Der Kampf um die Vernunft

Nadav Shragai, Israel HaYom, 16. April 2017

Hannah Bladons Ermordung hatte, wie die Dutzende Morde und Terroristen, die an Straßenbahn-Haltestellen in Jerusalem in den zwei Jahren davor Anschläge verübten, zwei Ziele: Juden zu schaden und das Gefüge der Koexistenz und Normalität in der Hauptstadt zu zerrütten.

Die Straßenbahn ist der Lackmustest für die brüchige Koexistenz, die die Stadt erhält. Sie dient Hunderttausenden Juden und Arabern und verkörpert neben der Repräsentation eines Mikrokosmos des Konflikts und Kampfs um die Stadt alles, was in Jerusalem zurechnungsfähig bleibt und davon gibt es immer noch eine ganze Menge.

Am Vorabend des 50. Jahrestages der Vereinigung der Stadt greifen die Messerstecher und Autorammer Juden – und es ist kein Zufall, dass sie Orte angreifen, die Partnerschaft, Integration und Koexistenz am stärksten symbolisieren. Deshalb zum Beispiel die Anschläge auf der Hagai-Straße in der Altstadt, in der Straßenbahn und rund um das Hadassah-Krankenhaus auf dem Skopusberg, wo Juden und Araber Seite an Seite beiden Bevölkerungsteilen dienen. Die gegen die arabische Bevölkerung gerichteten Drohungen und Gewalt, die danach streben sich an Jerusalems demokratischem Spiel zu beteiligen und an den Wahlen der Stadt teilzunehmen, sind auch Teil des Problems.

Hannah Baldon, die ihren Mörder nicht kannte, war Teil der Normalität und Vernunft in Jerusalem, die, die europäische Boykotte überwindet. Als Religionsstudentin der Universität Birmingham in Großbritannien hatte sie gerade bei einer archäologischen Grabung gearbeitet, die Licht auf die Stadt und die die Westmauer werfen will.

Ihr Mörder, ein nachgewiesener Spinner, wusste noch, dass er ein jüdisches Opfer aussuchte. Seit Ende 2015 werden in Jerusalem und Umgebung Dutzende Morde und Terroranschläge aufgrund der persönlichen Umstände der Angreifer begangen – zum Beispiel einem Streit mit einem Vater, einer Mutter oder Freundin. Irgendwie waren die Terroristen mit „persönlichen Motivationen“ oder mentaler Instabilität, einschließlich demjenigen, der Feldwebel Elhai Tharlev am Vorabend des Pessah ermordete, immer noch „gesund“ und konzentriert genug, um ihren persönlichen Frust und mentalen Probleme ausschließlich auf jüdische Opfer zu entladen. Sie achteten sorgfältig darauf keine Araber anzugreifen. Die palästinensische Straße hat sich in den letzten Jahren hin zum Hass von allem Jüdischen oder Zionistischen orientiert und das hat Auswirkungen auf Möchtegern-Attentäter aller Arten, die „geistig gesunden“ genauso wie die verrückten.

Esther Cailingold, die im Alter von 22 Jahren starb, nachdem sie im Unabhängigkeitskrieg im Kampf zur Verteidigung des Jüdischen Viertels der Altstadt schwere Wunden erlitt, schrieb kurz vor ihrem Tod vor 69 Jahren an ihre Eltern: „Ich bin stolz und bereit den Preis zu zahlen, den es uns die Gnadenfrist [für die Altstadt] kosten kann.“

Ohne es zu wissen war Hannah Bladon (21), ebenfalls geborene Britin, Teil eines anderen Krieges. Sie fiel im Kampf um den Erhalt der Vernunft, Normalität und das gemeinsame Leben in der Stadt.

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