Der Ölberg in Jerusalem: Warum fortgesetzte israelische Kontrolle unerlässlich ist

Nadav Shragai, Jerusalem Center for Public Affairs, Jerusalem Viewpoints Nr. 572 (Juli/Augus 2009)

Zusammenfassung:

  • Der jüdische Friedhof auf dem Ölberg, von dem die Palästinenser verlangen, dass er ihrer Kontrolle übergeben wird, ist der wichtigste jüdische Friedhof der Welt. Das Areal hat im Verlauf von 3.000 Jahren ein religiöses und nationales Pantheon des jüdischen Volkes und des Staates Israel dargestellt; es beinhaltet die Gräber der berühmten Toten der Nation und dient seit der Zeit des antiken Tempels und schon davor als Ort jüdischer Versammlung und jüdischen Gebets.
  • Unter jordanischer Herrschaft war jüdischer Zugang und die weitere Beerdigung von Juden auf dem Berg verboten, trotz der ausdrücklichen Verpflichtung Jordaniens im israelisch-jordanischen Waffenstillstands-Abkommen von 1949 beides zuzulassen. Während der Zeit der jordanischen Herrschaft wurde der Friedhof zerstört und entweiht; 38.000 seiner Grabsteine und Gräber wurden in Stücke geschlagen.
  • Nach der Wiedervereinigung Jerusalems wurden die Begräbnis-Zeremonien auf dem Berg wieder aufgenommen und große Bereich des Friedhofs wurden saniert. Trotzdem sind die Versuche von Palästinensern den Friedhof zu beschädigen nicht ganz abgeflaut und es hat regelmäßig Angriffe auf jüdische Trauernde gegeben, die ihre Toten bei der Beerdigung begleiteten.
  • Frühere israelische Regierungen, die einverstanden waren Arrangements mit den Palästinensern in Jerusalem zu diskutieren, wiesen deren Forderung zurück den Ölberg unter PA-Souveränität und -Kontrolle zu geben. Dennoch waren diese Regierungen bereit der Übergabe von Stadtvierteln zuzustimmen, die die Zugangswege zum Berg kontrollieren. Sollte irgendeine solche Vereinbarung in der Zukunft umgesetzt werden, könnte sie die Freiheit des Zugangs zum Friedhof und die Fortsetzung jüdischer Beerdigungen dort gefährden.
  • In jedem zukünftigen Arrangement musst Israel, um die Fortsetzung jüdischer Beerdigungen auf dem Berg zuzulassen, den freien Zugang zum Friedhof durch die Kontrolle der Arterien, die zu ihm hinführen, garantieren, einschließlich der Bereiche, die an ihn angrenzen. Bei den bisherigen Gelegenheiten, zu denen Israel Gebiete in die Kontrolle die Palästinenser übergab, zu denen jüdische heilige Stätten gehörten, haben die Palästinenser den Zugang zu diesen Orten für Juden stark behindert oder verweigert.

Der Ölberg als jüdische Stätte für Versammlung und Gebet

Der Ölberg trennt die Judäische Wüste im Osten von der Stadt Jerusalem. Die Olivenbäume, die den Berg in der Vergangenheit bedeckten, haben ihm seinen Namen gegeben. Ein alternative Name für den Berg werden in Talmud und Midrash zitiert als Berg der Salbung, benannt nach dem aus den dort wachsenden Oliven hergestellten Salböl zur Salbung von Königen und Hohepriestern.

Noch bevor er ein jüdischer Friedhof wurde, erfüllte der Ölberg eine Rolle als Ort des Gebets, noch vor dem Bau des Tempels.1 König David warf sich gewöhnlich dort nieder und er kennzeichnete ihn als Ort des Gebets.2

Jüdische Kommentare berichten, dass die Herrlichkeit Gottes dreieinhalb Jahre auf dem Ölberg Wohnung nahm, nachdem sie den Ort des Tempelbergs in der Erwartung verließ, dass das jüdische Volk Reue zeigen würde. Die Propheten Sacharia und Hesekiel prophezeiten, dass sie von dort an ihren eigentlichen Platz im Tempel zurückkehren würde.3

Die Zeremonie der Roten Kuh wurde auf dem Ölberg vollzogen. Asche der jungen Kuh wurde während der Tempelperiode und danach genutzt, um die zu reinigen, die durch den Kontakt mit den Toten unrein waren. Eine Staffel aus Feuern, die auf dem Ölberg begann, informierte die Juden des Landes Israel wie auch die in der Diaspora lebenden Juden, dass der Neumond geweiht war. Nach der Zerstörung des Tempels wurden der den Tempelberg und den Ort des zerstörten Tempels überragende Ölberg zur Pilgerstätte und Treffpunkt für Gebet und Versammlung; die Funktion behielt er in dieser Art über viele Jahrhunderte hinweg.4 Jüdische Quellen vermerken besonders die Pilgerfahrt zum Ölberg beim Laubhüttenfest und an Hoschanna Rabe (dem siebten Tag es Laubhüttenfestes), wie auch am Sabbat und an Wochentagen.5 Die jüdische Tradition besagt, dass die Taube, die Noah am Ende der Flut den Ölzweig brachte, vom Berg der Salbung kam.6

Der jüdische Friedhof auf dem Ölberg

Der jüdische Friedhof auf dem Ölberg ist der größte und wichtigste jüdische Friedhof der Welt; er erstreckt sich östlich des Tempelbergs über 250 Dunam (ca. 25 ha) und stellt praktisch ein nationales und religiöses Pantheon des jüdischen Volkes dar, das die Gräber der berühmten Toten der Nation aus 3.000 Jahren beherbergt. Die Großen des jüdischen Volkes und des Staates sind hier beerdigt, Schaffende aus allen Gesellschaftsschichten: Rabbiner und dynastische Führer, die Propheten Haggai, Sacharja und Maleachi, Davids Sohn Absalom, Rabbi Obadia von Bartanura (Kommentator der Mischna), Rabbi Haim ben Atar (der Orah Hayyim) und Rabbi Shalom Sharabi (der Rashash). Zu den weiteren gehören Pinhas Rutenberg, Gründer der Israel Electric Company; der bekannte Dichter Uri Zvi Greenberg; Eliezer Ben Yahuda, der die hebräische Sprache wiederbelebte; die Rabbiner der chassidischen Dynastien Sadigora, Gur und Nadborna; die Gründerin der Hadassah, Henrietta Szold; intellektuelle Riesen wir Prof. Ephraim Orbach; der verehrte Oberrabbiner Abraham HaCohen Kook; Menachem Begin, sechster Premierminister Israels und Friedensnobelpreisträger; Moshe Yoel Salomon, einer der Bauherren Jerusalems Ende des 19. Jahrhunderts und Gründer von Petach Tikva; und eine Unzahl einfacher jüdischer Menschen aus den jemenitischen, bucharischen, georgischen, aschkenasischen, chassidischen, babylonischen und Jerusalemer Gemeinden. Alle zusammen bilden das historische Rückgrat des jüdischen Volkes.7

Der Ölberg (der auch in christlichen und muslimischen Tradition heilig ist) wird in den Visionen des Propheten Hesekiel und den Prophezeihungen Sacharjas erwähnt; ihm werden besondere Heiligkeit und Qualitäten zugeschrieben, die die dort Beerdigten am Tag der Auferstehung von den Toten von der „Trennung der Seele im Grab“ und der „unterirdische Reise nach Jersualem“* befreit.

Die jüdische Tradition berichtet, dass der Beginn des Auferstehungsprozesses am Ende der Tage auf dem Ölberg beginnen wird, wie die jüdischen Propheten es vorhersagen. Viele Juden glauben, dass diejenigen, die auf dem Berg beerdigt sind, die ersten sein werden, die zum ewigen Leben auferstehen werden.8 Die Juden Jerusalems schicken üblicherweise Erde vom Ölberg in Beuteln an jüdische Gemeinden in der Diaspora und Juden außerhalb Israels verteilen diese Erde auf den Gräbern ihrer Lieben.

Es gibt auf dem Berg zwölf verschiedene Beerdigungsorte. Die Verstorbenen waren insbesondere Bewohner Jerusalems, es gehörten aber auch solche dazu, die außerhalb der Stadt wohnten und außerhalb der Grenzen Israels, die ihre Beerdigung dort wünschten.

Die vier bedeutendsten Beerdigungsstellen auf dem Berg sind:

  • Der historische sephardische Beerdigungsbereich, wo alle Juden Jerusalems aus allen Gemeinschaften seit Beginn des vierzehnten Jahrhunderts bis 1856 beerdigt wurden. Nach diesem Datum wurden nur Juden aus orientalischen Gemeinden dort beerdigt. Fast alle jüdischen Berühmtheiten Jerusalems aus den orientalischen Gemeinden, die bis zum Unabhängigkeitskrieg 1948 in der Stadt lebten und arbeiteten, wurden in diesem Gelände beerdigt.
  • Die meisten aschkenasischen Juden wurden ab 1856 bis zum Unabhängigkeitskrieg auf dem Friedhof der General Burial Society beigesetzt, die von den Peruschim (den Gegnern der Chassidim) gegründet wurde. Sie ließen auch die Beerdigung von Personen zu, die keine Perushim waren. Nach dem Sechstagekrieg wurden viele andere dort beerdigt, darunter Menachem Begin und seine Frau Aliza.
  • Zum Friedholf der Chassidim gehören die Beerdigungsflächen einer Reihe von chassidischen Beerdigungsgesellschaften. Beerdigungen auf diesem Friedhof begannen 1856 und gingen bis zum Unabhängigkeitskrieg weiter. Alle dort begrabenen Verstorbenen waren Mitglieder der chassidischen Kammern Jerusalems und einige wenige dynastische Rabbiner.
  • Fast 5.000 Verstorbene, überwiegend aus Jerusalem, wurden in den Jahren 1939-1948 in dem Teil des Friedhofs beerdigt, der der General Burial Society gehörte.

Neben den vier großen Beerdigungsbereichen, die den größten Teil des Gebiets des Ölbergs abdecken, gibt es acht zusätzliche kleine Beerdigungsgebiete, die allgemein der orientalen Gemeinschaft gehören.

Jüdische Beerdigungen auf dem Ölberg begannen, als Jerusalem in der Zeit von König David (ca. 1.000 vor unserer Zeitrechnung) zur Hauptstadt des jüdischen Volkes gemacht wurde.

Die ältesten Grabhöhlen auf dem Ölberg befinden sich im Bereich des derzeitgen arabischen Dorfes Silwan und stammen aus biblischer Zeit. Der Carta Guide to the Mount of Olives berichtet, dass Beerdigungen auf dem östlichen Kamm gegen Ende der Zeit des ersten Tempels (im achten bis sechsten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung) zunahm, durch die gesamte Zeit des zweiten Tempels weiter ging und sich dann ausdehnte und auch den Skopusberg erreichte. Am Ende der Zeit des zweiten Tempels (circa 70 unserer Zeitrechnung) wurde der östliche Kamm des Ölbergs zu einem gigantischen Beerdigungsareal mit vielen Grabhöhlen, die sich über die Gärten und die Olivenhaine verteilten. Von der Vielzahl der Grabhöhlen aus dieser Zeit sind aber nur sehr wenige übrig geblieben. Die meisten wurden geplündert.

Historische Quellen berichten, dass in den Zeiten der Araber, Kreuzfahrer und Mameluken jüdische Beerdigungen auf den südlichen Hängen und östlich des Tempelbergs stattfanden. Im 16. Jahrhundert, mit Beginn der ottomanischen Herrschaft, kehrten die Juden jedoch dazu zurück ihre Toten auf Teilen des Ölbergs zu begraben.9

Der Ölberg unter jordanischer Herrschaft

Am Vorabend des Unabhängigkeitskrieges Israels im Jahr 1948 gab es auf dem Ölberg rund 60.000 Gräber. Als von den Arabern die Feindseligkeiten gegen die jüdische Gemeinschaft anfingen, riskierten die Juden ihre Leben, um weiterhin ihre Toten auf dem Berg zu begraben. Als die Gewalt intensiviert wurde, waren sie allerdings gezwungen im westlichen Teil der Stadt „vorläufige“ Friedhöfe anzulegen.10

Jordanien hatte sich im Rahmen des von ihm am 3. April 1949 unterschriebenen Waffenstillstands mit Israel verpflichtet „freien Zugang zu den heiligen Stätten und kulturellen Institutionen und die Nutzung der Friedhöfe auf dem Ölberg“ zu gewähren,11 kam dieser Verpflichtung aber nicht nach.12

Ende 1949 berichteten israelische Aussichtsposten auf dem Zionsberg, dass arabische Einwohner damit begannen die Grabsteine auszugraben und das Land der Friedhöfe zu pflügen.13 Die Zerstörung der Friedhöfe ging im Verlauf der 19 Jahre weiter, die die Jordanier über Ostjerusalem herrschten. Vier Straßen wurden durch die Friedhöfe gebahnt,14 wobei auch die Gräber von berühmten Personen zerstört wurden. Skelette und Knochen wurden verstreut.15 Grabsteine wurden als Pflastersteine für Straßen im jordanischen Armeelager Azariya, östlich von Jerusalem benutzt. In Azariya wrude eine aus Grabsteinen gebaute Telefonzelle gefunden; jüdische Grabsteine wurden auch als Bodenbelag für Latrinen benutzt. Ausgegrabene Grabsteine wurden auch für militärische Stellungen der Jordanier rund um die Stadt genutzt. Sowohl die neueren Bereiche als auch die historischen Gräber, einige davon tausend Jahre alt, wurden zerstört.

Eine Tankstelle und andere Gebäude, darunter das Hotel Intercontinental, wurden auf historischen Gräbern errichtet. Israel versuchte die Aufmerksamkeit der Welt darauf zu richten und internationale Institutionen wegen der laufenden Zerstörung zu alarmieren, aber vergeblich. 1954 protestierte Israel bei den Vereinten Nationen wegen der Zerstörung von Gräbern und des Pflügens in dem Gebiet. 1956 versuchten die Jordanier eine neue Straße durch die Friedhöfe zu bahnen; Israel reichte Beschwerde ein und die Arbeit wurde gestoppt. Im Juli 1963 berichteten israelische Aussichtsposten wieder, dass jordanische Soldaten Grabsteine zerstörten. Nachdem das Gelände 1967 befreit wurde, wurden etwa 38.000 zerschlagene oder beschädigte Grabsteine gezählt.16 Die langsame Sanierung des Berges und der Grabsteine ist bis heute weiter gegangen und jüdische Beerdigungen dort wurden wieder aufgenommen.17

Die Zeit der israelischen Herrschaft

Die erneuerte jüdische Präsenz auf dem Ölberg garantiert die Wiederherstellung geregelter Beerdigungen auf dem Gelände. Trotzdem haben Beschädigungen jüdischer Grabsteine und Angriffe auf jüdische Trauernde durch Araber weiter stattgefunden. Wenn Israel gelegentlich seine Wachsamkeit auf dem Berg und den Zugangsrouten in dem Glauben lockerte, die Gegend sei ruhig, ging die arabische Gewalt weiter.18 In Zeiten zunehmender Spannung, insbesondere während der ersten und zweiten Intifada, wurden vermehrt Delikte dieser Art registriert.19

Im Dezember 1975 wurde in der Sektion, die dem Sephardic Community Committee of the Mount of Olives gehört, eine Reihe von Grabsteinen zerschlagen.20 Im März 1976 wurden 14 Grabsteine in der Sektion der nordafrikanischen Einwanderer (Mughrabi) komplett zerstört.21 1977 wurden Grabsteine im Bereich Tzur, gegenüber dem Panorama-Hotel, zerschmettert22 und das Grab des Rabbiners der Gura-Dynastie wurde geschändet.23 Im August 1978 explodierte ein kleiner Sprengsatz nahe dem Hotel Intercontinental, direkt neben dem jüdischen Friedhof.24 Im Mai 1979 berichtete das Jerusalem Cemetery Council über eine Reihe von Beschwerden durch Verwandte der Verstorbenen wegen der Schändung von Gräbern und der Entfernung von Grabsteinen auf dem Ölberg.25

Im Verlauf der ersten Intifada wurde der Ölberg zu einem Schwerpunkt der Schändung jüdischer Gräber. In seinem Buch The War of the Holy Places gibt der Anwalt Dr. Samuel Berkowitz einige der Vorfälle wieder.26 Im Februar 1988 wurde der jemenitische Bereich geschändet und viele Grabsteine zerschlagen. Im Mai und Juli 1989 sowie im Juni 1991 wurden große PLO-Flaggen auf die Stützmauern des Friedhofs gemalt. Im Mai 1990 wurden 13 Grabsteine in der sephardischen Sektion zerschlagen und Kreuze und Hassparolen aufgemalt. Im Juni 1990 wurden 68 Grabsteine in der „Kolel Polin“-Sektion und elf Grabsteine in der amerikanischen Sektion des Friedhofs mit schweren Hämmern zerschlagen. Ein Jahr später wurden rund 40 weitere Grabsteine in der sephardischen Sektion des Ölbergs zerschlagen aufgefunden. Am 6. Oktober 1992 wurden am Abend vor Yom Kippur 25 Gräber in dem Beerdigungsfeld geschändet, wo Premierminister Begin beerdigt liegt; Graffiti mit nationalistischen arabischen Parolen wurden aufgesprüht.

Auch in den letzten Jahren hat es jede Menge solcher Vorfälle gegeben. Oft wurden die Täter aufgegriffen: Banden palästinensischer Jugendlicher (manchmal auch Erwachsener), deren Taten durch nationalistischen und/oder religiösen Eifer motiviert sind. Diese Vorfälle kamen allerdings der massiven und systematischen Schändung von Grabsteinen während der Zeit der jordanischen Herrschaft nicht einmal nahe.

In der Zeit der israelischen Herrschaft sind jüdische Beerdigungsgesellschaften täglich auf den Berg gegangen, meistens ohne Vorfälle. Juden besuchen täglich die Gräber ihrer Lieben auf dem Berg und die Polizei hat verbesserte Sicherheitsmaßnahmen getroffen.27

Auf dem Berg wurden aufwändige Sanierungsarbeiten durchgeführt. Es wurde für Zugang und Parkplätze gesorgt; Durchgänge, Pfade und Beobachtungsstellen wurden gebaut. Zäune und tausende Gräber wurden saniert. Öffentliche Toiletten wurden errichtet und auf dem Gipfel des Berges wurde eine Promenade gebaut. Während der Nachtstunden bietet die Aussicht vom Berg eine der spektakulärsten Attraktionen Jerusalems, da fast 202 Dunam (etwa zwei Hektar) mit besonderer Beleuchtung angestrahlt werden. Die Kirchen Dominus Flevit, Maria-Magdalena und die Kirche aller Nationen – auf dem Weg Jesu – und am Fuß des Berges die historischen Gräber des Propheten Sacharja, der Söhne Hezirs (der Hohepriester kurz vor Ende der Zeit des Zweiten Tempels) und Absaloms (ein Sohn König Davids) haben ebenfalls die Gewichtung erhalten, die sie verdienen.28

Der Ölberg in den Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern

Während der Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern beim Camp David-Gipfel im Jahr 2000 thematisierte Präsident Bill Clinton einen Entwurf der Teilung Jerusalems aufgrund des Prinzips: „Was jüdisch ist den Juden, was palästinensisch ist den Palästinensern.“ Israel war bereit diesen Entwurf zu übernehmen, wenn auch mit Vorbehalt.29 Während der Verhandlungen forderten die Palästinenser Souveränität nicht nur über die arabischen Viertel in Ostjerusalem, sondern auch über zusätzliche Gebiete, einschließlich des jüdischen Friedhofs auf dem Ölberg. Israel lehnte diese Forderung ab und bestand auf Souveränität und israelischer Sicherung des Berges und der sieben Straßen, die zu ihm führten. In den Diskussionen in Taba blieben Israel und die Palästinenser bei ihrer jeweiligen Haltung.

Während der Regierung Olmert-Livni (2006 – 2009) gab es Gespräche mit den Palästinensern über eine Sonderordnung im „heiligen Becken“, das als Jerusalemer Altstadt und zusätzlichen Gebieten wie dem Zionsberg und dem Ölberg definiert wurde. So weit bekannt gingen beide Seiten nicht substanziell auf diese Sonderordnung ein, obwohl nach Angaben einiger Quellen, die dem Verhandlungsteam nahe standen, Israel nicht vorschlug und nicht vorhatte eine wie auch immer geartete palästinensische Kontrolle über den Ölberg vorzuschlagen.

Trotz israelischen Bestehens auf fortgesetzter Souveränität und Sicherheitskontrolle auf dem Ölberg und den dorthin führenden Straßen stimmte Israel sowohl in Camp David als auch Taba palästinensischer Souveränität und Kontrolle in Bereichen zu, die direkt neben dem Ölberg liegen und ihn kontrollieren, darunter Teile der Stadtviertel A-Tur, Ras al-Amud, Silwan und Teilen der Altstadt.

Eine andere Position wurde von der israelischen Seite im Rahmen der Genfer Initiative erklärt, die ein Plan war, dem bindende legale Kraft fehlte und zwischen hochrangigen palästinensischen Persönlichkeiten und Mitgliedern der Arbeitspartei und der israelischen Linken besprochen wurde. Nach diesem Plan sollte der Ölberg unter palästinensischer Souveränität stehen, aber Israel würde das Gelände bewirtschaften und die Verantwortung für die Sicherheit des Berges behalten. Die Freiheit des Zugangs zum Berg würde durch organisierten Transport vom jüdischen Viertel oder dem Vorplatz der Westmauer in der Altstadt erhalten. Israelische Sicherheitskräfte würden zur Verfügung gestellt, aber keine Flagge zeigen, während sie das Gelände des Ölbergs betreten. Dieses Arrangement war Teil einer Reihe besonderer Arrangements, die die Genfer Initiative für die heiligen Orte festsetzte. Die Initiative bestimmte im Gegenzug auch, dass der christliche Friedhof auf dem Ölberg unter israelischer Souveränität steht und dass palästinensischer Verkehr auch dort ankommen würden, wobei der Friedhof unter palästinensischem Management, palästinensischer Kontrolle und Handhabung stehen würde.30

Jüdische Siedlung im Bereich des Ölbergs31

Im Mai 1999 wurde die Bautätigkeit in einem kleinen jüdischen Viertel mit 132 Wohneinheiten am Rand des Viertels Ras al-Amud direkt neben der „Hatzur“-Sektion des sephardischen Friedhofs auf dem Ölberg aufgenommen. Heute leben 51 jüdische Familien auf der „Maale Hazeitim“ genannten Stelle. Das Land, auf dem das Viertel gebaut wurde, wurde vor 20 Jahren von dem jüdischen Magnaten Irving Moskowitz gekauft, der es zwei rabbinischen Schulen abkaufte, die es dort vor über 100 Jahren erworben hatten. Die britischen Behörden hatten die Angliederung dieses Landes an den Ölberg zu Beerdigungszwecken verboten, weil es zu nahe an der Durchgangsstraße lag und so blieb der Bereich ohne Grabstellen. Für die Zukunft planen die Unternehmer das Viertel zu vergrößern und den Anschluss an ein nebenan liegendes Gebiet herzustellen, das jüdisch kontrolliert ist.

Die Gründung des Viertels wurde von einer stürmischen Debatte zwischen Israel, den Palästinensern und den USA begleitet. Gegen Israel wurde ins Feld geführt, dass dies eine Provokation sei und eine Quelle für nicht endende Reibereien schaffen würde. Die israelische Regierung verschob die Genehmigungen zum Bau des Viertels viele Monate lang, aber als das interne politische Timing in Israel als passend angesehen wurde (nach dem Sturz der ersten Regierung Netanyahu), wurde die Bautätigkeit aufgenommen.

Das Ergebnis nach fast einem Jahrzehnt ist eines anhaltender Ruhe, ohne Reibereien. Die Juden und Palästinenser leben Seite an Seite miteinander, ohne Spannungen, aber auch ohne Zusammenarbeit. Es ist bemerkenswert, dass der Bau an dieser Stelle vom Friedhofsrat und einer Reihe von Beerdigungsgesellschaften unterstützt wurde, die in Jerusalem aktiv waren. Der Friedhofsrat legte dem städtischen Planungsgremium ein Gutachten vor, das feststellt: „Der Bau des Viertels würde viele, deren Lieben hier auf dem Ölberg beerdigt sind, dazu veranlassen die Gräber ihrer Lieben zu besuchen, was ihnen von Zeit zu Zeit aus Sicherheitsgründen verwehrt ist, während der Bau eines Viertels zum Ergebnis haben würde, dass viele Leute, die derzeit nicht bereit seien ihre Verstorbenen aus ähnlichen Befürchtungen auf dem Ölberg zu beerdigen, ihre Meinung dazu ändern würden.“32

Die Haltung der Palästinenser und der palästinensischen Autonomiebehörde zu jüdischen heiligen Stätten innerhalb oder in der Nachbarschaft ihres Territoriums33

Das Verhalten der palästinensischen Autonomiebehörde und der Palästinenser in Sachen Respekt und Bewahrung der jüdischen heiligen Stätten innerhalb ihres Territoriums oder an dieses angrenzend ist in jeder Beziehung erbärmlich. Im September 2000 war die Westmauer Ziel eines palästinensischen Mobs, der Steine vom Tempelberg-Plateau warf – in Anwesenheit religiöser Vertreter und von Sicherheitspersonal der PA. Israel hatte deren Anwesenheit auf dem Berg in der Hoffnung erlaubt, dass sie die Lage zu beruhigen und zu kontrollieren helfen würde. Gleichzeitig kam das Josephsgrab in Nablus unter ständigen Beschuss durch Gewehrfeuer und wurde schließlich von einem palästinensischen Mob geplündert und angezündet, nachdem es von Israel am 7. Oktober 2000 evakuiert worden war. Das Rahelgrab am Rand von Bethlehem wurde ebenfalls angegriffen und musste verteidigt und befestigt werden. Die historische „Frieden Israel“-Synagoge in Jericho wurde geplündert und heilige Bücher und alte religiöse Gegenstände wurden in Flammen gesetzt.

Die Oslo-Vereinbarungen legten fest, dass die PA den freien Zugang zu allen jüdischen heiligen Stätten garantieren und sie beschützen würde. Im am 28. September 1995 unterzeichneten Zweiten Oslo-Abkommen wurden 28 Stätten als „von religiöser Bedeutung“ oder „archäologische Stätten“ definiert; es betraf den Status von 23 jüdischen heiligen Stätten, darunter die Gräber biblischer Persönlichkeiten, Reste antiker Synagogen und historischer Friedhöfe. Die Palästinenser verpflichteten sich den freien Zugang zu diesen Orten zu garantieren. In der Praxis erschwerten die Palästinenser den Zugang zu diesen Stätten erheblich oder verhinderten ihn.

Die Realität, wie sie sich in der Westbank seit den Oslo-Vereinbarungen manifestierte, hat demonstriert, dass man die Verantwortlichkeit für jüdische heilige Stätten oder die Zugangsstraßen zu den Gebieten in direkter Nachbarschaft zu ihnen nicht palästinensischen Händen anvertrauen kann. Es ist vorzuziehen, diese Verantwortung in israelischen Händen zu belassen.

Schlussfolgerungen

Die Bedeutung und Zentralität des Ölberges als wichtigster jüdischer Friedhof der Welt und Schwerpunkt einer dreitausendjährigen jüdischen Tradition macht es zur Pflicht, die Stätte unter voller israelischer Souveränität und Verantwortung zu behalten, besonders, da es um einen aktiven Friedhof geht, auf dem die Begräbnisse noch nicht aufgehört haben.

Die Tatsache, dass unter jordanischer Herrschaft die Verpflichtung, den Juden den freien Zugang zu diesem wichtigen Ort zu gewähren, nicht nachgekommen und im Verlauf derselben Zeitspanne der Friedhof schwer beschädigt und geschändet wurde, sollte reichen einen ähnlichen Versuch in unserer Zeit zu verhindern. Es ist einzig israelischen Anstrengungen zu verdanken, dass der Schaden für den Friedhof merkbar verringert wurde. Fortgesetzte Versuche von Palästinensern, Beerdigungsprozessionen auf dem Weg zum Berg Schaden zuzufügen, unterrichten uns von der palästinensischen Motivation Juden und deren heiligen Orten, soweit sie in diesem Bereich noch existieren, Schaden zuzufügen. Ohne die Anstrengungen der israelischen Polizei und der Israel Security Agency würde das Bild weitaus schlimmer aussehen.

Der Transfer der Viertel in unmittelbarer Umgebung des Ölbergs (A-Tur, Ras al-Amud und Teile von Silwan) unter palästinensische Souveränität und Kontrolle würden den freien Zugang zu dieser historischen heiligen Stätte für die jüdische Öffentlichkeit gefährden. Selbst die Definition dieses Ortes als Teil des „heiligen Beckens“, wie es im Verlauf früherer Verhandlungen gemacht wurde, gefährdet den freien jüdischen Zugang zu der Stätte, wie auch die Fortsetzung der Beerdigungen dort, so lange nicht klar gemacht wird, dass der Staat Israel dort nicht in allem, was mit Sicherheit, Management und Beerdigungsabläufen und dem Zugang zum Berg die Autorität ausübt.

Anmerkungen:

1 Eine Forschungsstudie von Dr. Aryeh Kimelman, der die Geschichte Jerusalems und des Tempels studierte (Gebete und Umzüge um den Ölberg), unveröffentlichtes Manuskript; Zeev Vilnai: The Old City of Jerusalem and its Surroundings, Bd. 2, (Ahiezer Publishers, 1972), S. 314-316.

2 Kimelman. S. auch 2. Samuel 15,32, mit Kommentaren.

3 Sacharja 14,4; Hesekiel 43,2.

4 Kimelman zitiert eine große Anzahl an Quellen, die das bezeugen, darunter: Sefer Hayishuv, Heft 2; Katedrae, Heft 8, S. 131, 134, usw.

5 Kimelman.

6 Breishit Raba, XXXIII,11.

7 Der historische Überblick bezüglich des jüdischen Friedhofs auf dem Ölberg gründet sich auf den Carta Guide to the Mount of Olives. A Journey through Jewish Cemeteries, 1999, wie auch auf Nadav Shragai: The Grave of Menachem Begin May Pass to the Palestinian Authority, Ha’aretz, 26. Dezember 2000. S. auch Vilnai, o.zit., S. 314-372.

8 Vilnai, einschließlich der Quellen, auf die er sich stützt.

9 Zu den Einzelheiten s. The Carta Guide to the Mount of Olives, S. 10-14.

10 Miron Benvisti: Opposite de Closed Wall (Weidenfeld and Nicholson, 1973), S. 78-79.

11 Shmuel Berkowith: The Wars of the Holy Places (Jerusalem Institute for the Israel Studies and Hed Artzi, 2000), S. 52.

12 Benvenisti, o.zit., S. 81.

13 ebenda, S. 78

14 Shmuel Berkowitz: How Terrible Ist this Place (Carta, 2006), S. 19.

15 Die Beschreibung der Zerstörung des Friedhofs während der jordanischen Periode wurde dem Heft Sacrilege – How the Synagogues and Cemeteries were Desecrated entnommen, das im Oktober 1967 vom israelischen Ministerium für religiöse Angelegenheiten veröffentlicht wurde, begleitet von Fotos, die die Zerstörung dokumentierten. Die Zerstörung erscheint auch in jüngeren Quellen wie auch in zeitgenössischen Zeitungen.

16 Benenisti, o.zit., S. 78-79; s. auch Berkowith: How Terrible, S. 19.

17 Die Schändung jüdischer Gräber auf dem Berg und der Diebstahl von Grabsteinen fand auch in früheren Generationen statt. Rabbi Benjamin von Tudela, der ca. 1173 Jerusalem besichtigte, gibt Zeugnis davon; er schrieb auch in einem Brief aus Jerusalem, dass die Rabbiner Jerusalems sich über die arabischen „Landesherren“ beschwerten, die verheerende Schäden an den Gräbern anrichteten. Zeugenaussagen über ähnliche Aktionen in verschiedenen anderen Zeiträumen gibt es zuhauf.

18 Aus den Berichten des Autors in Ha’aretz über die Jahre in seiner Funktion als Jerusalem-Korrespondent und aufgrund von Gesprächen, die er mit Sicherheitskräften führte.

19 ebenda.

20 Tombstones Were Smashed on the Mount of Olives. Ha’aretz, 22. Dezember 1975.

21 Tombstones Were Smashed on the Mount of Olives. Ha’aretz, 26. März 1976.

22 Tombstones Were Smashed on the Mount of Olives. Ha’aretz, 29. November 1977.

23 Unknown Person Damaged the Grave of the Rabbi of Gura on the Mount of Olives. Ha’aretz, 28. September 1977.

24 An Explosive Charge Detonated on the Mount of Olives. Ha’aretz, 13. August 1978.

25 A Complaint on the Desecration of Graves and the Destruction of Tombstones on the Mount of Olives. Ha’aretz, 15. Mai 1979.

26 Berkowitz, S. 7.

27 Quellen in der Polizei.

28 Aus einer Überblick von Amnon Lorch, dem ehemaligen Generaldirektor der East Jerusalem Development Corporation, im Carta Guide to the Mount of Olives, S. 7.

29 Berichte von Journalisten aus der Zeit, ergänzt durch persönlichen Zugang zu den relevanten Materialien, dessen ich mich im Zusammenhang mit meiner Arbeit als Journalist bei Ha’aretz in des betreffenden Zeitraums.

30 Details zur Vereinbarung der Genfer Initiative wurden mir von Dr. Menachem Klein zur Verfügung gestellt, der von israelischer Seite an den Gesprächen beteiligt war; sie erscheinen auch im formellen Text der Vereinbarung.

31 Die Details zur jüdischen Besiedlung des Ölbergs sind der israelischen Tagespresse entnommen, besonders Ha’aretz, da ich für sie über diese Geschichte einige Jahre lang berichtete, außerdem Gesprächen mit den örtlichen Siedlern, Polizisten und Ministern, die zur damaligen Zeit in der Regierung dienten. Shmuel Berkowitz fasst die Angelegenheit in seinem Buch The Wars of the Holy Places (S. 193-195) zusammen.

32 Nadav Shragai: ‚Hevra Kadisha‘ a Jewish Neighborhood of Ras Al-Amud Will Facilitate More Secure Access to the Mount of Olives. Ha’aretz, 28. September 1993.

33 Zu den Einzelheiten hierzu s. Nadav Shragai: Jerusalem: The Danger of Partition. Jerusalem Center for Public Affairs, 2008, S. 40-48; ebenso die Quellen, auf die er sich stützt. S. auch: Nadav Shragai: The Palestinian Authority and the Jewish Holy Sites in the West Bank – Rachel’s Tomb as a Test Case. Jerusalem Center for Public Affairs, Dezember 2007. S. auch Berkowith: The Wars, S. 215-223.

Nadav Shragai ist Autor von Jerusalem: The Dangers of Division – An Alternative to Separation from the Arab Neighborhoods. Jerusalem Center for Public Affairs, 2008; At the Crossroads, the Story of the Tomb of Rachel. Jerusalem Studies, 2005; und: The Mount of Contention, the Struggle for the Temple Mount, Jews and Muslims, Religion and Politics since 1967. Keter, 1995. Er hat außerdem seit 1983 für die israelische Tageszeitung Ha’aretz geschrieben.


* Hierbei handelt es sich um einen alten Mythos aus Midrasch und babylonischem Talmud, nach dem die Knochen der Toten am jüngsten Tag wieder mit einem Körper versehen werden und dann durch unterirdische Gänge und Tunnel nach Jerusalem „rollen“, um dort mit der Seele wiedervereint zu werden.

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