Arafat am 02.06.2001 zum Anschlag auf die Dolphinarium-Discothek in Tel Aviv

(Die Ansprache stand auch auf der offiziellen Website der offiziellen palästinensischen Nachrichtenagentur WAFA; link existiert nicht mehr)

Am 2. Juni 2001 erklärte Yassir Arafat in Gegenwart des deutschen Außenministers Josef Fischer und des UN-Sonderbeauftragen Taerje Larsen in Ramallah, er verurteile die tragische Operation in Tel Aviv, wie auch alle Operationen, die in der Tötung von Zivilisten endeten, seien sie palästinensisch oder israelisch. Der volle Text (wie auch auf der WAFA-Seite angegeben) lautete:

Wir haben den Bombenanschlag, der gestern Abend in Tel Aviv stattfand, mit einer offiziellen Stellungnahme verurteilt.
Wir übten und Wir sind bereit, allen möglichen Druck auszuüben, um das Blutvergießen unseres Volkes und des israelischen Volkes zu stoppen und alles zu tun, das nötig ist, um einen sofortigen und bedingungslosen, wirklichen und effektiven Waffenstillstand durch unsere gemeinsamen Anstrengungen zu erreichen, damit wir an den Verhandlungstisch zurückkehren und den Mitchell-Bericht und die ägyptisch-jordanische Friedensinitiative umzusetzen.
Wir haben um sofortige internationale Bemühungen gebeten, in dieser Richtung zu helfen, zum Schutz und für die Zukunft unserer Kinder und ihrer Kinder und um den Friedensprozess zu schützen, den „Frieden der Mutigen“ – zwischen dem israelischen Volk und dem palästinensischen Volk und allen arabischen Friedensbemühungen in der Region.

Kommentar heplev:
Abgesehen davon, dass Arafat weder Präsident ist noch im Pluralis majestatis reden sollte: Er behauptet also, Druck ausgeübt zu haben, um die Gewalt gegen Israelis und Palästinenser zu stoppen. Ich frage mich, wo er das getan haben will? Er hat seinen Leuten gegenüber schon lange nicht mehr von Frieden gesprochen, nur den westlichen Medien oder Politikern gegenüber! Wird das jetzige Waffenstillstandsangebot auch auf Arabisch als Befehl an die Palästinenser gehen oder ist das wieder nur eine Rauchbombe für den Westen?
Er verbindet die Rückkehr an den Verhandlungstisch mit dem Willen, den Mitchell-Bericht und die jordanisch-ägyptische Friedensinitiative umzusetzen. Er weiß, dass die arabische Initiative für die Israelis unannehmbar ist. Gleichwohl stellt er aber eine Bedingung. Ist das schon wieder die Hintertür?
Der Eröffnungssatz kann auch so gesehen werden (die englische Version kann so verstanden werden), dass Arafat bereits vor dem 1.6.2001 alle denkbaren Versuche unternommen habe, die Gewalt zu stoppen. Diese Interpretation ist möglich, aber nicht zwingend, wird aber von konservativen Kreisen in Israel angewendet. Sie wäre unglaublich arrogant und ein weiterer „Entschuldigungsgrund“ für fortgesetzte palästinensische Gewalt, weil Arafat ja nicht alles kontrollieren kann, wie die vergangenen Monate zeigen.
Insgesamt ist diese Erklärung Arafats reichlich nichtssagend in Bezug auf einen wirklichen Waffenstillstand seitens der Palästinenser. Ich würde ihn als Ausweichmanöver bezeichnen, mit dem dem Westen wieder mal Sand in die Augen gestreut wird.

Reaktion auf Arafats Ankündigung eines Waffenstillstands:
Der Gebiete-Korrespondent von Israel Radio, Avi Yisachar, berichtete heute Abend, dass Yassir Arafat Befehle an die „nationalen“ Streitkräfte ausgegeben hat, das Feuer einzustellen – nicht an die „nationalen und religiösen“ Streitkräfte. Yisachar betonte, dass der Begriff „national und religiös“ auch für Hamas und Islamischer Dschihad gelten würde, während der Begriff „national“ die islamischen Militärkräfte ausschließe.
Yisachar betonte außerdem, dass seit der Veröffentlichung von Arafats Aufruf eine Reihe von Angriffen im Gazastreifen gegen israelische Ziele einschließlich Morag und militärischen Positionen in Atzmona und Neveh Dekalim stattfanden. (Aaron Lerner, Direktor von IMRA)

Nachtrag heplev: Arafat hatte in seiner Erklärung die Operation verurteilt – was ihn nicht hinderte, den Verwandten des „Märtyrers“ (so bezeichneten ihn die PA-Medien) seinen Kondolenz zu erweisen und ihren mutigen und vorbildlichen Verwandten zu loben, der im Kampf für die palästinensische Sache sein Leben geopfert hat. – So viel zur Glaubwürdigkeit der Verurteilung der Tat.

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