird und sich nicht verzettelt, indem er noch mehr Themen einbringt, wegen denen es Streit gibt.

[1] http://www.camera.org/

[2] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/15413

[3] http://www.algemeiner.com/2016/09/22/trump-is-right-ban-antisemitic-immigrants-from-the-united-states/

[4] https://twitter.com/realDonaldTrump/status/825692045532618753

[5] http://www.corriere.it/politica/17_gennaio_30/alfano-quest-europa-non-puo-b5ea470a-e667-11e6-84c1-08780d9999f1.shtml

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