Eine Menge Leute einen Großteil der Zeit zum Narren halten

Clifford D. May, The Washington Times, 10. Mai 2017

“Die Hamas lässt den Ruf nach der Vernichtung Israels fallen”, titelte das Wall Street Journal letzte Woche. Die New York Times erzählte ihren Lesern: „Die Hamas mildert ihr Reden zu Israel.“ Und der britische Guardian kam zu dem Schluss, dass die Hamas ein Dokument angefertigt hatte, dass wahrscheinlich „den Friedensprozess erleichtert“.

All das große Neuigkeiten – oder wären es, wenn es denn wahr wäre. Ist es aber nicht. Nicht einmal annähernd. Stattdessen ist es: Mehr Beleg dafür, dass, wenn es um Islamisten geht, nur allzu viele Journalisten verlieren, was George Orwell den „ständigen Kampf“ darum zu sehen „was sich direkt vor der eigenen Nase abspielt“ nannte.

Um zu verstehen, was tatsächlich abgeht, fangen wir mit ein paar sachdienlichen Fakten an. Die Hamas, der palästinensische Zweig der Muslimbruderschaft, ist von den Vereinigten Staaten, Großbritannien und der Europäischen Union als Terrororgsanisation anerkannt. Nach Israels Abzug aus dem Gazastreifen im Jahr 2005 brach ein Bürgerkrieg zwischen der Hamas und ihrem Hauptrivalen, der von PA-Präsident Mahmud Abbas geführten Fatah aus.

Innerhalb von zwei Jahren hatte die Hamas obsiegt. Sie hat seitdem den Gazastreifen regiert, ihre Energien auf den Verschießen von Raketen, den Bau von Terrortunneln und der Provokation von drei Kriegen mit Israel gewidmet.

In ihrer Gründungscharta von 1988 macht die Hamas klar, dass ihr Ziel darin besteht Israel von der Landkarte zu wischen. Sie lehnt eine „Zweistaatenlösung“ ab, weil sie die islamischen heiligen Schriften so interpretiert, das jedes von Muslimen zu irgendeinem Zeitpunkt in der Geschichte eroberte Land als Geschenk Allahs an die Muslime ist. Niemand hat die Befugnis solches Territorium Nichtmuslimen zu überlassen.

Letzte Woche enthüllte die Hamas auf einer Pressekonferenz in Doha, der Hauptstadt Qatars, das, was sie ein „Dokument zu allgemeinen Prinzipien und Politik“ nannte. Die Hamas distanziert sich implizit von ihren Verbindungen zur Muslimbruderschaft, der Organisation, die vor 89 Jahren die modernen Islamistenbewegung begann. Sie erwähnte allerdings keine ideologischen Meinungsverschiedenheiten mit der Bruderschaft.

Warum also der augenscheinliche Bruch? Die Hamasführer hätten gerne mehr internationale Akzeptanz und besonders wollen sie, dass der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sissi sie wohlwollender betrachtet. Und Ägypten, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate betrachten die Muslimbruderschaft allesamt als Terrororganisation.

In dem Dokument sagte die Hamas, dass sie bereit ist einen provisorischen Palästinenserstaat in den Linien von 1967 zu akzepteiren. Sie sagt aber nicht, dass sie bereits ist Israel jenseits dieser Linien zu akzeptieren.

Was diese Linie angeht, nehmen wir uns einen Moment, um uns zu erinnern, wie sie zustande kamen. Diesen Monat vor 69 Jahren erklärte Israel seine Unabhängigkeit innerhalb des Mandats Palästina, dem Territorium, das die Briten den Türken nach dem Ersten Weltkrieg abgenommen hatten. Der größte Teil dieses Territoriums war bereits zu dem geworden, was man als Jordanien kennt. Die UNO schlug vor den Rest in zwei Staaten zu teilen, einen jüdischen und einen arabischen. Die Israelis sagten, damit könnten sie leben. Die Araber sagten, sie würden das nicht tun.

Die Armeen von Ägypten, Syrien, dem Libanon und Jordanien drangen ein und versuchten den frischgebackenen jüdischen Staat zu vernichten. 1949 kam der Konflikt zu einem Stillstand. Die Waffenstillstandslinien hielten bis 1967, als ein zweiter Versuch unternommen wurde die Juden ins Meer zu treiben. Dieser Versuch schlug ebenfalls fehl und die Israelis hatten am Ende Ägypten den Gazastreifen und Jordanien die Westbank abgenommen. Seitdem haben sie versucht Land für Frieden einzutauschen. Sie haben offensichtlich keinen Erfolg damit.

Das neue Hamas-Dokument schließt weiterhin eine friedliche Koexistenz mit dem „Feind“ aus, der auch „das zionistische Projekt“ genannt wird. Es malt sich „die vollständige und komplette Befreiung Palästinas“ aus, „vom Fluss bis zum Meer“ – mit anderen Worten: jeden Zentimeter Israels. (Obwohl die Vorstellung, dass die Gazaner „befreit“ wurden, schlicht absurd ist.)

Genauso wenig distanziert sich die Hamas vom Terrorismus, den sie als „Widerstand“ schön redet; dazu vermerkt sie, dass sie „alle Mittel und Methoden“ – d.h. Selbstmord-Bombenanschläge, Kinder abstechen – als erlaubt und sogar als „durch göttliche Gesetze, Bräuche und das internationale Recht garantiert“ betrachtet.

Über das Wochenende ist die Hamas ein zweites Mal in die Nachrichten gekommen, als sie Ismail Haniyeh für die Position ihres obersten Führers benannte. Wenn er dem Beispiel seines Vorgängers Khaled Meschaal folgt, dann wird er jetzt aus dem Gazastreifen nach Qatar umziehen, wo er aus der relativen Sicherheit einer eleganten Hotelsuite in Doha herrschen wird.

Im Gazastreifen selbst wird Yahya Sinwar, Führer des militärischen Flügels der Hamas, die mächtigste Person sein; Journalisten beschreiben ihn oft als Hardliner. (Erwarten diese Journalisten wirklich, dass wir glauben, es gebe jihadistisch-terroristische Moderate?.

Man mag sich fragen: Was sieht der Standpunkt von Qatar aus? Als öl- und gasreiches Land an der Nordwestküste der Arabischen Halbinsel wird Qatar vom 36-jährigen Erb-Emir SCheik Tamim bin Hamad Al-Thani regiert. Er ist außergewöhnlich geschickt darin beide Extreme gegen die Mitte auszuspielen.

Er bietet der Hamas nicht nur eine Hauptstadt im Exil, sondern auch einen Großteil ihrer Finanzen. Er unterstützt weitere Organisationen der Muslimbruderschaft überall in der Region. Finanziers der Al-Qaida, der Taliban und anderer Terrorgruppen agieren offen in Qatar.

Gleichzeitig vermittelt der Emir rund um die Welt qatarische Blickwinkel – ein weniger höflicher Begriff wäre „islamistische Propaganda – über den vom Staat finanzierten internationalen Fernsehsender Al-Jazira.

Aber Qatar hat noch ein anderes Gesicht. Es ist Gastgeber der größten amerikanischen Militärbasis des Nahen Ostens. Es schießt amerikanischen Think Tanks Millionen Dollar zu. Und es bezuschusst verschwenderisch Satelliten-Campusse amerikanischer Universitäten, darunter Georgetown, Cornell, Carnegie Mellon, Northwestern, Texas A&M und Virginia Commonwealth.

Die Campusse befinden sich in „Education City“, wo die Hauptmoschee regelmäßig islamistische Kleriker auftreten. Zum Beispiel sagte Mudassir Ahmed letztes Jahr von der Kanzel: „Tötet die Ungläubigen … Zählt ihre Zahl und lasst nicht einen aus!“ Ein anderer Prediger rief Allah auf, er solle „die Brüder der Mudschaheddin … an jedem Ort siegreich sein lassen“ und „ihre Schüsse führen“.

Was sagen die Verwaltungen der amerikanischen Colleges zu all dem? Nicht ein einziges Wort. Wenn es um Islamisten geht, haben nur allzu viele Akademiker schon vor langer zeit den Kampf aufgegeben, das zu sehen, was sich vor ihren Nasen abspielt.

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