Salah Shehadeh (4) – Das letzte Interview des Hamas-Extremisten Salach Schehade

Palästinenser sind zu einer Nation des Dschihad geworden

Die Welt, 25.07.2002 (Leider ist die URL nicht mehr gültig; für die ausgelassenen Islam-Online-Zitate habe ich leider keine URL mehr bekommen)

Berlin – Am 29. Mai 2002 veröffentlichte „Islam Online“ ein Interview mit Salach Schehade, dem Kommandeur des militärischen Flügels der Hamas, der am Montag von den Israelis umgebracht wurde. Es folgen Ausschnitte aus dem Interview:

Frage: Wie entscheiden Sie, wer einen Märtyrereinsatz durchführt?
Salach Shehadeh: Die Entscheidung erfolgt auf Grund von vier Kriterien: erstens eine überzeugte Einhaltung der religiösen Gebote. Zweitens überprüfen wir, ob der junge Mann den Wünschen seiner Eltern folgt und von seiner Familie geliebt wird und ob sein Märtyrertum das Familienleben nicht (nachteilig) beeinflusst – das bedeutet, dass er nicht das Oberhaupt der Familie ist und dass er Geschwister hat, da wir keine Einzelkinder nehmen. Drittens seine Fähigkeit, die ihm auferlegte Aufgabe durchzuführen und ihre Bedeutsamkeit zu verstehen. Und viertens sollte sein Märtyrertum andere dazu ermutigen, Märtyrereinsätze auszuführen und den Dschihad in den Herzen der Menschen fördern. Wir bevorzugen immer unverheiratete Männer.

Frage: Wie erklären Sie den Zustrom von Jugendlichen, die sich den Reihen der an Märtyrereinsätzen Beteiligten anschließen?
Shehadeh: Der Zustrom von Jugendlichen, die nach Märtyrertum streben, zeigt ihre geistige Gesundheit und das Bewusstsein in der palästinensischen Gesellschaft und ist nicht ein Fehler oder eine Ausflucht aus einer Situation von Verzweiflung oder Frustration. Viele Menschen kommen zum Dschihad, und sie sind bereit, ihre Seelen hinzugeben – das Kostbarste, was ein Mann besitzt. Es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen jemandem, der Geld opfert oder eine Spende, und jemandem, der seine Seele opfert im Namen Allahs, um seinem Volk Glück zu bescheren und um sein Leid und seine Sorgen zu beseitigen. Trotzdem können wir nicht jedem einen Märtyrereinsatz geben, denn die Ziele sind begrenzt und die feindlichen Stellungen, die wir erreichen wollen, sind stark befestigt. Wenn einige der Jugendlichen den Anweisungen des Militärapparates nicht folgen und selbstständig Einsätze vornehmen, ohne offiziell mit diesem Apparat verbunden zu sein, beweist das, dass das gesamte Volk zu einer Nation des Dschihad geworden ist, auf der Schwelle zur Befreiung, und dass sie Demütigung und Unterwerfung ablehnt.

(ausgelassen:)

Islam Online: Was denken sie über das Phänomen der Kinder-Märtyrer?
Shehadeh: Der Geist des Dschihads und seine Strömung der Kinder-Märtyrer werden schlecht ausgenutzt. Wir ermutigen niemanden, in eine Siedlung einzudringen ohne angemessen bewaffnet zu sein. Obwohl das Phänomen an für sich positiv ist, erfordert es eine Weiterverfolgung um die Kinder ihrer Taten bewusst werden zu lassen, und ihnen zu gestatten, sich in einen militärischen Zweig zu integrieren, wo sie eine militärische Ausbildung erhalten und lernen, zwischen dem zu unterscheiden, was getan und nicht getan werden muss – zu entscheiden, wann sie Märtyrer werden wollen und wann sie ihre Waffe nutzen sollen.

Frage: Wie wählt der militärische Apparat ein Ziel aus?
Shehadeh: Wir haben Aufklärungsgruppen, deren Aufgabe es ist, israelische und Siedlungswachposten zu beobachten und die Bewegungen des Feindes an der Grenze. Wir nutzen jede Lücke, die wir im Sicherheitsnetz des Feindes finden. Dann bestimmen wir das Ziel und die Art des Angriffes – ob es eine Siedlung ist, ein Militärposten, ein Militärfahrzeug oder etwas anderes.

Frage: Was ist mit dem Töten von israelischen Bürgern?
Shehadeh: Wir haben keine Kinder zum Ziel, keine Alten und keine Kultstätten, auch wenn diese Kultstätten zum Mord an Moslems anstiften. Genauso haben wir keine Schulen zum Ziel, denn wir geben keine Befehle, um Kinder zu töten. Das Gleiche gilt für Krankenhäuser, obwohl das einfach für uns ist und erreichbar. Unser Motto lautet: „Wir kämpfen nicht gegen die Juden, weil sie Juden sind, sondern weil sie unser Land besetzen. Wir bekämpfen sie nicht wegen ihrer Religion, sondern weil sie sich unser Land angeeignet haben.“ Wenn wir ein Kind töten, so geschieht das nicht vorsätzlich.

Frage: Wie viel kostet ein Einsatz?
Shehadeh: Die Kosten eines Einsatzes variieren. Angriffseinsätze mit automatischen Waffen kosten den Preis der Waffe und der Munition und den Preis von ungefähr zehn Handgranaten. Aber einige der Einsätze kosten viel mehr und beinhalten den Transport (des Täters), den Kauf eines Autos und die Bestechung jüdischer Kollaborateure. Es gibt Einsätze, die ziemlich viel kosten – zwischen 3 500 und 50 000 Dollar je nach Ziel.

(ausgelassen:)

Islam Online: Wie haben sie die Waffen entwickelt, welche die Izz al-Din el-Kassam-Brigaden auszeichnen, so wie die Al-Kassam 1 und 2 (Raketen) und den Al-Bana (Raketenwerfer)?
Shehadeh: Wir verfügen über Wissenschaftler, die auf die Herstellung von Waffen spezialisiert sind. Sie forschen und experimentieren an der Al-Bana-Rakete, die eine Kombination eines Mörsergranatenwerfers und einer Panzerabwehrrakete ist, anders als die Al-Kassam-2 (…) Die Granaten werden eigens für die Bedürfnisse des Zweigs und ihrer Mitglieder hergestellt. Sie haben ihre Effizienz bereits unter Beweis gestellt. Selbst das zionistische Verteidigungsministerium hat die Schlagkraft der Granaten inzwischen erkannt. Alle Raketen und Granaten werden vor Ort hergestellt, dank einfacher Herstellungsarten. Der Sprengstoff für die Al-Kassam-1, 2 und die Al-Bana werden zum Teil aus einfachen Rohstoffen fabriziert. Frauen können sie sogar bei sich selbst herstellen…

Frage: Wie sieht die Organisationsstruktur Ihrer Brigade aus?
(eigentlich: Wie sind die Izz al-Din al-Kassam-Brigaden organisiert?)
Shehadeh: Im Allgemeinen sind die Brigaden eine kleine Armee und abhängig von politischen Entscheidungen, wie jede (andere) Armee in der Welt. Wir sind Soldaten. Der politische Apparat sagt uns nicht: „Tut dies und das“, und: „Führt diese oder jene Operation durch“; der politische Apparat ist das Oberhaupt des Militärapparats, und eine Entscheidung der Politik hat Vorrang vor einer Entscheidung des Militärs, ohne dass dabei in militärische Operationen eingegriffen wird.
es fehlt die Fortsetzung:
Der Erfolg einer Operation wird nicht an der Anzahl der Toten gemessen, sondern daran, ob sie korrekt durchgeführt wurde und ihr Ziel getroffen hat. Eine Operation kann nicht ohne eine gute Vorbereitung gelingen. Die Anzahl der Toten hängt von Allahs Willen ab.

(ausgelassen:)

Islam Online: Welches sind die Hindernisse, auf die die Al-Kassam-Brigaden gestoßen sind?
Shehadeh: Das größte Hindernis ist ein Mangel an qualitativen Waffen, so wie Luftabwehrraketen und Langstreckenraketen. Ein weiteres Hindernis ist der Nebel, welcher die Palästinensische Nationalbehörde (Palästinensische Autonomiebehörde) umgibt. Die Behörde bezieht keine klare Position zur Frage der Militäroperationen, was zu einer gewissen Verwirrung führt. Ist sie für oder gegen diese Operationen? Definiert sie sich als nationale Befreiungs- oder Autonomiebehörde? Diese Frage ist eine Quelle, die für Verwirrung unter zahlreichen Kämpfern des Dschads sorgt. Zusätzlich haben die Waffendealer, die uns das Blut aussaugen, eine Anhebung der Preise beschlossen, so dass nun eine M-16 (Maschinengewehr) 5 000 Dollar kostet, und jede Kugel 1 Dollar 50. Eine Kalaschnikow kostet 2 000 Dollar und jede Kugel 4 Dollar. Der militärische Flügel konnte diesen Defizit dank großzügiger Spenden jener ausgleiche, die den Dschihad für Allah unterstützen möchten…

(übernommen aus zwei Forumsbeiträgen im nai-israel-Forum Politik)

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