Die Fatah macht die Flüchtlingsfrage zur Schlüsselfrage des Friedens in Nahost

Der englischsprachige Original-Artikel stand ab dem 5.12.2001 auf der offiziellen Fatah-Website: (http://www.fateh.net/e_editor/01/151101.htm)

Offizielle Fatah-Erklärung (15.11.2001):
Die Frage der Flüchtlinge – eine Sache, die nicht geschändet werden darf 

Übersetzter Originaltext   Kommentar des Übersetzers
Nachdem unser palästinensisches Volk es ablehnte, die UN-Resolution 181 wegen ihrer Ungerechtigkeit zu akzeptieren, begannen die zionistischen Militär-Gangs wie Lehi und Irgun eine Kampagne der ethnischen Säuberungen und vertrieben Palästinenser aus Gebieten, die die Resolution als Teil des jüdischen Staates ansah. Dies ließ die Frage der palästinensischen Flüchtlinge entstehen, die in einem Bericht angegangen wurde, der der UN-Vollversammlung durch ihren damaligen Repräsentanten, Graf Bernadotte, vorgelegt wurde. Der Bericht sagt:   Das fängt richtig an: Die Araber lehnten den UN-Beschluss ab. Aber danach geht’s mit Halbwahrheiten und Lügen weiter: Zwei extremistische Außenseiter-Gruppen werden als repräsentativ für ganz Israel dargestellt; die vernachlässigbare Anzahl vertriebener „Palästinenser“ wird genommen und die Behauptung aufgestellt, dass alle vertrieben wurden – kein Wort davon, dass die Araber selbst die meisten „Entvölkerungs-Maßnahmen“ getroffen haben.
Mich wundert aber auch, dass niemand danach fragt, ob es Recht sein kann, dass die Araber die Resolution 181 ablehnen, aber die daraus folgenden Resolutionen umgesetzt sehen wollen – wenn auch mit einer Auslegung, die die Intentionen der Resolutionen verhöhnt. Also: 181 auf keinen Fall, aber 194 in einigen Teilen, die nur den Israelis Verpflichtungen auferlegen, unseren Teil erfüllen wir auf keinen Fall, der fällt unter den Tisch…
„Eine faire und gerechte Beendigung des Konflikts kann nicht erreicht werden, bevor wir das Recht der arabischen Flüchtlinge auf Rückkehr in die Heime, aus denen sie als Folge der Gefahren vertrieben wurden, die den bewaffneten arabisch-israelischen Konflikt begleiteten. Die Mehrheit dieser Flüchtlinge kam aus Gegenden, die nach der Resolution 181 Teil des jüdischen Staates sind. Es ist eine eklatante Verletzung des Gerechtigkeitsprinzips, diesen unschuldigen Opfern ihr Recht auf die Rückkehr in ihre Heime zu verweigern, während jüdische Immigranten nach Palästina einreisen dürfen, um die arabischen Flüchtline in dem Land zu ersetzen, das sie seit Jahrhunderten bewohnten. Es ist die Verantwortung der vorläufigen israelischen Regierung, Privateigentum an die arabischen Eigentümer zurück zu geben und/oder sie für ihr Eigentum zu entschädigen, das gezielt zerstört wurde, unabhängig von den Entschädigungen, die die Regierung Israels von den arabischen Staaten verlangen könnte.“  
Die Zionisten ermordeten Graf Bernadotte am 17. September 1948. Auf der Grundlage seines Berichts verabschiedete die Vollversammlung die Resolution 194 vom 11. Dezember 1947. Absatz 11 der Resolution sagt:   „Die Zionisten“, klar – wieder sind es alle Juden Schuld, nicht die vom Großteil der Israelis abgelehnten Terroristen!
Es spricht auch „für“ die Genauigkeit der Schreiber, dass sie die Resolution um ein komplettes Jahr vorverlegen!
Und es spricht Bände, dass die Ermordung durch Herstellung von Zusammenhang in diesem Artikel der Flüchtlingsfrage zugeschrieben wird – in Wirklichkeit haben die jüdischen Terroristen ihn ermordet, weil er vorschlug, Jerusalem und den Negev an Transjordanien zu geben und dafür den Israelis Westgaliläa zu überlassen – kein Wort von Flüchtlingen bei dieser Sache!
„(Die Vollversammlung) beschließt, dass den Flüchtlingen, die in ihre Heime zurück kehren und in Frieden mit ihren Nachbarn leben wollen, dies zum frühest möglichen Zeitpunkt erlaubt werden soll und dass Entschädigungen für das Eigentum derer gezahlt werden sollte, die sich entscheiden nicht zurück zu kehren oder für Verlust oder Schäden an Eigentum, das nach den Prinzipien des internationalen Rechts oder Gerechtigkeit durch jede verantwortliche Regierung oder Herrschaft gezahlt werden sollte.“   Zu betonen ist: „in Frieden mit ihren Nachbarn leben wollen“. Welcher der Flüchtlinge ist dazu bereit? Die Umfragen in den Flüchtlingslagern sprechen eine eindeutige Sprache: keiner!
Und wie sah das damals aus? Die Araber verboten ihren Leuten praktisch nach Israel zu gehen! Wer das tat, war ein Verräter!
Die Resolution wurde nie durch das zionistische Gebilde umgesetzt und die Frage der Flüchtlinge wurde eine der wirtschaftlichen Hilfe, Entlastung und Wiederaufbau. Als Israel die Mitgliedschaft in der UNO beantragte, führte sein Versagen, die Resolutionen 181 und 194 umzusetzen dazu, dass es nur bedingt akzeptiert wurde; Israel musste seinen Verpflichtungen unter der UN-Charta nachkommen.   „Das zionistische Gebilde“ hatte mit der UNO (direkt) und den Arabern (indirekt) Verhandlungen geführt. Diese Verhandlungen scheiterten.
Und natürlich haben nur die Israelis Verpflichtungen aus den beiden Resolutionen, die Araber überhaupt nicht!
Israel stimmte allen Bedingungen zu, einschließlich dem Protokoll von Luzan (soll Lausanne heißen), das unter der Schirmherrschaft der Internationalen Schlichtungsausschusses erzielt wurde. Israel erkannt die Teilung Palästinas nach den UN-Resolutionen 181 und 194 an. Sobald Israels Mitgliedschaft bestätigt war, verwarf es seine Verpflichtungen aus dem Luzaner Protokoll.   Nochmals: Dazu wurden in Lausanne Verhandlungen geführt, die scheiterten (deshalb nur ein Protokoll, kein Vertrag, keine Resolution). Das verschweigt die Fatah – warum wohl? Hat sie Angst davor, dass die arabische Seite wegen ihrer Verweigerungshaltung als Schuldige überführt werden könnte?
Fatah verschweigt auch, dass weitere Verhandlungen folgen sollten; das stand im Protokoll und damit erklärte sich Israel einverstanden. Mehr war nicht! Nachlesbar auf der entsprechenden Seite der UNO. (auf Englisch)
Der Krieg gegen Ägypten 1956 und die Art, wie er wahr genommen wurde, veränderte die Auffassung des Volks zur Flüchtlingsfrage, von der einer Heimatlosigkeit zu einer der Befreiung und Rebellion. Unsere Bewegung, Fatah, entstand, um den Kampf zur Erreichung des Rechts auf Rückkehr durch die Befreiung unseres Heimatlandes zu beginnen. Im November 1957 gab Fatah eine Erklärung in Umlauf, in der sie den bewaffneten Kampf als einen Weg der Befreiung annahm.   „Recht auf Rückkehr durch die Befreiung unseres Heimatlandes“ – damals gab es keine von Israel besetzte „Westbank“ und Gazastreifen, damals besetzten Jordanien und Ägypten diese beiden Territorien (und hatten alle Juden daraus vertrieben – ist das keine ethnische Säuberung?) Damit war Ziel der Fatah „ihr“ Land zu „befreien“ (= Israel vernichten), und dies durch bewaffneten Kampf. Von Verhandlungen kein Wort.
Das passt in die Zeit, da auch Nasser Israel mit Krieg in die Knie zwingen wollte. Der Sinai-Feldzug 1956 war ein Präventivkrieg Israels gegen die Aggressionen und den Abnutzungskampf der Ägypter gegen den jüdischen Staat.
Die Gründung der PLO half zu einem großen Teil, die natürlichen und historischen Rechte des palästinensischen Volkes ins Licht zu rücken. Der Aufruf der palästinensischen Nationalcharta zum bewaffneten Kampf wurde von der Fatah angenommen. 1965 rief es zur bewaffneten Volksrevolution auf, um die nationale Unabhängigkeit zu erreichen.   Welches „palästinensische Volk“ – das gab es damals selbst nach arabischer Buchstabierung noch nicht! Die Palästinenser wären allenfalls Provinzler der Jordanier und Ägypter geworden!
Auch nach 1965 gestatteten die Araber den „Palästinensern“ nicht die nationale Unabhängigkeit zu, sondern wollten die Gebiete wieder in ihre eigenen Staatsgebiete eingliedern.
In ihrer vierundzwanzigsten Sitzungsperiode verabschiedete die Generalversammlung 1969 die Resolution 2535, die besagt; „Die Generalversammlung beschließt, dass die Frage der arabischen Flüchtlinge aus der Ablehnung ihres unveräußerlichen Rechts resultiert, das in der UN-Charta und der universellen Menschenrechts-Erklärung genannt ist.“ Diese wichtige Entwicklung gewann an Bedeutung, als 1973 die Arabische Liga die PLO als einzige legitime Repräsentanz des palästinensischen Volks anerkannte. In ihrer neunundzwanzigsten Sitzungsperiode verabschiedete die Generalversammlung am 22. November 1974 die Resolution 3236. In Absatz 1 betont die Generalversammlung das Recht des palästinensischen Volks auf Selbstbestimmung, Unabhängigkeit und nationale Souveränität. Absatz 2 der Resolution betont das Recht der Palästinenser auf Rückkehr in ihre Heime, von denen sie heraus gerissen wurden.   1969/Resolution 3236: Fatah verschweigt, „dass auch kein substantieller Fortschritt darin erzielt wurde, Paragraph 2 des Programms der Resolution 513 umzusetzen, das zur Reintegration der Flüchtlinge entweder durch Rückführung [nach Israel] oder Wiederansiedlung [an anderer Stelle], wodurch die Situation der Flüchtlinge weiterhin eine Frage großer Sorge ist…“ – die UNO verlangte (noch) nicht uneingeschränkt die Rückkehr; die Araber weigerten sich aber permanent, die andere Möglichkeit zu nutzen: die Flüchtlinge in ihren Ländern zu integrieren und ihnen dort ein Menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.
  Diese Rechte des palästinensischen Volkes wurden von den Arabern aber nicht anerkannt – für sie waren die Palästinenser immer noch Teil des Königreichs Jordanien bzw. (Gazastreifen) Ägyptens! Erst 1988 entließ König Hussein als politischem Schachzug die Palästinenser in Westbank usw. aus der jordanischen Staatsbürgerschaft!
In derselben Sitzung hielt Herr Arafat seine historische Rede, in der er sich auf den Olivenzweig als Symbol des Friedens bezog, den Frieden der Mutigen – nicht den der Kapitulation.   Sein Ziel war aber nicht ein gleichberechtigter Friede, sondern die Vernichtung Israels – so die PLO-Charta!
Die 1987 gemachte Unabhängigkeitserklärung legte Wert auf die Rechte der Rückkehr und Selbstbestimmung. Diese Rechte wurden auch in den Oslo-Vereinbarungen betont und in den Camp David-Verhandlungen als integraler Bestandteil der Endstatus-Verhandlungen.   Diese Rechte werden in Oslo nicht betont, sondern es wird explizit gesagt, dass eine Regelung bis zu einem Endstatus-Abkommen aufgeschoben wird! Es wird also gesagt, dass eine Regelung gefunden werden muss, aber nicht, welche!
Die zionistische Sicht, dass es möglich ist, die Erwartungen des palästinensischen Volkes durch kontinuierliche Aggressions-Akte und Ermordungen zu senken, ist bloße Illusion. Allerdings dient die Verhaltensweise einiger psychologisch (an)geschlagener Figuren dieser Sichtweise und schaden dem nationalen Konsens.   Israel führt also Aggressions-Akte durch – nicht die Terroristen Arafats!
Und jeder, der anders denkt, ist ein Schädling oder psychisch angeschlagen (also krank).
In einer Vorlesung an der Hebräischen Universität sprach sich Dr. Serry Nusseibeh von der Quds Universität für die Einrichtung zweier Staaten auf ethnischer und religiöser Basis aus. Das beinhaltet, dass Flüchtlinge nicht in ihre Heime zurückkehren können. Eine solche Position kam als Überraschung, da sie mit Sharons Erklärung zusammentraf, in der er zur Ansiedlung von einer Million Juden in dem zionistischen Gebilde forderte.   Überrascht, dass ein Palästinenser diese Sichtweise haben kann?
Oder überrascht, dass die Erklärung Scharons zeitlich damit zusammen fiel? Gab es da eine Verschwörung Nusseibehs gegen das eigene Volk – auch noch mit dem schlimmsten Feind?
Da Dr. Nusseibeh ein Mitglied der Fatah ist, ist es notwendig, die Haltung der Bewegung zur Flüchtlingsfrage klar zu stellen. In dieser Hinsicht sollten die folgenden Fakten bedacht werden:   Wirklich Fakten? Wohl eher emotionalisierte Propaganda!
1. Das Rückkehrrecht stellt eine lebenswichtige Frage dar, die nicht nur das palästinensische Volk hier und in der Diaspora betrifft, sondern auch die arabischen Länder, die ihnen Gastrecht gewähren. Damit aus der Sicht der Zionisten umzugehen, stellt eine Verletzung des nationalen Konsens dar.   Lebenswichtig? Können die Palästinenser nicht überleben, wenn die „Flüchtlinge“ an anderer Stelle angesiedelt werden? Dann müssten doch die Flüchtlinge inzwischen ausgestorben sein!
Gastrecht? Als Gäste wurden die Flüchtlinge nie behandelt, sondern sie wurden und werden in Lager gepfercht und sollen dort vor sich rotten, um ein möglichst großes Hass-Potenzial auf Israel schüren zu können!
2. Die Freiheit der Meinung verlangt von dem, der sie nutzt auch, das Recht der anderen zu schützen. Patriotismus kann keine Ansicht sein, genauso wenig das Rückkehrrecht, das auf der UN-Resolution 194 basiert. Wenn Kompromiss in der Frage der Flüchtlinge ein Beispiel für die Meinungsfreiheit ist, was wird dann aus dem Fall Jerusalems oder des Palästinenserstaats?   Mit anderen Worten: Die Meinungsfreiheit geht nur so weit, wie Fatah gleicher Meinung ist. Alle andere Meinung fällt nicht unter die Freiheit, sondern ist Verrat. Fatah baut hier eine Domino-Theorie auf: Wenn man in einem Punkt Kompromisse macht, dann kann man keinen Punkt mehr halten. Also gibt es nur Maximalforderungen und keine Kompromisse! Und über die Voraussetzungen zur Rückkehr nach Resolution 194 wird einmal mehr nichts gesagt.
3. Dr. Nusseibehs Ankündigung ließ die Flüchtlinge eine Partei bilden, die sich auf ihre Rechte konzentriert. Schließlich ist Dr. Nusseibeh kein Flüchtling und hat, wie Belfore, nicht das Recht, etwas, das ihm nicht gehört, an eine Partei abzugeben, die es nicht verdient hat.   Marwan Barghouti ist auch kein Flüchtling und hätte damit kein Recht über die Flüchtlingsfrage etwas zu sagen; Jibril Rajoub ist kein Flüchtling; Faisal Husseini war kein Flüchtling. Aber alle nahmen und nehmen sich das Recht, für die Flüchtlinge zu sprechen und über sie zu verhandeln, ohne dafür von ihnen gewählt worden zu sein.
4. Die UN-Resolution zur Gründung zweier Staaten in Palästina ging dem Rückkehrrecht voran. Die UNO akzeptierte das zionistische Gebilde erst, nachdem es sich damit einverstanden erklärte, die Resolutionen 181 und 194 umzusetzen. Es ist falsch, das Rückkehrrecht als Hindernis für die Gründung eines Palästinenserstaates anzusehen oder das eine gegen das andere zu tauschen.   Über die Umsetzung der Resolutionen zu verhandeln! Das wurde gemacht und scheiterte.
Das „zionistische Gebilde“ macht die Rückkehr nicht zum Hindernis zum palästinensischen Staat, das tut Arafat, der auf der Rückkehr in seiner Auslegung besteht und vorher keine Vereinbarung treffen will. Er hat diese Forderung als Stolperstein für jede Verhandlung eingebracht, als Ehud Barak ihm in der Jerusalemfrage weiter entgegen kam, als er je befürchtete. Da brauchte er schnell einen neuen Stolperstein: die Flüchtlingsfrage.
5. In der Westbank gebaute jüdische Siedlungen sind illegal und bilden ein Hindernis für den Frieden. Die bloße Idee, das Rückkehrrecht für die Siedlungen aufzugeben schändet eines unserer Grundprinzipien, das Recht auf Rückkehr.   Also auf keinen Fall „gleiches Recht für alle“ – die Juden dürfen keinen Palästinenser ablehnen, aber die Palästinenser dürfen einen judenreinen Staat verlangen – wer ist denn hier mit ethnischer Säuberung befasst? Warum dürfen die Israelis nicht wieder bekommen bzw. behalten, was sie schon vor 1948 in der „Westbank“ bzw. dem Gazastreifen besaßen?
6. Nusseibehs Forderung nach zwei Staaten auf ethnischer Grundlage stellt eine implizite Anerkennung der ethnischen Säuberungen dar, die das rassistische Israel gefordert hat.   War die Vertreibung der Juden aus allen arabischen Ländern eine ethnische Säuberung, die Israel durchführte? War es ethnische Säuberung, dass sie den am Ort gebliebenen Arabern die israelische Staatsbürgerschaft gaben? Sind die bisherigen „Familienzusammenführungen“ ethnische Säuberung? Sind gegen Israel hetzende Araber, die ins Parlament gewählt wurden, von den Israelis ethnisch gesäubert?
7. Dr. Nusseibeh scheint vergessen zu haben, dass er eine Person der Öffentlichkeit ist. Er ist der Präsident der Al Quds Universität und hat die Leitung von Jerusalems diplomatischen Einrichtungen. Er ist kein reiner Forscher, dessen Ansichten unsere Interessen nicht schaden (können).   Also darf er persönliche Meinung nicht äußern, sondern nur das, was die PA-Führung ihm vorschreibt?
Und als reiner Forscher kann er seine Meinung äußern, denn da interessiert sie nicht?
8. Dr. Nusseibeh wählte einen sehr empfindlichen Zeitpunkt um seine Haltung in der Flüchtlingsfrage zu äußern. Dieser Zeitpunkt liegt im Interesse Sharons, der eine Politik des Staatsterrorismus gegen unser Volk angenommen hat.   Welcher Zeitpunkt wäre denn „angebracht“ gewesen? Ich denke, den hätte es nie gegeben!
9. Dr. Nusseibeh wählte den falschen Ort, die Hebräische Universität, um seine Ansichten zu vermarkten. Er vermittelte den Eindruck, dass die ‚gute‘ Leitung die ist, die nicht am Recht auf Rückkehr fest hält, sondern die Zuckerbrot-und-Peitsche-Politk der israelischen Regierung anerkennt.   Einen besseren Ort hätte er nicht finden können, denn an jedem „passenden“ wäre er von den Palästinensern gelyncht worden. Aber die Fatah will lieber mehr Leid für ihr Volk, als unannehmbare Positionen aufzugeben oder irgendeinen Kompromiss einzugehen.
Wie übrigens sehen das Zuckerbrot und die Peitsche Israels aus? Sie reagieren (leider) nur auf die palästinensischen Terrorakte! Sie haben Angebote ohne Ende gemacht, was denn noch?
10. Trotz der Verurteilung durch die Ranghöheren fährt Dr. Nusseibeh fort, seine Ansichten in einer Art zu äußern, die der Sache seines Volkes schadet. Dass er darauf besteht, dies zu tun, deutet darauf hin, dass er Teil eines Versuches ist, eine alternative Führung aufzubauen.   Anderer Meinung zu sein, ist also nach diesem Absatz ein Verbrechen!
Und wieder ist offenbar alles eine Verschwörung – gegen die Führung (weil die ersetzt werden soll) und wahrscheinlich eine israelische. Hat Arafat sich derart geirrt, als er einen Volksschädling an die Spitze Jerusalems setzte?
Dr. Nusseibeh sollte erkennen, dass seine neue Haltung sich negativ auf Präsident Arafat, die Jerusalem-Frage, die Universität, der er vorsteht und der Bewegung, der er angehört, auswirkt. Die von ihm gezeigte Unnachgiebigkeit sorgt dafür, dass die Führung und die Fatah nur zwei Möglichkeiten haben: entweder, ihn zu entlassen oder die Entscheidung aufzuschieben und damit den Eindruck zu erwecken, dass die Führung seine Ansichten teilt. Ein solcher Eindruck schadet unserer nationalen Einheit und der Intifada, die Dr. Nusseibeh als Zustand der Erschütterung beschrieb. Wir sollten unsere Zeit nicht damit verschwenden, Dr. Nusseibehs Haltung zu verurteilen. Unsere Zeit sollte dazu verwendet werden die richtigen Mechanismen zu finden um das Rückkehrrecht und/oder Entschädigung zu schützen. Das wird Israel nicht erlauben zu behaupten, dass die Rückkehr von 3 bis 4 millionen Palästinenser in ihre Heime seine Sicherheit gefährdet. Das kollektive Recht der Flüchtlinge sollte die Umsetzung des Rechts des einzelnen Flüchtlings nicht behindern, der wählen kann, ob er/sie in sein/ihr Heim zurückkehrt oder entschädigt wird. Weder Israel noch die Flüchtlinge können ihre Interessen durchsetzen, ohne dass der richtige Mechanismus für die Umsetzung des Rückkehrrechts angewendet wird.   Negativ wirkt sie sich nur aus, wenn keine anderen Lösungen zur Verfügung gestellt werden außer der kompromisslosen. Da diese aber auf PA-Seite als einzige vorhanden ist, muss Nusseibeh mit Entzug seiner Lebensgrundlage gedroht werden.
Die Medien und Politik des Westens sprechen immer vom „Durchbrechen der Gewaltspirale“ – hier haben wir das beste Beispiel, dass es gar nicht im Interesse der Araber liegt, diese angebliche Spirale zu zerstören, im Gegenteil. Und jeder, der einen Schritt in Richtung Durchbruch machen würde, wird verteufelt und seine Existenz wird bedroht. Seine Haltung wird nicht einmal als diskussionswürdig angesehen.
  Fatah schreibt, dass Flüchtlinge wählen können zwischen Rückkehr und Entschädigung. Aber sie wollen es ihnen nicht zugestehen. Die Propaganda-Maschine der Medien und Erziehung, der Druck der arabischen „Gastgeber“ sorgen schon dafür, dass kein einziger „Flüchtling“ eine andere Wahl trifft als „Rückkehr plus Entschädigung“. Und bei der Bereitschaft Arafats zu Kompromissen kann nichts anderes dabei heraus kommen als die Zerstörung Israels – entsprechend den Planungen der PLO.
Israel wird durch sein Versagen im Aufzwingen seiner Version des Friedens gezwungen sein, seine Haltung bezüglich unseres unveräußerlichen Rechts, einschließlich des Rechts auf Rückkehr, zu überdenken.   Mit Zwang wird gearbeitet – das dürfen aber nur die Palästinenser, wehe, die Israels üben Druck aus! Dann ist das Staatsterrorismus!
Revolution bis zum Sieg.   Und wie üblich der überaus friedliebende Gruß, der dafür sorgt, dass keiner auf falsche Ideen kommt!

Noch ein Nachtrag von IMRA:
Es ist eine einfache Wahrheit, dass das Recht auf Rückkehr (wie es von der Fatah beschrieben wird) per Definition die Ende der Existenz des jüdischen Staates Israel bedeutet. Das wird soger von der extremen Linken in Israel (z.B. Uri Avnerys Gush Shalom) anerkannt.

Damit scheint Arafat den Punkt gefunden zu haben, mit dem er jegliche Verhandlungen zum Scheitern bringen wird.
Aaron Lerner: Es ist offensichtlich absurd, von einem souveränen Staat zu verlangen, dass er Selbstmord begeht.
Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.

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