Salah Shehadeh (1)

Sehr früh am 23.07.2002 schoss die israelische Luftwaffe von einem F-16-Kampfflugzeug aus eine Rakete in ein Wohnhaus in Gaza Stadt. Dort hielt sich Salah Shehadeh auf, der auf

der israelischen Liste der meist gesuchten Terroristen seit Monaten ganz weit oben stand. Der Sprengkopf der Rakete zerstörte nicht nur Shehadehs Haus, sondern auch einige im Umfeld. Dabei kamen mindestens 15 Menschen um (einschließlich Shehadeh und seiner Familie), der Großteil davon Kinder; rund 150 wurden verletzt. Israel wurde unverzüglich weltweit heftig verurteilt. Ich persönlich stimme Daniel Pipes zu (s.u.): Es handelte sich um einen gerechtfertigten Angriff (zeitlich wie auch bezüglich des Ziels) mit den falschen Waffen. Aber das muss jeder selbst entscheiden. Daher diese Zusammenstellung. Zum Anfang neben dem Pipes-Interview eine Reaktion von Ulrich Sahm in einem Forum und eine Meldung aus Ha’aretz über die Reaktion auf den Angriff in Israel. Eine weitere Stellungnahme hier zu hat auch Gerald Steinberg abgegeben.

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Israelische Kriegsflugzeuge beschießen Ziel im Gazastreifen
CNN „Newsnight“ mit Aaron Brown, 22. Juli 2002 (Original: http://www.danielpipes.org/article/436)

AARON BROWN: … Nahost-Forscher Daniel Pipes… Was sagen Sie zu den heutigen Ereignissen? Ich denke, es wird für die Israelis schwierig sein, damit umzugehen.

DANIEL PIPES, MIDDLE EAST FORUM: Sicherlich. Die Israelis haben eindeutig einen Fehler gemacht und müssen vorsichtiger vorgehen. Es ist eine Tragödie. Wir alle müssen die Israelis drängen, diese Probleme vorsichtiger anzugehen.

Es ist aber auch wichtig zu erkennen, dass die Palästinenser die moralische Schuldigen sind, weil sie die Führer ihrer Milizen in zivilen Wohngebieten unter bringen. Man kann sie nicht von den Bewohnern unterscheiden. Ich glaube, dass sie die Zivilisten absichtlich zum Ziel für die Israelis machen, damit, wenn diese zuschlagen, es möglichst wahrscheinlich ist, dass es zivile Opfer gibt.

Die Israelis müssen also vorsichtiger sein, aber die Palästinenser spielen nun überhaupt nicht fair. Man setzt seine Militärs nicht in Häuser mit Kindern.

BROWN: Also, ich möchte das verstehen, denn es geht doch ziemlich weit. Sie haben einen Typen, der sich offenbar mit Frau und Kindern zu Hause aufhält. Was soll er tun, wenn nicht mit einer Zielscheibe auf dem Rücken herumzulaufen?

DP: Militärische Einrichtungen kann man ständig in zivilen Vierteln in den Palästinensergebieten finden. Daher begegnet man immer wieder dem Muster, dass die Israelis sehr hart versuchen Opfer zu verursachen und sie sogar bei sich selbst in Kauf nehmen. Sie erinnern sich, dass 13 Israelis vor ein paar Monaten getötet wurden, weil sie in eine Falle liefen. Es geschieht also in beiden Richtungen. Ich entschuldige in keiner Weise, was die Israelis heute getan haben. Ich sage nur, dass es einen Zusammenhang gibt und dass es ein tragischer ist.

Es ist aber einer, in dem dieser Mann, Salah Shehadeh, eine wichtige Rolle spielt. Er ist einer der Gründer des militärischen Flügels der Hamas. Er war 14 Jahre in israelischer Haft, von 1984 bis 1998. Er ist ein enger Vertrauter des Hamas-Führers Ahmed Yassin. Er ist, worauf ich schon hin wies, seit Monaten an der Spitze der israelischen Liste der meist Gesuchten gewesen. Er ist ihr Angriffsziel und, wie ich schon sagte und was meiner Meinung nach fair ist, er stellte sicher, dass er von seiner Frau, seinen Kindern und anderen Zivilisten umgeben war.

BROWN: Würden Sie zustimmen, dass das Ergebnis dieser guten, schlechten, dummen oder wie auch immer zu bezeichnenden Aktion ist, dass es schlichtweg mehr Gewalt auf beiden Seiten gibt. Ist das das natürliche Ergebnis eines solchen Ereignisses?

DP: Nein. Ich denke, da stimme ich nicht zu, Aaron. Denn ich denke nicht, dass hier ein Friedenszustand gelegentlich durch, sagen wir: gewalttätigen Spasmen unterbrochen wird. Ich denke, dort findet ein Krieg statt und in dem gibt es gelegentlich Flauten. Die Schlüsselfrage ist nicht, wann der nächste Gewaltakt stattfindet. Die Schlüsselfrage ist, wer den Krieg gewinnt, wer ihn verliert, was die Konsequenzen daraus. Es wird ein Krieg geführt.

Das ist Krieg. Und wir sollten weitere Gewalt erwarten. Wir sollten nicht erwarten, dass, wenn gerade mal nichts passiert, dass das der normale Zustand ist. Nein, es hat eine Flaute zwischen den Kämfpen dieses Krieges gegeben. Es ist ein Krieg, der jetzt seit fast Jahren andauert, seit September 2000.

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Noch eine Frage? / Grundsätzliche Unterschiede

Israel ist ein anerkannter Staat mit einem demokratischen System und folglich auch einer funktionierenden demokratischen Kontrolle über die Streitkräfte.

Korrekt, doch das heißt nicht, dass es auch mal Pannen gibt und dass jemand Fehler macht, z.B. die falsche Bombe mit zu viel Sprengkraft auswählt.

Die Palästinenser haben keinen Staat, keine wirkliche Armee – sie „haben“ lediglich irre Terrorfürsten, wenn deren Aktionen auch von Teilen der Bevölkerung mitgetragen werden.

Es gibt die Autonomiebehörde, sie haben ein Parlament und die größte Polizei der Welt (pro Kopf Bevölkerung) die per Vertrag beauftragt wäre, die Terroristen und Terrorfürsten zu bekämpfen. Das tun die aber nicht. Eine Armee ist für den Schutz nach Außen notwendig, Polizei betreibt die Ordnung innen.

Das heißt, dass die Palästinenser alles haben, was zu einem funktionierenden Staat gehört, nur keine Armee, die aber in diesem Fall irrelevant ist, da der „Schutz gegen Äußere Feinde“ von Israel verantwortet wird.

Wenn Ihr Argument dahin lautet, dass die Palästinenser keine Verantwortung tragen können, und deshalb den Terror nicht bekämpfen können, dann muss man sich gleichzeitig auch fragen, welchen Sinn denn Verhandlungen mit denen machen und welchen sinn Verträge machen, wenn die Pal. sie doch nicht einhalten können (obgleich sie einige Jahre lang durchaus dazu fähig waren, bis sie eines Tages beschlossen haben, gewisse Verträge nicht mehr einzhalten.)

wenn einem demokratischen Staat unter Führung eines bekannten Hardliners

wer und wie bestimmt eigentlich, was ein hardliner ist und was bedeutet das? Hardliner in welchen fragen und mit welchen Folgen.

Die Israelis sprechen von einem Fehler in der Wahl der Waffe, mit der sich SChahada liquidieren wollten. Schlimm genug, aber es scheint keine Absicht gewesen zu sein, noch 14 andere Menschen zu töten.

Fassungslos kann und sollte man auch über die Tatsache sein, dass Schahada verantwortlich war für Anschläge, die mindestens 200 Israelis das Leben gekostet und tausende zu Krüppeln für ihr Leben gemacht haben. Er habe weitere Anschläge geplant. Die Frage, die auch Sie sich stellen sollten ist:
1) Wie sollte ein demokratischer Staat handeln, wenn im Nachbarland ein Massenmörder frei handeln und weitere Kriegsakte gegen Zivilisten planen kann?
2) Unfälle und Fehler sind schlimm, doch was ist die Alternative. Lieber nichts tun, und Scheahada weiterere hunderte Menschen töten lassen, denn der läßt nicht versehentlich töten. Seine Opfer sind beabsichtigt, darunter die 21 Jugendlichen vor der Diskothek in Tel Aviv, Dutzende in verschiedenen Bussen usw usw.
3) Was soll man von 250.000 Menschen (eine Viertel Million) halten, die bewaffnet etc zum Begräbnis kommen.
4) Ich bin auch fassungslos, dass es bei dem Begräbnis einen weiteren Toten gibt, durch die Schüsse der „Trauernden“ und kaum jemand berichtet darüber.

(übernommen aus einem Forumsbeitrag im nai-israeli-Forum Politik)

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KRITISCHE DEBATTE IN ISRAEL ÜBER DEN PREIS DES LUFTANGRIFFS AUF GAZA / PERES ENTSCHULDIGT SICH FÜR DAS TRAGISCHE RESULTAT
(Ha’aretz, leider auch ohne URL)

Nach ersten Untersuchungsergebnissen der Operation zur Tötung des Top-Terroristen Salah Shehade und seines Stellvertreters, durch die neben den Terroristen auch 15 palästinensische Zivilisten, darunter 11 Kinder, zu Tode kamen, hat die Israelische Verteidigungsarmee (IDF) die Wirkung der Bombe auf die an Shehades Wohnhaus angrenzenden Gebäude und ihre Bewohner falsch eingeschätzt.

Die IDF und der Inlandsgeheimdienst Shin Bet führen die Untersuchung weiter. Die wichtigsten Fragen für die Experten sind, was die Geheimdienste über die Anwesenheit von Zivilisten in Shehadehs Wohnhaus und benachbarte Gebäude wussten und ob auf Grundlage dieser Information, die Entscheidung für den Luftschlag korrekt war. Außerdem wird untersucht, ob Mängel bei der operativen Planung vorliegen und ob die Wahl der Waffe korrekt war oder ob nicht eine andere Methode (eine kleinere Bombe, eine Rakete, ein Hubschrauberangriff) hätte eingesetzt werden sollen.

Es wurde aus Kreisen der IDF darauf hingewiesen, dass eine von einem Hubschrauber gefeuerte Rakete das Gebäude nicht genug beschädigt hätte. Vor zwei Wochen, am 14. Juli, hatte die IDF eine Viertel-Tonne-Bombe auf eine Waffenfabrik in Khan Yunis abgeworfen, um sowohl die Fabrikation zu zerstören wie auch den betreibenden ranghohen Hamas-Aktivisten zu töten. Das Gebäude wurde jedoch nur teilweise zerstört und der gesuchte Top-Terrorist entkam.

„Wenn die Bombe Shehadeh nicht getötet und er dadurch gewusst hätte, das wir ihm auf den Fersen sind, wäre er wieder im Untergrund verschwunden,“ erklärte ein Mitarbeiter aus dem Verteidigungssektor. „Dann hätten wir ihm monatelang nicht habhaft werden können, und er hätte weiterhin ungehindert Terroranschläge organisieren können.“

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