Zu Arafats Rede vom 9. September 2002 vor dem Palästinensischen Legislativrat (3)

Was Yassir Arafat schon einen Tag nach der Rede vom 10.9. sagte

ARAFATS MEDIALER AUFRUF ISRAEL ANZUGREIFEN NUR EINEN TAG; NACHDEM ER SICH ANGEBLICH GEGEN TERROR AUSSPRACH

von Michael Widlanski, The Media Line

Kaum einen Tag, nachdem Yassir Arafat angeblich ein Ende der Terrorangriffe auf israelische Zivilisten forderte, sendete sein offizieller palästinensischer Fernseh-Sender zehn Minuten Filmmaterial, dass ausdrücklich zu Angriffen auf den israelischen „Feind“ aufrief.

Die Filme, die unmittelbar auf die wichtigen 15 Uhr-Nachrichten folgten, ließen keinen Zweifel an den palästinensischen Absichten und brachten Arafat selbst, wie auch andere Palästinenserführer, die während Angriffen auf Waffen trugen (das begleitende Video-Material kann bei http://www.themedialine.org angesehen werden).

„Ya-jamahir ard-al mutallah, yallah al-thawra dhid-al’udu” – „Oh Massen des besetzten Landes, schreitet mit der Revolution gegen den Feind voran!“

Dieser Satz wurde dutzende Male in einem Lied wiederholt, das eine Mixtur aus feierlicher Marschmusik brachte, die Bilder palästinensischer Jugendlicher unterlegte, die brennende Benzinbomben und Steine werfen und mit Gewehren schießen.

Arafat selbst und sein verstorbener Adjutant Khalil al-Wazir (Abu Jihad) wurden – in vor mehr als zwei Jahrzehnten aufgezeichnetem Material – Waffen tragend gezeigt, sogar mitten in Angriffen auf israelische Ziele. [heplev: An denen sie gar nicht teilgenommen hatten!] „Oh Massen des besetzten Landes, gebt euer Blut. Vorwärts, unsere Märtyrer, vorwärts, unsere Sonnen“, hieß es in einer weiteren Strophe des Liedes, das mehrmals wiederholt wurde.

Arafat hat gezielt eine gemischte Botschaft geboten – eine, die sich weitgehend an westliche Hörer wendet, und eine, die sich hauptsächlich an seine eigene palästinensische Wählerschaft wendet. In seiner Rede Montag in Ramallah (9. September) bot er lediglich generelle Aufrufe „israelische Zivilisten innerhalb Israels“ nicht anzugreifen, während er sich standhaft weigerte irgendeinen der Terroristen zu verurteilen – Islamischer Jihad, HAMAS oder seine eigene Fatah-Organisation -, die die Anschläge ausgeführt haben.

Es scheint, dass Arafats Hauptbotschaft an sein eigenes Volk die Forderung nach Einheit war und ein fast kläglicher Versuch ihnen zu sagen: „Ich bin immer noch da.“

Alle palästinensischen Zeitungen hatten auf der Titelseite Bilder Arafats, wie er der Menge sein berühmtes „Sieges-V“ zeigte. Aber es gibt Anzeichen dafür, dass Arafats doppeltes Herangehen und sein von Korruption durchsetztes Regime bei den Palästinensern nicht mehr ankommt, nicht nur bei den israelischen und amerikanischen Kritikern. Seit Tagen hat Arafat die Abstimmung im Palästinenserrat verschoben, weil sein Kabinett wahrscheinlich nicht bestätigt wird.

In seiner eigenen Fatah-Bewegung gibt es wachsende Forderungen nach Arafats Rücktritt, praktisch, wenn schon nicht symbolisch, durch die Ernennung eines Premierministers. Fatahs Zentralkomitee drängte Arafat vor drei Wochen Mahmud Abbas (als Abu Mazen bekannt) als Premierminister zu benennen, aber Arafat hat sich bisher geweigert das zu tun. Selbst Arafats Zeitung Al-Hayat Al-Jadida veröffentlichte vor einigen Wochen eine Karikatur, die einen Grabstein über dem Palästinenserrat zeigte – als sollte gesagt werden, dass er durch Arafat hoch gestochene Taktiken überfahren würde. Eine solche Karikatur wäre vor einem Jahr noch undenkbar gewesen.

„Wir behalten uns das Recht vor, gegen die Besatzung zu kämpfen und uns zu verteidigen“, erklärte Hussein al-Scheik, ein Führer der Tanzim-Miliz der Fatah in der Westbank nur wenige Stunden nach Arafats Rede. Es war genau die Art von offenem Kommentar, die er vor einem Jahr vielleicht gar nicht gemacht haben würde.

„Wir brauchen ein Wahlgesetz, das die Parteien stärkt und nicht die Familien“, sagte ein anderes Fatah-Mitglied, Kadoura Farress. Sein Kommentar war Zeugnis dafür, dass das blinde Vertrauen auf Arafat zu Ende ist. Die Unzufriedenheit mit Arafat bedeutet aber noch nicht, dass die palästinensische Gemeinschaft als Ganzes jetzt bereit ist zuzugeben, dass es den zweijährigen Abnutzungskrieg und Terror gegen Israel verloren hat. Umfragen innerhalb der palästinensischen Gemeinschaft zeigen, dass „al-muqawama“ – der Widerstand – weiterhin sehr populär ist.

Selbst als Arafat seine Botschaften an die israelischen Medien und die westeuropäischen Diplomaten sandte und darauf bestand, dass seine Fatah-Einheiten bereit seien die Anschläge auf israelische Zivilisten zu beenden, hat Arafat hart daran gearbeitet seinen palästinensischen Helfern zu zeigen, dass er sich Israel nicht ergeben wird.

Nach Berichten, die gestern von Vertretern der israelischen Sicherheitsdienste veröffentlicht worden, haben sich mindestens 25 palästinensische Bewaffnete, Bomber und Terrorplaner in Arafats Hauptquartier in Ramallah verschanzt.

Fazit: Egal, was im Westen an „Verurteilungen von Terroraktionen gegen Israelis“ aus Arafats Mund berichtet wird, es ist unglaubwürdig und kann vernachlässigt werden. Er lügt. Denn wann immer er etwas in der Richtung von „Ablehnung“ von sich gibt, kommt postwendend auf Arabisch das Gegenteil dessen, was die westlichen Medien als Durchbruch verkünden.

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