Die PA zur Terrorwelle am 1. und 2. Dezember 2001

Eine beispiellose Terrorwelle hat Israel erschüttert. Hamas und eventuell andere Terror-Organisationen haben in Jerusalem in der Nacht vom 1. auf den 2. Dezember 2001 durch zwei Selbstmord-Bomber und eine Autobombe mindestens 10 Tote und Massen von Verletzten verursacht. Am Morgen des 2.12.2001 wurde Professor Baruch Singer im Gazastreifen erschossen, vier weitere Menschen verletzt (war in unseren Medien schon keine Meldung mehr wert). Am Mittag jagte ein Selbstmord-Attentäter einen Bus in die Luft und tötete damit 16 Israelis und verletzte über 50 verletzt.
Unsere Medien melden, dass Arafat und die Autonomiebehörde das Attentat verurteilten, eine Ausgangssperre verhängten und Mitglieder der Extremistengruppen verhafteten (man achte: Mitglieder von Extremisten-Gruppen, nicht Terroristen!).
Was hat es mit den Verurteilungen der Attentate auf sich? IMRA-Direktor Aaron Lerner hat seine eigenen Ansichten dazu; Michael Widlanski, der seit Jahren die arabischen Medien beobachtet und ihre Berichterstattung sowie die Verlautbarungen der PA und Arafats untersucht, macht erstaunliche Feststellungen.

Die offizielle PA-Nachrichten-Agentur WAFA bringt (auf http://www.palestine-pmc.com/statments/stat2-12-2001.html) eine Erklärung der PA-Führung zum Anschlag in Jerusalem in Englisch:

Mit großem Zorn und Wut nahm die palästinensische Führung die Nachricht der Anschläge auf, die gestern Abend, am 1. Dezember 2001, in West-Jerusalem vorfielen und auf Zivilisten zielten und eine Reihe von Opfern hatten.
Die palästinensische Führung drückt hiermit ihre tiefe Wut, Verurteilung und Schmerz über diese Anschläge aus, deren Initiatoren besonders in dieser Zeit darauf zielen, die amerikanischen, russischen, europäischen und internationalen Friedensbemühungen zunichte zu machen. Sie fordern außerdem die palästinensische Führung, das PLO-Exekutivkomitee und das Zentralkomitee der Fatah heraus, weil sie darauf hin arbeiten, die Glaubwürdigkeit, Kompetenz, Verantwortung und die palästinensischen nationalen Ziele lahm zu legen, wann immer internationale Bemühungen entstehen, die ein Ende der israelischen Besatzung bringen könnten und die Errichtung eines palästinensischen Staates mit Jerusalem als seiner Hauptstadt garantieren könnten.
Diese Anschläge, die israelische Zivilisten zum Ziel hatten, haben dem Ansehen unseres Volkes großen Schaden in der internationalen öffentlichen Meinung zugefügt, trotz der ständigen Leiden durch die Brutalität der Besatzung, des Siedlungsbaus, Ermordungen, Schließungen und Belagerungen der Vergangenheit.
Die Führung ruft die internationale Gemeinschaft weiterhin auf, ihre Aufmerksamkeit stärker auf die derzeitige Krise und blutige Auseinandersetzung zu richten und dringend internationale Beobachter in die Palästinensergebiete zu schicken.
Die Führung wird ihre Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen voll aufrecht erhalten, um die Verantwortlichen und ihre Hintermänner zu finden.
Zu Ende drückt die Führung dem israelischen Volk und den Familien der Opfer dieser schmerzlichen Tragödie ihr tiefstes Bedauern aus.

Diese Meldung wurde von der PA auch durch das Palestine Media Center (www.palestine-pmc.com) verbreitet. Michael Widlanski stellt Unterschiede der englischen zur arabischen Version fest:
* Unter anderem verwendet die arabische Meldung statt des Wortes „Anschläge“: „Explosionen“ bzw. „Operationen“
* Statt Jerusalem wird im Englischen „West-Jerusalem“ geschrieben.
* Es finden weitere Änderungen, Zusätze und Auslassungen statt.
* Der arabische Originaltext erwähnt keine „Israelis“.
* Im Original wird im letzten Absatz der Staat Israel erwähnt, im englischen Text nicht mehr.
IMRA-Kommentar:
Die Erklärung der PA gibt wichtige Einsicht in palästinensische Haltungen. Die PA ist nicht gegen den Anschlag (heplev: in Jerusalem), weil sie Anschläge ablehnen. Sie ist gegen den Anschlag, erklärt sie, weil sie schlechte PR für die PA ist. Offensichtlich ist es in Ordnung Juden zu ermorden, solange das nicht zu viel PR-Schaden anrichtet. Es ist auch wichtig zu bemerken, dass die PA nicht sagt, sie würde Maßnahmen ergreifen, um mehr Terror VORZUBEUGEN – nur, dass sie diesen Anschlag untersuchen wird, der ihnen schlechte PR verschafft. Auch die Untersuchung dieses Anschlags ist nicht besonders stark: Es wird nur gesagt, dass sie sie (die Verantwortlichen) finden wird. Als weiteren Belegt für diese Haltung sollte angemerkt werden, dass die PA Terroristen der Verletzung der Interessen des palästinensischen Volkes anklagt, nicht wegen Mord. (Dieses Verhalten wurde von Samir Rantissi, Berater des PLO-„Kabinetts“ auf Anfrage von Dr. Aaron Lerne von IMRA ausdrücklich bestätigt!)

Michael Widlanski stellt fest, dass die PA sich als Opfer darstellt

Die Stellungnahme ist deutlich darauf gerichtet, die öffentliche Meinung und die internationale Position der PA zu retten, statt die Palästinenser zu überzeugen, dass es Zeit ist, den Terror fallen zu lassen und den Konflikt mit Israel durch friedliche Mittel zu lösen.
Die Erklärung, die ursprünglich auf Arabisch um 2.30 Uhr morgens (Jerusalemer Zeit, drei Stunden nach dem Anschlag) abgegeben wurde, wurde von Israel Radios Westbank-Korrespondent „ungewöhnlich scharf“ genannt, trug aber tatsächlich einige bekannte Markenzeichen früherer „Verurteilungen“ durch die PA:

** Sie stellte sich selbst, das palästinensische Volk, als Opfer der Anschläge dar, die nicht einmal Anschläge, sondern „Explosionen“ (arabisch: infijaarat) genannt wurden.

** Sie verurteilte die Terroristen-Organisation nicht namentlich, die die Anschläge verübte, obwohl es weithin bekannt ist, dass es Hamas war, eine „oppositionelle“ islamische Organisation mit Verbindungen zur PA).

** Sie verurteilte die Anschläge („Explosionen“) als gegen palästinensische Interessen gerichtet, nicht als „barbarisch“ oder „unmenschlich“.

** Sie deutete an, dass die Anschläge wegen der weiter gehenden Verhandlungen zu einem schlechten Zeitpunkt kamen.

** Die Formulierung der arabischen Version deutet an, dass Anschläge auf andere israelische Ziele (Siedler und Soldaten) nicht verurteilt würden.

Mehr als zwei Stunden nach dem Anschlag am Sonntag auf den Bus in Haifa, in dem mehr als zehn weitere Israelis getötet wurden, gab es keine offizielle Stellungnahme der PA.
Voice of Palestine sendete am Sonntagnachmittag eine Erklärung der PA: „Die palästinensische Führung verurteilt die Explosion (!), die in einem Bus in Haifa stattfand.“
Eine Verurteilung des Mordes an Prof. Singer in Eilei Sinai fand nicht statt, weil die PA solche Anschläge (HE: gegen „Siedler“ – unabhängig, ob es ein tatsächlich in „besetzten Gebieten“ lebender Israelis ist oder nicht) unterstützt und diejenigen, die solche Anschläge verüben, als „Bewaffnete“ bezeichnet statt als „Terroristen“ oder „Kriminelle“.

PA-Kommuniqué am 3.12.2001
(In Englisch zu lesen auf: http://www.wafa.pna.net/EngText/03-12-2001/page003.htm)
Auch in diesem Statement spricht die PA wieder hauptsächlich davon, dass der palästinensischen Sache mit diesen Taten geschadet wurde und dies der Grund für die Maßnahmen der PA gegen eventuelle Täter (nicht „gegen die Terroristen“) ist. Die PA ist also nicht gegen diese Attentate, weil dabei Menschen ermordet werden, sondern weil sie der PR der Palästinenser schadet!
Und auch hier wieder der Ruf nach internationalen Beobachtern. Warum? Damit die Israelis nicht so zurückschlagen, wie es angemessen wäre? Um Schutzschilde zu haben gegen israelische Maßnahmen gegen die Terroristen?

In einem Aufruf auf http://www.wafa.pna.net/EngText/03-12-2001/page007.htm wird auch wieder die Implementierung von UN-Resolution 194 gefordert – die Rückkehr aller Flüchtlinge in das Staatsgebiet Israels (natürlich ohne gleiche Rechte für Juden).
Reaktionen auf die Anschläge:

* Ramadan Shalah, Führer des islamischen Jihad, in einem Radio-Interview in Damaskus (leider ohnd Datum):
„Das ist ein wundervoller Weg, den Ramadan zu feiern.“

* Anthony Zinni, US-Vermittler und ex-US Marineinfanterie-General:
”Der Versuch Rettungskräfte und Notarztwagen davon abzuhalten, dass sie zur Hilfe kommen können, ist das Schlimmste was man sich vorstellen kann. Das ist die niedrigste Form von Unmenschlichkeit und ich denke, es ist wichtig, dass wir zusammen stehen und dies bekämpfen.“ (Mal sehen, ob das auch bedeutet, dass die USA bzw. Herr Zinni stärkeren Druck auf Arafat ausüben und Israel weniger in Richtung unannehmbarer Konzessionen drängen.)

* Colin Powell, US-Außenminister:
„Israel hat das Recht sich zu verteidigen. Es ist nicht Amerikas Sache, Israel jetzt Ratschläge zu geben.“

* Jack Straw, Außenminister Großbritannien:
„Der PA-Vorsitzende Jassir Arafat muss mit aller Gewalt die Terrorzellen zerschlagen, die Selbstmordattentate gegen Israel ausführen.“
Und weiter: Es sei nun unerlässlich, dass die palästinensische Autonomiebehörde die Terroristen festnehme und sicher stelle, dass sie im Gefängnis bleiben.

* ZDF, 19.00-Uhr-heute-Sendung, 3.12.2001, 19.05 Uhr: Der Nahost-Korrespondent berichtet: „Wenn man die Bilder der Verhaftungen sieht, dann hat man den Eindruck, das sind Bilder für die Weltöffentlichkeit“ – also Propaganda und nicht sonderlich ernst gemeint. (Was sich auch aus Ton und Zusammenhang ergab.)

* Über die Tageszeitung „alkhalij“, Vereinigte Arabische Emirate berichtet am 3.12.2001 die syrische Presseagentur SANA (http://www.sana.org/english/headlines/3.12/capitals.htm): „Die VAE-Zeitung ‚alkhalij‘ bejubelte die Selbstmord-Operationen, die als Vergeltung für die brutalen israelischen Verbrechen gegen die Palästinenser erfolgte“.

* AP-Bericht aus den Palästinensergebieten (zitiert nach honestreporting.com-Newsletter vom 4.12.2001): Diese Woche, schilderten Berichter der Associated Press in Folge des Bus-Anschlags in Haifa, füllten hunderte von Palästinensern das Heim des Selbstmord-Attentäters und strömten auf die Straße, die meisten von ihnen, um der Familie ihre Glückwünsche zu bringen. AP berichtet weiter, dass Palästinenser im Libanon in den Straßen feierten, mit Gewehren in die Luft schossen um die Selbstmord-Anschläge zu feiern.
(Anmerkung: Als letzte Woche fünf palästinensische Jungen getötet wurden, als sie mit einer israelischen Bombe spielten, drückten – im Unterschied zu den palästinensischen Reaktionen bei eigenen Attentaten – die israelische Regierung und Offizielle der Armee ihr tiefes Bedauern und Beileid aus, begleitet von weit reichenden Aufrufen nach einer Untersuchung des Vorfalls – die auch stattgefunden hat und offen die Mängel der israelischen Aktion aufzeigte sowie mit Kritik nicht sparte.).

* Gulf Times (Qatar), zitiert nach der Jordan Times vom 5.12.2001:
„Was mit Gewalt weg genommen worden ist, kann nur mit Gewalt und durch Opfer wieder genommen werden.“
Sie nannte die Selbstmord-Attentate das „im Prozess des bewaffneten palästinensischen Kampfes Großartigste bis heute seit der Besetzung palästinensischer Territorien 1948“.

* Anthony Zinni (laut Israelnetz, 5.12.2001)
Jerusalem, 4.12.2001 – Der amerikanische Nahost-Gesandte Anthony Zinni hat nach den Attentaten am Wochenende alle Gespraeche mit Vertretern der Palaestinensischen Autonomiebehoerde (PA) abgesagt.
Angaben aus israelischen Regierungskreisen zufolge werde Zinni solange keine weiteren Treffen mit palaestinensischen Vertretern planen, bis die Autonomiebehoerde konkrete Schritte gegen Terroristen vornehme.
Persönliche Meinung:
Die PA-Führung drückt den „Familien der Opfer dieser schmerzlichen Tragödie“ ihr Bedauern aus – welcher „Tragödie“? Es ist tragisch, dass die Terroristen derart viele Opfer verursacht haben. Die Tat an sich ist keine „Tragödie“, sie ist Mord pur!
Die Stellungnahme der PA-Führung ist ein Hohn. Arafat paktiert mit den Terror-Organisationen; zur Begrüßung des neuen US-Unterhändlers Zinni wurde eine gemeinsame „Aktion“ der Fatah (Arafats PLO-Fraktion!) und Islamischer Jihad in Afula durchgeführt – zwei tote Israelis und 40 Verwundete. Die von Arafat gesteuerten PA-Medien veröffentlichen immer wieder gemeinsame Erklärungen der „nationalen und islamischen Streitkräfte“ – national bedeutet, PLO-Polizei, PFLP usw., islamisch sind die (angeblichen) Oppositionsgruppen (also die Terroristen von Hamas, Islamischer Jihad, Hisbollah,…)
In Stellungnahmen zu Attentaten wird der eigenen Bevölkerung gegenüber eine Sprache benutzt, die die Taten verharmlost. Die Attentate werden nicht verurteilt, weil die Täter Morde begehen, sondern weil sie der „palästinensischen Sache“ schaden. Höhnischer und Menschenverachtender geht es wohl kaum!
Arafats Medien glorifizieren seit langem die „Märtyrer“, die solche Attentate durchführen. Und einmal mehr wird der eigenen Bevölkerung etwas anderes gesagt als dem Westen – damit man das Kind nicht beim Namen nennen muss und die eigenen Leute nicht den Eindruck bekommen, sie sollten damit aufhören.
In Israel wurde nach den groß propagierten Verhaftungen (inklusive Fernsehbilder usw.) sofort der Verdacht laut, dass die Drehtür-Politik der Verhaftungen von Terroristen und ihrer baldigen Freilassung wieder in Gang gesetzt ist. Ich würde mich nicht darüber wundern, wenn das einträfe.
Fortsetzung des Geschehens

Israelnetz-Newsletter vom 5.12.2001:
Ein palästinensischer Sicherheitsbeamter hat am Dienstag die Freilassung aller Hamas-Aktivisten aus den Gefängnissen der Autonomiestadt Tulkarm in Samaria veranlasst.
Aufgrund der Angriffe der israelischen Armee, könne die Sicherheit der Häftlinge nicht gewährleistet werden, hieß es zur Begründung aus palästinensischen Kreisen.
Angeblich soll Arafat diesen Sicherheitsbeamten entlassen und die erneute Verhaftung der entlassenen Häftlinge angeordnet haben.
ICEJ-Nachrichten, 5.12.2001:
Erst gestern erklärte ein Polizeisprecher in Tulkarm, dass alle verhafteten „Hamas“-Mitglieder wieder freigelassen worden seien.

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