Kinderkram?

Benjamin Netanyahu hat ein Treffen mit Bundesaußenminister Gabriel abgesagt, weil dieser sich unbedingt mit – so hallt es aus unsere Medien – „Menschenrechtsgruppen“ treffen will, „die Israels Siedlungspolitik kritisieren“.

So kann man es natürlich auch ausdrücken. Vor allem kann man die Zusammenhänge außen vor lassen. Und man kann, wie Gabriel auch, Entscheidendes ausblenden oder weglassen.

Erst einmal zur Berichterstattung. In unserem Lokalradio wie auch im WDR hieß es in den Nachrichten (und der weiteren „Berichterstattung“, Netanyahu habe wegen Gabriels Treffen mit „Menschenrechtsgruppen, die Israels Siedlungspolitik kritisieren“ mit der Absage des Termins mit dem Deutschen gedroht. Im WDR heißt es noch „linke Menschenrechtsgruppen“ – und damit ist klar, dass sie die guten sind, denn Netanyahu ist bekannt rechts und damit auf der falschen Seite.

Unsere herzallerliebste Moderatorin des Lokalradios meinte kommentieren zu müssen, dass Netanyahu sich wie ein kleines Kind verhalte – und machte die entsprechenden Geräusche dazu. Der WDR wurde auch nicht konkreter, ließ aber Sigmar Gabriel ausführlich zu Wort kommen: Es sei ganz normal, wenn man bei Auslandsbesuchen auch mit Vertretern der Zivilgesellschaft spricht; und es sei undenkbar, dass bei einem Besuch Netanyahus in Deutschland ein Treffen mit ihm abgesagt würde, weil er sich mit Regierungskritikern treffen wollte.

Die Printmedien sind zum Teil etwas ausführlicher. Der SPIEGEL nennt z.B. zwei der fraglichen Organisationen: B’Tselelm und Breaking the Silence und versucht Netanyahus „Rage“ zu erklären – allerdings in der üblichen positiven Weise, die dem Leser vermittelt, dass sie die Guten sind und die Kritik an ihnen ungerechtfertigt ist.

Die FAZ beschränkt sich auf eine kurze Meldung, die so nichtssagend ist wie die Meldungen im Radio.

Manche andere, die ausführlicher sind, schreiben auch, dass es sich u.a. um Breaking the Silence handelt – und auch hier wird nicht gezeigt, wie übel diese Truppe agiert, sondern „neutral“ so geschrieben, dass der Leser einen guten Eindruck von ihr bekommt. Darüber hinaus kommt dann die „Information“, dass „Breaking the Silence und andere linke Organisationen … in Israel oft als Nestbeschmutzer oder Verräter gebrandmarkt“ werden. Die Gründe werden nicht erläutert, nur so angedeutet, dass man einen positiven Eindruck bekommt.

ZDF heute um 17 Uhr: Auch hier keine Zusammenhänge. Ein Hinweis auf die abgesagten „Regierungskonsultationen“ im Februar, wegen des Wahljahres. Und liefert noch gleich einen spekulativen Grund für Netanyahus Aktion mit: Das macht er wegen der Innenpolitik, um dem „rechten Rand“ seiner Koalition zu zeigen, was er kann.

Allgemein wird davon geredet, dass Netanyahu für den Eklat sorgt, für die Verschlechterung der Beziehungen.

Und was lassen die Qualitätsjournalisten und Herr Gabriel aus?

Zunächst einmal wird kaum irgendwo erwähnt, dass Gabriels erklärter Freund Mahmud Abbas keine Zeit für ihn hat – kommentiert schonmal gar nicht. Warum auch, schließlich hatte Frau Merkel ja auch mal keine Zeit für Netanyahu. Dass sie andererseits kurz darauf Zeit für ein ausführliches Treffen mit Mahmud Abbas hatte – geschenkt, ist kein Problem. Dass das für die Israelis ein Schlag ins Gesicht ist, zählt nicht. Die haben die Wange hinzuhalten, müssen sich alles gefallen lassen.

Es wird Gabriels Argument kolportiert, dass eine solche Aktion umgekehrt undenkbar wäre. Ich möchte aber lieber nicht wissen, was los wäre, wenn Netanyahu sich mit den Regierungskritikern von Pegida träfe. Die „Kritik“ eines solchen Treffens mit der Zivilgesellschaft – na ja, man kann sich nur allzu gut vorstellen, was dann an Kommentaren aus Berlin käme.

Auch nicht erwähnt wird Gabriels antiisraelische Vorgeschichte. Schon gar nicht, wenn Gabriel selbst im Interview mit dem ZDF Morgenmagazin erzählt, er habe genug Freunde in Israel und wäre nicht darauf angewiesen Netanyahu zu treffen. Diese Vorgeschichte ist aber ein entscheidendes „Detail“: dass Gabriel vor einigen Jahren Israel Apartheid vorwarf; dass er Abbas seinen Freund nennt, den er gerne trifft usw. Gabriel ist nicht nur deutscher Außenminister, er ist auch ein Kumpel der Terroristen und einer, der mit falschen Vokabeln Israel verleumdet.

Wenn dieser Mensch sich dann mit Organisationen treffen will, die eben nicht einfach „linke Menschenrechtsorganisationen“ und „Kritiker der Regierung“ sind, sondern Gruppen am äußersten Rand der israelischen Gesellschaft, die mit Lügen und unsachlichen Vergleichen gegen das Land (nicht nur die Regierung) hetzen, dann passt das ins Weltbild nicht nur von Gabriel und unserer Qualitätsjournaille, die solche Verbrecher hochleben lassen und hofieren. Die solche Gruppen finanzieren und ganz erpicht darauf sind, von ihnen weitere „Informationen“ zu erhalten, die nicht nur Fake News, sondern dreiste Unwahrheiten bis Lügen sind.

Wer mehr über B’Tselem und Beraking the Silence wissen möchte, kann auf diesem Blog deren Namen ins Suchfenster eingeben. Der kann das auch bei Elder of Ziyon, Palestinian Media Watch und einigen anderen tun. Ganz aktuell hat aus Anlass des Eklats der Blog Israelkompetenzkollektion eine ausführliche Informaion eingestellt.

Wenn Netanyahu hier als der Schlimme dargestellt und seine Aktion als Ursache für eine Verschlechterung des Verhältnisses zu Israel verbreitet wird, dann ist das schlicht falsch. Wenn die Moderatorin unseres Lokalradios sein Verhalten als kindisch bezeichnet, beweist sie nur einmal mehr die Lücken ihrer Kenntnisse und den Unwillen selbst zu denken oder zu recherchieren (die Dame plappert aber sowieso nur nach, was in der üblen Seite des Mainstreams so vorgegeben wird).

Qualitätsjouranlismus. Qualitätsdiplomatie. Stoße die Israelis vor den Kopf, bis sie sauer werden. Und beschwere dich dann, dass die Israelis dünnhäutig, kindisch und so weiter ist. So funktioniert heute Politik. Dass damit verleumdet wird – geschenkt, das sind die Israelis, die haben sich das gefallen zu lassen.

—–

Weitere Kommentare:
– Audiatur: Sigmar Gabriels kalkulierter Eklat
– tw24: Zumutung
– Israelnetz: Der Verunglimpfung abgesagt

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3 Gedanken zu “Kinderkram?

  1. Wenn hier von Kinderkram geredet werden soll, dann ist das nicht Netanjahu, sondern sein Herausforderer aus old Germany. Herr Gabriel versuchte auf Netanjahus Nase ein Tänzchen zu machen. Netanjahu hat die Nase nur ein wenig nach rechts geschwenkt und schon fällt Herr Gabriel auf den Boden der Tatsachen.
    Siegmar Gabriel zog aus um zu siegen und hat sich und unser Land lächerlich gemacht. Er wurde gewogen und zu leicht befunden und hat es noch nicht einmal gemerkt. Kann er ja auch nicht, wo ihn doch Mutti schützt.
    Wer so mutig ist, seinen besten Freund öffentlich so zu beleidigen, wird nun sehr viel Mut haben müssen, öffentlich sich zu entschuldigen. Aber davon ist der gestiefelte Kater weit entfernt. Der Balken ist noch im Auge. Er muss nun den Mut aufbringen denselbigen zu ziehen. Ansonsten sehe ich schwarz für ihn und uns.

  2. Ich glaube aber, Netanjahu ist hier Gabriel in die Falle gegangen. Die Falle
    besteht darin, dass Gabriel nur noch vier Monate im Amt ist. Der nächste
    Außenminister wird mit Verweis auf diese Angelegenheit aber einem viel
    untadligeren Lebenslauf eine passende Aktion starten, die Netanjahu entweder
    gleich beantworten kann in Verkennung dass die Person gewechselt hat,
    oder nachgeben zum Schaden seiner innenpolitischen Unterstützung.

    Kurz: Das Ganze war nur ein Vorgeplänkel, Mutti hat die laaaange Sicht.

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