Zu Arafats Rede vom 15. Mai 2002 (2)

Yassir Arafat hielt am 15. Mai 2002 eine weithin beachtete Rede. In dieser Rede – so berichteten unsere Medien – kündigte er Reformen in der PA und Wahlen an. Das wurde besonders hervor gehoben. Aber was hat er tatsächlich gesagt? (Abgesehen davon, dass er in der Folgezeit vor allem darauf hinwies, dass Wahlen nur stattfinden könnten, wenn die Israelis abziehen – als wenn das etwas miteinander zu tun hätte!). Aaron Lerner ist der Meinung, dass Washington die Analyse der Rede verpfuscht.

Washington verpfuscht die Analyse der Rede Arafats – mal wieder

Das Weiße Haus sagte heute, dass die Rede des Vorsitzenden der palästinensischen Autonomiebehörde heute in Ramallah „positiv“ war.

In der Rede setzte Arafat die Regeln für die Fortführung des Krieges gegen Israel: „Wir haben in der Vergangenheit verkündet und wir wiederholen es heute, dass wir alle Arten von Operationen ablehnen, die israelische Zivilisten angreifen“ – militärische Ziele (und in der Vergangenheit schloss das Highschool-Schüler ein, da sie „fast“ in der Armee sind) und Siedler bleiben Freiwild. Es sollte angemerkt werden, dass es für Staaten im Krieg typisch ist zu behaupten, sie hätten nicht vor, auf die Zivilbevölkerung des Feindes zu zielen – Arafats „positive“ Erklärung geht nicht weiter als bis da hin.

Zusätzlich spielte Arafat im Verlauf der Diskussion der Vereinbarung, die er mit Israel erreichen will, auf die Vereinbarung von Hudabiyya an (Kanal 2 des israelischen Fernsehens strahlte zwei Fälle aus – aus unerfindlichen Gründen ignorieren das die meisten Berichte über die Rede). Die Vereinbarung von Hudabiyya war ein 10-jähriger Friedensvertrag zwischen Mohammed und dem Stamm der Qureish. Nach zwei Jahren, als Mohammed sein militärische Position gestärkt hatte, zerriss er die Vereinbarung und schlachtete die Qureish ab. Saladin war der muslimische Führer, der – nach einem Waffenstillstand – den Jihad gegen die Kreuzfahrer erklärte und Jerusalem eroberte.

Glaubt Washington wirklich, dass es „positiv“ ist, wenn Arafat – in grober Verletzung von Oslo – lediglich Einschränkungen für Angriffe auf israelische Zivilisten innerhalb der Grünen Grenze auferlegt (und selbst diese nur, weil sie schlechte PR darstellen)?

Glaubt Washington wirklich, dass es „positiv“ ist, wenn Arafat seinem Volk erzählt, dass er einen zeitlich begrenzten Handel mit Israel schließen will, der auf den Müll geworfen wird, sobald sich eine Gelegenheit ergibt Israel zu zerstören?

Und schließlich: Wann wird Washington sich hinsetzen und die Bedeutung dessen, was Arafat sagt, studieren, bevor es aufspringt um ihm zu applaudieren?

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