Die Fernsehrede vom 16.12.2001

Yassir Arafat hielt am 16. Dezember 2001 im PA-Fernsehen eine viel beachtete Rede. Sie wurde im Westen als ein riesiger Fortschritt in die richtige Richtung gefeiert. In Israel gab es viel Kritik; in den USA betonte sogar Außenminister Colin Powell, der sonst gerne mächtig Druck auf Israel ausübt und Arafat hofiert, dass die Worte nicht genügten, man müsse Taten sehen.
Nicht so Europa, das die Chance sieht, erneut Druck auf Israel zu legen. Aber wie „revolutionär“ sind Arafats Worte in dieser Rede. Sagt er tatsächlich etwas Neues und ändert er seine Politik?

Eine Grundlage für die Beurteilung der Rede vom 16.12.2001 sollte auch die überhaupt nicht beachtete „Ansprache“ Arafats an mehrere tausend Anhänger nur zwei Tage später in Ramallah sein, die im palästinensischen Radio übertragen wurde. Wer die Kritik an der Rede vom 16.12. nicht anerkennt, dem sollten die Augen auf gehen, wenn er diese zweite Rede liest – die im Westen nicht einmal eine Randerwähnung in den Medien wert war. Sie wurde ignoriert. Die Frage ist: weshalb?
Es ist auch bemerkenswert, dass Arafat Büros „militanter Islamisten“ schloss. Warum wurden nur die Büros geschlossen und nicht die (Führer der) militanten Islamisten selbst verhaftet? Viele unserer Medien haben sich auf die Schließungen gestürzt und glauben, Arafat agiere jetzt entschlossen gegen die Terroristen. Dazu müssten diese aber gehindert werden, ihre Taten auszuführen, nicht ihre „Büros“ (für die „sozialen Dienste“) geschlossen werden!

Arafats Rede im Wortlaut, wie sie auf der Website der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa stand:

übersetzter Originaltext Anmerkungen des Übersetzers
Im Namen des allmächtigen Gottes
Brüder und Schwestern, meine Mitbürger und kämpfenden, mutigen Palästinenser;
Mütter, Väter und Brüder der Märtyrer;
ihr, die ihr die liebsten eurer Kinder für die Sache des Sieges und der Freiheit geopfert habt und für die Sache der Heiligen Stadt Jerusalem;
die Gefangenen und die Verwundeten, die so viel geopfert haben durch ihre Standfestigkeit, Schmerzen und Wunden, ihr habt ein einzigartiges Idol des Kampfes und des bemühten Ringens, das uns sehr nahe gebracht hat an Jerualem. Jerusalem. Jerusalem, die Hauptstadt unseres unabhängigen Staates.
Allein das ist schon eine Beleidigung des Friedens-Gedankens – Märtyrer sind auch und in besonderem Maße die Selbstmord-Bomber!
Meine geliebten Bürger aus den Flüchtlingslagern, den Dörfern, den Städten von Palästina und im Exil, ihr habe das Wunder des Überlebens geschaffen und an unserer nationalen Sache fest gehalten und eure legitimen und gerechten Ziele durch den Schutz unserer Rechte fest gehalten und ein Mittel zu ihrer Erreichung geschaffen.
Ich grüße euch von Herzen und wünsche euch frohes „Eid Alfitir“.
(Fastenbrechen/Bayram am Ende des Ramadan)
In diesen gesegneten Tagen würde ich gerne mit euch offen und ehrlich, von Herzen zu Herzen und von Gemüt zu Gemüt die klaren Fakten unserer Zeit teilen, um alles zu überdenken, das uns Sorgen bereitet, um unsere Entscheidungen und Haltungen richtig zu stellen; ich bin sicher und zuversichtlich, dass meine Leute die erforderliche Intelligenz besitzen, die Vision und die Kraft der Ausdauer, um die richtigen Schlüsse zu ziehen und die richtigen Entscheidungen zu erreichen, die es uns ermöglichen werden, die kommenden Herausforderungen und Schwierigkeiten zu überstehen, geschützt von unseren christlichen und islamischen Heiligen Stätten und uns auf unseren Sieg auf unserem Heiligen Land vorzubereiten, wo unser Prophet Mohammed zu den Himmeln auf fuhr und unser Herr Jesus Christus geboren worden war. „Unser Herr Jesus Christus“? Einmal mehr der Ausdruck, mit dem Christen in die Front gegen das Volk ihres Gottes gelockt werden sollen!
Im Übrigen fehlt wie immer jeder Bezug der Juden zu Jerusalem – der wird einfach abgestritten und verschwiegen.
Unsere Einheit ist der solide Grund, auf dem wir stehen, der unseren Marsch für Freiheit durch viele Jahrzehnte hindurch beschützt hat; sie hat uns auch den gerechten, umfassenden und lange andauernden, ersehnten Frieden gewährt, mit dem erforderlichen Schutz und mit den Elementen unseres beharrlichen Fortschritts zum nationalen Konsens, ohne Kompromiss unserer heiligen Prioritäten, weder in der Entscheidung noch in der Praxis.
So betone ich hiermit und im Namen der Führung unsere klare und tiefe Vorstellung unserer Einheit, als einer Einigkeit aller Fraktionen und Strömungen unserer Nation und der Einheit darin, die Entscheidungen des palästinensischen Konsenses in Gestalt des Nationalen, Juristischen und des Zentralkomitees zu akzeptieren.
Die PLO begann als die wesentliche Wahl unseres Volkes in Palästina und im Exil, die Wahl, die uns geeinigt hat, uns geführt hat und unsere Legitimität verkörperte; diese Wahl spiegelt unsere Forderungen und Nöte wider und gemeinsam mit der PLO habe wir auch unsere Nationalbehörde gewählt, die die Ziele und Ambitionen des palästinensischen Volkes ausdrückt; sie wurde entsprechend der Vision und des Bedarfs der Palästinenser geformt, sie formt die solide Grundlage für den palästinensischen Staat, einschließlich Jerusalem als seiner Hauptstadt und durch unsere gewählten städtischen, juristischen und parlamentarischen Institutionen und Räte und durch die internationale Anerkennung unserer Nationalbehörde. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um noch einmal zu versichern, dass wir bereit sind, erneute demokratische Wahlen für unsere Führung und Institutionen abzuhalten, sobald die Lage sicher und die Bedingungen passend sind.
Sharon und seine Regierung führen diesen unmoralischen, kriminellen Krieg gegen unsere anerkannte und international hoch angesehene Führung und die gewählten Institutionen, indem sie unsere unsere Einrichtungen, Mitglieder unserer Regierung und unseres Parlaments, Polizisten, Sicherheitskräfte, Infrastruktur ins Visier nehmen, die wir uns angestrengt haben mit der Hilfe unserer Brüder und Freunde wieder aufzubauen; ein Krieg, der auch auf unsere Zivilisten zielt, unser Eigentum, Schulen, Krankenhäuser, Felder, Moscheen und Kirchen , einschließlich der Farmen, die sie zerstört haben, ohne den heiligen Olivenbaum auszunehmen, der von dem Adel unseres Volkes und der tiefen Verwurzelung in diesem heiligen Land Zeugnis gibt. „hoch angesehene Führung – das lässt in den USA heftig nach – wann endlich auch in Europa?
Etwas anderes hat nicht verdient, wer die Tatsachen umkehrt: Die PA/PLO begann einen Krieg gegen Zivilisten und Soldaten, führt ihn ohne Unterschied der Person, begeht Terror pur! Nicht umgekehrt!
Dass Israel den Krieg gegen Zivilisten, Krankenhäuser, Felder, Moscheen usw. führt, ist die pure Verleumdung. Das wird in unseren Medien natürlich außer Acht gelassen, sie konzentrieren sich auf das, was sie hören wollen!
Ja, es ist ein Krieg, der gegen alle Palästinenser und ihre Führung geführt wird, gegen unsere Ressourcen und unsere persönliche, soziale und wirtschaftliche Sicherheit, gegen unseren legitimen Traum der Errichtung unserer Zukunft ohne weitere Erniedrigung, Besatzung und Unterdrückung, in unserem unabhängigen Staat. Der Krieg wurde von Arafat begonnen, unterstützt, gefördert; Israels Maßnahmen richten sich gegen die Terroristen, von denen es nicht annehmen kann, dass sie von den „Zivilisten“ zu unterscheiden sind! – Einmal mehr die Umkehrung der Tatsachen!
Ich erkläre hier, inmitten unserer Tragödie und dem Kern unseres glühenden Strebens nach Freiheit, dass dieser unmoralische Krieg, der von den Israelis gegen uns geführt wird, uns nicht in die Knie zwingen oder unseren starken Willen brechen wird, nicht unseren Nationalstolz nehmen wird; wir lehnen es ab erniedrigt zu werden, wir lehnen es ab erniedrigt zu werden, wir lehnen es ab erniedrigt zu werden. Lügen werden auch durch Wiederholung nicht richtig; aber Arafat will sich selbst glauben, deshalb muss die Lüge so oft wiederholt werden, bis jeder in seinem Lager sie als Wahrheit ansieht.
Meine lieben Brüder und Schwestern, unter diesen Umständen möchte ich auch betonen, dass wir niemandem erlauben werden unser großes nationales Projekt zu erschüttern oder ihm Hindernisse in den Weg zu legen oder von unserer davon Vorstellung abzulenken oder seinen reinen palästinensischen Inhalt zu verzerren. Wir erlauben es nur einer Behörde, dass ihr gehorcht werden muss und ihre Vereinbarungen müssen respektiert werden und diese Behörde steht in den außenpolitischen Fragen für uns ein; dieses Einstehen muss vom Volk unterstützt werden und ihre Zuverlässigkeit beschützen. Niemandem wird erlaubt… – das kann nur eins heißen: Durchsetzung der Maximalforderungen ohne Kompromisse – dann braucht es keine Verhandlungen, denn da müsste auch Arafat Kompromisse machen, was er aber bekanntlich ablehnt.
Liebe Brüder, wir haben den Notstand ausgerufen und eine Reihe von Aktionen und Maßnahmen durchgeführt, mit denen wir fortfahren wollen, wie die illegalen Formierungen und ihre Terroraktivitäten als gesetzlos und rebellisch zu erklären; wir leiteten auch eine Feuerpause ein, daher müssen wir alle unsere Entscheidungen respektieren und sie befolgen. Die Israelis respektieren keine Feuerpause und wünschen auch keine solche, aber wir müssen sie um unseret Willen befolgen. Wir sind uns der Verschwörung voll bewusst, mit der die Sharon-Regierung durch ihre eskalierende Aggression und Belagerung unserer Städte und Dörfer und durch die Besetzung von Teilen unseres Landes, bei der alle vermeintlichen Behauptungen des Schutzes ihrer Bürger vor Taten angeführt werden, die wir verurteilt und abgelehnt haben, wütet.
Dieser komplizierte Kampf darf nicht dazu führen die Glaubwürdigkeit unserer Führung und ihrer Entscheidungen zu erschüttern, auch dürfen wir nicht Sharon und seinen Militär-Institutionen die Plattform liefern, von der aus sie ihre Angriffe und Übergriffe gegen uns führen, auch nicht die Entschuldigungen liefern, ihre Aggression zu eskalieren oder unseren legitimen Kampf als Terror zu bezeichnen.
Hier kommt der wahre Grund für die „Feuerpause“ zum Ausdruck: Arafat hat Angst um seine Macht; er hat Angst, dass er vor der Weltöffenltichkeit als Terrorist da steht. Die Feuerpause dient der PR; er ruft dazu auf, weil die Selbstmord-Attentate schädlich für das Image der Autonomiebehörde sind – nicht, weil diese Attentate unmenschlich und durch nichts zu rechtfertigen sind!
Ich wiederhole die Erklärung des Waffenstillstands und die totale Einstellung aller Aktionen einschließlich der Selbstmord-Angriffe, die wir verurteilt haben und deren Organisatoren und Unterstützer wir verfolgen, genauso die Mörser-Schützen, die den Israelis die Entschuldigungen liefern wollen, um unsere Kinder und Frauen zu masssakrieren.
Jeder Bruch dieser Beschlüsse wird als Hochverrat angesehen, denn er gefährdet unsere nationalen Interessen und die Gesetzlosen werden energisch verfolgt und vor Gericht gestellt.

Das Hauptziel des eben Gesagten ist, die Glaubwürdigkeit unserer Haltung und Wahl zu betonen, um die volle und sofortige Umsetzung der Tenet-Vereinbarungen und Vorschläge des Mitchell-Berichts und eine Rückkehr an den Verhandlungstisch zu ermöglichen, was der absolut einzige Weg ist, diesen Kreislauf des Blutvergießens zu beenden und unsere nationalen Ziele zu erreichen.

Gleich ein ganzer Haufen Lügen:
1.) Ein Waffenstillstand hat nie statt gefunden, der PA-Terror ging unvermindert weiter;
2.) „der Selbstmord-Angriffe, die wir verurteilt haben“ – der anderen also nicht? Mörser-Beschuss und gewisse, verurteilte Selbstmord-Angriffe sind schädlich für die Palästinenser-PR; ansonsten ist es in Ordnung, Juden zu ermorden. Sehr friedlich!
3.) Israel will keine Frauen und Kinder töten, massakriert werden sie ohnehin nicht. Die Verlogenheit des „Friedenspartners“ spricht Bände darüber, wie „ernst“ er den Aufruf zur Feuereinstellung nimmt: Er will nichts, was der PR schadet; dass Juden ermordet werden, ist in Ordnung – aber die PR darf nicht geschädigt werden; was der PR schadet, das muss eingestellt werden! Er sorgt sich nicht um Leben und Tod, er sorgt sich um das Ansehen seines korrupten Regimes in der Welt – es könnte Schaden nehmen, das darf nicht sein!

Und den Status quo zu erhalten: Die Möglichkeit zu haben, jederzeit den Terror fortsetzen zu können, wenn die Zwischenziele erreicht sind.

Ich bin der soliden nationalen Solidarität für die Freiheit, Unabhängigkeit und Errichtung unseres Staates mit Jerusalem als seiner Hauptstadt im Sinne des internationalen Rechts und der UN-Resolutionen 242, 338, 425 und 194 sicher, einschließlich des Prinzips „Land für Frieden“. Diese Resolutionen verlangen ja nach seiner Lesart den Israelis alles ab, den Arabern nichts…
Liebe Schwestern, liebe Brüder, ich danke hiermit allen Brüdern und Freunden, die uns durch moralische, finanzielle und politische Unterstützung geholfen haben, auf offizieller oder persönlicher Ebene. Wie andere Palästinenser fühle Gewissheit, wenn die arabischen, islamischen oder internationalen Räte, Komitees und Organisationen sich auf unseren Aufruf hin versammeln oder einfach wegen unserer Sache. Es ist eine wieder hergestellte Botschaft an die ganze Welt, dass wir nicht allein sind und die internationale Gemeinschaft ist unserem Widerstand und nationalen Zielen des Schutzes der moslemischen und christlichen Heiligen Stätten im Heiligen Land der Heiligen Erde verpflichtet.
Liebe Brüder und Schwestern, wir müssen uns der internationalen Entwicklungen bewusst sein, besonders nach den Ereignissen der abscheulichen Angriffe auf das WTC in New York und das Pentagon in Washington am 11. September 2001 und ihres Einflusses auf unsere Sache und Rechte. Wir werden die Kontakte mit allen effektiven Kraäften ind er Welt energisch aufrecht erhalten und rasche Wechsel begreifen und uns mit ihnen in höchst angemessner Weise befassen, um unsere Sache und Rechte zu tragen, die derzeit in der internationalen Arena präsent sind, in einer Zeit, in der verstärkt gegen uns gearbeitet wird von denen, die uns nicht in unserem Land haben wollen und die uns immer als Terroristen bezeichnen, nur weil wir die Besatzung von unserem Heimatland entfernen wollen, das international anerkannt ist als legitime Heimat für die Palästinenser. Aber durch unseren fortwährenden Kampf haben wir Unvorhergesehenes auf den internationalen und lokalen Ebenen erreicht.
Die Vorstellung, die durch den US-Außenminister, Herrn Colin Powell erklärt wurde, die von Präsident George W. Bush in der UN-Vollversammlung dargelegt wurde, als er sich zur Errichtung des palästinensischen Staates verpflichtete genauso die EU und die Russen, die UN und die international deutliche und entschiedene Haltung, ist ein sehr effektiver Faktor in der Wiederherstellung der Gerechtigkeit unseres Kampfes, der schließlich zur Erreichung unserer nationalen, legitimen Rechte und den dauerhaften, starken Beziehungen mit de internationalen Gemeinschaften ist ein solider Beleg für unser gesundes und gerechtes Streben. Das ist in den letzten Wochen allerdings darin ausgedrückt, dass die EU eine (wenn auch offensichtlich nicht so ernst zu nehmende) klare und deutliche Warnung an Arafat schickte, die USA ihn nicht empfangen, weil er seinen Verpflichtungen nicht nachkommt und Israel ihn schließlich für „irrelevant“ erklärte – denn er terrorisiert weiter, statt den Terror zu beenden.
Nun, meine lieben Mitbürger, möchte ich in Ihrem Sinne dem israelischen Volk eine sehr klare und ehrliche Botschaft übermitteln, ihnen erzählen, dass wir miteinander seit Jahrzehnten verhandelt hatten, dass wir den Friedensaktivisten die Hand reichten und gbemeinsam unter sehr schwierigen Umständen kampften und uns der rechtlichen Verbannung der verschiedenen israelischen Regierungen gegenüber sahen, um die Verhandlungen zu einer soliden Grundlage für gegenseitiges Verständnis zu machen, die Verhandlungen zum einzigen Mittel machten, für beide Seiten respektable Ergebnisse zu bringen. Wegen unserer gemeinsamen Hartnäckigkeit gingen wir nach Madrid und Oslo und andere Friedens-Stationen, um unserer und ihrer Kinder willen.
Hiermit wiederhole ich nun unsere Politik der Wiederaufnahme gegenseitiger Diskussion und rufe die israelische Regierung auf, dass sie aufhört zu glauben, sie könne mit Panzern und Kampfjets erreichen, was durch Verhandlungen erreicht werden könnte. Wir wollen nichts Unmögliches und bedrohen die Existenz Israels auf keine Weise; alles, was wir wollen, ist unser Land zu befreien, das 1967 besetzt wurde, einschließlich Jerusalems. Und das internationale Recht ist auf unserer Seite. Wir wollen, dass die israelischen Besatzungstruppen aus unserem Land abziehen und die Siedlungen geräumt werden; das internationale Recht ist hier auch auf unserer Seite.
Ich höre immer nur, dass das internationale Recht auf seiner Seite sei – Arafat sollte das auch einmal belegen: Wo steht das? Und außerdem: Die Existenz Israels ist heftigst bedroht durch das, was Arafat fordert. Er hat die PLO-Charta nicht in der nötigen Form geändert (trotz des Spektakels, das vor einigen Jahren veranstaltet wurde). Und er wie auch seine engsten Vertrauten haben oft genug dargestellt, dass ein Palästina vom Jordan bis zum Mittelmeer ihr Ziel ist, alles andere nur ein Zwischenschritt.
Wir wollen eine faire Umsetzung aller vereinbarten Dinge, wir wollen die Verhandlungen über alle ausstehenden Dinge fort führen, ohne dass das bisher Erreichte aus Wye River, Camp David, Sharm el Scheik, Paris, Taba, Kairo und anderswo gestrichen wird. Was wurde denn erreicht? Er hat doch alles bisherige abgelehnt. Die Israelis sollen sich also zu Dingen verpflichtet sehen, die Arafat nicht wollte – und dann wird nochmal weiter überlegt. Arafat bietet NULL Gegenleistung. Das ist nicht akzeptabel, das ist auch ein Verhandeln! Und da Arafat alles ablehnte, ist auch nichts erreicht worden!
Und wir verlangen einfach einen echten, unabhängigen Staat mit Jerusalem als seiner Hauptstadt, neben Israel; aber was wir nicht wollen sind Panzer, die unsere Straßen in unseren Dörfern und Städten füllen und die Kampfflugzeuge, die unsere bevölkerten Plätze vom Himmel aus beschießen; diese Taten, die nicht legal sind und allem internationalen Recht widersprechen, werden nichts an unserer Beharrlichkeit und Entschlossenheit ändern. Wie wäre es, wenn Arafat den friedlichen Weg verfolgen würde, dann wären auch keine Panzer mehr in „Palästina“.
Aber bleich wieder die Durchhalte-Parole (was ist daran friedlich, wenn ein „weiter wie bisher“ festgelegt wird?).
Ich erneuere meine Einladung an das Volk, die politische Kräfte, Institutionen und Regierung Israels ohne Verzögerung an den Verhandlungstisch zurück zu kehren und sofort damit fortzufahren, diese furchtbar unmenschlichen Maßnahmen aufzugeben, die gegen unser Volk ausgeübt werden und die keinem Zweck dienen außer die Zustände zu verschlimmern und Sicherheit, Frieden und Stabilität weiter in die Ferne rücken lassen.
Zusammen gefasst, an mein geliebtes Volk, die große und stolze Nation in der Heimat und im Exil, Ich grüße euch und strecke euch die Hand entgegen, damit wir gemeinsam den Olivenbaum auf dem Grab jedes Märtyrers pflanzen werden, denn alles, was zerstört wurde, soll wieder aufgebaut werden, so Gott will, mit der Entschlusskraft des Volkes. Alle schönen Hoffnungen sollen mit Gottes Hilfe wahr werden. Der Sieg liegt in der Geduld.
Und euren Tempel zu betreten,
wie sie ihn früher schon betraten,
und mit Zerstörung heim zu suchen,
alles, was in ihren Machtbereich fiel.
Gott wird nicht versagen
in seinem Versprechen.
Sadaqa Allahu Al Athim.
Friede sei mit euch.
Na prima, die angebliche Friedensrede beschwört am Ende wieder Hölle für die Juden! Das nennt der Westen Fortschritt und bedeutungsvolle und nie dagewesene Möglichkeiten!

Es gibt viele Wertungen und Einschätzungen dieser Rede. Während der Westen Arafat hoch jubelt, dass er dem Terrorismus den Kampf ansagte, ist man in Israel kritisch und die USA sind vorsichtig. IMRA z.B. bekam einen Text vom Palestine Media Center übermittelt, der einige klarere (und damit verräterische) Formulierungen enthält, die meine Kommentare noch bestätigen. Beispiele für Reaktionen sollen aber verschiedene Kommentare sein:

1. Michael Widlanski, The Media Line: Arafat sagt nichts Neues
Durch die ganze Rede hindurch spielte Arafat bekannte Wortspiele in Arabisch: rief nach Frieden, aber genauso rief er die Palästinenser auf, ihren Kampf fort zu setzen, wobei er den Begriff „Jihad“ verwendete, der beides heißen kann: „Kampf“ und „Heiliger Krieg“.
Trotz vieler Spekulationen israelischer Pazifisten im Vorfeld der Rede rief Arafat die Palästinenser nicht zur Beendigung ihrer „Intifada“ (das ist der Spitzname, den sie ihrem 15-monatigen Abnutzungskrieg gaben) auf.
Trotz der Hoffnungen des israelischen „Friedenslagers“ rief Arafat die Palästinenser auch nicht auf ihre Waffen nieder zu legen und schon gar nicht dazu, sie zur Vernichtung zu übergeben.

Arafat schien höchstens in der Lage und willens… zu sagen, dass größere Anschläge gegen die palästinensischen Interessen seien und der Regierung von Israels Premierminister Ariel Sharon helfen würden.
Nicht ein einziges Mal in seiner Rede benutzte Arafat den Begriff „unmenschlich“ oder „Terror“, um palästinensische Taten zu beschreiben, sondern nur für israelische Aktionen.

Er verurteilte nicht einen einzigen arabischen Terroranschlag gegen Israelis; besonders vermied er die Erwähnung einer der Terror-Organisationen, die unter dem Schirm der PA erblüht sind: Hamas, Islamischer Jihad, Fatah, Tanzim und PFLP.
(Auszüge aus:Michael Widlanski: „Arafat Says Nothing New in Broadcast“, The Media Line, 16.12.2001.)

Einen Tag später ergänzt Widlanski:
Yassir Arafats Rede war nach einigen israelischen und westlichen Analysten ein großer Wendepunkt der palästinensischen Politik, weil er VERMEINDLICH die folgenden „neuen“ Faktoren beinhaltete:
* einen direkten Aufruf Arafats an das palästinensische Volk, Gewalt zu vermeiden
* ein Versprechen, illegale Terroristen zu verhaften und vor Gericht zu stellen
* eine Bereitschaft, auf eine Friedensregelung mit Israel hin zu arbeiten, mit dem ein friedlicher palästinensischer Staat in Harmonie leben würde.
Aber die oben beschriebene hoffnungsvolle Analyse der Worte und Intentionen Arafats war – wieder einmal – falsch, denn viele der Kommentare Arafats waren in Wirklichkeit alte Formeln, die schon vorher in Reden von ihm und anderen Palästinenser-Führern benutzt wurden, was nicht eingehaltene Versprechen einschließt.
„Die palästinensische Führung wird sicher stellen, dass die Feuerpause von allen eingehalten wird und wird alle Verstöße verhindern, die als außerhalb der Gesetzlichkeit stehend angesehen werden und als Teilnahme an der Eskalation, die nur den Feinden des Friedens hilft und den israelischen Plänen gegen unser Volk“, hieß es in einer Erklärung, die von der PA VOR ZWEI MONATEN (am 19.-20. Oktober [HE: nach der Ermordung von Minister Ze’evi]) herausgegeben wurde.
Seit damals wurden mehr als 50 Israelis durch Terror-Anschläge ermordet, einige davon durch Selbstmord-Bomber, die offiziell von Hamas, Islamischer Jihad und Arafats eigener Fatah-Tanzim-Organsiation stammten.

Keine dieser vier Organisationen wurde für illegal erklärt und keine ihrer Waffen beschlagnahmt, aber Arafats Autonomiebehörde macht Israel für die fortwährende Gewalt verantwortlich und beschuldigt es der Verschwörung zur Beseitigung der PA.

(Wie auch im Fall der Ermordung Minister Ze’evis) stellt sich die Autonomiebehörde als Terror-Opfer dar und erklärt, dass die israelische Regierung eine Verschwörung betreibt, den palästinensischen Terror als Vorwand zu Angriffen auf Arafat und die Palästinenser zu benutzen.

In beiden Fällen behauptete die PA, sie sei gegen Gewalt, gab aber tatsächlich offiziell auf eine Weise Unterstützung für eine Feuerpause, die ein Ende aller israelischen Aktivitäten beschwor und eine vorüber gehendeEinstellung der großen palästinensischen Selbstmord-Anschläge, die die PA in Verlegenheit brachten.
Statt ein Ende des 15-monatigen Abnutzungskriegs auszurufen,… fuhr Arafat fort, die stoßweise Gewalt als „legitimen Kampf“ zu bezeichnen, benutzte sogar Begriffe wie „Jihad“ (was auch „Heiliger Krieg“ bedeutet) und „Kifaah“ (was für „bewaffenter Kampf“ benutzt wird).
Statt palästinensische Übergriffe aufgrund humanitärer oder ethischer Gründe zu verurteilen, bot Arafat seinem Volk einmal mehr eine pragmatische Erklärung, um vorläufig die spektakulärsten Kriegshandlungen (die er NIEMALS TERROR NANNTE) zurückzuziehen, denn diese Aktionen würden „sie (die Israelis) mit Vorwänden ausstatten, ihre Aggressionen auszudehnen oder unseren legitimen Kampf als Terror zu bezeichnen.“

Eine detaillierte Textanalyse der Worte Arafats (in der gesendeten Form in Arabisch wie auch in arabischen Text und der offiziellen englischen Übersetzung, wie sie die Autonomie-Behörde verbreitete) enthüllt ein pessimistisches Bild seiner Worte und Politik, einschließlich:
* keine Erklärung, was einen Terrorakt einer arabischen Partei darstellt;
* keine Erwähnung einer Illegal-Erklärung einer arabischen Organisation;
* kein Versprechen, irgendeine arabische Organisation für illegal zu erklären;
* und keine Bereitschaft, einer der „islamischen (Streit-)Kräfte“ wie Hamas durch legale und militärische Maßnahmen – wie z.B. der Einsammlung von Waffen – entgegen zu treten.
Tatsächlich sagt Arafats Rede ausdrücklich, dass anerkannte „Islamische Kräfte“ NICHT als illegal angesehen werden.
All diese Elemente, die in der gestrigen Rede offen zu Tage treten, sind traditionelle Themen in Arafats Reden der Vergangenheit und der jüngsten Erklärungen der Autonomiebehörde und der PLO – oder der „palästinensischen Führung“, wie sie sich selbst gerne bezeichnet.
Aber für die, die einen Wechsel der Richtung von Arafats Politik erhofften, war das problematischste Element die regelmäßige Benutzung verschiedener Code-Sätze, die zeigen, dass Arafat keinerlei Anstalten macht, einen dauerhaften Frieden mit Israel zu schaffen, besonders nicht mit der Regierung Ariel Sharons…
(Auszüge aus: Michael Widlandski: „Deep Analysis: Arafat’s Speech Offers Nothing New“, The Media Line, 17.12.2001.)

2. Die US-Organisation „Honestreporting.com“ vermutet einen „Sprachfehler“:
Am Sonntagabend hielt Yassir Arafat eine 25-minütige Rede im palästinensischen Fernsehen, in der er zu einem Ende aller bewaffenter Angriffe auf Israelis aufrief.
Innerhalb weniger folgenden Stunden feuerten militante Palästinenser eine Mörsergranate auf eine jüdische Siedlung im Gazastreifen, außerdem wurden von der israelischen Armee Feuerüberfälle aus den gesamten „Territorien“ gemeldet.
Am Montag ging dann eine Bombe am Straßenrand bei Nablus hoch; palästinensische Schützen schossen auf und verwundeten zwei Israelis bei Ofra; andere Palästinenser verwundeten bei einem Schusswaffen-Angriff bei Neveh Tzuf einen israelischen Autofahrer schwer; eine weitere Mörsergranate wurde auf eine jüdische Siedlung in Gaza abgefeuert.
Hatten die Palästinenser die Fernseh-Ansprache verpasst?
(honestreporting.com-Newsletter vom 17.12.2001)

3. Die Analyse der „Jerusalem Post“ zählt Widersprüche auf:
* Er sagte den Palästinensern, sie hätten die Schlacht durch ihre Standhaftigkeit und die Opfer gewonnen. Tatsächlich aber haben sie militärisch wie diplomatisch verloren. Israelische Streitkräfte stießen ungehindert in das Herz palästinensische verwalteter Gebiete vor, bombardierten und führten weitere Vorstöße bis nahe an Arafats Büro durch.
* Er pries ausführlich die nationale Einheit . Aber Hamas, Islamischer Jihad und sogar Teile der Fatah-Gruppe (wenn auch mit Arafats Erlaubnis) widersetzten sich den Befehlen, die er öffentlich gab.
* Er betonte die palästinensische Demokratie, wies darauf hin, dass die Autonomiebehörde und Legislative gewählt wurden und versprach neue Wahlen, sobald die Umstände dies erlaubten. Tatsächlich aber standen er und sein Parlament im Frühjahr 2000 zur Wahl, in einer Zeit, die noch sehr ruhig war. (Diese Wahlen fanden aber nicht statt.) Die Stadt- und Gemeinderats-Wahlen wurden wiederholt angekündigt, aber nie abgehalten.
* Er sagte, Israel habe einen brutalen Krieg gegen die Palästinenser begonnen, erwähnte aber nie, dass die Palästinenser mit der Gewalt anfingen. Unter einander stellten sie den Konflikt als einen Unabhängigkeitskrieg dar, der erst enden würde, wenn ein Staat erreicht worden sei. Er erwähnte nicht die Versprechen, die ihm in Camp David gemacht wurden oder den Clinton-Plan, den er ablehnte; auch keine Erwähnung fanden die Aufrufe zu Feuerpausen, die er niemals umgesetzt hatte.
* Er betonte die Glaubwürdigkeit der palästinensischen Führung, sagte, dass wenn die PA Entscheidungen träfe, sie auch Resultate liefere. Tatsächlich ist die Glaubwürdigkeit der PA in Israel, den USA und sogar Europa auf ihren geschichtlichen Tiefpunkt gelangt. Es bestehen ernsthafte Zweifel, die nicht aus der Welt geschafft werden konnten, dass die PA jemals etwas von dem umsetzt, was sie verspricht.
* Er sprach von internationaler Unterstützung der Palästinenser, erwähnte dabei US-Präsident George W. Bush und Außenminister Colin Powell hätten ihrer Unsterstützung für einen palästinensischen Staat Ausdruck verliehen. Er sprach auch davon, dass die Araber den Palästinensern beistehen würden. Er erwähnte nicht den Verlust der internationalen Unterstützung, einschließlich der arabischen Untätigkeit und des fehlenden finanziellen Beistandes.
* Er sagte, israelischer Druck auf die Palästinenser würde nichts erreichen. Tatsächlich aber hat er zu seiner Entscheidung geführt, die Kämpfe (vorläufig) zu beenden.
Besonders bemerkenswert war seine Zwangsvorstellung des Konzepts der Erniedrigung. „Niemand würde erlaubt werden, die Palästinenser zu erniedrigen.“ Offenbar hat dies tiefe psychologische Auswirkungen auf ihn. Für Arafat sind Militanz und Kompromisslosigkeit Mittel, Erniedrigung zu begegnen, so als sei die Kräfteverteilung auf seiner Seite, wenn das offensichtlich nicht der Fall ist. Die derzeitigen Umstände sind ein gutes Beispiel für diese Situation.

Arafat rechtfertigte diesen Schritt [Aufruf zur Feuerpause] auf zweierlei Art. Erstens erklärte er fälschlicherweise, die Palästinenser hätten immer eine Feuerpause befürwortet, aber Israel habe diese blockiert. Zweitens erzählt er seinem Volk, dass Premierminister Ariel Sharon der einzige sei, der tatsächlich wolle, dass die Kämpfe weiter gingen.
Drittens deutete Arafat an, sagte es aber nicht ausdrücklich, dass Sharon die PA zerstören wolle. Damit führte er, ohne es zuzugeben, eine 180-Grad-Wende aus. Früher war die Fortsetzung der Schlacht der heldenhafte palästinensische Kampf um Unabhängigkeit, der Israel zum Abzug zwingen sollte. Jetzt ist die Beendigung der Kämpfe eine kluge palästinensischer Strategie, um Sharon zu überlisten.
Viertens: dadurch, dass er behauptet, die Palästinenser verteidigten sich gegen Aggression, er habe seit langem eine Feuerpause gesucht und hart daran gearbeitet, eine zu sichern und er lade Israel wieder ein, zu Verhandlungen zurück zu kehren, versucht Arafat seine Rolle als Friedensstifter erhalten.

Arafat betonte – wie immer – das Ziel der Palästinenser sei ein unabhängiger Staat mit seiner Hauptstadt in Jerusalem und fügte an, eine Lösung würde auf (dem Prinzip) „Land für Frieden“ gründen und dieser Staat würde neben Israel leben. Aber Arafat rutschte auch ein Hinweis auf die UN- Resolution 194 heraus, die Palästinenser dazu benutzen ein „Rückkehrrecht“ für alle Palästinenser nach Israel zu rechtfertigen.
Drei unvollständige Punkte sind auch interessant. Arafat erwähnte den US-Krieg gegen Terrorismus und die Anschläge vom 11. September in New York als Faktoren, die sich auf die palästinensische Sache auswirken. Aber er erklärte nicht, wie sie sich darauf auswirkten – nämlich in verminderter internationaler Unterstützung für die Palästinenser; stärkeren Drucks auf ihn, gegen Terror vorzugehen; und vermehrte Sympathie für Israel.
Er machte auch eine Nebenbemerkung zu den Verhandlungen in Scharm-el-Scheik im Frühjahr 2001. Er machte das zwar nicht deutlich, aber er zieht es natürlich vor, dass erneute Verhandlungen an diesem Punkt wieder beginnen, von dem aus er weitere israelische Zugeständnisse fordern kann.
Schließlich sprach er über das, was er einen „realen palästinensischen Staat“ nannte, was auf die Streitpunkte hinweisen könnte, das die israelischen Angebote nicht ausreichten eine echte Unabhängigkeit zu liefern.
In seiner gesamten Karriere hat Arafat seine Postition nie dazu genutzt, Palästinenser über die politische Situation und ihre Alternativen zu informieren. Er beschränkt sich allgemein darauf, Emotionen zu schüren, zu Taten zu ermuntern oder Befehle zu geben. Obwohl er zu Beginn seiner Rede sagte, es sei ein Gespräch von Herz zu Herz, in dem er die Lage den Palästinensern erklären würde, tat er dies nicht.
Ein Problem, das aus Arafats (Führungs-)Stil entsteht, ist, dass die „palästienensischen Straße“ zu Recht fragen könnte, warum sie ihren Krieg beenden sollte, wenn sie ihn doch gewännen. Einmal mehr ermutigt Arafat – diesmal vermutlich unabsichtlich – in dem Moment zur Militanz, als er versucht, die Dinge zu beruhigen. Gäbe er den Palästinensern eine realistische Beurteilung ihrer Probleme, würde er ihnen eher einen Gefallen tun und effektiver darin sein, das von ihm erklärte Ziel der Beendigung der Gewalt und der Verfolgung erfolgreicher Verhandlungen zu erreichen.
In Wahrheit stellte seine Rede natürlich einen Versuch dar, seine eigene Politik komplett umzukehren, während er vorgaukeln wollte, eine lange gültige Strategie zu verfolgen oder wenigstens auf einem weiteren palästinensischen Sieg aufzubauen. Niemand wird diese Behauptung glauben. Die Kernfrage bleibt allerdings, ob Arafats Worte zu einer wirklichen Feuerpause führen werden oder nur ein Ersatz für Taten seinerseits sind.

(Auszüge aus „Defeated Arafat Declares Victory“, Jerusalem Post, 17.12.2001)

4. IMRA vermutet, dass der Text der Rede nicht gelesen wurde
Wafa meldete, dass der Repräsentant des UN-Generalsekretärs, Terje Rod Larsen, die israelische Regierung aufrief, positiv auf die Rede zu reagieren… Er beschrieb die Rede als historisch und sehr wichtig, sie stelle einen Wendepunkt dar, der zur Beruhigung und zur Rückkehr zu Verhandlungen führe. Er fügte hinzu (an die israelische Adresse!), dass Gewalt nicht zu Frieden und Stabilität führe.
IMRA merkt dazu an:
Unglücklicherweise scheint es so, dass Herr Larsen sich auf gefällige Berichterstattung verlässt und es unterließ den Text zu lesen.. Hätte der dies getan, hätte er erfahren, dass Arafat die Palästinenser nur aufrief, keine Operationen auszuführen, die die PA in der Vergangenheit verurteilte und darüber hinaus keine Mörsergranaten mehr zu verschießen, die Israel den Vorwand für Angriffe lieferten – ein Aufruf, der beträchtlichen Raum lässt für weitere Morde an Israelis. Er hätte auch gemerkt, dass Arafat deutlich machte, dass nichts, was Israel angetan wird, „Terror“ darstellt und dass er nur solche Gruppierungen für illegal erklären würde, die „Terror“ ausübten – also können Operationen gegen Israel weiterhin ausgeführt werden, ohne dass befürchtet werden muss, dass die PA irgendeine Gruppierung ausschalten wird.
(IMRA-E-mail-Nachrichten vom 18.12.2001)
5. The New Republic aus den USAkommt zum Schluss, dass Arafat nur taktiert:
Lesen Sie sie genau und zucken Sie zusammen. Die geforderten Worte des Ausgleichs waren da („Ich wiederhole die erklärte Feuerpause“, sagte Arafat, eine Wiederholung, die durch die endlose Verletzung dieser Feuerpause durch verdrahtete junge Palästinenser notwendig wurde, die ihren Weg des Hasses in den Himmel gingen) und genauso die Worte, die die westlichen Regierungen so gerne hören wollten – „alle Aktionen völlig zu stoppen, einschließlich der Selbstmord-Angriffe, die wir verurteilt haben und wir werden ihre Geldgeber und Organisatoren verfolgen“. Forschritt? Nein! Arafats vermeintlich goldenen Worte wurden in einen Zusammenhang von Ausreden, Beschönigungen und Beteuerungen genau der Mentalität gegeben, dass die Rede für unrechtmäßig erklären sollte. Diese große Ansprache gegen die Politik des Märtyrertums begann so: „Brüder und Schwestern, meine liebe Mitbürger und kämpfenden, mutigen Palästinenser; Mütter, Väter und Brüder der Märtyrer; ihr, die ihr die liebsten eurer Kinder für die Sache des Sieges und der Freiheit geopfert habt und für die Sache der Heiligen Stadt Jerusalem…“ Nicht gerade (scharfe) Kritik der endzeitlichen Gewalt. Und die Rede endete so: „Mein geliebtes Volk, die große und stolze Nation in der Heimat und im Exil, Ich grüße euch und strecke euch die Hand entgegen, damit wir gemeinsam den Olivenbaum auf dem Grab jedes Märtyrers pflanzen werden…“ Ein kleiner Stoß mehr, ein Augenzwinkern, und Bomben werfen.
Und auf welcher Grundlage ermahnte der palästinensische Führer sein Volk, sich von der widerlichen Mode des verehrten Terros abzuwenden? Nicht auf der Grundlage, dass diese Mode widerlich ist. Nirgendwo in Arafats Text gibt es einen Hinweis darauf, dass solche Taten falsch sind. Statt dessen werden Gründe der Zweckmäßigkeit angeführt. Selbstmord-Bomben, erkärte Arafat, sind taktischer Unsinn, denn sie „liefern den Israelis Vorwände um unsere Kinder und Frauen zu massakrieren.“ Sie sind also politisch gefährlich, denn sie bedrohen die Autorität der Autonomiebehörde, Arafats eigener Behörde. „Nur einer Behörde muss gehorcht werden und ihre Vereinbarungen mussen respektiert werden.“ Ganz deutlich hat Arafat erkannt, dass die Blut getränkte Strategie der Hamas sich nicht nur gegen Israel richtet, sondern auch gegen ihn selbst. Sein Ziel ist (wie immer) nicht ein israelisch-palästinensischer Friede, sondern sein eigenes Überleben.

(Auszüge aus: „Wrong Address“, The New Republic, Ausgabe vom 31.12.01, Vorab-Veröffentlichung auf der Website vom 20.12.01.)

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