Von der Entnazifizierung zur EntPLOisierung

The Media Line, 11.2.2002, Bereich „Analyse arabischer Medien“ (Autor: Media Line-Mitarbeiter; Link nicht mehr vorhanden)

„Was machen wir mit Yassir Arafat?“ und: „Was machen wir nach Yassir Arafat?“

Dies sind einfach klingenden Fragen, die klare Antworten benötigen, denn die Antworten zu diesen Fragen könnten die Möglichkeiten jeglichen arabisch-israelischen Friedens in der nahen Zukunft genauso bestimmen, wie die Chancen für jede Art regionaler Stabilität.

Zusätzlich gibt es viele in der Bush-Administration, die glauben, dass seine Verfügbarkeit oder seine Absetzung Auswirkungen auf Amerikas Krieg gegen islamistische orientierten Terror, vom Iran, Irak und Nordkorea unterstützt und angestiftet, haben könnte.

Es ist kein Zufall, dass in den letzten Tagen die Internetseite von Arafats offizieller Presseagentur (WAFA) und sein offizieller Radiosender (Voice of Palestine) voll des Lobes für Arafat waren, das ausgerechnet aus – Nordkorea kam.

Das sollte genügen um uns zu sagen, dass Arafat ein Zuhause auf der koreanischen Halbinsel haben könnte (oder auch in Libyen), wenn und falls er aus seinen belagerten Büros in Ramallah im Norden von Jerusalem entfernt werden sollte. (Es gibt nur sehr wenige Länder, die Arafat als permanenten Einwohner haben wollen, auch nicht Tunesien, wohin er nach seinem Rauswurf aus dem Libanon in den 80-er Jahren ging.)

80 Prozent der Israels (einschließlich der arabischen Israelis) sind der Meinung, dass Arafat Teil des Problems ist und nicht Teil der Lösung des jetzigen palästinensisch-israelischen Abnutzungskriegs; und obwohl viele Amerikaner und Europäer dem zustimmen, fällt es ihnen schwer die Konsequenzen daraus zu ziehen: ihr Handeln darauf auszurichten, dass Arafat von der Bühne entfernt wird.

Viele in der Europäischen Union und im US-Außenministerium äußern immer noch die bedeutungslosen Parolen von „Frieden jetzt“ oder „Frieden in unserer Zeit“, zu denen sich schon Winston Churchill abschätzig äußerte.

Churchill, der vor allen anderen die Natur Hitlers und Stalins erkannte, warnte davor, Politik durch Schlagwort-Äußerungen zu ersetzen und sprach sich gegen die aus, die „in gut klingenden Plattitüden schwelgen“ und die es ablehnen „unangenehmen Tatsachen ins Auge zu sehen“, während sie „ohne Rücksicht auf die lebenswichtigen Interessen des Staates ein Streben nach Popularität und Wahlgewinnen“ vorzögen.

Churchill hat nichts als Verachtung für die übrig, die eine „tiefe Liebe zum Frieden“ mit dem „pathetischen Glauben, dass dieser nur und ausschließlich durch Liebe erreicht werden kann“ verbinden. (So in seinen Memoiren zum Zweiten Weltkrieg auf S. 45.)

Es muss anerkannt werden, dass Arafat ein Meister der Diplomatie ist und darin, Botschaften an verschiedene Zuhörerschaften anzupassen. Die Führer vieler demokratischer Gesellschaften haben „Worte des Friedens“ aus Arafats Mund kommen hören. In den meisten Fällen hörten sie nur, was sie hören wollten.

Arafat ist offensichtlich nicht Adolf Hitler und die Palästinensische Autonomie nicht Nazideutschland. Aber Arafats diplomatische Techniken und seine Medienmanöver ähneln Hitlers Manipulation der westlichen Regierenden.

In einem der jüngsten Bestseller untersuchte ein bekannter amerikanischer Historiker, Harvard-Professor Ernest May, Hitlers Verführung der britischen und französischen Führer. In „Strange Victory“ (Seltsamer Sieg) schreibt er auf Seite 453: „Eine offensichtliche Schlussfolgerung, die gezogen werden muss, ist die, dass Hitler die französische und die britische Regierung besser verstand als diese Regierungen ihn… Der Grund für dieses bessere Verständnis schloss die Tatsache mit ein, dass er sich mehr auf die politischen Führer und die öffentliche Meinung als auf die augenscheinlichen nationalen Interessen oder Fähigkeiten konzentrierte; und begleitende Tatsache war, dass seine Einschätzung dieser Regierungen keine verhandelbare Einschätzung war…“

Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass Hitler dem deutschen Zuhörer gegenüber ehrlicher war als gegenüber der im Ausland. Der Historiker Sir John Wheeler-Bennett erkennt: „Außer in den Fällen, wo er sein Wort gab, meinte Hitler immer, was er sagte.“ (Wheeler-Bennett, Nemesis of Power, S. 461, in: May: Strange Victory, S. 453)

Mit anderen Worten: Wenn Hitler seiner deutschen Zuhörerschaft sagte, er wolle die Welt erobern, dann meinte er das auch so. Als Hitler den westlichen Staatsmännern versprach, er würde sein Wort und die unterschriebenen Vereinbarungen einhalten, log er.

Das klingt wie eine perfekte Beschreibung von Yassir Arafat.

Und genauso wenig, wie man Hitler bessern oder umerziehen konnte, kann man auch Arafat weder bessern noch umerziehen.

Damit haben wir unsere erste Frage beantwortet: Arafat muss weg – und je früher, desto besser.

Die zweite Frage ist die nach Arafats Nachfolger.

Als die West-Alliierten Deutschland geschlagen hatten, suchten sie keinen Nachfolger unter Hitlers engsten Mitarbeitern. Das wäre eine Torheit gewesen.

Der Westen bestand auf der Entnazifizierung Deutschlands.

Israel darf nicht auf weniger bestehen.

Der stoppelgesichtige Arafat ist natürlich das dickste Haar auf dem Schädel, aber seine Entfernung ist ohne eine Gesamt-Enthaarung nicht möglich.

Lassen Sie es uns beim Namen nennen: Ent-PLO-isierung.

Arafats Statthalter (Abu Mazen, Abu Alla, Faruk Kadumi, Jibril Rajoub, Sari Nusseibeh und Mohammed Dahlan) teilen seine Ansichten und seine Methoden, wenn auch einige ein besseres Englisch sprechen und im Fernsehen eine bessere Figur abgeben. Immerhin schrieb der „moderate“ Abu Mazen seine „Doktorarbeit“ mit der Behauptung, dass „geheime Verbindungen“ zwischen den Nazis und der „zionistischen Führung“ bestanden. Nusseibeh half Saddam Hussein dabei, auf Orte in Israel zu schießen, die sich 1991 für seine Scud-Raketenangriffe Erfolg versprachen.

Genau so, wie die Alliierten des Zweiten Weltkriegs alle Top-Nazis entfernten und ihnen den Prozess machten (und auch mit den kaiserlichen Beamten in Japan), muss jeder, der eine führende Stellung in der PLO oder PA hatte, aus dem Apparat entfernt werden.

Palästinensische Wahlen durchzuführen und wie die palästinensische Gesellschaft wieder auf verfassungsgemäße Grundlagen zu stellen, ist keine einfache Aufgabe; aber das war auch in Deutschland und in Japan nicht einfach. Es wird mehrere Jahre dauern und es gibt keine Garantie für politischen Erfolg.

Das ist unglücklicherweise das dauerhafte Erbe der Oslo-Verträge: durch sie wurde ein echter Dialog zwischen den Israelis und den Palästinensern für lange Zeit verhindert.

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